Politik: Recht & Co.

Seit fast 10 Jahren unschuldig auf den Philippinen im Knast?

Anton Kampfmann (61) kämpft auf den Philippinen um Gerechtigkeit (Teil 1)
20.03.2015 20:05:58 eingesandt von Alex Mais für OnlineZeitung 24.de

Exklusivbericht für OZ24: Am 16. März 2015 landete eine Email in meinem Postfach, deren Absender, Anton Josef Kampfmann, vorgab seit nunmehr fast neuneinhalb Jahren unschuldig in der philippinischen Hauptstadt Manila im Knast zu sitzen, und zwar (immer noch) in Untersuchungshaft. Die Mail war zudem noch an 41 weitere Personen und Redaktionen gerichtet.

Die Philippinen – Ein gefährliches Pflaster?

Nach Einschätzung eines meiner auf den Philippinen lebenden Informanten könnte ein solcher Fall tatsächlich der Realität entsprechen. Es gäbe dort „verschiedene Ausländer die in Untersuchungshaft leben, ohne Anklage“. Der Informant berichtet weiter, dass es auf den Philippinen sehr einfach sei festgenommen zu werden und dann in Untersuchungshaft zu kommen.

Anders als in Deutschland, wo eine Untersuchungshaft in der Regel maximal 6 Monate dauert, hält man es auf den Philippinen offenbar nicht so genau mit dem wörtlichen Sinn der Untersuchungshaft. Da scheinen Häftlinge in U-Haft auch schon mal „vergessen“ zu werden, weil sie sich nicht freikaufen können und die Anwälte korrupt sind, wie Anton (genannt Toni) Kampfmann mir in seiner Mail mitteilte.

Auf den Philippinen genügt es bereits eine hochrangige Person wie beispielsweise einen Bürgermeister oder einen General zu beleidigen und man wird mittels Untersuchungshaft weggesperrt, wie mir mein Informant weiter mitteilte. Der aktuelle Fall des Mailschreibers war ihm leider namentlich nicht bekannt.

Recherche: Realer Fall oder ein Fake?

Ob es diesen Fall tatsächlich real gibt? Zu oft wird mit solchen oder ähnlichen Massenmails Schindluder getrieben. Und auch der Name des Absenders, „Kampfmann“, trägt auf den ersten Blick nicht gerade zur besseren Glaubwürdigkeit bei. Nicht desto Trotz handelt es sich aber dennoch um einen real vorkommenden deutschen Familiennamen. Eine erste Internetrecherche zu diesem Fall brachte keine Resultate. Das könnte zwar bedeuten, dass es keine öffentlich verfügbaren Informationen im World-Wide-Web gibt, muss aber nicht zwangsläufig auf einen Fake hindeuten.

Meine Anfrage an die Deutsche Botschaft in Manila wurde lediglich mit dem Hinweis beantwortet, dass man mir von dort nicht weiterhelfen könne und ich mich doch an die Pressestelle des Auswärtigen Amtes wenden solle. Das Auswärtige Amt bestätigte mir dann in einer Mail vom 20.03.2015: „Die Deutsche Botschaft in Manila ist mit dem Fall befasst und betreut den deutschen Staatsangehörigen konsularisch. Die Botschaft steht mit dem Anwalt und den zuständigen Behörden in engem Kontakt.“

Erfolgreicher bzw. vom Informationsgehalt ergiebiger war dann meine unabhängige Kontaktaufnahme zu Alfred Lehnert vom Foreign Assistance Center Philippinen (zu Lehnert und der Organisation (Kurzform F.A.C.) später mehr). Er konnte mir dann den Fall Kampfmann auch bestätigen und weitere Informationen dazu liefern. So steht definitiv fest, dass es sich um einen realen Fall handelt.

„Mein Kampf um Leben oder Tod in Asien.“

So war die Mail übertitelt. Anton Kampfmann prangert darin das philippinische Rechtssystem an: „In allen Bereichen regiert die Korruption. An den Gerichten herrschen Bestechung, Lüge, Ausländerfeindlichkeit und Korruption.“ So sollen auch Anklagen nur deshalb gestellt werden um Geld von den Angeklagten für ihre Freilassung zu erpressen. Dabei tauchen dann gekaufte Zeugen auf und entlastendes Beweismaterial verschwindet auf nimmer wieder sehen.

