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Sonstiges: Kultur & Religion

Goldmelone, Speiseschrank und Prügelkiste

Sagen, Märchen und Legenden aus Thailand

Hier ein altes Märchen aus dem altem Siam.

Vor sehr langer Zeit lebte einst ein Mann mit dem Namen Thon, der Standhafte. Er war ein einfacher Mann und seine Aufgabe als Landpfleger machte er mit Freude. Seine Frau hieß Than, die Mildtätige. Es gingen viele Jahre ins Land, und eines Tages, wurden sie stolze Eltern einer Tochter. Sie gaben ihr den Namen Bua Thon, einsame Lotosblume. Beide liebten Bua sehr, und Thon war ein ganz besonders stolzer Vater. Doch Thon hatte nur einen einzigen Fehler: Er war ein Hitzkopf und leicht erregbar zum Zorn. Wenn er mürrisch war, ließ er einfach seine Wut an jedem aus, der ihm begegnete, auch an der zarten Bua, die er sonst so lieb umsorgte und umhegte.

Eines Tages war Bua im Schlafzimmer der Eltern, als eine Katze hereingesprungen kam und mit einem Satz auf die Schlafmatte hüpfte. Bua wollte das Tier verjagen und stieß dabei auf den Krug mit Betelwasser, der neben der Schlafmatte stand, und alles ergoß sich über die Matte. Als Thon es sah, ergrimmte er fürchterlich und schimpfte seine Tochter aus: "Du bist so trottelig wie betrunkener Hund", schrie er, "so wirst du niemals die Frau eines vornehmen Mannes werden können, ja überhaupt eines Menschen! Einzig in der Menge der Waldaffen ist vielleicht noch Hoffnung, einen passenden Ehemann für dich zu finden!" Als Bua das hörte, weinte sie und ihr Herz tat ihr weh. Die Worte des geliebten Vaters waren so hart, daß sie sich schwor, wenn sie groß geworden ist, niemals die Frau eines Menschen zu werden. "Nein", dachte sie laut vor sich hin, "niemals nehme ich einen Menschen zum Mann. Es soll ein Affenmann sein, daß schwöre ich."

Die Jahre vergingen, und als Bua das 15. Lebensjahr vollendet hatte, war sie zu einer hübschen Jungfrau erblüht, und ihre Schönheit wurde überall berühmt. So hofften bald viele Jünglinge insgeheim, sie zur Frau gewinnen zu können. Fast jeden Tag kam ein Freier um ihr den Hof zu machen und sich bei ihren Eltern vorzustellen. Thon und Than empfingen die Gäste in freudiger Zufriedenheit, denn sie waren stolz auf ihre schöne Tochter und glücklich, daß so viele Jünglinge sich als zukünftige Schwiegersöhne vorstellten. Die beiden Alten wiesen keinen der Anträge zurück, und überließen Bua die Wahl. Die jedoch lehnte jeden Freier ab, die enttäuscht nach Hause zurückkehrten. Uns so ging es Jahr zu Jahr. Ihre Hoffnung, die schöne Jungfrau zur Gattin zu erhalten, mußten alle Jünglinge begraben.

