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Thailand-Kleiner Bambus in Klong Toey

Pate sein für eine bessere Zukunft eines Kindes

Kinder im Slum Klong Toeay-Bangkok
Kinder im Slum Klong Toeay-Bangkok
Dies ist eine kurze Geschichte über ein neunjähriges Mädchen

Die Geschichte von Nuh begann schon vor ihrer Geburt. Ihre Familie lebte im Nordosten (Isan) Thailands, in der kleinen Ortschaft Kusuman. Diese Region wird oft durch Dürren und Überschwemmungen heimgesucht. Die Großeltern hatten dort eine kleine Farm, bauten Reis und Gemüse an, besaßen voller Stolz zwei Büffel und einige Hühner. Wenn die Ernte gut ausfiel, konnten sie Gemüse auf dem Markt verkaufen. Ihr Vater war Bauer und ihre Mutter Grundschullehrerin. Sie besaßen ein kleines Häuschen, hatten genug zu Essen und lebten sehr bescheiden.

Eines Tages nahm die Tragödie seinen Lauf

Eine schlimme Dürre überraschte den armen Landesteil Isan, welche die ganze Ernte der Familie und ihrer Nachbarn vernichtete. So konnten sie nichts mehr zu Essen kaufen und konnten auch nichts auf dem Markt verkaufen. Das kleine Gehalt von Nuhs Mutter reichte nicht einmal aus, um die Familie zu ernähren. Schon gar nicht reicht es um Futter für die Büffel, Hühner und neues Saatgut zu kaufen. In ihrer Not nahmen sie schließlich einen Kredit mit hohen Zinsen bei einem Kreditvermittler auf. Sie verpfändeten beide Büffel. Mit dem Geld überbrückten sie die schwere Zeit. Vom Gehalt der Mutter bezahlten sie dann den Kredit ab. So lebten sie noch bescheidener und hofften auf eine bessere Zeit mit einer guten Ernte. Doch die Dürrezeit hielt an…

Dann wurde Nuh geboren und das wenige verbliebene Geld musste nun auch für Milch ausgegeben werden. Nur vier Wochen nach der Geburt ging ihre Mutter bereits wieder arbeiten und die Großmutter versorgte Nuh. Ihr Vater bemühte sich vergeblich um einen Aushilfsjob. Selten gab es Arbeit auf den Feldern und wenn, dann wurde sie schlecht bezahlt. Wieder mussten sie Geld vom Kreditvermittler annehmen, und verpfändeten dafür ihr Haus. Als die nächste Ernte wieder schlecht ausfiel bekamen sie keinen weiteren Kredit mehr. Sie mussten das wenige was sie noch hatten verkaufen, um den Kredit zurück zu bezahlen. Schließlich besaßen sie nur noch zwei Koffer mit ein paar Kleider, einige persönliche Sachen und wenig Geld. In ihrer Aussichtslosigkeit versuchten sie in der Hauptstadt Bangkok, Arbeit und einen glücklichen Neuanfang zu finden.

In Bangkok lebte auch schon lange die Schwester von Nuhs Mutter. Sie war einst weggezogen, um eine bessere Zukunft in Bangkok zu finden. Die hektische Metropole Bangkok war ihnen fremd. Trotzdem ist es ihnen gelungen, die Schwester zu finden. Sie lebte im Distrikt Klong Toey, im Armenviertel von Bangkok in einer kleinen herunter gekommenen Wellblechhütte. Aus Scham hat sie ihrer Schwester im Nordosten nie geschrieben, wie schlecht es ihr ginge. Sie verdiente im Hafen gerade 150 Baht am Tag, zu wenig um Träume zu verwirklichen. Selbstverständlich nahm die Tante die ganze Familie bei ihr auf. Alle lebten von diesem Tag an zusammen in einem engen Raum, was sollten sie auch sonst machen. Zurück konnten sie nicht mehr….

