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Der Bestattungsratgeber (von Peter Waldbauer)

Kompetent, sachlich, fair – Was der Untertitel verspricht kann das Buch nicht halten

Das besprochene Buch.
Das besprochene Buch.
Als am 10. November 2013 eine Email des Autors Peter Waldbauer bei mir ankam, in der er mich einlud eine Rezension zu seinem neuen „Bestattungsratgeber“ zu schreiben, war die Überraschung groß. Schließlich war die Rezension zu seinem Vorgängerbuch, „Die Bestattungsmafia“, recht negativ ausgefallen.

Sieht so ein Ratgeber aus?

Unter dem Titel seines neuen Werkes, „Der Bestattungsratgeber“, heißt es: „kompetent – sachlich – fair“. Das klingt nach einem Versprechen gegenüber dem ganzen an der Materie beteiligten Personenkreis – also auch gegenüber den Bestattern. Aber, kann das Buch dieses Versprechen wirklich halten?

So ganz kommt der Autor, so scheint es schon im Vorwort, auch in seinem Ratgeber nicht weg – von seiner Darstellung der Bestattungsmafia und seine Seitenhiebe für die Bestatter. Das ist schade, obwohl Peter Waldbauer im Einzelfall sicher recht hat, denn es gibt dem Versprechen der Sachlichkeit und Fairness dann doch schon ganz zu Anfang einen faden Beigeschmack. Sicher ist, es gibt Schwarze Schafe in jeder Branche, auch in der Bestattungsbranche.

Die Ausführungen unter Kapitel „1.2. Wie viel verdient ein Bestatter“ bestehen ausschließlich aus Statistiken und suggerieren wieder des Autors Lieblingsthema von den Bestattern als Bestattungsmafia. Dabei legt der Autor seine Daten aus 2011 vor, ohne deren Quellen zu nennen. Nun ist es ja auch so, dass es zu den verschiedensten Daten die verschiedensten Quellen und Zahlen gibt. Genaue Zahlen gibt es nicht – wenigstens was die tatsächliche Zahl der Institute und Umsätze angeht. Unklar bleibt beispielsweise auch, ob bei der genannten Anzahl der Bestattungsinstitute in Deutschland (nach Waldbauer 4.400) beispielsweise die Filialen der Großen der Branche einbezogen sind oder nicht. Die zur Ideal-Lebensversicherung gehörende Bestatterkette Ahorn AG (früher Ahorn-Grieneisen) hat deutlich über 200 Filialen (die Zahlen liegen um 230 bis 250), die im Grunde als eigenständige Institute in der Statistik gesehen werden müssten. Erhebungen vom 30. Juni 2012 besagen dann auch das es in Deutschland 5.244 Bestattungsinstitute gibt. Doch auch dies ist alles relativ. Solche im Grunde nichts sagende Statistiken haben in einem Ratgeber nichts verloren und gehen weit am eigentlichen Thema vorbei.

Die Leichenschau – ein leidiges Thema

Lobend erwähnt werden muss der folgende Teil bezüglich der ärztlichen Leichenschau. In aller Ausführlichkeit wird dabei auch auf bestehende Probleme mit der Ärzteabrechnung hingewiesen (siehe hierzu auch: „Immer wieder Ärger mit der Leichenschau und der Todesbescheinigung“ Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4,). Allerdings hat sich auf Seite 21 unten ein Fehler eingeschlichen. Nicht bzw. nicht nur der „vertrauliche Teil des Leichenschauscheins“ muss beim Verstorbenen verbleiben, sondern mindestens der nicht vertrauliche Teil, da dieser so wichtige Daten enthält wie die Todesart und die Hinweise auf mögliche ansteckende Krankheiten, wie der Autor bereits auf Seite 18 richtig festgestellt hat.

Ab Seite 23 wird die Beurkundung eines Sterbefalles abgehandelt. Dazu sei anzumerken, dass es nicht an allen Standesämtern eine kostenfreie Urkunde für das Pfarramt gibt. In NRW beispielsweise sind es die wenigsten, wenn heute überhaupt noch. Die Gebühr für die Sterbeurkunden sind kommunale Gebühren und damit Ländersache und somit von Bundesland zu Bundesland (nicht, wie der Autor schreibt, „von Behörde zu Behörde“) verschieden. Dies sind im Großen und Ganzen gesehen vielleicht Kleinigkeiten, die so jedoch in einem kompetenten Ratgeber nicht auftreten sollten.

