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Sonstiges: Reise

Thailand - Impressionen auf dem Land

Erinnerungen aus dem Jahr 2000...

Haus am Kanal 12
Haus am Kanal 12
Reiserlebnisse sind etwas Schönes. Im Jahr 2000 machten wir wieder einen Familienbesuch und Erholungsurlaub, auch um dabei wieder vieles sehen und erleben zu können. Wie üblich habe ich Tagebuch geführt und viele Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen niedergeschrieben. Es dürfte auch für unsere Leser interessant sein, welche Eindrücke man außerhalb der Touristenzentren erlebt, dort, wo noch immer 70 % der Bevölkerung lebt: auf dem Land. Hier einige Auszüge aus dem Tagebuch...

Ankunft in Thailand

Gegen 8.00 Uhr morgens Bangkoker Zeit kamen wir am Flughafen an. Die Abfertigung lief zügig und bald danach sahen wir zahlreiche Verwandte, die uns bereits erwarteten. Nach einer herzlichen Begrüßung fuhren wir mit dem Auto nach Nong Chok, unser Aufenthaltsort mitten auf dem Land in unmittelbarer Umgebung unserer Familie. Der kleine Ort Nong Chok mit seinen rund 13.000 Einwohnern (2000) liegt rund 20 km östlich vom Zentrum Bangkoks. Während der Fahrt sah man in der Hauptstadt schon die beginnende Lebendigkeit der Metropole, wie Angestellte zu ihrem Büro und Schüler in teils überfüllten Bussen zur Schule fuhren, Geschäfte ihre Rolladen öffneten, Marktstände aufgebaut wurden und schon etliche Autos unterwegs waren. Noch war es relativ ruhig um diese Uhrzeit, was sich jedoch innerhalb einer Stunde schlagartig ändern kann. Dank des noch wenigen Verkehrsaufkommens und einer neuen Nebenstraße, sparten wir Zeit und Kilometer, und erreichen nach weniger als einer Stunde Nong Chok. Da wir noch nicht gefrühstückt hatten, hielten wir hier, und kauften einige Lebensmittel ein. Das Angebot wird selbst in einer kleinen Stadt wie Nong Chok von Jahr zu Jahr größer, so daß man nichts mehr aus Deutschland mitnehmen braucht. Wie sich doch die Zeiten ändern! Vor etwa 12 Jahren mußten wir Lebensmittel wie Marmelade, Kaffee, Kakao und sogar Butter in einer Kühlbox, haltbare Wurst und einiges mehr mitnehmen, da sonst nur in einigen größeren Orten oder Bangkok erhältlich. Endlich am Klong Zip Song (Kanal 12) angekommen, wurden wir von weiteren Verwandten und Nachbarn begrüßt, brachten das Gepäck auf die beiden Zimmer, die wir zur Verfügung hatten und die gekauften Lebensmittel wurden in der Küche verstaut. Die meisten Verwandten waren entweder schon arbeiten, sei es auf den Feldern oder in der Stadt, oder mußten noch zur Arbeit, so waren wir zunächst einmal alleine. Genügend Zeit, um kurz zu Duschen, die Klamotten zu wechseln und ausgiebig zu frühstücken. Zu Erklärung: die Region ist von etlichen kilometerlangen Kanälen durchzogen, an denen viele Familien wohnen, daher hat jeder Postbote, der per Boot je einen Kanal abfahren muss, einige zu tun, den als Adresse gibt es nur die Kanal-Nr. und der Familienname.

