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Wissenschaft: Forschung

Mit der Wand gegen den Kopf 3

Erschreckendes aus dem Umfeld

Collage: Stimme Russlands
Collage: Stimme Russlands
Fünf Wochen gehen ja schnell um. Was geschah ums Projekt ArtBonus in dieser Zeit und ob ein Alternativ-Modell zur herkömmlichen Psychiatrie in der deutschen „modernen Gesellschaft“ eine Überlebenschance bekommen kann?

Angeschrieben wurden nicht nur sog. Landesverbände Angehöriger psychisch Kranker e.V.´s, denen die Verständigung mit Ihren „kranken Kindern“ am Herzen liegen müsste, auch den Deutschen Gewerkschaftbund haben wir über die entstandenen Probleme um das ArtBonus-Modell informiert. Hier, dachten wir, wo beinahe jedes verlorene Mitglied zum HartzVier wird, müsste die zugesandte Botschaft doch auf Interesse stoßen. Aber, April-April… auch hier kam bis jetzt keine Antwort. Da werden wir kommende Woche etwas rumtelefonieren müssen, denn wenn die Gewerkschaften übersehen haben sollten, dass hierzulande eine „psychiatrisch-therapeutische Zukunft“ für Langzeitarbeitslose vorbereitet wurde/wird, dann gute Nacht… Für die Gewerkschaften, natürlich…

Als erstes meldete sich der Weißer Ring und dann doch noch der Paritätische Verband Brandenburg, der sich zum 7.06.2013 mit einem Besuch Vorort angemeldet hat, um zu schauen, wie schnell eine Lösung gefunden werden kann. Wir wären ein wichtiges Projekt, wurde gesagt und unsere Form ist etwas Besonderes; also: Es wird schon, „sie dürfen nicht aufgeben!“ – hieß es.

Beim Weißen Ring sind wir nach so vielen Jahren Arbeit im „Bereich Menschenrechte“ (leider?) bekannt, da brauchten wir also Gott sei Dank nicht allzu lange erklären, dass so manche „Verschwörungstheorie“ doch reale Praxis ist. (Vergleiche: Report Mainz – Autorengespräch zum Fall G. Mollath.) So kam es auch relativ schnell zum Besuch eines WR-Mitarbeiters Vorort von dem wir zuerst mal mit mehreren Tipps „angeschoben“ wurden. In unserem engagierten Eheleben gab es schon mal eine skurrile Entführung im echten Hollywood-Militär-Stil – da wird man einerseits von hinten „an die Eier“ gepackt, mit Handwaffe in den Hinterkopf geschlagen und ins fremde Auto eingepresst. Danach Schläge beim ständigen Gebrülle oder Gezische, dass du bald umgebracht wirst. Aber erst mal dein Kind, wenn du nicht das oder dies tust. „Einschüchterungsversuche“, die stundenlang andauern, irgendwann verschwindet erst der Schmerz, ein stummes Getrommel bleibt, Stunden später verschwinden auch die Täter. Du sammelst dich zusammen und staunst, dass dein Ohr gute 30 cm Durchmesser haben kann und du durch deine Augen, wie aus einem fremden Spaceschiff schaust, obwohl sie durch die Anschwellung kein Licht erblicken dürften. Du schleppst dich aufrecht und gehst wütend und ruhig zugleich in Richtung Zivilisation, ohne zu wissen, wo sie ist und wo du dich gerade befindest. Fremde Welt, gestern nur in einem Thriller möglich, wird heute zu deiner Neuen Realität. Irgendjemand kam auf die Idee, dich aus irgendeinem unerklärlichen Grund zu vernichten… irgendwann erkennst du, wo du bist, denkst nur an deine Frau, die sicherlich gerade vor Angst stirbt, weil dein Handy außer Haus noch nie aus war. Sie war ja nur kurz einkaufen gegangen… Du siehst vor dir den ganzen Shit, der noch bevorsteht, das Einschalten der Staatsanwaltschaft folgt, irgendwelche Verhöre, dann Besprechungen, mitgeschnittene Telefonate mit den Entführern, um sie schnellstens zu erwischen, du verschwendest deine Zeit für Sachen, die gar nicht vorhanden sein dürften, aber OK. Schnee von gestern, heute ist ArtBonus dran.

Warum haben wir die Gewerkschaften angeschrieben?