Die Bestattungsarten

Kapitel 3 handelt die Bestattungsarten ab. Auf Seite 27 ist als Vorteil einer Feuerbestattung beispielsweise aufgeführt: „Kostengünstiger als Erdbestattung“. Dies ist nur bedingt richtig, da viele Feuerbestattungen, vor allem wenn die Beisetzung in einem regulären Urnengrab auf einem heimischen Friedhof erfolgt in Etwa mit den Kosten einer Erdbestattung gleich liegen oder diese sogar übersteigen können. In der Regel sind es lediglich zwei Faktoren, die bei der Feuerbestattung gegenüber der Erdbestattung Kosten einsparen lassen. Das sind zum einen der Sarg und die Ausstattung (Deckengarnitur) und zum anderen das Urnengrab als in der Regel preisgünstigere Variante zum Erdbestattungsgrab. Andererseits wird aber vergessen, dass es bei der Feuerbestattung zusätzliche Kosten gibt, die bei einer Erdbestattung nicht anfallen. Dazu gehören beispielsweise die zweite Leichenschau, die in der Regel zusätzliche Überführung zum Krematorium, die Krematoriumskosten, Der Urnenversand oder die Urnenüberführung, die Schmuckurne. Zudem kann es durchaus vorkommen, dass auch ein hochwertigerer Sarg bei einer Feuerbestattung von den Angehörigen gewünscht wird. Alternativ kann auch ein einfacher Feuerbestattungssarg für eine Erdbestattung gewählt werden, was beispielsweise bei einer Sozial- oder Ordnungsamts-Bestattung übliche Praxis sein kann (siehe auch Seite 38f „Sozialbestattung“).

Zur Diamantbestattung (S. 30f) verweise ich auf den bei der OZ24 veröffentlichten Artikel Wenn Diamanten auf dem Friedhof beerdigt werden müssen...

In Kapitel 3.6. werden dann ab Seite 41 sogenannte „Sonderbestattungen“ vorgestellt. Darunter die in Schweden entwickelte „Stickstoff-Ökobestattung“ oder die aus Nordamerika stammende „Kalilaugenbestattung“. Beides sind Varianten, die in Deutschland nicht zur Verfügung stehen und auch eigentlich eher in ein Bestattungsfachbuch für ein Fachpublikum, aber nicht in einen Ratgeber gehören, der für die Allgemeinheit gedacht ist.

Das Kapitel 3 schließt ab mit der Thematik der „Bestattungen im Dienste der Wissenschaft“. Drei Arten sind hier aufgeführt, wobei so richtig eigentlich nur die erste, die „Körperspende“ für eine medizinische Lehranstalt, so richtig hier hineinpasst. Die als zweite genannte Variante, die „Plastination“, ist vielmehr eher ein perverses Showprojekt von Gunter von Hagen, dessen öffentliche Ausstellungen extrem umstritten sind. Die „Kryonische Bestattung“ bzw. das Einfrieren des Körpers basiert kaum auf wissenschaftlichem Interesse sondern vielmehr auf dem Wunsch der Verstorbenen, die dies in Betracht ziehen, in Zukunft wieder zum Leben erweckt werden zu können. Doch dies dürfte nüchtern betrachtet genauso unsinnig sein wie die Mumifizierung der ägyptischen Pharaonen, die auf ähnlichen Motiven basierte.

Kapitel 4 (S. 48 bis 56) behandelt „Grabort und Grabarten“. Hier ist im Wesentlichen alles Wichtige dazu geschildert sofern es sich um Bestattungen auf herkömmlichen Friedhöfen, nicht um sogenannte Naturbestattungen, handelt.

