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Wissenschaft: Sonstiges

Das Fernrohr - Erfindung aus der Antike

Das Wissen in der Antike

Titelblatt von Opticae Thesaurus
Titelblatt von Opticae Thesaurus
Der Begriff Fernrohr kommt aus dem altgriechischen-lateinischen Wortschatz, bekannt auch als die Bezeichnung Tubus telescopius. Dabei steht das lateinische Tubus für Rohr und das altgriechisches Tele für Fern, also Ein Rohr, mit dem man in die Ferne schauen kann. Dies wurde später eingedeutscht, so entstand der deutsche Begriff Fern-seh-Rohr und später Fernrohr, auch als Teleskop bekannt. Aber auch die Römer kannten die Funktionsweise von Hohlspiegeln und Linsen, aber es gibt bisher keinen eindeutigen Beweis für ein Fernrohr. Nach den bisherigen Annahmen sollen es mindestens drei Erfinder gewesen sein, die für sich beanspruchten, das Fernrohr in der Neuzeit erfunden zu haben:

Hans Lipperhey, ein deutsch-niederländischer Optiker (etwa 1570-1619), Adriaan Metius, ein niederländischer Astronom (etwa 1571-1635) und Zacharias Janssen, ein niederländischer Optiker, (etwa 1588- 631). Aber auch die Nierderländer Willebrord van Roijen Snell, (etwa 1580- 626) und Rudolph Snellius (etwa 1546-1613 ) sollen sich mit der Konstruktion eines Fernrohrs beschäftigte haben. Warum man zu all diesen Auffassungen kam und kommt, ist bisher noch nicht zu erklären, den es gibt genügend Hinweise, das schon in der Antike ein Fernrohr zur Beobachtung von Planeten und Weltraum im Gebrauch war. Auch das Phänomen, das alle genannten Personen etwa zur gleichen Zeit lebten und sich anscheinend unabhängig voneinander mit der Entwicklung eines Fernrohr beschäftigen, ist KEIN Zufall. Es bleibt die Theorie, das alle genannten (Neu-) Erfinder das 1572 in lateinisch neuaufgelegte Werk Opticae Thesaurus von Alhazen kannten, worin schon ein Fernrohr beschrieben wurde. Auch kann man annehmen, das Christoffel Plantijn, ein damals berühmter Buchdrucker und Verleger in Antwerpen, an den Druck interessiert war, und so schliesst sich der Kreis, warum es anscheinend so viele Erfinder in den Niederlanden gab. Das Buchwerk gilt aber genrell auch als ein Startpunkt der neuzeitlichen Entwicklung in der europäischen Optik. Doch beginnen wir mit den möglichen Anfängen...

Ungewöhnliche antike Hinweise

In der altgriechischen Mythologie gab es die Zauberin Kirke (auch Circe), dessen Eltern der Sonnengott Helios und die Nymphe Perse gewesen waren. Kirke wurde eine Zauberin mit vielen Talenten und beherrschte wie ihre Mutter die Naturkräfte und besaß die Unsterblichkeit der Nymphen. Nachdem ein Mann namens Picus ihre Liebe verschmähte, lebte sie fortan auf einer Insel und Nymphen waren ihre Dienerinnen. Wie alle Kinder der Götter besaß auch Kirke göttliche Werkzeuge, eines wird als das Auge der Kirke überliefert. Der griechische Geschichtsschreiber Deinias aus Argos lebte im 3. Jahrhundert v. Chr. und hatte sich auch mit der Geschichte der mythischen Zeit beschäftigt. Dort soll er geschrieben haben, wobei sicherlich einiges ausgeschmückt wurde ...und als Kirke sah, das Athene dem edlen Iason für die Argos ein göttliches Geschenk für seine Reise gab, sucht sie ihn ebenfalls auf und gab ihm ihren sehenden Stab...sah man hindurch wurden 60 stadia zu 1 stadia (etwa 150 Meter)...er musste versprechen es ihr auf ihrer Insel zurückzubringen... War dies der Hinweis auf ein Art Fernrohr ?! Sicher sehr spekulativ, doch ich schließe es nicht aus, das sich in jeder Mythologie und jeder Legende was verbirgt.