Nong Chok näher betrachtet

Die erste Woche war nur für Nong Chok und kurze Ausflüge geplant. So wollten wir die erste Woche dazu nutzen, mehr mit der Familie zusammen zu sein und den Alltag gemeinsam auf uns einwirken zu lassen, aber auch Nachbarn kurz zu besuchen und einiges in Nong Chok zu erledigen. Das ist die beste Gelegenheit, das neueste über Nong Chok und die Menschen zu erfahren. Der Alltag in Nong Chok hat sich , gegenüber den vorherigen Jahren, noch kaum geändert. Noch immer ist diese kleine Region zu etwa 75 % landwirtschaftlich geprägt, wobei entsprechend die meisten auf den Reis- und Gemüsefeldern arbeiten, einige von Fischzucht leben oder eine Entenfarm betreiben, wiederum andere es mit Garnelenzucht versuchen. Dazu kommen die Betreiber der Reismühlen, die Mechaniker und Fahrer für die Pflug- und Landmaschinen und etliche Landarbeiter, die sich hier ihr tägliches Zubrot verdienen. Mit einem Tagelohn von 150 - 200 Baht kann sich jeder ausrechnen, wie viel ein(e) Landarbeiter(in) verdienen kann. Wer mehrere Funktionen ausüben kann bzw. entsprechende Kenntnisse z.B. als Fahrer, Mechaniker und Landarbeiter in einer Person hat, kann schon auf 300 Baht pro Tag kommen. Da das Geld meisten nicht ausreicht, verdienen sich besonders die Frauen ein Zubrot für die Familie dadurch, das sie selbst gezogenes Gemüse oder Fisch in den frühen Morgenstunden auf dem Markt verkaufen. Ein mühseliges Geschäft gegenüber den professionellen Markthändlerinnen. Aber immerhin arbeiten die anderen 25 % der Erwerbstätigen in eigenen Geschäften oder als Verkäufer(in), auf dem Markt, in der Verwaltung, als Fahrer, im Krankenhaus, in den Schulen und den umliegenden modernen Fabriken und Lagerhallen. Auch wurden innerhalb von nur zwei Jahren rund 200 neue Einzelhandelsgeschäfte und über 1.000 neue Wohnungen aus dem Boden gestampft, da nicht nur Nong Choks Bevölkerungszahl wächst, sondern auch immer mehr Menschen aus den noch kleineren Nachbarstädten und Dörfern ihr Glück hier versuchen.

Der Bildungsstand der jüngeren Generation nimmt weiter zu, und immer mehr junge Leute streben höhere Berufe an, wobei immerhin schon ca. 80 % eine weiterführende Schule besuchen können bzw. die Möglichkeit haben eine Ausbildung anzufangen, um später nicht nur einen qualifizierten Abschluß zu haben, sondern auch eine bessere Verdienstmöglichkeit. Eltern, wenig verdienen oder sogar arm sind, erhalten staatliche Zuschüsse, jedoch meistens nur für die Grundschulzeit, trotzdem haben es solche Familien nicht leicht, über die alltäglichen Runde zu kommen. Auch der Einzug von Computer und Computerwissen wird in den Schulen, trotz beschränkter Mittel und Ausstattung, immer mehr gefördert. Die kleine Universität von Nong Chok hebt ebenfalls erheblich das Bildungsniveau. Vom erhöhtem Bildungsstand zeugen auch die neuen Lagerhallen, Bürogebäude und Produktionsstätten, die in der Region ansässig geworden sind, insbesondere auch mit dem Hintergrund, das hier qualifiziertes Personal zu finden ist, aber auch, weil die Verkehrsanbindungen nun optimal ausgebaut wurden. Ich schätze, daß infolge dieser kontinuierlichen Entwicklung in Nong Chok in ca. 10 Jahren nur noch 50 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig sein wird.

Besuch in der Brotfabrik

Nach drei Tagen ergab sich die Gelegenheit die Brotfabrik am Klong Zip Song zu besichtigen. Obwohl im Laufe der Jahre schon öfter von außen gesehen, ergab sich bisher nie die Gelegenheit, diese auch zu besichtigen. Seit einiger Zeit gab eine neue junge Geschäftsführung, die alles so weit modernisiert hatte, daß dieses unscheinbare Gebäude, größtenteils von hohen Gräsern umgeben, praktisch im Umkreis von 20 km fast jedes Geschäft und Privathaushalte mit bestem Brot und Gebäck versorgt. Eigentlich ist der Begriff Brotfabrik vielleicht etwas überdimensioniert, da das Gebäude nur rund 400 qm Fläche einnimmt und zugleich auch Wohnraum für eine fünfköpfige Familie enthält. Kurzum: An diesem Tag, es war schon abends, wurde einfach mal gefragt, ob man etwas Brot kaufen könnte und ein Farang (Bezeichnung für Ausländer) die Herstellung sehen dürfte. Man winkte uns freundlich herein. Vom Besitzer geführt und an den vier kläffenden Wachhunden vorbei, ging es über einen Vorhof direkt zum Zentrum der Herstellung. Mit Stolz zeigte mir der Besitzer die vier relativ neuen Öfen und die bereits frisch gefertigten Backwaren, die verführerisch dufteten. Die sechs Angestellten, davon vier Familienangehörige, schauten mich freundlich mit neugierigen Augen an. Na, welcher Farang interessiert sich schon für eine kleine Brotfabrik, mögen sie vielleicht gedacht haben. Der Raum, wo die vier Öfen standen, war etwa 70 qm groß. Überall sah man frisch gebackenes Weißbrot, Toast, Gebäck mit Früchten oder auch ein Brot mit einer Creme durchzogen, sogar eine Art Butterzopf und Mürbchen gab es hier. Der Besitzer erklärte uns, da in diesem Raum und in einem weiteren, der jedoch nur tagsüber genutzt würde, pro Tag bis zu 5.000 Stück unterschiedlicher Backwaren gefertigt werden können. Am Ende kauften wir einen ganzen Korb Backwaren, gefüllt mit mehreren Broten, Mürbchen und Gebäck für die ganze Großfamilie. Als Bonus bekamen wir einen Schoko-Toast geschenkt. Der Teig dieser Toastart war mit einer Art Kakaomischung durchzogen, und schmeckte uns als gut.

