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Sonstiges: Kultur & Religion

Die königlichen Barken - Thailand

Sehenswürdigkeit in Bangkok

Königliche Barken
Königliche Barken
Oft bei einem Besuch in Bangkok nicht gefunden, manchmal auch nicht so bekannt, sind doch die königlichen Barken eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Metropole. Man findet sie in einem mit einer Kuppel versehenden großen Bootsschuppen, nahe der Phra-Pinkklao-Brücke im Stadtteil Thonburi am Klong Bangkok Noi. Hier kann man rund 50 sehr schön versierte und restaurierte Langboote bewundern. Alle Boote sind mit kunstvoll aus Holz geschnitzten mythologischen Motiven und Figuren aus dem Epos Ramakien geschmückt. Die Figuren selber sind wiederum sehr kunstvoll bemalt und vergoldet. Weitere Boote findet man am östlichen Ufer Flusses in der Nähe der Expressboot-Station Samphraya. Die Barken dienten in früheren Zeiten immer als königliche Transportmittel, wurden aber auch in damaligen Zeiten als Kriegsschiffe eingesetzt. Die Tradition geht bis ins 14. Jahrhundert zurück und hatte ihre Blütezeit während der Ayuthaya-Dynastie. König Narai der Große soll sogar eine Flotte von 147 Booten besessen haben, mit denen er auch die Gesandten des französische Königs Ludwig XIV, eindrucksvoll auf dem Chao Praya begleitete.

Mit welchem Prunk solch eine Barken-Prozession in der Ayuthaya-Dynastie ablief beschreibt der europäische Zeitgenosse Jodocus Schouten, der 1636 eine dieser Prozessionen wie folgt beschreibt:

Es ist seit alten Zeiten Sitte, dass sich der König von Siam jedes Jahr um den Monat Oktober mit großer Pracht und großem Pomp zu Wasser und zu Lande, als Triumphator gekleidet, dem Volke zeigt, wobei ihn die Prinzen, die Würdenträger und der Adel des ganzen Landes, alle ebenfalls auf das Kostbarste gekleidet, begleiten. Der König besucht an diesem Tage auch die Tempel der Götter, wo er sich in Gebeten für sein und seines ganzen Reiches Heil und Wohlfahrt ergeht und viele Opfergaben darbringt. Dieser Festzug pflegt folgendermaßen geordnet zu sein: zuerst marschieren vom königlichen Palast bis zum Haupttempel der Reihe nach ungefähr 200 Elefanten, auf denen je drei bewaffnete Männer reiten. Dann kommen viele Musikanten mit Gongs, Flöten und Handpauken und zugleich 1000 Mann stark bewaffnete Krieger mit Schilden. Hinter diesen folgen in guter Ordnung alle Großen des Reiches zu Pferde, einzelne in goldenen Diademen glänzend, und jeder von ihnen mit einer Begleitung von 60, 80 oder 100 Mann zu Fuß. Dahinter kommt die Leibwache des Königs, ungefähr 200 Japaner, mit schönen Waffen und Fahnen und einer Musikkapelle von verschiedenen Instrumenten. Pferde und Elefanten blitzen von Edelsteinen. Diesen folgen unter den Klängen einer lieblichen Musik viele Diener des königlichen Hofes mit Früchten und Geschenken beladen, die in den Tempeln dargebracht werden sollen. Dann kommen viele Edle des Landes mit gefalteten Händen und einige mit Diademen geschmückte Fürsten, von denen einer das goldene königliche Banner und ein anderer das goldene Schwert der Gerechtigkeit trägt. Und nun erscheint in ihrer voller Pracht, mit kostbaren Gewändern angetan, die Königliche Majestät selbst, auf einem schönen Elefanten, unter einem goldenen Thronhimmel, der von Lastenträgern auf den Schultern getragen wird, dicht umdrängt von großen Herren und Hofleuten. Dem König folgt der Prinz oder Thronerbe mit seinen Hofleuten. Hinter diesem kommen die Frauen und Nebenfrauen des Königs mit dem ganzen Harem, alle unter kleinen verhängten Baldachinen sitzend, die von Elefanten getragen werden. Viele Hofbeamte und 600 bewaffnete Krieger beschließen den Zug. Alles zusammengerechnet nehmen 15.000 - 16.000 Menschen an einem solchen Festzug teil.