Für die Großeltern war es überhaupt nicht mehr möglich irgendeine Arbeit zu finden. Nuhs Eltern fanden nur schlecht bezahlte Hilfsjobs, einmal in einer Hotelküche oder ein andermal auf dem Markt. In Bangkok lebten sie, im Gegensatz zu ihrer Heimat im Isan, in einer noch kleineren Hütte. Sie verdienten gerade soviel, um zu Überleben. Nuhs Mutter versuchte als Lehrerin einen Job zu finden, doch ihre Referenzen genügten nicht und ihre Herkunft machte es ihr auch nicht leichter. Es gab einfach keine freie Lehrerstelle. Die Enge in der kleine Wellblechhütte, die große Armut, die harte schlecht bezahlte Arbeit, stellte die Familie vor eine harte Probe. Der Druck und der Überlebenskampf waren zu groß. Die Familie zerstritt sich, der Vater von Nuh fing an zu trinken. Als Nuh 4 Jahre alt war, hielten es ihre Eltern einfach nicht mehr aus und gingen weg. Sie kamen nie mehr zurück. Die Tante sorgte sich von diesem Tag an ganz selbstverständlich zusammen mit den Grosseltern um Nuh. Das Kind half so gut es ging mit, frühmorgens auf dem Markt Gemüse und Blumen für den Verkauf zu sortieren. So wuchs Nuh ab ihrem 4. Lebensjahr ohne Eltern in großer Armut auf. Das Haus in dem sie lebten, ist doch eher ein kleiner Raum mit vier Wänden und einem Fenster. Richtige Wände sind es eigentlich nicht, denn nur die Rückseite zum Nachbarn ist aus kleinen Ziegelsteinen. Die anderen Wände bestehen aus vielen alten Holzbretter und Wellblech. Im Raum befinden sich zwei alte Matratzen, auf der einen schlafen die Großeltern und auf der anderen Nuh mit ihrer Tante. In einer Ecke stehen der recht betagte Gasherd sowie ein paar alte Töpfe und eine Pfanne.

Als Nuh größer wurde, begriff sie, wie schwer das Leben ihrer Familie ist. Ihr Großvater konnte nicht mehr gut sehen. Sie hatten aber kein Geld, um in einem Krankenhaus seine Augen untersuchen zu lassen. Ihre Oma war noch sehr rüstig. Sie kochte für die ganze Familie, wusch die Wäsche und hielt das kleine Haus sauber Sie wich Großvater nie von der Seite. Ihr ganzes Glück waren einige Blumenkübel, worin sie einige Kräuter und Gemüse wachsen ließ. Es gab jeden Tag Reis mit Gemüse, selten Fleisch oder Fisch. Die Tante von Nuh war noch jung und durch ihre harte Arbeit auf dem Markt und im Hafen sind ihre Hände rau geworden, ihr Gesichtsausdruck wirkt immer müde und traurig, aber immer wenn Nuh zu ihr kommt, sieht man ein leichtes Lächeln bei ihr. Mit dem wenigen Geld, welches die Tante verdiente, konnte Nuh die Schule besuchen. Sie hoffte, dass es Nuh mit einer guten Schulbildung einmal besser haben wird. Sie machte sich große Sorgen um das Kind und liebte es wie ihr eigenes. Sie träumte davon, den Slums entkommen zu können, eine bessere Arbeit zu finden. Als Nuh ihren siebten Geburtstag feierte, bekam Nuh eine Puppe geschenkt. Diese, ihr einziges Spielzeug, hütete sie wie einen Goldschatz.