Doch auch geschichtlich gab es schon ältere Erfinder, die schon vor Hans Lipperhey und den anderen genannten ein Fernrohr bereits besessen haben dürften oder könnten…

Lukian von Samosata war ein bekannter griechischer Satiriker und Schriftsteller (etwa 120-180 oder 200), der rund 70 Werke schrieb. Er wird auch als Jules Verne der Antike bezeichnet, den er schrieb schon eine utopische Geschichte, ein Science-Fiction aus der Antike Die Luftreise, bessere bekannt als Wahre Geschichten, die eine Reise zum Mond beschreibt. Dort beschreibt er ein Teleskop auf dem Mond ... dort findet man einen Spiegel ungeheurer Größe...und wer in den Spiegel schaut, sieht darin alle Städte und Völker der Erde so genau, als ob sie vor ihm stünden...

Timocharis von Alexandria, ein bedeutender Astronom, (etwa 320-260 v.Chr.) erstellte den ersten Sternenkatalog zusammen mit dem Astronomen Aristyllos. Eratosthenes, Mathematiker, Astronom und Gelehrter, (etwa 276-194 v.Chr.) schrieb das Werk Über die Ordnung der Sterne und den Ursprung der Himmelszeichen. All diese vorherigen Werke und Arbeiten wurden u.a. von Hipparchos von Nicäa, ein bedeutender Astronom seiner Zeit, (etwa 190-120 v.Chr.), überarbeitet. Durch mathematische Berechnungen und mit Hilfe eines Sternenglases soll er dann seinen berühmten Himmelsglobus erstellt haben. Dies dürfte der wahrscheinlichste Hinweis auf ein Fernrohr gewesen sein, das er bereits vor rund 2.300 Jahren besessen haben muss. Leider ist nicht überliefert, ob er der Erfinder war oder woher er dieses Sternenglas kam.

Abu Sad al-Ala ibn Sahl (etwa 940-1000) war ein persischer Mathematiker und Physiker und befasste sich sich bereits intensiv mit optischen Geräten, wobei er eingehend auch altgriechische Erfindungen und Schriften studierte. Dessen Abhandlungen modifizierte der arabischen Universal-Gelehrte Abu Ali al-Hasan Ibn Al-Haithamder, der in der westlichen lateinischen Welt als der Gelehrte Alhazen, der Vater der Optik, bekannt wurde. Er konzentrierte sich hauptsächlich mit den Eigenschaften von gewölbten Linsen und Glasoberflächen zur optischen Vergrößerung von Gegenständen und Dingen. Mit diesen Erkenntnissen stellte er schon erste Leselupen und Lesehilfen (Brillen) aus Glas her. Als begeisterter Astronom beschrieb er in seinem Werk Kitab al-Manazir, auf Deutsch Schatz der Optik, auch ein Fernrohr, also auch schon fast 600 Jahre vor europäische Erfinder. Wir können fest davon ausgehen, als sein Werk zuerst etwa 1270 ins lateinische übersetzt worden war und in Europa Opticae Thesaurus hieß. Wahrscheinlich wurde es im Wahn von der Kirche verboten oder sogar verbrannt. Dann, 1572 schließlich, wurde das Werk von Friedrich Risner, eine begabten Mathematiker seiner Zeit, neu gedruckt. Daher kann man nur schlussfolgern, das es kein Zufall war, das in diesem Zeitraum und früher die ersten europäischen (Neu-) Erfindungen von Brille und Fernrohr erfolgten, den sie kannten wahrscheinlich alle das Werk von Alhazen, was ihre Arbeiten prägte !

Ibn al-Faqih al-Hamadhani, ein berühmter persischer Gelehrter, der sich für Geografie, Geschichte und Erfindungen interessierte, soll etwa 900-903 den berühmten Leuchtturm von Alexandria besichtigt haben. In seinen Schriften beschreibt er eine (Rohr- ?) Kontruktion von mehreren Hohlspiegel die weit entfernte Szenerien sichtbar machen kann beschrieben haben, der sich oben im Turm befand. Damit, so seine Beobachtung, soll er sogar noch Leute in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul damit gesehen haben, was rund 1.000 Kilometer entfernt lag.