Das Leben auf dem Land

Ich wies ja bereits darauf hin, daß diese Region noch ziemlich landwirtschaftlich geprägt ist. Da z.B. der Preis für Reis oftmals starken Schwankungen unterworfen ist, und ein notwendiger Einsatz von Arbeitskräften, wenn es eine einzelne Familie nicht alleine schafft die Reisfelder zu bewirtschaften, verringern den möglichen Gewinn beträchtlich. Dazu kommen die Kosten für die Reismühle, um den anschließend verpackten Reis auch verkaufen zu können, Düngemittel und Pflugmaschine, die oftmals gegen Bares ausgeliehen werden müssen, oder die man gegen Kredit gekauft hat. Dies veranlaßte die Reisbauern von Nong Chok schon vor 10 Jahren, eine Art Bauern-Vereinigung zu bilden. So bewirtschaftet man praktisch heute alle Reisfelder zusammen, so das immer genügend Arbeitskräfte und Maschinen vorhanden sind, und somit die Kosten insgesamt verteilt und für jeden Einzelnen verringert werden konnten. Alles in allem hat sich dieses System bis heute bewährt, kaum einer hat wegen finanzieller Engpässe aufgeben müssen. So wurden auch im Laufe der Jahre, im gegenseitigen Einvernehmen, Fisch- und Entenzucht intensiviert, weitere Gemüseanbaufelder geschaffen und neue Bewässerungssysteme angeschafft. Auch der tägliche Kampf mit Schädlingen, wie z.B. gegen die Reis-Wasserschnecke, die sich von jungen Reispflanzen ernährt und sich so schlagartig vermehrt, daß innerhalb kurzer Zeit bis zu 30 % einer Reisernte vernichtet werden kann, kann man nur gemeinsam mit Arbeitskräften und Chemikalien Herr werden, was wiederum Zusatzkosten verursacht. Beim Obst sind es die Insekten, die bis zu 50 % einer Ernte vernichten können. Und weil man immer mit solchen Verlusten und Zusatzkosten rechnen muß, bleibt vielen Familien gar nichts anderes übrig als sich eine Nebenerwerbsquelle zu suchen. Auch wenn die Lebensumstände schon bescheiden sind und man sich einschränkt, sind viele Landarbeiter(innen) darauf angewiesen, neben der kör-perlichen Arbeitskraft den Lebensunterhalt der Familie auch mit eigens angebautem Gemüse und Obst, diversen gekochten Süßigkeiten oder Fisch zu unterstützen, die man mit wenig Gewinn auf dem nahen Markt, im übrigen eine Frauendomäne, verkaufen kann, sofern man es nicht zum Eigenverzehr nutzt. Dabei arbeiten die Frauen hier genauso hart wie die Männer. Bei durchschnittlich 30 Grad ist die Arbeit wirklich hart. Man trägt Hut und oft die blauen, fast unverwüstlichen Leinenhemden und -hosen. Am Anfang der Reisernte, wenn die Setzlinge mehre Stunden lang verteilt wurden und man ebenso lange im Wasser steht, hat man abends Rückenschmerzen. Beim Reiserntenende, wenn der Reis geschnitten wird, schützt man das Gesicht vor den juckenden Reishalmen, manche tragen sogar einen Hut mit Fliegennetz. Hier ist nicht der Trend braun zu werden, sondern sich vor der Sonne zu schützen. Ob bei der Arbeit auf den Feldern, fast immer gibt es nur Reis und Gemüse, selten Fisch, noch seltener Fleisch. Da man durch Reisanbau allein kaum noch eine Familie finanziell versorgen kann, außer, man verfügt über große Anbauflächen, suchen besonders junge Leute immer öfters einen Job in den umliegenden Fabriken und Firmen, manche versuchen ihr Glück als Geschäftsmann, einige ziehen nach Bangkok.