Immer wieder: Bestatter als Buhmann

Auf Seite 57 beginnt das 5. Kapitel mit Peter Waldbauers Lieblingsthema, dem Bestatter. Spätestens jetzt und schon im ersten Absatz fühlt man sich zurückversetzt in sein Werk „Die Bestattungsmafia“, wenn er da abfällig vom Typ des Bestatters schreibt: „…stellt sich nun die Frage, welchen Bestatter, welchen Typ von Bestatter Sie überhaupt beauftragen sollen.“ Auch wenn teilweise entschärft, so verfällt der Autor hier doch wieder deutlich in seine Mafiaszene. Dies an dieser Stelle noch einmal zu kommentieren spare ich mir hier. Dass einzig Positive in diesem Kapitel sind seine Ausführungen zum polizeilichen „Bergungsauftrag“, die man durchaus als wertvollen Hinweis einstufen kann.

Kapitel 6 umfasst „Das Trauergespräch“. Hier gibt der Autor eine durchaus gute Zusammenfassung wertvoller Hinweise auf seriöse Bestatterpraktiken und seriöses Auftreten. Geschildert werden Situationen und Dinge, die eigentlich für jeden Bestatter selbstverständlich sein sollten – aber leider nicht immer sind.

Der teilweise positive Eindruck aus insbesondere dem 6. Kapitel wird allerdings in Kapitel 7 („Sargauswahl“) endgültig zu Nichte gemacht. Spätestens ab hier kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man gerade „Die Bestattungsmafia“ Band 2 liest. Da wird der Bestatter dann als Abzocker dargestellt, der (nicht nur) seine Särge mit (bis zu) 1.000 % Aufschlag verkauft. So schreibt er beispielsweise: „Aus einem Verkaufspreis von 2.000 Euro werden so schnell 200 Euro Einkaufspreis.“ (S. 80) Das Traurige ist, dass der normale Durchschnittsbürger, der dies liest, dies alles für bare Münze hält und auf jeden Bestatter bezieht. Eine Volksverdummung übelster Form, zumal hier ganz offensichtlich pauschal dargestellt wird. Der Untertitel des Buches, „kompetent – sachlich – fair“ klingt da nicht nur wie ein Hohn, sondern das Gegenteil ist hier der Fall.

Unweigerlich erweckt der Autor den Anschein, dass alle Bestatter Betrüger sind, weil es sich so liest als beträfe es alle Bestatter: „Den Angehörigen wird entweder ein eichenähnlicher Sarg als Eichen-Vollholz verkauft oder der echte Eichensarg wird später heimlich ausgetauscht.“ (S. 84) Oder: „Die Angehörigen wählen im Ausstellungsraum das teure Eichenholzmodell zum Preis eines Gebrauchtwagens, der Verstorbene liegt nachher im Aufbahrungsraum im minderwertigen Eichenimitat. Berechnet wird selbstverständlich das Eichenvollholzmodell.“ (S. 84) Das kommt auch in Kapitel 10 („10.3 Sargtausch“) wieder zu Tage: „Vor der Einlieferung im Krematorium tauscht der Bestatter den teuren Sag gegen einen normalen, billigen Verbrennungssarg aus… Der teure Sarg wird trotzdem berechnet.“ (S. 109) Es mag vielleicht Einzelfälle geben, in denen mal ein Bestatter Särge austauscht und somit definitiv Betrug begeht. Sobald so etwas jedoch publik wird, sind seine Tage als Bestatter mit Sicherheit gezählt.

Der Bestatter als Krimineller?

Kapitel 8 handelt das Thema der Überführungen ab und lässt ebenfalls nur wenig Positives durchblicken. In einem hat der Autor jedoch Recht: Es gibt definitiv immer wieder Fälle wo insbesondere Heimpersonal und Pflegepersonen von Bestattern illegal geschmiert werden. Deshalb gilt da definitiv: Lassen Sie sich nicht vom Heimpersonal zu einem bestimmten Bestatter drängen. Nehmen Sie einen Bestatter, den Sie vielleicht schon kennen, mit dem Sie gute Erfahrungen gemacht haben und dem Sie vertrauen. Jeder Bestatter kann überall in Deutschland tätig werden.

