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Inkompetente Kassiererin trübt Zooerlebnis

Der Dortmunder Zoo in der Kritik einer Behinderten und ihrer Begleitperson

Die beiden Eintrittskarten der Zoo-Abzocke.
Die beiden Eintrittskarten der Zoo-Abzocke.
Viel versprochen – Nichts gehalten – Behinderte abgezockt. So könnte man das, was am Sonntag, dem 25. Mai dieses Jahres an der Kasse des Dortmunder Zoos passiert ist in kurzen Worten schildern. Die offensichtlich nicht ganz kompetente Kassiererin, an die eine Rollstuhlfahrerin mit ihrer Begleitung am Eingang des Dortmunder Zoos geriet, ließ das Zooerlebnis der beiden zu einem Frusterlebnis werden.

Viel versprochen …

Auf der offiziellen Website der Stadt Dortmund hat auch der Dortmunder Zoo im Bereich „Freizeit und Kultur“ seine Seiten. Auf der Zooseite „Preise und Öffnungszeiten“ erfährt man, dass der Eintrittspreis für einen Erwachsenen 8,00 € kostet. Etwas weiter unten heißt es auch unter der Rubrik „Freien Eintritt“: „Begleitpersonen Behinderter, die einer ständigen Begleitung bedürfen ("B" im Ausweis)“. Behinderte selbst, speziell Rollstuhlnutzer, haben ebenfalls freien Eintritt wurde vom Zoo mitgeteilt.

Eine im Rollstuhl sitzende Frau im Alter von 59 Jahren mit einem Schwerbehindertenausweis (GdB 100, Merkzeichen G, aG, H, RF und B als Bestätigung dass eine Begleitperson zwingend notwendig ist) war mit ihrem 29jährigen Sohn als notwendige Begleitperson zum Dortmunder Zoo gekommen, der auch großen Wert auf Barrierefreiheit legt, wie man ebenfalls auf der Website lesen kann („Service und Barrierefreier Zoobesuch“) Hier wird nochmals bestätigt: „Begleitpersonen Behinderter, die einer ständigen Begleitung bedürfen ("B" im Ausweis), haben im Zoo Dortmund freien Eintritt.“

Nichts gehalten …

An der Kasse wurde jedoch verlangt, dass die Begleitperson den regulären Eintrittspreis (das wären 8,00 € gewesen) entrichten müsste. „Sonst erhalten Sie keinen Einlass in den Zoo!“ Der wiederholte Hinweis auf den zugesicherten freien Eintritt einer notwendigen Begleitperson gemäß Merkzeichen B im vorgelegten Schwerbehindertenausweis wurde strikt und rigoros von der Kassiererin ignoriert.

Notgedrungen und frustriert wurde also Eintritt bezahlt. Dieses betrug sage und schreibe nicht den normalen Eintrittspreis, sondern einen um ganze 5,50 € höheren Preis von 13,50 €. Dies ist laut Preisangabe der Preis für eine „Kleingruppe“, die normalerweise aus einer Person mit 4 Begleitern besteht! Das wird bei den Preisangaben auf der Webseite wie folgt erklärt: „Kleingruppen, Kleingruppe 1*** 13,50 Euro“. Etwas weiter unten wird dann die „Kleingruppe“ wie folgt erläutert: „*** (1 Person ab 18 Jahren mit bis zu 4 Personen ermäßigter Tarif, nicht übertragbar)“.

Behinderte abgezockt

Schaut man sich nun die Eintrittskarten an, dann liest man auf der einen Karte einen Preis von € 0,00. In der Zeile darüber steht: „BEGLEITPERSON“. Auf der anderen Karte steht ein Preis von € 13,50 und in der Zeile darüber steht: „KLEINGR. 1“. Das ist schwer bis gar nicht nachvollziehbar und entspricht keinesfalls den Versprechungen des Zoo. Einmal 0,00 € für eine Begleitperson? War diese dann doch umsonst? Aber dann hätte die Rollstuhlfahrerin einen Kleingruppentarif für fünf Personen bezahlt. Dies zeugt wieder einmal mehr für die Unfähigkeit des Kassenpersonals. Hier wurde eine Behinderte mit ihrer zwingend notwendigen Begleitperson abgezockt, die eigentlich nicht einen einzigen Cent hätten bezahlen müssen.

Die Initiative „Hilfe für Behinderte“ hat noch am gleichen Abend die Zoodirektion per Email angeschrieben und um Stellung gebeten.