Welche Verdienstmöglichkeiten bietet der Reisanbau?

Je nach Marktlage und Reissorte erhält man zwischen 25 - 35 Baht je Kilo Reis, was gerade mal 0,65 - 0,90 EUR entspricht. Meistens liegt der Durchschnittspreis aber nur bei 30 Baht je Kilo. Wer meint, daß wäre viel, sollte folgende Relation betrachten: Ein Rai (Acker) entspricht exakt 1.600 m². Die meisten Reisbauern bewirtschaften ihre Flächen soweit gemeinsam, um die Mietkosten von Pflugmaschinen und Reismühle (für mehrere 1.000 Kilo Reis), den Kauf von Dünger und das Verpacken in Säcke zu teilen und möglichst keine Wanderarbeiter oder andere Hilfskräfte für die Bewirtschaftung einstellen zu müssen. Dies ist ein enormes Einsparpotential. Hier verfügt z.B. jeder Reisbauer im Schnitt, sei es eigenes Land oder angemietetes, über 5 - 10 Rai, also 8.000 - 16.000 m², an Reisanbaufläche. Wenn man nun berücksichtigt, daß im Durchschnitt 10 % der Anbaufläche durch Schädlinge oder andere Gründe vernichtet werden, wird in der Erntezeit, bei besten Bedingungen, eine Reismenge von etwa 100 - 125 g je m² geerntet. Dies entspricht pro Rai eine mögliche Erntemenge von 160 - 200 kg. Und da jede Familie natürlich auch einen längerfristigen Eigenbedarf an Reis hat, muß man von dieser geernteten Menge ca. 30 % wieder abziehen, so daß man zum Schluß auf eine mögliche Verkaufsmenge von 112 - 140 kg kommt. Folglich verdient man bei einem Rai Reis-anbaufläche, bei einem durchschnittlichen Preis von 30 Baht je Kilo und einer Erntemenge von 112 kg - 140 kg, 3.360 - 4.200 Baht, was etwa 88 - 110 EUR entspricht. Somit könnte ein kleiner Reisbauer, der nur über 5 Rai Anbaufläche verfügt, einen Erlös der fünffachen Verkaufssumme, also 16.800 - 21.000 Baht (= 442 - 552 EUR) insgesamt erwirtschaften. Da zwei Ernten pro Jahr möglich sind, hätte der kleine Reisbauer und seine Familie 33.600 - 42.000 Baht Jahreseinkommen, was einem Monatseinkommen von 2.800 -3.500 Baht entspricht. Selbst bei größter Einschränkung kann davon keine Familie leben, weshalb nicht nur eigenes Gemüse und Obst angebaut wird, sondern auch weitere Möglichkeiten zur Einkommensverbesserung genutzt werden, sei es Fischzucht, der Verkauf von Kuchen, Obst, Gemüse oder Koksnüsse oder gar Enten und Hühner. Es sind ja nicht nur die Lebenshaltungskosten, oft übersteigen die Schulgebühren einer höheren Schule (3.000 - 4.500 Baht im Monat) für die Kinder das Monatseinkommen des Reisanbaus.