Auch im Kapitel 9, das von der Versorgung der Verstorbenen handelt, lässt Waldbauer kein gutes Wort für die Bestatter übrig, die nach seinen Schilderungen allesamt rüde und skrupellos ihre Arbeit verrichten, Kleidung des Verstorbenen gar nicht anziehen und schlimmer. Das Ganze gipfelt in seiner Aussage: „Geld und Schmuck befinden sich zum Zeitpunkt der Beisetzung nicht mehr im Sarg.“ (S. 101) Der Bestatter oder sein Bestattungsgehilfe haben es geklaut. Dies jedenfalls will Waldbauer mit dieser Aussage ausdrücken. Schlimmer noch: „…Bestatter sammeln nicht nur Schmuck systematisch ein, sondern brechen den Toten mit einer kleinen Zange auch die Goldzähne heraus.“ Dies habe „Tradition“, heißt es und der Autor beruft sich dabei auf eine Dichtung des Dichters Gottfried Benn aus dem Jahre 1912 als Quelle.

In Kapitel 11 geht es um die sogenannten „Fremdleistungen“. Das sind Posten, die nicht vom Bestatter selbst ausgeführt, sondern mehr oder weniger lediglich vermittelt werden. Dazu gehören nicht nur die im Buch genannten Posten wie Blumenschmuck, Traueranzeigen usw. Selbstredend, dass der Autor den Bestatter hier wieder als Buhmann und Abzocker hinstellt, weil er angeblich bei jeder Fremdleistung satte Prozente kassiert. Zwar gibt es bei Zeitungen die Praktik, dass Bestattungsinstitute dort quasi als Agentur geführt werden und eine prozentuale Vergütung erhalten, doch bringt dies einzig und allein finanzielle Nachteile für die Zeitung. Der Kunde bezahlt so oder so den regulären Preis für die Annonce nach der Preisliste – egal ob der Bestatter die Annonce aufgibt oder der Kunde selbst. Peter Waldbauers permanente „Tipps“ (sinngemäß): Lassen Sie dies und das nicht über den Bestatter regeln, sondern machen sie es selbst. Sonst berechnet der Bestatter Ihnen diese Dienstleistung. Da möchte man in manchen Fällen den Buchverlagen glatt den Tipp geben: Schreiben Sie Ihre Bücher selbst, sonst müssen Sie dem Autor noch ein Honorar zahlen…

Auch die Sargträger sind Bestandteil des Kapitels Fremdleistungen. Dies kann sein, wenn es vor Ort üblicherweise Trägerdienste gibt. Sind diese jedoch vom Bestattungsinstitut gestellt, dann handelt es sich um eine Eigenleistung des Bestatters, nicht um eine Fremdleistung. Die kosten dann nach Waldbauer um die 30,00 Euro. – Soll wohl heißen, der Bestatter sahnt wieder kräftig ab. Egal ob die Sargträger zu den Festangestellten des Bestatters gehören oder ob sie lediglich in einem Minijob auf Basis der geringfügigen Beschäftigung dieser Tätigkeit nachgehen – es ist eine Lohnarbeit, die in der Rechnungssumme nicht nur Mehrwert-/Umsatzsteuerpflichtig ist, sondern vor allem auch Lohnsteuerpflichtig und mit Sozialabgaben (mindestens Krankenversicherungs- und Rentenversicherungsbeiträge mit den Umlagebeträgen sowie über die Berufsgenossenschaft Unfallversicherungsbeiträge kostet) belegt ist. Unter 20,00 Euro netto kommt kaum noch ein Träger. Was bleibt da noch für den Bestatter?

Kapitel 12 handelt die „Rechnungen“ ab. Dabei geht es nach Waldbauer permanent um irgendwelche Bestatterabzocke durch Doppelberechnungen. Man gewinnt hier den Eindruck alle Bestatter rechnen jede Dienstleistung doppelt und dreifach ab. Das nachfolgende Kapitel „Sterbegeld – Versicherungen“ wird viel zu kurz und oberflächlich abgehandelt anstatt dass es tatsächlich wertvolle Ratschläge im Sinne eines Ratgebers gibt.

