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Sonstiges: Kultur & Religion

Das Fest der hungrigen Geister

Ahnenkult und Geisterglauben in Asien

Hungrige Geister im Wat Phai Rong Wua
Hungrige Geister im Wat Phai Rong Wua
Eines der spektakulärsten und interessantesten Feste in Thailand ist das chinesische Fest der hungrigen Geister, das im Monatswechsel Juli/August und an mehreren Orten stattfindet, wobei der größte Austragungsort Phuket ist. Der traditionelle Fest wird von den chinesischen Einwanderer seid Jahrhunderten auch ausserhalb Chinas weiter gepflegt. Dabei hört man den Begriff Hungergeist, diese sind, so der Volksglaube zum Beispiel Indien, Südostasien, China und Japan, die unruhigen Geister Verstorbener.

Wie bei den Thais spielt auch hier der alte Mondkalender eine elementare Rolle bei den meisten Buddhisten. Nach den Vorstellungen der Chinesen öffnen sich am letzten Tag des sechsten Mondmonats die Pforten der Hölle für einen Monat. Sobald sie geöffnet sind, begeben sich unzählige hungrige Geister zur Erde.

Diese armen Geschöpfe sind gezwungen auf Nahrungssuche zu gehen, denn sie wurden von ihren Angehörigen vernachlässigt, als diese ihnen keine ausreichenden Opfergaben mehr darbrachten. Die leidgeprüften und ausgehungerten Geister durchwandern ziellos die Welt, und sind, wie bei den Lebenden, dann schlecht gelaunt, wenn man mit einem leeren Magen durch die Gegend ziehen muss. Dabei ist man auch eher bereit allerlei Unsinn anzustellen. Um diesen Unsinn oder gar Unheil möglichst zu verhindern, müssen die umherziehenden Geister durch Opfergaben besänftigt werden. Doch das ist gar nicht so einfach. Da alle hungrigen Geister in ihren Vorleben als Menschen allerlei Untaten zu verantworten hatten, wurden sie in Geisterwelt mit einem kleinen Mund, schmal wie ein Nadelöhr, bestraft. Dadurch sind sie bei der Nahrungssuche derart beeinträchtigt, dass sie als ganz dürre Wesen beschrieben werden. Die Opfergaben, die ihnen die Menschen anbieten, müssen sich schliesslich in irgendeiner Form dem kleinen und nur schwer zu befriedigenden Mund anpassen.

Im Gegensatz zum thailändischen Geist Phii Pret, der mit seinem kleinen Mund sich nur mit unappetitlichem Essen zufrieden gibt, wird für die chinesischen Geister eine ganz spezielle Süßspeise zubereitet: das khanom laa. Dabei handelt es sich um fadendünne Nudeln aus Reismehl und braunem Zucker, die hergestellt werden, indem man den dünnflüssigen Teig durch zahlreiche nadelfeine Löcher eines ganz speziellen Siebes laufen lässt. Aus dem Sieb heraus fällt der Teig direkt in siedendes Öl, wo er sich zu den haardünnen Nudeln verfestigt. Diese Nudeln werden nun den hungrigen Geistern in der Zuversicht angeboten, dass sie die engen Münder sättigen können. Während ihres einmonatigen Aufenthaltes auf der Erde halten sich die Geister am liebsten auf Friedhöfen oder anderen abgelegenen Orten auf, die ein Mensch zu nächtlicher Stunde kaum betreten würde. Die Geistergläubigen vermeiden es dann, solche Orte alleine zu begehen. In der späten Nacht ist es am gefährlichsten, dann verstecken sich die hungrigen Geister auch gerne hinter Kokospalmen und alten Gemäuern, wo sie sich nur durch eine lange, hervorstehende Nase und eine schlangenartige Zunge verraten. Ihre Opfer sind die Lebendigen, die sie mit ihren schrillen Schreien in Panik versetzen und einem das Blut in den Adern gefrieren lassen soll. Aber ganz sicher kann man sich dabei nicht sein, denn es könnte sich in diesem Fall auch um einen thailändischen Phii Pret handeln.

Wenn das Fest der hungrigen Geister beginnt, wird auch dem Gott der Teufel gehuldigt, dem Por Tor Kong. An der Nordseite der Grundschule von Bang Niu in Phuket-City ist ihm sogar ein Schrein gewidmet, an dem regelmäßig traditionelle Tanz-Vorstellungen geboten werden. Dort sieht man dann, das die Gläubigen viele Süßspeisen als Opfergaben hinterlassen. Doch nicht nur das khanom laa wird dazu angerichtet, sondern auch ein spezieller Kuchen aus Reismehl und Zucker, der rot gefärbt und in der Form einer Schildkröte gepresst wird. Die Schildkrötenform symbolisiert bei den Chinesen ein langes und glückliches Leben. Die Kuchen können dabei die Grösse einer Riesenschildkröte erreichen. Wer nach Abschluss aller Fest-Zeremonien einen dieser Kuchen mit nach Hause nehmen möchte, bedarf der Erlaubnis des Por Tor Kong. Ob diese gegeben wird, entscheiden zwei Orakelsteine, die auf einen Altar geworfen werden. Die Art und Weise, wie die Steine dabei fallen, gibt Auskunft darüber, wie Por Tor Kong entscheiden hat.

Am letzten Tag des Monats wird den hungrigen Geistern ein Abschiedsfest bereitet. Da sie sich inzwischen ausgiebig sattgegessen haben, bringt man ihnen keine Speisen mehr. Schließlich sollen die Geister wieder in ihre Welt zurückkehren und sich nicht allzu wohl auf der Erde fühlen. Stattdessen verbrennt man in den chinesischen Tempeln Utensilien, die ein jeder Geist in der Geisterwelt benötig: Papiergeld, Papierkleidung und andere Gegenstände aus Papier für den täglichen Gebrauch. Nun sollten die hungrigen Geister sollen nun für die nächsten elf Monate gut versorgt sein und in ihrer Welt ihre Ruhe haben. Uns mag dies vielleicht unzeitgemäß vorkommen, doch bei den in Thailand lebenden Chinesen ist das eine Jahrhundert alte Tradition, Dies sollte man respektieren und vielleicht Nachts keine abgelegene Orte aufsuchen, wer weiß denn schon, wer das warten könnte…!

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Schlüsselwörter: Thailand | China | Geister | Ahnenkult | chinesisches Fest
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