Ibn asch-Schatir war ein arabischer Astronom, Gelehrter und Mathematiker, (etwa 1304-1375). Er konstruierte nicht nur die berühmte große Sonnenuhr für die Umayyaden-Moschee in Damaskus, eine der ältesten Moscheen der Welt, sondern modifizierte auch optische Geräte, arbeitete mit Hohlspiegeln und geschliffenen Linsen. Er soll in seinem Werk Al-Zij al-Jadid, übersetzt Neues astronomisches Handbuch über eine Konstruktion geschrieben haben, worin man verschiedene Entfernungslinsen reinstecken kann. Diese Arbeit soll sogar Vorbild für Kopernuikus gewesen sein, um sein Werk De revolutionibus orbium coelestium zu vollbringen.

Der italienische Erfinder und Reisende Tito Livio Burattini berchtete von einem seltsamen Vorfall aus Ragusa, dem jetzigen Dubrovnik ...dort gab es eine seltsame Trommel mit zwei Gläsern...schaute ich hinein, sah ich die weit fliegende Möwe auf mein Gesicht fliegen, erschrak und wich zurück...

Der schlesische Mönch Erazmus Ciolek Witelo, auch Witelo oder Vitellio, (etwa 1280/90-1314) war ein Pionier auf dem Gebiet der Optik. Er lernte Wilhelm von Moerbeke kennen, der auch Dominikanermönch war, der wiederum auch Kontakte mit Albertus Magnus, Thomas von Aquin und dem Astronomen Heinrich von Meucheln hatte. Wilhelm von Moerbeke war hochbegabt und ein bedeutender Übersetzer antiker Schriften, wobei seine übersetzen astronomischen Texten aus dem Griechischen in die lateinische Sprache bis heute hoch geschätzt werden. Er soll auch verbotene Bücher der Kirche besessen haben. Hier wurde auch ein Gerät mit dem Namen Tubus telescopius erwähnt, also ein Fernrohr. Witelo war Schöpfer des 10.bändigen Werkes Peri Optikes, wobei hier eindeutige Einflüsse von Wilhelm von Moerbeke zu erkennen sind, den auch Witelo erwähnt, das seine Arbeiten auch durch die 1270 lateinische Übersetzung der siebenbändige Schriften Opticae Thesaurus (auch De aspectibus oder Perspectiva) von Alhazen, aber auch antiker griechischer und arabischer Autoren beeinflusst wurde. Ein Hauptinteresse von ihm waren die überlieferten Konstruktion von bearbeiteten Linsen und Hohlspiegeln. Dabei beschreibt er, das er das Tubus telescopius abänderte zu einer astronomia visual auxilium, was in etwa astronomische Seh-Hilfe bedeuten müsste. Wahrscheinlich war es ebenfalls eine Art Fernrohr.

Der Deutsche Friedrich Amann war Benediktiner-Mönch, Mathematiker und Astronom des 15. Jahrhunderts und soll in einer seiner Schriften vermerkt haben, das er über ein Tubus telescopius verfüge, das ihm Johann Purbach (Georg von Peuerbach) schenkte und einen Mondsee damit gesehen hätte. Somit hat er wohl mit einem Fernrohr den Mond beobachtet.

Und das könnte man mit weiteren Beispielen und Überlieferungen fortsetzen und es gibt auch ähnliche weitere historische Überlieferungen aus China und Indien. Die sind nur einige Hinweise darauf, das das Fernrohr schon einige altgriechische Astronomen kannten, eventuell auch römische Astronomen und danach arabische Gelehrte, die wiederum altgriechische Werke studierten und übersetzten, und später auch europäische Gelehrte, die wiederum altgriechische, persische und arabische Werke übersetzen ließen. Wie wissen noch so wenig über das alte Wissen, das anscheinend verloren ging...

Bildnachweis:
  • Titelblatt von Opticae Thesaurus: wikipedia

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Schlüsselwörter: Fernrohr | Antike | Teleskop | verlorenes Wissen
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