Eisenbahnfahrt nach Lampang

Nach so viel Landurlaub mit all seine Erlebnissen, wollte ich auch mal wieder eine Eisenbahnfahrt nach Nord-Thailand unternehmen. Im Laufe der vielen Jahre fuhr ich schon rund 5.000 Eisenbahnkilometer mit der thailändischen Bahn, und verfüge somit über eine solide Erfahrung. Auch wenn in manchen ländlichen Regionen noch Techniken der 70er Jahre vorhanden sind, hat sich doch insgesamt das thailändische Eisenbahnwesen, trotz manch finanzieller Engpässe, stets weiterentwickelt und wird auch immer weiter modifiziert und ausgebaut. Auch diesen Urlaub nutzten wir, um wieder mit der Bahn zu fahren. Diesmal war unser Tagesziel die Stadt Lampang im Norden des Landes. Diese Bahnfahrt hatten wir schon lange im Visier, und jetzt, in der dritten Woche, war es endlich soweit. Frühzeitig fuhr uns ein Verwandter zu der entsprechenden Einsteigestation ganz in der Nähe des Flughafens. Man sollte generell immer ca. 1 Stunde vor Abfahrt an der Station sein, da die Züge meisten voll ausgebucht sind. Wer also erst kurz vor der Abfahrt ankommt, muß in der Regel damit rechnen, keine Fahrkarte mehr zu bekommen. Ideal sind immer frühzeitige Reservierungen, die aber nur verbindlich sind, wenn man sie auch direkt bezahlt und die Quittung gut aufbewahrt. Die Station enthielt einen gut ausgebauten Fahrkartenschalter mit Sitzgelegenheit, einen Zeitschriftenstand sowie einen modern eingerichteten Shop, wo es alles gab. So besorgten wir uns für die lange Fahrt einige Getränke, Knabberzeug und für die Kinder noch zwei Malblöcke mit Stiften. Der Zug, der nur aus drei Waggons bestand, kam pünktlich an und die Fahrgäste stiegen ohne große Hektik ein. Hektik war auch gar nicht nötig, denn es werden immer nur soviel Fahrkarten verkauft, wie Sitzplätze vorhanden sind. Stehplätze gibt es nicht. Wir hatten Glück, das wir alle zusammensitzen konnten. Wir, daß waren meine Frau, meine drei Kinder, die Großmutter und meine Wenigkeit. Manche Plätze waren leer, aber durch angebrachte Namensschilder deutlich reserviert. Im Laufe der ganzen Fahrt hielten wir an diversen Orten, wo sich die Plätze nach und nach füllten. Die meisten Fahrgäste wollten anscheinend nach Chiang Mai. Chiang Mai war auch das Endziel des Zuges. Die meiste Zeit der Zugfahrt nutzte ich eher zum Ausruhen und zum Lesen. Der Blick aus dem Fenster offenbarte eine Gegend, die größtenteils landwirtschaftlich geprägt war. Würden nicht ab und zu einige Strommasten, Autos oder Fabriken zu erkennen sein, könnte man fast das Gefühl haben, die Zeit wäre hier stehen geblieben und man befände sich in einer Epoche des Königreiches, wo die ersten Züge das Land befuhren. Das sich immer wiederholende Ratter-Ratter-Geräusch des Zuges und das kaum zu hörende Geflüster der Fahrgäste, sofern mal einer sprach, verführte mich auch kurzfristig in einen gedankenvollen Dämmerschlaf, der mich schließlich träumerisch als Pionier in die Eisenbahnzeit vor hundert Jahren entführte. Vor meinen Augen sah ich Hunderte von Hilfskräften, die mühevoll und schweißtreibend eine Schneise in den Urwald schlugen, Schotter, Gleise und Materialien unter erschwerten Bedingungen anschleppten und wie die Ameisen Meter um Meter die Gleise verlegten. Selbst Stimmen und Geräusche konnte ich wahrnehmen, bis mich ein kurzer Ruck in die Gegenwart zurückholte. Schade.

Wo sind wir jetzt? Ah, in Uttaradit. Nach 10 Minuten Wartezeit geht es auch schon weiter. Im Fahrpreis war auch eine Mahlzeit und ein Getränk inbegriffen, und ich fand es bewundernswert, mit welcher Ruhe und Eleganz die beiden Reisebetreuer, eine Frau und ein Mann, alle Fahrgäste innerhalb von einer halben Stunde mit einem warmen Essen und Getränk versorgt hatten. Es gab Hähnchenbrust mit Reis und Gemüse sowie ein kleines Stück Kuchen als Nachtisch. Auch das Abräumen der Tabletts und des Geschirrs ging ruhig, freundlich und schnell vor sich. Erstaunt war ich auch über die Sauberkeit in dem Zug. Meinen Kindern fiel etwas Reis auf den Boden. Ehe mir das auffiel, hatte es schon ein Steward mit dem Handfeger weggewischt. Bei der Weiterfahrt denke ich auch über unser modernes Bahnsystem in Deutschland nach. Trotz modernster Technik und neuem ICE sollten wir uns nicht zu hoch loben, Kritikpunkte gibt es genügend. Die Zugfahrt von Bangkok nach Lampang war dem gegenübergestellt etwas Besonderes. Dabei meine ich sicherlich nicht die Technik im allgemeinen, sondern eher den Service und die Pünktlichkeit, aber auch die schlichte Eleganz der sauberen Bahnhöfe und das stetige Bemühen der Servicekräfte, immer das Beste für die Fahrgäste herauszuholen. Dies findet man nicht unbedingt immer in Deutschland...

