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Wirtschaft & Finanzen: Steuern & Steuerrecht

Keine BAR-Zahlung – sonst Steuerbonus weg!

Bei der Steuererklärung muss ein Überweisungsbeleg vorhanden sein

Da ließ ein Hausbesitzer sein Dach neu eindecken. Der Dachdeckermeister hatte schlechte Erfahrungen mit der Zahlungsmoral seiner Kunden gemacht ( vgl.: Die Zahlungsmoral der Deutschen wird immer schlechter) und verlangte eine Barzahlung cash auf die Hand. Unglaublich, aber Pech des Kunden: Er verlor dadurch seinen Steuervorteil…

Der Hausbesitzer und Kunde des Dachdeckermeisters war durch die Barzahlung, auf die er sich eingelassen hatte, der geneppte. Das Finanzamt wollte einen Überweisungsbeleg sehen und ansonsten die Kosten nicht anerkennen. Einen solchen gab es nicht, der Betrag war ja Bar bezahlt worden. Der Dachdeckermeister hatte den Erhalt des Geldes ordnungsgemäß auf der Rechnung als Barzahlung quittiert. Doch dies genügte dem Finanzamt nicht.

Der Hammer: Die ehrenwerten Richter des Finanzgerichts in Sachsen-Anhalt gaben dem Finanzamt recht! Das änderte sich auch nicht, nachdem der Steuerberater des Dachdeckermeisters die Barzahlung und den ordnungsgemäß verbuchten Geldeingang schriftlich bestätigte. Die Richter waren der Auffassung, dass der gesetzgeberische Zweck die Schwarzarbeit einzudämmen die Einschränkung auf eine unbare Zahlung der Handwerkerrechnungen rechtfertige! Und falls der Handwerker Bedenken gegen die Bezahlung habe, so könne immerhin eine vorherige Abschlagzahlung vereinbart werden. (Az.: 1 K 791/07)

Wegen der Tragweite dieses Urteils und seiner grundsätzlichen Bedeutung ist die Revision vor dem Bundesfinanzhof zugelassen worden. (Az.: VI R 14/08) Wir dürfen auf dessen Entscheid gespannt sein…

Ähnlich sieht es aus, wenn ein(e) Bewohner(in) eines Altenheimes (oder einer ähnlichen Einrichtung) einen eigenständigen, abgeschlossenen Haushalt führt und diese eigene Wirtschaftsführung nachweisen kann (eigene Kochgelegenheit im Zimmer ist Voraussetzung) kann. In diesen Fällen können nämlich Steuerermäßigungen für „haushaltsnahe Dienstleistungen“ (= handwerkliche Tätigkeiten in der eigenen Wohnung, wenn es sich dabei um kleinere Schönheits- oder Ausbesserungsarbeiten handelt) in Anspruch genommen werden.

Voraussetzung für die Steuerermäßigung ist aber auch hier die Vorlage einer Rechnung und der Nachweis über eine unbar getätigte Zahlung. Hierzu teilte das OFD Koblenz unter Az.: S 2296b A – St 32 3 (06.03.2008) mit, dass die begünstigte Dienstleistung dem Heimbewohner regelmäßig gesondert in Rechnung gestellt werden muss. Wenn nur ein Heimvertrag vorliegt, könnten sich Nachweisprobleme ergeben, wenn keine Aufteilung des Entgelts vorgenommen wird. Außerdem, weist das OFG nochmals darauf hin, dass Bargeschäfte nicht begünstigt sind (weder mit, noch ohne Rechnung).

Da wird die deutsche Rechtsprechung doch immer verrückter – zum Nachteil ehrlicher Steuerbürger. Kein Wunder, wenn da immer mehr Menschen am Finanzamt vorbei verdienen wollen. Die beschwören es ja regelrecht herauf…

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Schlüsselwörter: Steuern | Finanzamt | Bürgerbenachteiligung | Abzocke | Barzahlung | Bundesfinanzhof
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Kommentare

Alex Mais
am 04.07.2008 08:57:51 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
Das Finanzgericht Sachsen-Anhalt hatte in seinem Urteil vom 28.02.2008 (Az.: 1 K 791/07) auch argumentiert, dass es dem Gesetzgeber frei stehe für die Gewährung von Steuerermäßigungen ausschließlich unbare Zahlungsmodalitäten vorzuschreiben. Die Richter des FG Sachsen-Anhalt gehen davon aus, dass die Differenzierung zwischen unbarer und barer Zahlungsweise nicht zu einer Ungleichbehandlung führt und somit dabei keine unverhältnismäßige Beschränkung zu sehen ist.

Alle betroffenen Steuerzahler sollten aber auch bar bezahlte Rechnungen in der Steuererklärung angeben. Im Falle einer Ablehnung der Anerkennung sollte Einspruch eingelegt werden und dabei auf das anhängige Verfahren beim Bundesfinanzhof hingewiesen werden (Az.: VI R 14/08).

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