Ein Negativbeispiel und die ganze Branche ist in Verruf

Im Kapitel 14 geht es um „Vorsorgeverträge“. Mehrmals betont der Autor, dass der vorsorgende Vertragsschließende bloß kein Geld an den Bestatter für die dereinstigen Bestattungskosten bezahlen soll. Da wird als Negativbeispiel ein Kölner Großbestatter bemüht, der 1,5 Millionen Euro Vorsorgegelder seiner Kunden bei Spekulationen verzockt haben soll. Das machen dann alle Bestatter so – oder was? Und doch hat Peter Waldbauer da einmal Recht, aber aus ganz anderen Gründen, die im Buch gar nicht genannt werden. Wenn ein Bestatter Geld einnimmt, so muss von dieser Einnahme direkt die Mehrwertsteuer abgeführt werden. Dabei spielt es keine Rolle ob die Leistung bereits erbracht wurde oder irgendwann in ferner Zukunft liegt. Solche Gelder aber sollten möglichst sicher und vor allem Zinsen bringend angelegt werden. Der Mehrwertsteueranteil (ca. 1 Fünftel) schmälert aber deutlich die Zinseinnahmen, die ja auch Preissteigerungen in der Zukunft zumindest helfen sollen abzufangen. Und dafür gibt es eben die Deutsche Bestattungsvorsorge Treuhand AG, auf die Peter Waldbauer ja auch mehr oder weniger positiv hinweist.

Ein Bestattungsvorsorgevertrag ist ein Vertrag, der abgeschlossen wird um auch eingehalten zu werden – und zwar in letzter Konsequenz. Dies geht nicht, wenn die Finanzierung nicht gesichert ist. Die Finanzierung ist aber nur dann gesichert, wenn der Bestatter im Fall des Falles auch sicher sein kann sein Geld zu bekommen. Und das geht im Grunde nur auf zwei Arten: Die Treuhandvariante für alle die, die das Geld dafür haben und eine Sterbegeldversicherung mit Bezugsrecht des Bestattungsinstituts (alternativ eine vorhandene Lebensversicherung mit einem Neueintrag des Bezugsrechts für den Bestatter). Natürlich bekommt der Bestatter, wenn er die Versicherung abschließt, eine Versicherungsprämie – genau, wie jeder andere Versicherungsagent auch. Schließlich ist dies eine Tätigkeit/Dienstleistung für das Versicherungsunternehmen und für den Endkunden kostenlos.

Ein Bankkonto, egal welcher Art auch immer, ist keine Lösung, da hier eine Drittperson Zugriff darauf hat, von deren Wohlwollen alles abhinge. Da gibt es die tollsten Erfahrungen und selbst die vermeintlich vertrauensvollste Person kann sich da im negativsten Sinne outen. Wie heißt es doch so schön: Bei Geld hört die Freundschaft auf! Und das selbst im Familienkreis. Wichtige Aspekte, die dieser vermeintliche Ratgeber verschweigt.

Pauschale Aussagen sind schlechte Ratschläge!

Bedenklich ist in Kapitel 15 „Nach der Bestattung“ die in Abschnitt 15.3. „Grabpflege“ pauschal gemachte Empfehlung des Autors das Grab mit einer Grabplatte (komplett) abzudecken, um die Bepflanzungskosten und deren Folgekosten zu sparen. Viele Friedhöfe erlauben solche Grababdeckungen (auch Steine wie Kies oder ähnliches) nicht oder nicht mehr.

Im 16. Kapitel unter dem Motto „Gebührenordnung“ verweist der Autor zum zweiten Mal (nach S. 158) darauf, dass „die vorübergehend aufgestellten Holzkreuze und Holzplatten“ nicht genehmigungspflichtig seien. Diese Pauschalaussagen sind nicht korrekt! Auf vielen Friedhöfen sind auch diese genehmigungspflichtig und in der „Grabmal- und Bepflanzungsordnung“ sogar in Art und Aussehen eingeschränkt. Wir sehen zum wiederholten Mal, dass man sich auf die Aussagen, Tipps und Hinweise in diesem vermeintlichen Ratgeber nicht unbedingt verlassen sollte. Zudem ist vieles, was auf manchen Friedhöfen erlaubt ist, als pauschaliert „allgemeingültig“ dargestellt, was so wiederum absolut falsch ist.