In ihrer Sorge und Not um das Kind wendete sich die Tante dann an die Hilfsorganisation Dang Prateep Foundation in Klong Toey, kurz bevor Nuh acht Jahre alt wurde. Die Hilfsorganisation bietet seit Jahren eine breite Unterstützung für Kinder in Not. Frau Surawan, eine hilfsbereite Mitarbeiterin der Hilfsorganisation hörte sich die Sorgen der Tante an. Khun Surawan erzählte der Tante und Nuh von einem Projekt in Kooperation mit ausländischen Hilfsorganisationen. In diesem Projekt versuchte man Paten zu finden, die bereit wären, die Kinder finanziell zu unterstützen. Die Unterstützung sieht vor, dass die Paten das Schulgeld inkl. der notwendigen Kleider von monatlich 1000 Baht übernehmen, plus ein freiwilliges Taschengeld zur Verfügung stellen. Die Hilfsorganisation führte diesbezüglich aber eine lange Warteliste von Not leidenden Kindern. Die Chancen seien nicht groß, aber es wäre eine Möglichkeit, die man versuchen sollte. Von Nuh wurden Fotos gemacht, zusammen mit den Personalien verschwanden die Angaben in der Kartei der Hilfsorganisation. In einem Gespräch mit der Tante, Nuh und Khun Surawan Nuh meinte Nuh, dass es schön wäre einen Paten zu finden. Sie würde auch fleißig lernen. Frau Surawan fragte Nuh, was sie den für Wünsche hätte. Sie antwortete spontan, dass sie für die Familie ein Haus kaufen möchte, ihrem Opa könnte die Augen operiert werden, ihrer Oma würde sie einen eigenen Gemüsegarten anschaffen und ihre liebe Tante soll nicht mehr so hart arbeiten müssen. Auch wünschte sie sich und ihrer Familie, immer genug zu Essen..

Die Zeit verging, unzählige Male sah Nuh neugierig aus dem Fenster, ob die nette Frau, Khun Surawan wieder kommen würde. Es vergingen viele Monate und in der Schule gehörte Nuh bald zu den besten Schülerinnen. Die Tante war sehr stolz auf sie. Nuh und ihre Tante gingen viel in den Tempel um zu Beten und um Glück zu Bitten. Nuh fragte sich auch oft, warum sie die Eltern verlassen haben. Die Hoffnung, einen Paten zu finden, schwand mit jedem Tag. Heimlich sah Nuh öfters, das ihre Tante weinte, wenn sie alleine vor dem Buddha betete. Als Nuh 9 Jahre alt wurde, konnte sie keinen Geburtstag mit ihren Freunden feiern. Ihnen fehlte das Geld für eine kleine Geburtstagsparty. Nur mit großer Mühe hatte die Tante etwas Geld zur Seite legen können und kaufte Nuh eine neue Hose und ein neues Hemdchen. Von den Großeltern bekam sie 20 Baht geschenkt, ein Vermögen. An diesem Tag der Freude, saßen alle zusammen und aßen den feinen Reiskuchen von Großmutters Kochkünsten. Das war ein besonderer Tag, der etwas Licht in das kleine Haus brachte. Abends, an ihrem neunten Geburtstag, als alle schon schliefen, ging Nuh leise zum Buddhaaltar im Haus und betete wie sie es von ihrer Tante her kannte. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie soviel Geld, davon kaufte sie eine Blumengirlande. Sie bat Buddha um Hilfe, sie möchte viel lernen um später viel Geld verdienen zu können. Nach dem Gebet legte sie die Blumengirlande auf dem Buddhaaltar und ging nachdenklich zu Bett.

Über ein Jahr waren vergangen, bis Frau Surawan wieder kam. Das kleine Herz von Nuh klopfte aufgeregt, sie spürte, dass mit diesem Besuch ihr Leben verändern wird. Frau Surawan teilte freudig mit, dass sie eine gute Nachricht mitgebracht hätte. Sie hätten einen Paten für Nuh gefunden. Der Pate käme aus Deutschland und ist bereit, ab sofort das Schulgeld für Nuh zu übernehmen. Nuh lächelte und die Tante weinte vor Aufregung. Auch würde sie sogar ein kleines Taschengeld bekommen. Zum Abschluss sagte Frau Surawan, Nuh soll doch einen Brief für ihren Paten schreiben, damit ein erster Kontakt hergestellt werden kann. Die Hilfsorganisation würde den Brief dann ins Englische übersetzen und dem Paten weiterleiten.

