Wissenschaft: Sonstiges

Die verschollenen Seekarten des Zhèng Hé

Als China die Welt entdeckte
24.01.2015 11:05:42 eingesandt von Wilfried Stevens für OnlineZeitung 24.de

Zheng Hes Flotte auf einem Holzschnitt
Zheng Hes Flotte auf einem Holzschnitt
In dem Vierteiler-Beitrag Die Seereisen des Cheng Ho konnte ich nur einen kleinen Teil der umfangreichen Seereisen von Admiral Zhèng Hé, auch unter dem Namen Cheng Ho bekannt, dessen Ausrüstung und seine sieben langen Seereisen, von denen nicht alles bekannt ist, mit seinen Hochseeschiffen beschreiben. Wer sich im Detail mit allen bisherigen bekannten Forschungsergebnissen aus China beschäftigt, kann nur den Kopf schütteln, das dies noch von vielen Historikern geradezu noch als Unsinn beiseite gelegt wird, um nicht die ruhmreichen europäischen Entdeckungsreisen und die bisherige Geschichtsschreibung der Entdeckungsreisen durch Europäer nicht zu beflecken. Man wird schlichtweg als Spinner betitelt. Doch die Tatsachen sind nicht zu leugnen, das der Admiral nicht nur über eine weit überlegene und technisch ausgereifte 80 Meter lange Hochseeschiffe verfügte, sondern auch in der Zeit zwischen 1405-1433) auch alle Weltmeere befuhr. Ob Columbus, Magellan oder Vaco da Gama, sie alle hatten keine Vision oder suchten neue Seewege oder neue Kontinente, nein, alle waren bereits im Besitz von Seekarten, den verschollenen Seekarten des Zhèng Hé !

Wie ich bereits im dritten Teil beschrieb, gab es viele Neider und Intrigen am Kaiserhof von China. Zhèng Hé war dem Kaiser Young Lo treu ergeben, aber als der Kaiser starb, war die Stunde der Gegenspieler und Feinde gekommen. Ihnen störte die Größe, das Genie und die kaum nachvollziehbaren Taten der Person Zhèng Hé. Als dieser starb wurde der größte Teil seiner persönlichen Hinterlassenschaften vernichtet. Sie wollten ihn aus der Geschichte zu verbannen. Ob Seekarten, entdeckte Tiere und Pflanzen, Artefakte und vieles mehr, alles wurde im Laufe der Zeit an Händler verkauft oder vernichtet. Die grosse Zeit von Hochseeschiffen und Entdeckungen war auf einmal vorbei. Auch wenn die Schiff lange Zeit noch weiter fuhren, verlor doch China innerhalb weniger Jahrzehnte mehr Wissen über den Hochsee-Schiffsbau, als der Westen zu diesem Zeitpunkt bereits gelernt hatte. Ein Goldenes Zeitalter der Seefahrt ging in China zu Ende, und China begnügte sich nur noch mit kleinen Handelsrouten nach Indien und Arabien.

Die besten Seekarten der Welt

Zu dieser Zeit gingen grosse Mengen an Seekarten verloren, seinerzeit das wohl am besten gehütete Geheimnis der chinesischen treuen Admiralität gegenüber Zhèng Hé Ein gewisser Khung Chen war einst der Privatsekretär des Admirals und beschreibt die Handhabung von Seekarten und deren Verlust:

"Auf allen Seereisen wurden die Karten zuerst sorgsam nach den zwölf Himmelsrichtungen am Raster korrigiert, nach Süden ausgerichtet und dann wurden die Konturen von Küsten, Inseln, Meeresströmungen und Hindernisse eingezeichnet. Die verfeinerte man mit dem 48-gliedrigen Kompass um dann diese neu anzufertigen. Wenn der Admiral zufrieden war, bekam jeder Kapitän ein genaue Karte aus Bambusstreifen und jeder Offizier eine einfache aus Papier.

Weil jedoch die Araber grosse Kartenmeister hatten und der Admiral den Höflingen misstraute, wurden die Kartenmeister reich belohnt, Karten anzufertigen und dieses zu hüten. Das geheime Kartenschiff fuhr regelmäßig von Nanjing nach Jedda. Alte Karten aber kamen ins Admiralsarchiv unter Verschluss. Als die andere Flotte auf der vierten Reise nach 6 Monaten wieder von Westen zu uns auf dem Meer zurückkehrte, ließ der Admiral auch eine Karte der ganzen Welt anfertigen. Das Wissen aller Seewege, den der Anfang zum Ende, und das Ende zum Anfang aller Meere beträgt exakt 88.000 Li"/i]

"Als der Meister starb und Missgunst und Verrat auch mein Leben trachtete, floh ich mit dem Kartenschiff nach Jedda. Noch sah ich in der Ferne die Meute schändend und mordend, die neuen Herrscher mit ihren Soldaten plündern das Erbe des Admirals, doch das Wissen über alle Küsten dieser Welt nehme ich mit."

So kann man spekulieren, das diese Karten vermutlich (über arabische Händler) nach Europa (Malaga) kamen und so die europäische Expansion zur See erst ermöglichten, auch wenn der Schiffbau nicht so weit fortgeschritten war wie einst in der Ming-Dynastie. Eine Theorie, aber nicht ausgeschlossen - Columbus und andere wussten schon vorher, wohin! sie segeln mussten, da bin ich mir ganz sicher. Und da spielt ein gewisser Matteo Ricci eine wichtige Rolle, der mal aussprach, als er in China war…"gar unglaublich diese alten (chinesischen) Karten, und ich habe noch nicht begonnen". Doch er musste wegen der Kirche schweigen.

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