Als Bua 19 Jahre alt war und wieder einmal ein Jüngling sein Glück bei ihr versuchte, da wies sie ihn wie alle vorher ab und sagte zu ihrem Vater: "Ich will einen Affen zum Mann haben und keinen Menschen. Du brauchst daher Niemandes Antrag mehr entgegenzunehmen. Ich würde sie doch nur alle abweisen!" Thon war außer sich vor Zorn, doch weder er noch seine Frau wußten, was sie tun sollten. In der Regenzeit des nächsten Jahres wurde Bua schwer krank. Sie sah in ihren Fieberträumen einen Affenfürsten, der gekommen war, um bei ihr zu liegen. Bua aß und schlief nicht mehr, im Fieberwahn träumte sie nur noch von dem Affenmann. Wenn sie die Augen schloß, stand er vor ihr und begehrte von der Liebe. Bua fühlte, wie sie jedesmal mehr Zuneigung zu ihm faßte. Als sie das Sehnen in ihrem Körper nimmermehr ertragen konnte, flehte sie ihren Vater an, ihr zu helfen den Affenfürsten im Walde zu finden. Wenn sie ihn nicht fände, sagte sie, wolle sie sterben. Thon wurde wieder einmal zornig, doch er liebte seine einzige Tochter so sehr, daß er sie in den Wald begleitete. Dort kamen ihnen auch schon die Affen aus dem Gefolge des Affenfürsten entgegengesprungen und geleiteten sie zur Wohnung ihres Herrn. Königlich empfing sie der Fürst und nahm Bua zur Frau. Bevor Thon traurig zurückkehrte, schenkte ihm der Affenfürst eine goldene Wassermelone, die er nach Hause mitnehmen sollte. Thon ärgerte sich über die geringe Gabe und grollte den ganzen Weg zurück: "Ich habe ihm meine Tochter, eine vollreife Menschenfrau gegeben, und er gibt mir dafür einen unbedeutenden Wasserkürbis."

Was jedoch Thon in seiner Einfältigkeit nicht ahnte, war, daß die Wassermelone ganz und gar aus Gold war. Er nahm also die Frucht auf die Schulter und kehrte um. Unterwegs entschloß er sich, seine Last nicht den ganzen Weg bis nach Hause zu schleppen, sondern am Waldrand in der Hütte eines Freundes einzukehren und sich dort auszuruhen. Er erzählte dem Freund, wie er dem Affenfürsten seine Tochter gebracht hatte und er ihm als Gegengabe nur eine Wassermelone gegeben hatte. Da Thon Hunger hatte, bat er den Freund das Fleisch der Melone zu kochen, damit beide davon essen könnten. Die Frau des Freundes kam herein und nahm die Melone mit in die Küche. Aber als sie die Frucht in Scheiben schneiden wollte, glitt das Messer ab, und sie erkannte, daß sie eine Melone aus bestem Gold war. Geschwind versteckte sie ihre Beute und kochte stattdessen eine gewöhnliche Wassermelone. Als alle davon gegessen hatten, waren sie satt und zufrieden. Thon verabschiedete sich von seinem Freund und ging erleichtert und fröhlich nach Hause, um seiner Frau zu berichten, was er im Wald erlebt hatte.

Es dauerte nicht lange, da hatten sie Sehnsucht nach ihrer Tochter. Aber nicht nur das, es kam auch eine Hungersnot über sie, und als Mutter Than es gar nicht mehr ertragen konnte, schickte sie ihren Mann Thon in den Wald zu ihrer Tochter. Wie es ihr wohl ergangen war, dachte sie. Als Thon das zweite Mal im Lager der Affen ankam, trat ihm der Affenfürst mit der schönen Bua entgegen, um ihn nach dem Brauch zu empfangen. Thon erzählte, daß sie in Not gekommen waren und verschwieg auch nicht, noch immer ergrimmt, daß er im Hause seines Freundes den Wasserkürbis des Affenfürsten gekocht und gegessen hatte. Da wußte der Affenfürst natürlich sofort, daß die Goldmelone für seinen Schwiegervater verloren war. Er verschwieg ihm, daß sie aus Gold war, und tröstete ihn mit einem Zauberschränkchen. "Von nun an", sprach er, "brauchen Vater und Mutter nicht mehr Hunger zu leiden. Denn wenn ihr hungrig seid und etwas zu essen haben wollt, so braucht ihr nur an das Schränkchen zu klopfen und jedesmal wird ein Diener heraustreten, um euch zwölferlei Fischfleisch und Süßspeisen vorzulegen."