]Auf dem Wasser aber ist die Anordnung folgende: Den Zug eröffnen ungefähr 200 Herren des Hochadels, jeder in einem Boot für sich, unter einem vergoldeten zeltartigen Aufbau sitzend, mit 60 bis 80 Ruderern. Ihnen folgen vier Fahrzeuge mit Musikanten verschiedener Art, dann, um den Prunk noch zu steigern, 50 Schiffe des Königs mit bemalten vergoldeten Häuschen und mit 80 bis 90 Ruderern. Dann kommen, mit je 90 bis 100 Ruderern bemannt, zehn kunstvolle kostbare Boote, die ebenso wie die Ruder ganz vergoldet sind. In dem schönsten sitzt der König wie ein Götzenbild unter einem vergoldeten Thronhimmel und ihm zu Füßen viele Würdenträger mit dem Ausdruck tiefster Ehrerbietung in Haltung und Miene. Im hinteren Teil des Bootes hat ein bestimmter Beamter des Königs seinen Platz, der den vergoldeten Königsschild trägt. Darauf folgt der prinzliche Bruder des Königs, der Thronerbe mit seinem Hofstaat, alle unter vergoldeten Baldachinen und seidenen Zelten sitzend. Ihnen schließen sich die Frauen des Königs an, von denen jede einzelne in einem Boot für sich fährt, und der Harem. Zuletzt kommen noch viele Boote mit Hofbeamten und Adeligen, so dass der ganze Aufzug ungefähr aus 400 bis 500 Schiffen besteht und nicht weniger als 25.000 bis 30.000 Personen umfasst. Die Ufer des Flusses sind auf beiden Seiten von Fahrzeugen und einer unzählbaren Menschenmenge besetzt, die auf die aller untertänigste Weise und mit geneigtem Haupt und gefalteten Händen dem König ihre Verehrung und Ehrfurcht bezeigt. Wenn der König auf einem seiner großen Boote in einem Kanal unter einer Brücke hindurch fuhr, so blieb die Menschenmenge und alle Fahrzeuge stehen, da es niemand erdreiste, über die Brücke zu gehen, so lange ein königliches Boot sich darunter befand. Im vordersten Teil des königlichen Bootes steht ein Hofbeamter mit Pfeil und Bogen. Es ist seine Pflicht, jeden sofort zu erschießen, der sich nicht vor dem König niederwirft oder über ihm steht.

Wenn das königliche Boot erst an einem Tempel anlangt, so werden erst einige gelbe Gewänder vor das Tor gebracht und ein Hofbeamter teilt den Mönchen mit, dass der König den Tempel besuchen und beschenken wolle. Das Gefolge des Königs stellt sich zu beiden Seiten des Tempelgangs auf, der König wird mit heimischer Musik durch Blasen von Muscheln und Hörnern bis zum Tore begleitet. Wenn der König das Tor des Tempels erreicht, nimmt er einem Bündel von Priestergewändern, trägt sie auf beiden Händen in den Tempel und legt sie dort auf einen bereitstehenden Tisch. Auf diesen stehen fünf goldene Blumenvasen, fünf goldenen Schüsseln mit geröstetem Reis, fünf goldene Kerzenhalter und fünf Weihrauchstöcke. Der König kniet vor einem vergoldeten Altar nieder, wo er für sich und seines ganzen Reiches Heil und Wohlfahrt erbittet. Nach Erneuerung dieses Gelübdes schenkt der König seine Gaben an die Priester des Tempels. Der Oberpriester spricht dann zu der Mönchsgemeinde: "Diese Gewänder sind uns vom König gegeben worden, welcher in seiner außerordentlichen Güte und Rechtlichkeit selbst herabgestiegen und hierher gekommen ist, um uns diese Kleider zu schenken, einer Gemeinde buddhistischer Priester, ohne Bezeichnung irgend einer besonderen Person, von der sie getragen werden".

Darauf verteilen die Priester die Gewänder und die anderen Gaben unter sich, beugen sich nieder und verehren Buddha. Außer den Gewändern erhalten die Priester noch Geschenke, die sie zum Lebensunterhalt brauchen, wie Bettzeug, Tafelgerät, auch Boote. Der König verlässt darauf den Tempel, während die Priester einen Segen in der alten Pali-Sprache über ihn sprechen, nachdem er vorher noch einmal die Dreifaltigkeit des Buddhas verehrt hat.

