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Technik: Sonstiges

Die sprechende Statue des Isidor

Geheimwissenschaft im Mittelalter

Buch von Axel Ertelt
Buch von Axel Ertelt
Seit ich 1986 zum ersten Mal das hervorragend recherchierte Buch Die interplanetaren Kontakte des Albertus Magnus von Axel Ertelt gelesen hatte, war ich von der beschriebenen sprechenden Bildsäule des Albertus Magnus derart fasziniert, das ich mich die Thematik Mechanik und Roboter im Altertum und Mittelalter bis heute beschäftigt. Daher kann ich die erweiterte Neuauflage des Buches von Axel Ertelt nur jedem empfehlen zu lesen ! Bei meinen vielen Recherchen stieß ich auch berühmte und weniger bekannte Namen aus Europa, Asien und den arabischen Raum, und schrieb auch schon diverse thematische Beiträge darüber. Dabei war es immer wieder erstaunlich, das sich nicht nur Gelehrte und Wissenschaftler mit mechanischen Apparaturen, Golem´s (Androiden oder künstliche Menschen) und Roboter beschäftigten, sondern auch viele Geistliche bzw. Mönche. So wie z.B. die Dominikaner-Mönche Albertus Magnus oder auch Giordano Bruno, die Franziskaner-Mönche Roger Bacon oder auch Robert Grosseteste, sowie wie die Benediktiner-Mönche wie Hermannus Contractus oder Benedetto Castelli, um nur einige wenige zu nennen. Sie alle hatten nicht nur Zugriff auf verbotene Bücher der Kirche, sondern waren auch oftmals sogar als Übersetzer alter antiker und arabischer Bücher tätig. Sie waren für ihre Zeit neugieriger, begabter und offener für die alten Wissenschaften, als die meisten Gelehrten ihrer Zeit, die sie im Geheimen weiter führten. Zur Thematik widme ich diesen Beitrag diesmal Isidor von Sevilla, der eine sprechende Statue besessen haben soll, die mich an die sprechende Bildsäule des Albertus Magnus erinnerte, und die er selber als mechanica sculpture bezeichnete. Folgen Sie mir auf eine kurze aber spannende Reise der mittelalterlichen Geheimwissenschaften, auch wenn uns gewiss eine Portion Spekulation begleitet.

Isidor von Sevilla wurde um 560 in der antiken spanische Stadt Carthago Nova geboren, dem heutigen Cartagena, und verstarb am 4. April 636 in Sevilla. Er war nicht nur Bischof von Sevilla, Gelehrter, Schriftsteller und Übersetzer, sondern soll auch ein geschickter Handwerker für mechanische Geräte gewesen sein. Er war der genialer Schöpfer der 20.bändigen Enzyklopädie Etymologiarum sive originum libri XX für die höhere Bildung. In diesem Werk schrieb er das gesammelte vorhandene Wissen seiner Zeit nieder, darunter auch allgemeine Lehren und religiöse Texte. Dazu sammelte, studierte und übersetzte er auch viele antike Werke, insbesondere altgriechische Texte ins Lateinische. Mönche sollen dazu auch in seinem Auftrag fahrende Händler beauftragt haben, auf ihre Handelsreisen Bücher und Schriftrollen für Isidor aufzukaufen. Als Anhänger der Alexandrinischen Schule studierte er u.a. die gesammelten Werke von Heron von Alexandria, Archimedes und übersetzte arabische Werke. Er soll zu diesem Zweck eine umfassende kleine Bibliothek gehabt haben, die auch Secretum Cubiculum (Geheime Bibliothek oder geheimer Raum) genannt wurde, worin er auch einige Studenten unterrichtete, die alle Mönche waren. Die Bezeichnung ist ungewöhnlich, denn normalerweise beschreibt man eine Räumlichkeiten, wo ein actuarius (Schreiber) tätig ist als scriptorium (Schreibstube). Seine Studenten und Mönche halfen ihm beim Übersetzen und Schreiben, schließlich gab es noch keinen Buchdruck. Unter seinen besten Schülern war Braulio, der 631 Bischof von Sargossa wurde und danach Braulio von Saragossa hieß, der noch eine wichtige Rolle spielen wird. Er galt als engster Vertrauter Isidors.

