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Sonstiges: Kultur & Religion

Sao Ching Cha - die Riesenschaukel

Sehenswürdigkeit in Bangkok

Sao Ching Cha
Sao Ching Cha
Eines der auffälligsten Bauwerke Bangkok steht mitten auf einem der verkehrsreichsten Plätze der Innenstadt, vor dem Watgelände des Wat Suthat, dem Wat der königlichen Brahmanen. Bei dem etwa 27 m hohem, auffallend rot gestrichenen Teakholzrahmen, der oben mit einem verzierten Querbalken versehen ist, handelt es sich um die Große Schaukel (Sao Ching Cha), die bis 1935 im Mittelpunkt einer religiösen, eher dem Brahmanismus geprägten, Zeremonie stand. Die heute an dieser Stelle stehende Schaukel ist allerdings nur noch eine originalgetreue Kopie, die zuletzt im Jahre 1997 restauriert wurde.

Das alte Sao Ching Cha Fest

Das Sao Ching Cha Fest war indisch-brahmanischen Ursprungs und leitet sich von der Legende ab, dass Gott Shiva, von Brahma geschickt, alljährlich die Erde besuchte. Auf Brahmas befehl hin prüfte er zunächst die Festigkeit der Erde, indem er den rechten Fuß auf diese stellte, das linke Bein über das rechte Knie schlug und auf eine Reaktion wartete. Doch nichts geschah. Dies reichte Brahma jedoch nicht und so gab er Shiva den Befehl zu prüfen, ob die Berge, wie es vorausgesagt sei, ins Meer stürzen würden, sobald die Nagas (mythologische Wasserschlangen bzw. auch Schlangenmenschen) ihre Wohnstätten verlassen und sich ins Wasser zurückziehen würden. Shiva tat, wie ihm geheißen, rief die Nagas von den Gebirgen östlich und westlich des Weltmeeres in die Ozeanfluten und wartete wiederum auf eine Reaktion. Doch die Berge stürzten nicht ein, die wasserspeienden Nagas schwammen fröhlich umher und blieben fortan in ihrem neuen Element. Seitdem pflegte Shiva alljährlich am fünften Tag des neuen Mondes im zweiten Mondmonat (Mitte Dezember) die Erde mit einem mehrtätigen Besuch zu beehren.

Natürlich mussten ihm die Menschen etwas bieten und ihn unterhalten. So erdachte man das eindrucksvolle Schaukel-Fest und baute 1784 diese riesige Schaukel. Dabei dimensionierte man bewusst diese Größe, damit auch Shiva Platz nehmen konnte, sollte es ihm so gefallen; so die Legende. Zudem war zu diesem Zeitpunkt gerade die alljährliche Reisernte eingebracht. Und auch hierfür musste man Shiva entsprechenden dank erweisen. Für eine gute Reisernte waren ja die bekannten vier Elemente notwendig: Sonne, Mond, Erde und vor allem Wasser.

Seit vielen Generationen fand also hier regelmäßig im Dezember, nach der Reisernte, das Fest statt. Hunderte brahmanische Hofastrologen zogen dabei feierlich an der Stadtmauer vorbei zum Tempelgelände, wo an der Riesenschaukel die Zeremonie stattfinden sollte. Der König bestimmte zumeist einen hohen Würdenträger oder Adeligen, der beim Schaukel-Fest den Gott Shiva repräsentierte. Eine Prozession geleitete ihn feierlich zur Sao Ching Cha, wo im Beisein des Königs das Fest begann. Vier Männer mit Schlangenmasken, die Naliwan, verbeugten sich vor dem Repräsentanten Shivas und bestiegen dann eine Gondel, die mit Seilen am Querbalken der Sao Ching Cha befestigt war. Anschließend fanden sich besonders wagemutige Schaukelmannschaften mit je drei Mitgliedern ein, um sich auf einem gefährlich schmalen Brett 25 Meter in den Himmel zu schwingen. Dort hing der Lohn für ihre Bemühungen: ein Beutel mit Silbergeld, den man mit den Zähnen zu packen versuchte. Jeder Teilnehmer hatte dabei nur drei Versuche. Wer Ausdauer und Glück hatte, konnte also mit einem Schlag reich werden, wer jedoch kein Glück dabei hatte, konnte einen schweren Unfall erleiden. Nach vielen schweren Unfällen mit Todesfolge wurde schließlich das Schaukel-Fest 1935 verboten. Da dies bei der mit Festen verwöhnten Bevölkerung großen Unmut hervorrief, wurde das Verbot offiziell damit begründet, dass die Seitenpfeiler morsch geworden seien und die Sicherheit der Schaukler nicht mehr garantiert werden können. Das Schaukeln ist zwar verboten, aber andere Teile der Zeremonie finden in abgeänderter Form im Wat Suthat immer noch statt. Nachdem vor Sonnenaufgang den buddhistischen Mönchen ein Opfer dargebracht wurde, werden die vier Elemente Sonne, Mond, Erde und Wasser, verkörpert von kleinen Statuen, in einer goldenen Gans namens Hinsah auf eine Miniaturschaukel gestellt, auf der Gott Brahma sie dann wieder in den Himmel reitet.

