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Wissenschaft: Umwelt & Naturschutz

Die thailändische Hummel-Fledermaus

Die kleineste Fledermaus der Welt

Die Fledermaus gehört mit etwa 1.000 Arten sicherlich zu den ungewöhnlichsten Tierarten auf unserem Planeten und hat die Menschen seit Jahrtausenden zu abstrakten Phantasien, ungewöhnlichen Geschichten und Urängsten verleitet. So galten Fledermäuse in früheren Zeiten oft als Unheils-Bringer, Krankheitsverbreiter und Mächte der Finsternis. Dies mag sicherlich auch damit zusammenhängen, dass die Konfrontation eines Tagmenschen mit einem aktiven und lautlosen Nachttier, das wie ein Zwitterwesen, halb Vogel halb Maus, aussah, zu abergläubischen Handlungen und Denkweisen verführte. Die Geschichten dazu könnten mehrere Bücher füllen.

Die Vielfalt der thailändischen Tier- und Pflanzenwelt wird auch durch einige Fledermaus-Arten bereichert. Die ungewöhnlichste der in Thailand beheimateten Fledermaus-Art ist die sogenannte Hummel-Fledermaus, die, mit nur ca. 2 Gramm Gewicht und einer Körperlänge von nur 29 - 33 mm, als eines der kleinsten Säugetier der Welt gilt. Immerhin bringt sie es auf eine Flügelspannweite von 13 cm. Von der Gattung her gehört dieses kleine Exemplar zu den Schweinschnauzen-Fledermäusen. Die wissenschaftliche Bezeichnung ist ein Zungenbrecher: Craseonycteris thonglongyai.

Erst 1973 wurde die kleinste Fledermausart der Welt durch den thailändischen Säugetierforscher Kitti Thonglongya in der Nähe des Kwai-River entdeckt. Dabei bemerkte er zu jener Zeit selber, das es eigentlich eine sensationelle Zufallsentdeckung gewesen sei. Eigentlich dachte er zunächst an eine unbekannte flugfähige Käferart, bis er mit Erstaunen eine dieser Hummelfledermäuse in der Hand halten konnte. Bei seinen weiteren Forschungen fand er auch in einigen Kalksteinhöhlen nahe des Kwai-Noi-Flusses ihr Zuhause. Diese Entdeckung ist in etwa gleichzusetzen mit dem Lophornis pavonina , der kleinsten Kolibri-Art, die 1991 in Dschungel von Südamerika entdeckt wurde, und nu reine Größe von 6-7 cm erreicht.

Thonglongya erkannte sofort, das dieser Fund einmalig sei, und das er eine Fledermausart entdeckt hatte, die sich von allen bisher bekannten Fledermausarten unterschied. So sendete er einige Exemplare zu dem bekannten britischen Forscherkollegen John E. Hill, der im britischen Naturkundemuseum in London arbeitete. Auch John Hill erkannte den sensationellen Fund, konnte aber seinen geschätzten thailändischen Kollegen nicht mehr gratulieren, da Kitti Thonglongya im Februar 1974 plötzlich verstarb. So führte Hill die Forschung alleine weiter, und konnte die Fledermaus nicht nur als neu entdeckte Art und Gattung beschreiben, sondern auch auf Grund ihrer besonderen Eigenschaften neu klassifizieren. Zu Ehren des Entdeckers erhielt diese kleine Fledermausart 1974 die wissenschaftliche Bezeichnung Craseonycteris thonglongyai.

Im Laufe der Jahre konnte man die Lebensweise der Hummelfledermaus nur im Gebiet am Kwai River erforschen. Dabei ist das Beobachten dieser kleinen Exemplare in den dunklen Kalksteinhöhlen sehr zeit-intensiv und schwer, da sich diese kleine Art, auch gegenüber möglichen Feinden, immer in den hintersten und dunkelsten Kammern der Höhlen versteckt und durch kleinste Störungen aufschrecken lässt. Durch diese äußerst erschwerten Bedingungen, konnte man bei den frei fliegenden Exemplaren bis heute schwer erforschen, wie klein wohl die Jungen der Hummelfledermaus sind. Sie leben immer in einer Gruppe von 4 - 5 Tieren zusammen, und werden immer erst gegen 18.00 Uhr aktiv. Dabei verlassen sie seltsamerweise ihre Höhlen niemals durch den Haupteingang, was anfangs viele Forscher irritierte, sondern bevorzugen immer Höhlenkamine und Höhlenspalten als Ausflugsöffnungen. Man vermutet, dass dies eine raffinierte Überlebensstrategie der Hummelfledermaus ist, um möglichen größeren Arten, die in der Regel durch den Haupthöhleneingang fliegen, nicht als Beutetier zum Opfer zu fallen. Ihr Hauptjagdgebiet sind die in der Nähe der Höhlen liegenden Bambuswälder. Zu ihren Beutetieren gehören u.a. kleine Fliegen, parasitäre Wespen und Baumläuse, die nachts in der Nähe der Bambus- und Baumspitzen leben.

Nach der offiziellen Entdeckung gab es immer wieder "Souvenirjäger" die einzelne Exemplare für teures Geld an Touristen oder Liebhaber verkauften. Obwohl bereits in den achtziger Jahren die Hummelfledermaus von der internationalen Naturschutzorganisation IUCN als eine der am meisten bedrohten Arten eingestuft wurde, wurde insbesondere durch lokale nahe Waldrodung und Straßenbau der Lebensraum beschränkt. Seit den neunziger Jahren werden die Höhlen von thailändischen Behörden streng bewacht. Heute schätzt man ihre Anzahl auf nur noch rund 200 Exemplare. Es bleibt zu hoffen, das die ungewöhnliche Fledermaus-Art und noch lange erhalten bleibt.

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Schlüsselwörter: Fledermaus | Thailand | Hummelfledermaus
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