Ankunft in Lampang

Unterkunft in Lampang
Unterkunft in Lampang
Lampang ist eine altwürdige Stadt, die im 7. Jahrhundert gegründet wurde und heute Provinzhauptstadt mit rund 50.000 Einwohnern ist. Unser einziges Ziel ist das Wat Phra That Lampang Luang, das etwa 20 km südwestlich von Lampang entfernt ist. Wir nehmen ein Taxi, das uns auch zu vereinbarter Zeit wieder abholen wird. Das Wat ist über die Provinzgrenzen bekannt und wurde wie die Stadt Lampang im 7. Jahrhundert erbaut. Somit ist die Anlage stolze 1.300 Jahre alt. Über eine Naga-Schlangen-Treppe gelangen wir zum Hauptportal. Gegenüber ein noch junger, behinderter und blinder Bettler, der gerade zum Eingang hoch gekrochen ist. Ich bin großzügiger als manche Thais und gebe ihm direkt 100 Baht in die Hände, die ich kurz halte, um ihm in dieser Art Mut für die Zukunft zu wünschen. Er lächelte. Wenn man bedenkt, dies sind keine 3 Euro (2000), womit er sich z.B. zwei warme Mahlzeiten leisten könnte. Mancher verraucht dies am Tag. Obwohl ich hier schon öfters war, ist die ganze Anlage immer noch mit dem großen vergoldeten Chedi, den vier hölzernen Viharns, den vielen feinen Schnitzereien und Verzierungen sowie dem alten Bodhi-Baum im Innern des Wat eine Augenweide. Beachten Sie auch mal die alten Malereien! Sie sind zwar in einem schlechten Zustand, aber mit etwas Phantasie kann man sich sicher gut vorstellen, wie phantastisch es aussehen mag, wenn diese herrlichen Wandmalereien restauriert würden. Übrigens wird auch hier regelmäßig restauriert, was einiges an Geld verschlingt. Zuletzt wurden erhebliche Teile der Dächer erneuert. Dazu spendeten wir symbolisch einen Dachziegel. In der Umsetzung bedeutete das, daß pro Dachziegel eine freiwillige Spende erwartet wurde, und man mit einem dicken schwarzen Filzstift seinen Namen an die Unterseite des Dachziegels schreiben konnte. Gute Idee und guter Zweck! Nach einer Weile suchen wir in einem Mondhop den hier verehrten Fußabdruck Buddhas auf. Wir spenden Räucherstäbchen und Blumen, und beten dazu. Anschließend besuchen wir das kleine Museum im Wat. Dieses alte Museum haut keinen um und sollte sicherlich mal wieder gereinigt werden. Die hier gezeigten alten Münzen und Geldscheine, Buddha-Figuren, einige Waffen und Amulette sind kaum beschriftet, aber wer hier das erste Mal reinschaut, sollte es sich ansehen. Oft übersehen, aber das Wertvollste im Museum ist eine unscheinbare kleine Buddha-Figur aus Jade, die aus dem gleichen Block stammen soll, wie der berühmte Smaragd-Buddha in Bangkok. Auch kann man Ansichtskarten des Wats, einen kleinen Führer, allerdings nur in Thai sowie einige Amulette kaufen. Das Museum ist unregelmäßig von 9.00 Uhr - 16.00 Uhr geöffnet. Natürlich wollten meine Kinder eine Kutschenfahrt machen, wohl eines der Markenzeichen von Lampang. Wir fanden auch den Fahrer in Cowboy-Tracht, den meine Kinder "cool" fanden. Für 200 Baht ließen wir uns einige Blocks kutschieren. Um die einzelnen Verkaufsstände und Geschäfte zu besuchen, empfiehlt sich jedoch der Weg zu Fuß. Direkt neben den Kutschen sieht man eine Schule und ein kleines Restaurant, wo man günstig gutes Essen bekommt. Es gibt aber auch zwei Restaurants am Wang-Fluß, daß "The Riverside Bar", wo wir jedoch noch nicht gegessen hatten sowie das einige Meter entfernte "Mackenna Restaurant". Dort kann man beim gemütlichen Essen den Fluß, die Landschaft und das gegenüberliegende Wat Pong Sanuk Tai betrachten. Wer in Lampang vorbeischaut, sollte sich überlegen, hier Textilien oder Handarbeiten zu kaufen, da sie etwas günstiger als in Chiang Mai sind. Sehenswert sind auch, wenn man etwas die Augen offen hält, einige traditionelle Häuser aus Teakholz wie auch unsere Unterkunft, die auf mächtigen Teamholzstämmen aufgebaut wurde. Einige Tage später fuhren wir auch schon wieder zurück nach Nong Chok