Eine einmalige Fehlleistung des Kassenpersonals?

Am Montag kam auch prompt die Antwort an die „Hilfe für Behinderte“ – von Zoodirektor Dr. Frank Brandstätter persönlich. In seiner Entschuldigungsmail bedauerte er diesen Vorfall zutiefst. Unter anderem schrieb er: „Zunächst einmal darf ich Ihnen versichern, dass der von Ihnen geschilderte Ablauf an der Zookasse selbstverständlich nicht den Vorgaben des Zoos entspricht. Ihre Verärgerung kann ich durchaus nachvollziehen. Entsprechend haben wir sofort reagiert und die Kassenfirma aufgefordert, die verantwortliche Kassiererin von weiteren Einsätzen an der Zookasse unverzüglich zu entbinden.“

Das ist sicher im Interesse zukünftiger behinderter Zoobesucher und ihrer Begleitpersonen von Vorteil, doch trägt die Kassiererin tatsächlich die (alleinige) Schuld an dem unglücklichen Vorfall? Vielleicht sollte man darüber an verantwortlicher Stelle (Arbeit- und Auftraggeber) nachdenken das Kassenpersonal besser zu schulen und zu instruieren.

Dr. Brandstätter versichert in seiner Antwort weiter: „Der Zoo Dortmund erleichtert, das haben Sie korrekt gelesen, den Besuch von Menschen mit schwerer Behinderung durch freien Eintritt für die jeweilige Begleitperson. Dies ist Praxis im Zoo Dortmund seit vielen Jahren. Aufgrund dieser langjährigen Tradition ist das Verhalten der Kassiererin doppelt unverständlich. Darüberhinaus ist es tatsächlich so, dass Sie mit dem Kleingruppen-Preis in Höhe von 13,50 € einen überhöhten Eintrittspreis gezahlt haben. Dieser ist Ihnen selbstverständlich zurückzuerstatten. Ich möchte mich im Namen des Zoos für das Verhalten des Kassenpersonals entschuldigen. Mir ist unverständlich, wie dies passieren konnte und ich danke Ihnen daher für Ihren Beitrag.“

Weitgehend behindertengerecht

Der Dortmunder Zoo tut tatsächlich viel für Behinderte. So ist das Zoogelände praktisch barrierefrei und alle Tiere können aus der Rollstuhlperspektive gesehen werden. Außerdem gibt es das Angebot eines Zooführers in Braille-Schrift für Menschen mit Sehbehinderungen und mehrere Behindertentoiletten auf dem Gelände.

Der Zoodirektor schreibt dazu in seiner Antwort auch: „Wir werden auch weiterhin dafür Sorge tragen, dass Menschen mit Behinderungen sich bei einem Besuch im Zoo Dortmund wohlfühlen und darf Ihnen versichern, dass wir dafür Sorge tragen werden, dass ein solches Erlebnis, wie Sie es bei uns hatten, nicht noch einmal vorkommt.“

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Schlüsselwörter: Zoo Dortmund | Zookasse | Behinderte | Begleitperson | Eintrittspreise
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Kommentare

OZ24
am 07.06.2014 11:22:11 (83.221.83.xxx) Link Kommentar melden
Echt eine Frechheit, da hilft die Entschuldigung des Direktors leider wenig. Es zeigt nur wieder, dass der Einsatz von Fremdfirmen (hier Kassenpersonal) für bestimmte Aufgaben, einfach nicht die Qualität hat, wie eigenes gut ausgebildetes und geschultes Personal.
Alex Mais
am 07.06.2014 13:37:40 (87.156.84.xxx) Link Kommentar melden
Die Hilfe für Behinderte teilte heute mit:

"Die volle Summe (13,50 €) des zu Unrecht von der Kassiererin einbehaltenen Eintrittsgeldes wurde am 06.06.2014 rückerstattet."

Man muss ja auch bedenken, dass die Kassiererin gleich zwei gravierende Fehler gemacht hat:
  1. Im betreffenden Fall hätte der Eintritt 0,00 € gekostet.
  2. Anstelle des regulären Erwachsenen-Preises hat sie einer Einzelperson einen Kleingruppenpreis abgeknöpft.

Sie hatte also nicht nur absolut "Null-Ahnung" was Behinderte und ihre Begleitung anbelangt, sondern offensichtlich auch keine Ahnung über die regulären Preise. Das gibt zu denken, ob von ihr nicht auch Nicht-Behinderte überteuerte Tickets bekommen haben...

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