Ab Seite 184 enthält das Buch in Kapitel 17 einen recht umfangreichen Serviceteil mit Checklisten. Als erstes gibt es dort die Checkliste „Im Falle meines Todes (Dokumentenmappe)“. Auf rund 9 Seiten ist dort so ziemlich alles gelistet, was bei einem Sterbefall Dokumenten mäßig zu beachten und zu erledigen ist. Das ist eine wertvolle Hilfe für die Hinterbliebenen bei der Abwicklung der zu erledigenden Formalitäten. Weiter geht es dann ab Seite 193 mit der „Checkliste: Maßnahmen im Todesfall“.

Schlimmer geht’s nimmer

Ab Seite 195 werden die benötigten Papiere der Verstorbenen zur Beurkundung des Sterbefalles aufgelistet. Da heißt es bei Spätaussiedlern/Vertriebenen, dass „Urkunden in kyrillischer Schrift“ in deutscher Übersetzung („durch einen in Deutschland vereidigten Übersetzer“) vorgelegt werden müssen. Gleiches schreibt der Autor für die Beurkundung bei Ausländern bezüglich „Scheidungsurkunden“. Dies erweckt den Anschein, dass andere ausländische Urkunden nicht übersetzt sein müssen. Generell aber gilt, dass alle nicht in deutscher Sprache abgefasste Urkunden (internationale, also mehrsprachige Urkunden ausgenommen, wenn sie die deutsche Sprache mit beinhalten) in beglaubigter Übersetzung vorliegen müssen. Die fremdsprachigen Originale sind ebenfalls vorzulegen. – Gravierende Fehler, die in einem Ratgeber nicht passieren sollten.

Der Serviceteil Kapitel 17 schließt ab mit einer Checkliste über die Kosten (verursachenden Posten) der Bestattung und einer Übersicht über Qualitätssiegel für Bestattungsunternehmen. Alles in allem kann man Kapitel 17 als Hilfe ansehen, die den Ablauf eines Sterbefalles mit abschließender Bestattung für beide Seiten (Angehörige und Bestatter) einfacher und unkomplizierter machen kann.

Kapitel 18 ist ein recht umfangreiches Adressverzeichnis bestattungsrelevanter Verbände. Hier jedoch einseitig kommunale Bestattungsunternehmen aufzuführen halte ich für sehr bedenklich. Gleiches gilt für das Kapitel 19 mit seinem Verzeichnis von Webadressen. Kapitel 20 ist das abschließende Quellenverzeichnis. Sein Umfang soll einerseits eine umfangreiche Recherche belegen, doch fehlen andererseits wichtige sachkompetente Quellen.

Das Fazit, das ich aus diesem Buch ziehen muss: Im Buch befinden sich durchaus ein paar wenige Ansätze, die auf einen Ratgeber hindeuten könnten. Doch der erste Eindruck dazu zerplatzt beim Lesen des Gesamtwerkes wie eine Seifenblase. Das Buch ist kein Ratgeber für Angehörige und Betroffene, es scheint mehr eine Anleitung zu sein für Gangster, Gauner und Betrüger, die sich im sensiblen Bestattungsgewerbe niederlassen wollen. Es hätte mehr den Titel „Bestattungsmafia Band 2“ verdient. Unter dem Deckmantel eines „Ratgebers“ wird hier nur wieder einmal mehr eine ganze Branche in den Schmutz gezogen. So gilt hier auch der Spruch: „Weniger wäre mehr gewesen!“

Peter Waldbauer, Jahrgang 1966, ist Betriebswirt und wohnt als freiberuflicher Dozent und Autor in der Nähe von Heidelberg. Während seines Studiums arbeitete er vier Jahre in der Bestattungsbranche. Er veröffentlichte Essays und zwei Sachbücher: „Lexikon der antisemitischen Klischees – antijüdische Vorurteile und ihre historische Entstehung“ und „Die Bestattungsmafia – Wie mit dem Tod Geschäfte gemacht werden“..

Peter Waldbauer: „Der Bestattungsratgeber“; 244 S., Format: 14,5 x 20,7 cm, Paperback, ISBN 978-3-95558-032-2, Brandes & Apsel Verlag, Frankfurt/M. 2013, Preis: 19,90 €.

Bildnachweis:
  • Das besprochene Buch.: Foto: Alex Mais (Unterliegt dem deutschen Urheberrecht.)

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Schlüsselwörter: Bestattungsmafia | Bestatter | Leichenschau | Abzocker | Betrüger
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