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Sonstiges: Kultur & Religion

Thailand - Kin Jae oder das Phuket-Vegetarier-Festival

Spektakuläres Fest im Land des Lächelns

Gläubiger in Trance
Gläubiger in Trance
Regelmäßig jedes Jahr, in der Regel im Monat Oktober, findet das neuntätige Vegetarier-Festival von Phuket statt. Es wird als eines der buntesten und bizarrsten Feste Thailands bewertet.

Zu Beginn dieser Veranstaltung unterziehen sich viele chinesisch stämmige Bewohner einer neuntätigen, strengen Diät und kleiden sich in reines Weiß. In dieser Zeit sind Alkohol, Spiel, Sex, Streit und Lügen zu vermeiden. Auf diese Weise sollen Geist und Körper von Unreinheiten befreit werden. Was dann folgt, kennt man wahrscheinlich nur aus dem indischen Raum: In tiefer Trance und Konzentration gehen Teilnehmer über glühende Kohlen, durchbohren sich Wangen, Rücken oder Arme mir Haken und Messern. Einige besteigen barfuß mit messerscharfen Klingen besetzte Leitern, andere wiederum laufen über spitze Nägel und Glasscherben oder liegen stundenlang auf scharfkantigen Tonscherben. Es gibt sogar einen Mann, der sich jedes Jahr die Zungenspitze abschneidet, sie in der Prozession vor sich herträgt und danach wieder ansetzt. Angeblich verheilt die Zunge jedesmal innerhalb weniger tage, ohne daß Spuren zurückbleiben.

Nie sah man Blut fließen - dank der Schutzgeister, die angerufen wurde und in einigen Fällen schon über eine seltsame und ungeheure Macht verfügen müssen. Ein gigantisches Feuerwerk am letzten Tag, wobei neben den Thai-Chinesen, die dieses Fest veranstalten, auch viele andere Thais teilnehmen, begleitet die Schutzgeister dann zurück in ihren Himmel. Gleichzeitig werden auch die bösen Geister vertrieben.

Riten aus dem 19. Jahrhundert

Der Ursprung dieser Veranstaltung geht auf die Mitte des 19. Jahrhundert zurück. Früher lebten im Khatu-Distrikt von Phuket viele chinesische Arbeiter, die hart in den Zinnminen arbeiteten. Trotz des besseren Verdienstes als im eigenen Heimatland hatten sie alle Heimweh. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen und das feuchte, heiße Klima sorgten für Fieber-Epidemien. Als schließlich eine chinesische Theatergruppe davon erfaßt wurde, glaubte man, daß die geister dies aus Rache täten, weil die alte Riten vernachlässigt wurden.

Ein alter chinesischer Brauch wurde eingeführt. Die Schauspieler unterzogen sich einer fleischlosen Diät und improvisierten einen Ritus der Selbstgeißelung, um die Geister wieder zu besänftigen. Wie durch ein Wunder gesundeten alle Erkrankten und man beschloß, jedes Jahr diese Zeremonie zu wiederholen. Extra dazu wurden verschiedene rituelle, heilige Gegenstände aus China geholt, deren Beschaffung fast drei Jahre gedauert haben soll. Zusammen mit den Büchern, die die rituellen Anweisungen enthalten, wird dies in einem Schrein aufbewahrt.

Den Ursprung in China umranken verschiedene Legenden. So waren einst die neun Schutzgeister ursprünglich neun chinesische Kaiser, die 45.600 Jahre geherrscht haben, und auf Rat eines Weisen Vegetarier wurden und das Kriegsführen einstellten. Nach anderen Versionen waren es neun Herrscher, die durch ein magisches Schwert enthauptet wurden, wonach weißes Blut aus ihren Rümpfen floß und die Köpfe gen Himmel flogen.

Das Vegetarische Fest beginnt am letzten Tag des achten Mondmonats des chinesischen Kalenders. In einer nächtlichen Zeremonie werden die "kiu ong iah" angerufen. Das sind die neun "Kaiser-Götter", die als Schutzpatrone des Festivals gelten, das in den fünf größten und wichtigsten chinesischen Tempeln von Phuket stattfindet, beginnt nach einer rituellen Reinigung der Heiligtümer. Vor diesen Heiligtümern aufgestellte Pfeiler sollen den Schutzgeistern für die Dauer des Festes als Wohnsitz dienen. Dann bringt man ihnen Opfergaben dar: Gemüse, Obst und Süßigkeiten. Die chinesischen Restaurants von Phuket servieren zu dieser Zeit nur vegetarische Speisen.

Prozessionen von Festteilnehmern ziehen unter dem ohrenbetäubenden Klang von Schellen, trommeln und Gongs durch die Straßen der Innenstadt. Dabei tragen sie Sänften, auf denen die Figuren oder Bilder von wichtigen chinesischen Göttern gesetzt sind.

Thailand ist auch ein Land der Geister, der Magie und des Phantastischen. Diejenigen sind gewarnt, denen alles absurd vorkommt, die nach "Tricks" suchen oder gar nur von Humbug sprechen. Die geister sind allgegenwärtig und ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, daß es viele Dinge gibt, die absolut real sind, und mit denen man auch unangenehm konfrontiert werden kann. Das thailändische Fernsehen hat übrigens schon Bilder von westlichen Besuchern gezeigt, die nur "faule Tricks" vermutet haben und dann zum Beispiel barfuß mit messerscharfen Klingen besetzte Leiter bestiegen. Danach waren die Füße zerschnitten und die letzten Interviews mit diesen "Wagemutigen" fanden im Krankenhaus statt.

Solche Veranstaltungen haben teilweise einen sehr alten Ursprung, und sind immer ein lohnendes Erlebnis für jeden Besucher. Egal, was Sie auch von alledem persönlich halten mögen, sich das ganze einmal original anzuschauen ist einmalig.

Bildnachweis:
  • Gläubiger in Trance: Wilfried Stevens

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Schlüsselwörter: Vegetarier-Festival | Phuket | Thailand | Geister
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