Verkehrs-beruhigende Maßnahmen auf dem Land

Die letzte Woche wollten wir etwas ausklingen lassen, und verbrachten den größten Teil der Zeit bei der Familie. Dies gab mir Gelegenheit, mich in der ländlichen Region von Nong Chok bis Bangkok umzusehen und umzuhören. Erstaunlich, was sich innerhalb von einem Jahr alles ändern kann. Auf den meisten Nebenstraßen in und um Nong Chok herum, aber auch in den ländlichen Vorstädten Bangkoks, wurden zahlreiche Zebrastreifen, zugehörige Warnlampen und sogar entsprechende Schilder angebracht. Da es hier kaum Geschwindigkeitskontrollen, Einhaltung der Verkehrsregeln und nur wenige Verkehrsschilder auf zum Teil unbefestigten Straßen, war die Unfallquote durch zu schnelles Fahren und riskantes Überholen beängstigend hoch. Von den Anwohnern wurden die neu installierten Verkehrsanlagen größtenteils mit Wohlwollen angenommen, trotzdem sieht man aber auch immer wieder, das sich die Fußgänger auch auf den Zebrastreifen immer noch mit wachen Blicken nach rechts und links, hier herrscht ja Linksverkehr, bewegen. Und das zu recht, denn noch immer gibt es zahlreiche Auto- und Motorradfahrer, die mit erhöhter Geschwindigkeit selbst solche verkehrsberuhigende Maßnahmen nicht wahrnehmen wollen, auch wenn Schild und Warnlampen darauf deutlich hinweisen. Insgesamt gesehen wird es sicher noch 1 - 2 Jahre dauern, bis sich Fußgänger, Auto- und Motorradfahrer daran gewöhnt haben. Verstärkte Verkehrskontrollen tun ihr Übriges, um die Unfallquote gering zu halten. Überall gab es auch Aushänge, die das neue Verkehrssystem erklärten, auch mit Angabe der möglichen Strafen für rücksichtslose Fahrer. Aber, aus meiner Erfahrung, wird es eine ganze Generation dauern, bis sich das Verkehrsverhalten ändert...