Im eigenen Fall, so berichtet Anton Kampfmann weiter, wurde er im November 2005 ohne Haftbefehl inhaftiert. Auch wurde ihm nie eine Klageschrift vorgelegt. Die Zeugen waren nach seiner Aussage gekauft und der Staatsanwalt korrupt. „Damals“, so schreibt er weiter, „wurde ich fast zu Tode gequält.“ Das alles habe nur einem einzigen Zweck gedient: „Einen Schuldigen zu finden, der den wahren Täter decken sollte.“

Nach über zwei Jahren, im Jahre 2008, so schrieb Kampfmann, sei der Richter vom Provinzgericht gekommen und hätte von ihm die stolze Summe von 5 Millionen Piso (philippinische Bezeichnung für die Landeswährung, den philippinischen Peso) für seine Freilassung verlangt. Das entsprach damals nach Anton Kampfmann einer Summe von ca. 95.000 Euro (heute, Stand 20.03.2015, ca. 104.000 Euro). Der korrupte Richter soll dann noch zu ihm gesagt haben (sinngemäß): „Falls du nicht zahlst kannst du im Gefängnis bleiben – bis man dich zum Friedhof bringt.“

Hoffnungslos überfüllt

Ein Aufenthalt in Manilas berüchtigtem Gefängnis, dem Quezon City Jail, im Jahr 2011 hätte ihn fast das Leben gekostet, schreibt Kampfmann. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits zwei Herzinfarkte hinter sich schrieb mir Alfred Lehnert. Damals war Kampmann dort in einer 30 Quadratmeter großen Zelle mit weiteren 120 Insassen untergebracht. Das entspricht rund einen Viertel Quadratmeter (= eine Fläche von 50 cm x 50 cm) Platz für jeden Gefangenen. Ähnliches berichtete bereits die Berliner Zeitung am 22. November 2008: „Die Gefängnisse auf den Philippinen sind hoffnungslos überfüllt. Oft teilen sich 50 Männer eine 20 Quadratmeter große Zelle.“ Und weiter heißt es in dem Bericht der BZ auch, dass die meisten Inhaftierten nicht rechtskräftig verurteilt seien und jahrelang auf ihren Prozess warteten.

Das philippinische Rechtssystem wird dadurch vielfach auch als völlig überlastet dargestellt. Auch ist nach Medienberichten zufolge allgemein bekannt, dass sich dort Infektionskrankheiten wie Tuberkulose schnell ausbreiten können. Die BZ schreibt weiter: „Berichten zufolge gibt es Zellen mit so vielen Insassen, dass sich einige an die Fenstergitter hängen müssen, damit die anderen ein bisschen schlafen können.“

Genauso beschreibt es auch Anton Kampfmann: „Dort herrschen mittelalterliche Zustände, die jedes Jahr Tote fordern, auch ich hätte es nicht überlebt wenn ich nicht nach einem Jahr in eine Provinz Haftanstalt von Manila verlegt worden wäre.“

Anton Kampfmann erinnert sich nur ungern an die Zeit im Quezon City Jail. Dort gab es nur eine kleine Dusche mit WC in der Zelle. Diese wurden von vier Personen gleichzeitig benutzt und die Wartezeit betrug bis zu 3 Stunden und mehr. Nachts wurde das Wasser abgestellt und am Morgen dann der Strom. Sauerstoffmangel, Gestank und Hitze von zeitweise über 50 Grad Celsius machen dort das Leben zusätzlich buchstäblich zur Hölle. Stockhiebe sind an der Tagesordnung.

Zweimal litt Kampfmann während seines Aufenthaltes im Quezon City Jail an akutem Sauerstoffmangel, so dass seine Lunge versagte. Nur durch schnelle Zufuhr von Sauerstoff konnte er nach eigenen Aussagen noch gerettet werden.

Anwälte werden von der Gegenpartei geschmiert

Anwälte, so wurde berichtet, setzen sich kaum für ihre Klientel ein. Und wenn es sich dabei um Ausländer handelt schon mal gar nicht. Nach Anton Kampfmann sollen bis zu 90 % der Anwälte korrupt sein. Um ihre eigenen Taschen zu füllen nähmen sie sogar Geld von der Gegenpartei und arbeiteten denen dann in die Hände.

Schließlich erklärte 2013 ein Gericht in Manila alle bisherigen Verhandlungen, seit der Inhaftierung im November 2005, gegen Anton Kampfmann für rechtswidrig, schrieb Kampfmann in seiner Mail an mich. Doch ansonsten passierte nichts und er sitzt weiterhin unter katastrophalen Umständen im Gefängnis.

Fortsetzung folgt…

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