Voller Freude nahm Thon das Geschenk sehr gerührt von seinem Schwiegersohn an, und verabschiedete sich von beiden. Bevor er jedoch nach Hause ging, kehrte er wieder bei seinem Freund ein und erzählte ihm die Geschichte des Zauberschränkchen. Der Freund lachte ihn schallend aus, als er das hörte. Aber Thon glaubte seinem Schwiegersohn und zum Beweis klopfte er an die Tür. Sofort kam ein Diener hervor und trug Fischfleisch von zwölf Arten und zwölferlei Süßspeisen auf, so wie es der Affenfürst versprochen hatte. Da lud der stolze Thon seinen Freund und dessen Frau ein, zuzugreifen, und sie ließen es sich munden. Das Mahl war so reichlich, daß sogar alle Kinder und die Nachbarn mit ihren Kindern satt wurden. Nach dem Essen nahm Thon das Zauberschränkchen wieder auf die Schulter und kehrte nach Hause zurück: Alle Not hatte für ihn und seine Frau nun ein Ende, dachte er unterwegs.

Die Kunde von dem Zauberschränkchen, das Thon besaß, verbreitete sich schnell auf allen Wegen zu allen Orten des Reiches. Schließlich wußte es sogar der Fürst in der großen Stadt. Der wollte diesen Wunderschrank für sich haben und plante eine List. Er gab ein großes Festessen in seinem Palast. Hochvornehme Gäste sollten bei ihm speisen und die Mönche ihr Speiseopfer erhalten. Auch Thon und Than wurden geladen, sie sollten aber nicht vergessen, ihr Schränkchen mitzubringen. Stolz speisten beide bei Hofe, doch als das Festessen vorüber war, gab der Fürst den Zauberschrank nicht zurück, und schickte Thon und Than mit leeren Händen nach Hause. Da beklagten sie sich gegenseitig über ihr Unglück, und am Ende entschloß sich Thon noch einmal seinen Schwiegersohn um Hilfe zu bitten. Beim Schwiegersohn angekommen, erzählte er ihm all seinen Kummer, und der Affenfürst war empört über das ehrlose Verhalten des Fürsten der Stadt. Um ihm abermals zu helfen, gab er seinem Schwiegervater eine Zaubertruhe. Dies war eine Prügelkiste, erklärte er ihm. Die sollte er ins Haus seines Freundes tragen und danach in den Palast des Fürsten. Dort brauchte er sie nur zu öffnen. Dann sollte er sie vertrauensvoll zurückbringen.

Thon nahm die Zaubertruhe auf die Schulter und schleppte sie zum Hause seines Freundes. Als der Freund und seine Frau ihn mit der Last kommen sahen, dachten sie, daß Thon wieder was Schönes für sie mitbringt. Sie beeilten sich, ihn zum Sitzen einzuladen, aber Thon wartete nicht lange, sondern öffnete die Kiste. Da kam eine Rotte kräftiger Männer ans Licht, und sie schlugen und stießen den Freund und seine Frau vor sich her, und alle schrien wie aus einem Munde: "gebt die Goldmelone zurück, gebt die Goldmelone zurück." So erhielt Thon sein Geschenk wieder und sein Freund entschuldigte sich, daß doch alles nur ein Mißverständnis gewesen sei. Als er die Goldmelone in seinen Händen hielt, schlug er die Prügelkiste zu, nahm sie auf die Schulter und ging geradewegs zum Palast des Fürsten. Der Fürst empfing ihn freundlich: Thon sagte nichts, sondern öffnete sofort die Kiste. Da kamen die Männer wieder hervor und stürzten sich auf den Fürsten und riefen: "Gib das Zauberschränkchen zurück, gib das Zauberschränkchen zurück!" Als der Fürst endlich die Prügel nicht mehr ertragen konnte, händigte er Thon den Speiseschrank wieder aus, und ließ ihn gehen.

Nun hatte Thon seine Wunderdinge wieder und brachte die Prügelkiste zu seinem Schwiegersohn zurück. Jetzt verstand er endlich, daß sein Schwiegersohn kein gewöhnlicher Affenfürst war, sondern ein verwandelter Gott. Das machte Thon und Than mächtig stolz. Von nun an lebten Vater und Mutter mit ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn zusammen in immerwährendem Glück.

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Schlüsselwörter: Thailand | Märchen | Volksmärchen
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