Wie ursprünglich solch ein Schaukel-Fest vor fast hundert Jahren noch für einen ausländischen Zuschauer aussah, fand ich in einer Niederschrift eines unbekannten Verfassers aus dem Jahre 1900:

Das Sao Ching Chaa Fest Während die Rek Na Feier ein Frühlingsfest ist und den beginn des Ackerbaus anzeigt, wird im Spätherbst eine Art von Erntedankfest begangen, dass Schaukelfest genannt. Der Ackerbauminister wird in großer, feierlicher Prozession mit großem Pomp zu dem Platz in Bangkok gebracht, auf dem die große Schaukel errichtet ist. Dort nimmt er in einem geschmückten Pavillon Platz, der nur für diesen Zweck errichtet ist. Früher musste der Ackerbau-Minister während der ganzen Feier auf einem Fuß stehen und durfte den anderen nicht auf den Boden setzen. So wie einst es Shiva getan haben soll. Tat er es doch, so fand er den Tod. Heute nimmt er auf einem Stuhl Platz und legt einen Fuß auf das Knie, den anderen hat er am Boden. Er ist von Brahmanenpriestern begleitet, je zwei zur Rechten und zur Linken. Wenn er mit dem erhobenen Fuß den Boden berührte, bevor drei Spiele zu Ende waren, so war es den Brahmanen früher erlaubt, ihn seines Eigentums zu berauben. Die Priester und die Schaukler sind während der Feier weiß gekleidet. Außerdem haben die letzteren auch noch eine schmale, kegelförmige weiße Mütze mit einer lang ausgezogenen Spitze auf dem Kopf. Die Schaukel wird nur während der drei Feiertage aufgehängt und zwar jedes Jahr um einen Zoll kürzer. Sollte eines Tages die Schaukel zu kurz zum Schwingen sein, so ist nach brahmanischen Glauben das Ende dieser Weltperiode herangenaht. Vor der Schaukel ist eine Bambusstange aufgestellt, an der ein Beutel mit Tikals befestigt ist. Diesen müssen die Schaukler mit den Zähnen erhaschen. Wenn dies dreimal gelungen ist, so schöpfen die Brahmanenpriester geweihtes Wasser in Stierhörnern und sprengen es über das Volk aus. Hierdurch wird nach ihrem Glauben das Volk gesegnet. Wer stürzte und nicht verstarb, der wurde sofort getötet, um den Zorn der Götter zu beschwichtigen. Im Festzug werden viele Symbole und Gegenstände getragen, die darauf hindeuten, dass das Fest mit der Ernte zu tun hat du eine Art Danksagung für die Reismengen darstellt, die während der Ernste gesammelt wurden.

1999 plante die Stadtverwaltung Bangkoks sogar einmal, das Sao Ching Chaa Fest wieder aufleben zu lassen. Dazu wollte man das Fundament der Schaukel verstärken lassen. Brahmanenpriester, die noch immer großen Einfluss haben und auch noch als Hofastrologen tätig sind, warnten jedoch davor. Sie begründeten ihre Warnungen damit, dass unter der Schaukel ein Schildkrötenpanzer samt Yantra (ein magisches Zeichen) vergraben wurde. Und dieser magische Schildkrötenpanzer dürfe nicht gestört werden, da sonst die Gefahr bestünde, dass eine fehlerhaft ausgeführte Schaukel-Zeremonie Thailand großen Schaden zufügen könnte. Bis heute hat man nichts mehr über ein Auflebens.

Bildnachweis:
  • Sao Ching Cha: Wilfried Stevens

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Schlüsselwörter: Sao Ching Cha | Bangkok | THailand | Sehenswürdigkeit | Riesenschaukel
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