Die Freude war riesig

Das Mädchen war über glücklich und sehr aufgeregt. Sie überlegte sich dauernd, was sie wohl in dem Brief schreiben soll. Gleich tags darauf, half ihr die Tante einen Brief zu schreiben. Im Brief bedankte sich Nuh, dass ihr Pate sie gefunden hätte. Sie erzählte, dass sie in der Schule fleißig ist und das sie in einem kleinen Haus in Klong Toey lebten. Sie vertraute ihm vieles an, obwohl sie ihn gar nicht kannte. Sie schrieb weiter von ihren Träumen, dass sie viel lernen möchte um später viel Geld verdienen zu können. Sie erzählte auch, von dem Häuschen welches Sie für ihre Tante und ihre Grosseltern bauen möchte, vom Opa welcher operiert werden muss und vom Gemüsegarten für ihre Oma. Zum Schluss fügte sie ein neues Foto von sich bei. Auf dem Bild zeigte sie sich stolz mit ihrer einzigen Puppe. Sie erwähnte aber nicht, dass sie nur eine Puppe besaß. Nach nur vier Tagen kam der Brief beim ihrem Paten „Peter“ an. Peter kannte Thailand sehr gut, er ist selber mit einer Thaifrau verheiratet und hatte auch Kinder. Er kennt die Armut und die Hoffnung der armen Menschen in Klong Toey. Nachdenklich hat er den Brief von seinem neuen Patenkind Nuh gelesen. Er schrieb ihr bereits einen Tag später in einem offenen Brief zurück:

Hallo Nuh

Ich habe mich über Deinen Brief sehr gefreut und jetzt bin ich wie Du ganz aufgeregt, was ich dir wohl antworten könnte. Über dein Foto habe ich mich sehr gefreut, es ist ein schönes Geschenk von dir, das bei uns einen ganz besonderen Platz bekommt. Es ist auch schön, dass du mir deine Familie vorgestellt hast und wie du lebst. Jetzt haben wir beide viel Zeit, um uns immer ein wenig besser kennen lernen zu können. Dann werden wir beide Vertrauen finden und uns alles erzählen können. Deine Wünsche sind sehr lobenswert, deshalb gebe ich dir ein kleines besonderes Geschenk für Dich.

Du bekommst von mir jeden Monat Taschengeld, mit dem Du sorgsam umgehen sollst. Kaufe vom ersten Taschengeld einen kleinen Bambusbaum für deine Familie. Nenne diesen Bambus suk djai, das bedeutet glückliche Stimmung. So wie der Bambus suk djai bei euch stehen wird, so bin ich auch immer in Deiner Nähe und lasse Dich nicht im Stich. So wie der junge Bambus wachsen und stark sein wird, so wirst auch Du wachsen und stärker werden. Deine Wünsche sollen eines Tages in Erfüllung gehen. Deshalb pflege ihn gut und gebe ihm immer ausreichend Wasser. Die ist ein Geschenk von mir für Dich, damit Du jeden Tag den Bambus siehst und es nicht vergisst, das ich Dir helfe, das Du Deine Ziele erreichen kannst.

Dein Patenonkel Peter

Als Nuh den ersten Brief ihres Paten bei Frau Surawan lesen durfte, freute sich Nuh sehr und war überglücklich. Nuh sagte, dass sie bald den jungen Bambus kaufen wolle und ihn gut pflegen würde. Nuh kaufte von ihrem ersten Taschengeld, zusammen mit ihrer Tante, einen schönen jungen Bambus, stellte Nuh ihn neben ihre Matratze. Abends bevor sie schlief, sagte sie zum jungen Bambus:

Ich werde gut auf Dich aufpassen, wie Du auch auf mich aufpassen wirst!

Nuh hat gelernt, niemals die eigenen Träume und Wünsche aufzugeben!

Vielleicht trägt diese wahre Kurzgeschichte dazu bei, dass möglichst viele Menschen auf dieser Erde ihr Herz zu öffnen. Wie Buddha es lehrt mit Warmherzigkeit anderen Menschen in Not zu helfen. Mögen noch viele junge Bambusbäumschen (Warme Herzen) verschenkt werden.

Nach der Schule konnte Nuh eine Ausbildung als Verkäuferin machen, fand eine gute Arbeit und hat bis heute ihr eigenes Einkommen.

Bildnachweis:
  • Kinder im Slum Klong Toeay-Bangkok: Wilfried Stevens

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Schlüsselwörter: Klong Toey | Armut in Thailand | Patenschaft | Hilfe für Kinder
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