Als Isidor verstarb und seine Enzyklopädie noch nicht unvollendet war, war es Braulio, der das Werk seines Meisters überarbeitete und veröffentlichte. Noch Jahrhunderte später waren Isidors Werke von Gelehrten so begehrt, das sich viele die Mühe machten, eigene Abschriften anzufertigen oder für Geld von Mönchen anfertigen zu lassen. Doch gab es auch Schreiber, die auch Werke von Isidor fälschten, um diese illegal und teuer zu verkaufen. Wer sich dazu für Fälschungen im Mittelalter informieren möchte, findet einige Hinweise unter den Namen Pseudoisidor. Doch konzentrieren wir uns nur noch auf die Mechanik der Alexandrinischen Schule, womit sich Isidor beschäftigt haben soll.

Das Geheimnis der sprechenden Statue

Es gibt anscheinend ein Geheimnis was die Person Isidors betrifft, denn nach seinem Tod soll es einen 21. unveröffentlichten Band oder zumindest einen unveröffentlichten Text gegeben haben und er soll an einer Sprechenden Statue gearbeitet haben, einem mechanischen Wunderwerk sowie über ein Wunderlicht, der ewigen brennenden Kerze verfügt haben. Man fragt sich, wie Isidor all die Zeit sich nehmen konnte, denn er war ja nicht nur als Bischof tätig, befasste sich nicht nur mit unterschiedlichen Wissensgebieten, schrieb Texte und Bücher, fertigte Karten wie die berühmte Mapa Mundi an, sondern soll sich auch mit der Mechanik der Alexandrinischen Schule beschäftigt haben. Hier wird es ein wenig spekulativ, weil man nicht abschätzen kann, ob die wenigen Hinweise nicht ausgeschmückt oder inhaltlich dramatisiert wurden, ob Braulio, der Isidor immer als Meister beschrieb, als Vertrauter Isidors Notizen machte oder jemand anders. Andere behaupten jedoch, und das scheint auch mir auch wahrscheinlicher, das später Wilhelm von Moerbeke (1215 - 1286), ein Dominikanermönch und Zeitgenosse von Albertus Magnus, der letzte war, der vermutlich eine gefundenen alten Text in einer Abhandlung neu verfasste. Wilhelm von Moerbeke war hochbegabt und ebenfalls ein hoch geschätzter Übersetzer antiker Schriften. Wie es zu dieser Zeit üblich war, hatte auch er, ähnlich wie Albertus Magnus, leichteren Zugriff auf verbotene Bücher und Texte. So standen ihm alte arabische, griechische und lateinische Werke zur Verfügung. Auch war er ein Mann der Tat, der antike mechanische Geräte nachbaute und verbesserte, wie das astronomia visual auxilium, eine Art Teleskop. So kann am Ende vermutet werden, das er diesen Text in seinem Sammelsurium von Büchern und Schriftrollen fand, und vielleicht auch etwas in der Länge ausschmückte. Hier also der einzige spärliche Hinweis von der sprechende Statue oder sprechenden Kopf des Isidor von Sevilla, aus einer Abhandlung die altum mechanica (Hohe Mechanik) hieß:

Als ich ein Knabe war, begann der Meister sein Werk und als ich ein Mann wurde, war das Werk vollendet und er nannte ihn Caligo (dunkel oder Nebel ?). Sein Kopf aus 12 Teile aus Metallen und anderen Dingen mit Zeichen der Magie und der Sterne eingeschrieben (?), das der Bindezauber (?) haftet, als wenn alle Teile wie geleimt wären (?). Der Kopf steht auf eine columna (Säule) und trägt einen Olivenzweig, so wie ein griechischer Gott. Seine Augen sind aus Glas und erleuchtet die ewige Kerze (elektrisches Licht ?) des Meisters, erwacht der Kopf mit einem fulgur (Blitz oder Strom ?) und seine Augen lebten. Sein Mund hat eine Öffnung und es kann daraus hören und sprechen und eingeschrieben steht 960. Erklärte ihm der Meister einige Worte in seinem (offenen Mund), gingen die Worte nicht verloren und es blieb in seinem Mund. Jeder wurde ein Teufels Werk sehen, so bleib es ein Geheimnis, das ihm der Meister einen Verstand und eine redende membrana (Stimme) gab, und kein Wort ging verloren. Einmal sah ich den Meister mit Caligo auf dem Dach, dieser redete im Überfluss, aber ich verstand ihn nicht. Der Meister erklärte, es ist das Licht der Sterne, ein Menschenalter reicht nicht, das ist der Bindezauber 960, mehr erfuhr ich nicht. Vor seinem Tod trug mir der Meister aus, das ich das Geheimnis verschweige, auch der Text altius mechanica (hohe Mechanik ?) soll nicht offen gelegt werden. Caligo und seine ewige Lampe sollen auf der Nachtfahrt mit schwarzen Tüchern aus Harz (?) verhüllt werden, damit er nicht erwacht (?), wie ich es schon viele Male getan hatte. So brachte ich als sein letzter Wille zur Abtei Bobbio (Nord-Italien) für die Ewigkeit (?).

