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Die Wasserhyazinthe in Thailand

Von der Wasserplage zur Nutzpflanze

Dickstielige Wasserhyazinthe
Dickstielige Wasserhyazinthe
Die Wasserhyazinthe stammt ursprünglich aus den mittelamerikanischen Urwäldern. Etwa 1880 wurde sie von europäischen Pflanzenexperten zur Zierpflanze kultiviert und auf der Insel Java neu angesiedelt. Als Rama V., der fünfte Chakri-König, 1901 die Insel besuchte, wurde von seiner Gefolgschaft eine Vielzahl an Pflanzen selektiert, die nach Siam mitgenommen werden sollten. Unter den ausgesuchten Pflanzen war auch die Wasserhyazinthe, die den Namen Phak Tob Chava bekam. Zurück in Siam, wurden an vielen Stellen um den Königspalast und an den zahlreichen Kanälen (Klongs) die neue Pflanze mit anfänglicher Begeisterung gepflegt. Bereits nach wenigen Jahren hatte sich aber die Wasserhyazinthe als eine schnellwachsende Wucherpflanze entpuppt, die im Begriff war, nicht nur die Klongs, sondern sämtliche Wasserwege in der Hauptstadt regelrecht zu verstopfen. Erst Rama VI. erkannte vollends die Gefahr und erließ 1913 die Verordnung, dass die Wasserhyazinthe als Schädlingspflanze ersten Ranges unverzüglich als solche behandelt wird. Zu dieser Zeit war die Pflanze bereits in ganz Südostasien heimisch, und so begann nicht nur im alten Siam ein regelrechter Kampf gegen diese Wasserplage, sondern auch in den Nachbarländern bis hin in Gebieten von Australien. Überall versuchte man der Pflanze ihr jegliche Existenzmöglichkeit zu entziehen. So wurden verschiedene Mähmaschinen dazu eingesetzt, chemische Mittel ohne Bedenken versprüht und sogar Feuerherde gelegt. Alles war erfolglos, die widerstandsfähige Pflanze überlebte ! Nur durch mühevolles regelmäßiges Beschneiden konnte man die Ausbreitung mehr oder weniger kontrollieren.

Forschungsprojekt Wasserhyazinthe

Nun begann aber auch eine plötzliche Trendwende und ein Umdenken der Botaniker und Wissenschaftler. Wenn sich diese Pflanzenart nicht erfolgreich vernichten lässt und derart widerstandsfähig ist, so könnte man ja vielleicht diese Pflanze in irgendeiner Form nutzen. Daher erforschte man seit der 50er Jahren die Nutzungsmöglichkeiten der Pflanze. Weil sie viel Protein enthält, wurde sie als Kraftfutter für die Viehwirtschaft und Fischzucht eingesetzt. Ebenso wurde sie damals als Dünger verwendet und auch Versuche, sie in der Papierindustrie verwenden zu können, wurden unternommen. Am Ende jedoch diese Nutzungsmöglichkeiten nicht produktiv genug erschienen, so das man weltweit in den der 80er Jahren resigniert zur Auffassung kam, dass die Wasserhyazinthe sich wohl am besten dazu eigen würde, sich ungehemmt auf dem Mars erfolgreich zu vermehren.

Wenn nun der Nutzen nicht wirtschaftlich genug erschien, wie aber wirkte sich diese Pflanze auf die Umwelt aus. Als man über dieses Umwelt-Projekt über einen längeren Zeitraum Wachstum und die Fasern der Pflanze näher untersuchte, stellte man unerwartet fest, dass die Wasserhyazinthe überdurchschnittlich Schwermetalle aus absorbierten Abwässern aufnahm und so die Abwässer zum Teil reinigten. Als man das Wachstum untersuchte, waren alle erstaunt. So konnte die Wachstumsgeschwindigkeit und Vermehrung ziemlich genau ermittelt werde. Pro Tag (!) erzeugt die Wasserhyazinthe 3-4 neue Ableger, was in einer Woche bis zu 28, und in einem Monat bis zu 120 neue Ableger wären. Nach nur 6-8 Wochen Wachstum ist jede einzelne Pflanze dazu fähig, wirksam metallische Schadstoffe und sogar Ölfilme von der Wasseroberfläche zu absorbieren, wobei sie auch bei Sauerstoffarmut nicht abstirbt. Nach 4 Monaten Wachstum, wenn die höchste Wachstumsgröße erreicht ist, wird die Pflanze geradezu zum Schadstoff-Fresser. Nach 5 Monaten müssen die älteren Pflanzen entfernt werden, damit sie nicht absterben und das Wasser wieder verunreinigen. Aufgrund dieser Ergebnisse wird in Südostasien und sogar in den NASA-Laboratorien am Mississippi die Wasserhyazinthe als ökologisches Reinigungssystem weiter erforscht.

Die Nutzung in Thailand

In Thailand und anderen teilen Südostasiens werden seit über 20 Jahren die ländliche Bevölkerung dazu angeregt, die Wasserhyazinthen von den Rändern der Flüsse und Klongs zu entfernen, um Verstopfungen zu vermeiden, und die abgeschnittenen Pflanzen in der Sonne zu trocknen und Handwerksbetrieben anzubieten. Aus den gewonnenen Blumenstengeln werden, nachdem sie genügend getrocknet sind, kunstvolle Konsumgüter geflochten, womit ein zusätzliches Einkommen in einigen Regionen gesichert wird. Es dauerte viele Jahre der Aufklärung, bis sich das neue Material in der Heimindustrie Thailands durchsetzen konnte. Seit Generationen waren die Handwerker daran gewöhnt, mit härteren Materialien wie Bambus oder Rattan zu arbeiten. Deshalb wurden die traditionellen Werkstoffe weiterhin benutzt und der neue Werkstoff aus der Wasserhyazinthe nicht für extrem bedeutungsvoll gehalten. Erst als die Preise für Bambus immer mehr stiegen und Rattan seltener wurde, gab es bei einigen Handwerksbetrieben ein Umdenken. Schließlich hat die pflegeleichte Wasserhyazinthe den Vorteil, fast umsonst, im Überfluss nachzuwachsen. Seit einigen Jahren wird zwar in Thailand wieder mehr Bambus und Rattan verarbeitet, aber in einigen ländlichen Gebieten wird die Wasserhyazinthe weiterhin als Handwerksmaterial genutzt.

Ich hatte in den 90er Jahren die NASA in einem Brief angeregt, bei einer Mission auf dem Mars, einige Ableger an den wasserhaltigen Polen auszusetzen. Man war über meinen Vorschlag dankbar und erstaunt, bekam aber keine Antwort, ob man den Versuch irgendwann auch mal wagt.

Bildnachweis:
  • Dickstielige Wasserhyazinthe : Wikipedia (This image is in the public domain because it contains materials that originally came from the Agricultural Research Service, the research agency of the United States Department of Agriculture.)

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Schlüsselwörter: Wasserhyazinthe | Thailand
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