Neues Umweltbewusstsein auf dem Land ? - Jain

Ohne eine Debatte anzufangen, was in Deutschland gut und was in Thailand nicht so gut ist, schließlich gibt es auch in Deutschland vieles, was auch nicht so gut ist, sollten wir uns auch mal mit den Umweltfortschritten in den ländlichen Gebieten von Thailand auseinandersetzen, dies zum Stand aus dem Jahr 2000. Vorab zur Metropole: In Bangkok, wo schätzungsweise 8 - 10 Millionen Menschen leben, fällt tagtäglich eine riesige Menge an Müll an, die, trotz Geldknappheit, fehlender moderner Müllwagen und noch unzureichender Müllverbrennung und Müllverwertung, relativ gut entsorgt wird. Innerhalb von 10 Jahren wurde bereits viel erreicht, und die Stadtverwaltung ist sich bewußt, das noch eine Menge Arbeit vor Ihr liegt. Ein Hauptgrund der immensen Umweltprobleme Bangkoks war auch der ungeheure und kaum kontrollierte Bauboom der 70er bis 90er Jahre. So wurden Wohnungen, Hotels, Kaufhäuser und Bürogebäude schneller gebaut, als die dazu notwendigen Entsorgungssysteme, die größtenteils völlig unzureichend sind. Deshalb werden diese Systeme heute noch, teils unter erschwerten Bedingungen, nachträglich modernisiert. Heutige Neubauten haben viel strengere Umweltauflagen zu erfüllen, als vor 10 Jahren. Viel wird getan, viel ist noch zu tun. In den ländlichen Gebieten der Region Bangkok sind in den letzten Jahren auch größere Fortschritte gemacht worden. In den meisten Vororten und besonders bei Nong Chok gibt es seit Kurzem auf allen größeren Nebenstraßen neue, große blaue 300 Liter-Abfallbehälter, die auch regelmäßig genutzt und geleert werden. Es dauerte viele Jahre, bis endlich dieses Entsorgungssystem soweit modernisiert werden konnte, daß ein großer Anteil der Abfallmenge, gegenüber früher, weniger auf den Grundstücken, in Straßengräben oder eiligst ausgehobenen Gruben entsorgt wurde, sondern in diesen Abfallbehältern. Zumindest für die Anwohner, die in der Nähe solcher Nebenstraßen wohnen, dürfte es ein Anreiz sein, zukünftig den Müll dorthin zu tragen. Aber für die Anwohner, die weit im Landesinneren wohnen, wo nur ein unbefestigter Feldweg zur Nebenstraße führt, ist es mühsamer. Bis zum nächsten Abfallbehälter können es schon einige Kilometer sein, so das sich hier kaum einer die Mühe macht, dieses neue Entsorgungssystem zu nutzen. Da an den Feldwegen auch kein Müllwagen vorbeikommt, verbrennen weiterhin die meisten ihren Müll buntgemischt in der unmittelbaren Nähe ihres Grundstücks. Aufgrund fehlender Aufklärung, Bequemlichkeit oder auch fehlender Einsicht, wird hier auch Plastikmüll verbrannt, ohne an die möglichen schädlichen Umwelteinflüsse zu denken. Wer seinen Müll nicht oder nur teilweise verbrennt, hat weiterhin seine eigene Müllhalde, wobei beim nächsten Monsunwind der Müll oft großzügig verteilt wird. Dabei ist der Plastikmüll eines der Hauptprobleme, da hier alles und jedes gerne in Plastiktüten verpackt wird. Als Farang (Ausländer) hat man sicherlich manche Verbesserungsvorschläge parat, die man am liebsten loswerden möchte, doch was hilft es, als Oberlehrer aufzufallen, um die Menschen dazu zu bewegen, sich mehr um ihre Umwelt zu kümmern? Es fehlt halt eine regelmäßige städtische Müllentsorgung, Müllfahrzeuge, die auch auf kleinen Feldwegen fahren können, Müllcontainer und insgesamt eine bessere Aufklärung. Die Kinder in den Kindergärten und Schulen werden seit einigen Jahren mit dem Thema Umweltschutz konfrontiert, wo u.a. Verhaltensregeln gelehrt werden, der sorgsame Umgang mit Wasser und Abfall. So bleibt meine Überzeugung, das der langsame aber stetige Weg zur Verbesserung der Umwelt weitergeführt wird. Hier hilft nur Geduld, Geduld, Geduld...

Der Abschied

Auch diesmal fiel uns der Abschied nach 3 Wochen sehr schwer, hatten wir uns doch mal wieder an das herzliche Zusammenleben mit der Familie, ans gute Essen, das warme Wetter und die bekannte Umgebung so sehr gewöhnt, als wenn wir hier schon lange wohnen würden. Aber auch dieser Urlaub war einmal zu Ende. Doch die vielen Eindrücke und Erlebnisse werden uns sicher noch lange beschäftigen - bis zum nächsten Urlaub. Auf dem Land, abseits der Touristenpfade gibt es ein anders Thailand, das jeder mal erleben sollte. Die Menschen sind in der Regel herzlicher, neugieriger, toleranter und der Zusammenhalt der Familien ist größtenteils noch intakter als in der Stadt. Trotz ihrer eigene Problemen, der Armut, der schwergängigen Bürokratie, aber auch der Kriminalität wie Kreditbetrug und Diebstähle, und der Kampf um Arbeit und Einkommen, versuchen die meisten trotzdem das beste aus der Situation zu machen, und ich habe es erlebt, das manche ihren Verdienst von zwei Tagen ausgaben, um uns zum Essen einzuladen. Eine Absage unserseits wäre eine Beleidigung und Gesichtsverlust gewesen. Das Land des Lächelns, das finden Sie öfters auf dem Land, also fahren Sie auch mal ruhig mit einem kundigen Fahrer auf´s Land, der Land, Leute und Straßen der Region kennt...

Bildnachweis:
  • Unterkunft in Lampang: Wilfried Stevens
  • Haus am Kanal 12: Wilfried Stevens

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Schlüsselwörter: Thailand | Landbevölkerung | Nong Chok | Armut | Wilfried Stevens
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