Schlussgedanken

War es ein Art mechanischer Kopf aus Metall, der sich bewegen konnte, vielleicht durch eine Art Strom "angeschaltet wurde oder was könnte sonst mit der ewigen Kerze und den schwarzen Tüchern aus Harz gemeint sein. War im Kopf oder Mund vielleicht so etwas wie ein Wachszylinder der Worte aufnehmen und wiedergeben konnte, wie die ersten Schallplatten ? Was ist ein Bindezauber und was bedeutet die Zahl 960, das mit dem Licht der Sterne in Verbindung stehen soll ? Wurde der Text so kopiert oder verfälscht ? Aber am Ende scheint Isidor viele Jahre seines Lebens mit solch einer Apparatur beschäftigt gewesen zu sein, die er sogar einen Namen gab.

Es sind nur eine hypothetische Schluss-Überlegungen, aber ist es Zufall, das Albertus in Padua studierend vielleicht von dieser sprechenden Statue oder sprechenden Kopf erfuhr, nachdem es ihm Wilhelm von Moerbeke, auch ein Dominikanermönch, erzählte, der öfters nach Italien reiste ? Könnte er oder Wilhelm von Moerbeke oder sogar beide in dieser Abtei noch was gesucht und gefunden haben ? Oder ist es wahrscheinlicher, das Gerbert von Aurillac, auch als Gelehrter, Magier und späterer Papst bekannt, der ebenfalls diese Legende kannte und danach auch suchte ? Schließlich war er auch eine Zeit lang Abt von Bobbio. Gibt es eine Verbindung zwischen der sprechenden Bildsäule von Albertus, der sprechenden Statue von Isidor und dem sprechenden Kopf von Gerbert von Aurillac ?

Später gab es weitere interessante Persönlichkeiten, die sich mit den mechanischen Arbeiten von Isidor, Albertus Magnus und Leonardo da Vinci beschäftigten, dies waren u.a. Juanelo Turriano (etwa 1500 – 1585) er war ein bedeutender Uhrmacher, Mechaniker und Automatenbauer, genau wie seine deutschen Zeitgenossen Hans Bullmann aus Nürnberg sowie Peter Henlein aus Nürnberg. Alle konstruierten und bauten Uhren sowie mechanische Figuren. Von allen wird behauptet, das sie ebenfalls einen Roboter oder redenden Kopf gebaut haben sollen oder wollten, aber es gibt keine genauen übersetzten Aufzeichnungen darüber.

Bildnachweis:
  • Buch von Axel Ertelt: Axel Ertelt

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Schlüsselwörter: Roboter | Mittelalter | Albertus Magnus | Isidor von Sevilla | Geheimwissenschaft
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Kommentare

Alex Mais
am 08.09.2015 21:13:38 (84.159.250.xxx) Link Kommentar melden
Übrigens: Die aktuelle eBook-Fassung ist auf dem neuesten Stand. Die Print-Ausgabe ist beim Verlag bereits vergriffen. Mehr Infos zum Buch hier: http://www.amazon...xel+Ertelt
  • Geändert von OZ24 am 09.09.2015 07:23:06.
Wilfried Stevens
am 09.09.2015 10:13:46 (31.186.238.xxx) Link Kommentar melden
Vielen Dank für den Hinweis Alex ! Mir ist auch bisher kein anderer Autor bekannt, der so ausführlich und spannend über diese zum Teil schwierige Thematik in einem so guten Buch unterbrachte.

Manche können sich gar nicht vorstellen, wieviel Geduld und Zeit man aufbringen muss, wie auch bei meinen Recherchen, zu diesem Beitrag, um alte Handschriften zu sichten, ohne vorher zu wissen, wo man überall suchen muss, sei es z.B. in Universitäten oder Klöstern und wie das brauchbare Endergebnis sein wird. Deshalb mein Respekt für dieses arbeitsintensive und empfehlenswerte Buch. Übrigens verfügt die Uni Düsseldorf über eine der bedeutendsten Sammlungen mittelalterlichen Handschriften in NRW !

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