Als die Burmesen Ayuthaya komplett zerstörten, ließen sie auch alle königliche Barken vernichten. Erst als Rama I. den Königsthron Siams bestieg, gab er auch den Auftrag neue Barken zu bauen. Die nachfolgenden Könige Rama II., Rama III und Rama IV gaben weitere Boote in Auftrag, so das die Flotte auf über 250 Boote wuchs und rund 10.000 Ruderer beschäftigte. Im Jahre 1900 war die Barkenflotte so stark von Feuchtigkeit und Insekten zerfressen, dass die meisten Boote nicht mehr zu retten waren, so dass König Rama V eine neue königliche Flotte von Barken in Auftrag gab. Zuletzt wurden die königlichen Barken im II. Weltkrieg stark beschädigt, als Bangkok bombardiert wurde. König Bhumibol ließ jedoch nach seiner Thronbesteigung viele der Boote wieder herrichten. Die Boote werden jedoch heutzutage nur noch selten eingesetzt. Eine prachtvolle große Barkenprozession gab es zuletzt 1999 zum 72.jährigem Geburtstag seiner Majestät Königs Bhumibol. Ebenso werden einige Boote während der königlichen Thod-Kathin-Zeremonie, die am Ende der Regenzeit und zu Beginn der Fastenzeit zwischen den Monaten Oktober/November stattfindet.

Mit etwa 45 Metern Länge und 50 Ruderplätzen ist die Barke des Königs, die Sri Suphanna Hong(Subana Hongsa), das größte und zugleich älteste und prächtigste Schiff. Es ist 50 Meter lang, über 3 Meter breit und wiegt rund 15 Tonnen. Sie wurde aus einem einzigen Teak-Baum hergestellt, außer der vergoldeten Galionsfigur. Am Bug sieht man der kampfbereit aufgerichtete Kopf des Hamsa (das mythische Ross des Gottes Brahma) und endet mit einem hoch aufgerichteten Schwanz. Es ist als goldener Schwan gestaltet, von dessen Schnabel das hong (ein auf Münzen abgebildetes nationales Symbol) herabbaumelt. Es werden zwei Steuermänner, zwei Offiziere, einen Flagmann, einen Taktgeber und insgesamt 54 Ruderer benötigt, um das große Boot zu bewegen. Dazu muss aber auch darauf hingewiesen werden, das andere Quellen das Boot mit einer Gesamtlänge von nur 45 Meter angeben. Der König nimmt unter einem goldenen Baldachin in der Schiffsmitte Platz; mehrstufige Ehrenschirme schmücken die Längsachse. Die Ruderer tragen rotgoldene besetzte Uniformen und bewegen sich im Rhythmus des Taktgebers, der singend den Schaft seines silbernen Speeres aufs Deck schlägt. Ein einmaliges Schauspiel. Vor der Königsbarke fahren die Boote der hohen Würdenträger, hinter ihr folgen die Boote mit der Königin, die des Prinzen und der Prinzessinnen und die Boote mit den Geschenken für die Klöster.

Die zweitgrößte Barke, Ananta Nagaraj (Anantanagaroj), immerhin 44 Meter lang, zeigt am Bug eine siebenköpfige Schlange, das Symbol des Wassers, und hat, ebenso wie die anderen Schiffe, elegant geschnitzte Flanken, aufwendige Holzschnitzereien und kunstvolle Lackarbeiten. In ihr befindet sich bei jeder Prozession eine heilige Buddhastatue sowie die Gewandspenden für die Mönche. Das dritte Boot, die Anekajati Bhujonga ist mit filigranten Nagaschlangen verziert. Die zahlreichen kleineren Barken sind mit Garuda-,Hanumanfiguren und anderen mythischen Fabelwesen geschmückt. Einige transportieren das Orchester, andere sind mit historischen Kanonen bestückt.

Ein Besuch des des Royal Barges Museum am Klong Bangkok Noi lohnt sich also. Die Öffnungszeiten sind in der Regel tglich von 8.30 - 16.30 Uhr.

Bildnachweis:
  • Königliche Barken: Wilfried Stevens

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Schlüsselwörter: Königliche Barken | Thailand | König | Königin | thailändische Kultur
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