Wer sollte sich denn dringender mit der Psychiatrie-Problematik beschäftigen als sie? Wir berichten über einen skandalösen Betrug um diese Monopolstruktur, die zu einem gefährlichen Ausmaße anwuchs und Erschreckendes tut mit denjenigen, die ihre Arbeitsfähigkeit im Laufe ihres Arbeitslebens verlieren. Es sind all die Arbeitslosen, die vorerst ins ALG I, später ALG II, noch später in die „Grundsicherung“ hineinrutschen, um irgendwann zu verstehen, was diese Aussage bedeutet:

„Wir sind hier Die Grundsicherung!“

Die Grundsicherung wird „hier“ bedeuten, dass man nach und nach in die „therapeutische Errungenschaft“ der sog. Sozialpsychiatrie hineinmanövriert und zu einer „REHA“ überredet wird, was in einem abgearbeiteten und hilfesuchenden Ohr eines ehemaligen Arbeiters/ Angestellten nach Erholung klingen wird. Diese REHA erweist sich als getarntes Eingangstor für psychiatrische Diagnosen, die man erst gar nicht wahrnimmt, weil: Wie könnte denn einer denken, dass wir „verrückt sind“?! Klar werden wir oft traurig und verzweifelt sein, nachdem wir schon das zweite, dritte oder fünfte Jahr versuchen, Arbeit zu bekommen und oft haben wir eben die Schnauze voll. Die Arbeit kriegen wir jedoch trotzdem nirgends. Weil es für Abgearbeitete keine Arbeit mehr gibt. Darum sind wir ja bei der Behörde, die für Arbeit sorgen sollte, oder? Wer vermutet da einen Hinterhalt?

Mit Diagnose bekommst du schnell eine Glückspille

zu der du dann auch gerne greifst, weil irgendwann war man so „verständnisvoll zu dir“ und bot ein „Medikament“ an. Heute ist alles so wissenschaftlich und „es ist nicht mehr so wie früher, heute bewirken die Tabletten wahre Wunder“. Steht ja auch überall. Man versichert dir dabei, dass dein Zustand biologische Ursachen hat, dass alles wieder gut wird, du denkst dir nichts dabei, glaubst der Wissenschaft, Hilfe brauchst du, also… Zack!

Und schon bist du im Sack…

Ähnlich, wie eine Aufputschdroge bringt das Tablettchen etwas bessere Laune mit sich, vieles wird dir schließlich egal unter dem Motto: „Es wird schon… irgendwie“. Herr Doktor hat dich schnell etwas „aufgebaut“, gute Besserung versprochen, was soll man sich dabei denken? Selbst das bisschen Hoffnung hilft. „In sechs Wochen sind sie ein neuer Mensch“, hörst du dazu, „wenn die Medikamente wirken. Kommen sie wieder in 2 Wochen, wenn sie alle sind.“ Also nächster Besuch, nächste Packung und schon ist was los beim Hans Kloß… Bis Er wirklich „alle ist“.

Ausgeklügelte Substanz

setzt sich schnell durch, wir merken irgendwann, dass die sechs Wochen schon längst um sind, wir gehen aber trotzdem immer noch zum Herrn Doktor wegen dem nächsten Rezept. Halbes Jahr später – immer noch… ein Jahr, zwei Jahre später – immer noch… Die Gespräche mit dem „Arzt“ sind schon nur noch kurz, alles dreht sich sowieso um das, was dich nach der Wirkung der „Tabletten“ verfolgt, also: Du hast keine Lebenslust, dein Gehirn ist nicht mehr fähig zu denken „wie früher“, die Konzentration lässt nach, du vergisst vieles und überhaupt… Scheiß Leben eben… Ein echtes „Down“…

Jetzt hörst Du, dass du richtig „krank“ bist, eigentlich schluckst Du schon seit langer Zeit sog. Neuroleptika, also Nervengifte, die der Herr Doktor dir mal „zusätzlich“ verschrieb – es sollte was neues sein, was tolles aus Amerika oder sowas. Na ja… Gedächtnislücken, irgendwas war da… Du nahmst es, weil Du nicht wusstest, dass der Herr „Doktor“ dich damit auf ein motorisches Niveau bringen wird, damit Du den für dich vorbereiteten „Reha-Arbeitsplatz“ in einer „Behindertenwerkstatt“ oder ähnlichen Integrationsmaßnahmen, Ergotherapien, etc. belegst – die Bezeichnung ist hierbei wenig bedeutend. Vor der Diagnose heisst es einfach 1-Euro-Job… Diesen Platz wirst du für 1,53 € die Stunde 6 h am Tag 5 Tage in der Woche durchschnittlich schon bis zum Rentenalter belegen müssen und gut ist. Du wirst dich sogar freuen, dass du überhaupt noch zu etwas gebraucht wirst. Nicht mal an das glaubt man noch, wenn man ein gelähmtes Gehirn hat. Irgendwann hörst du zwar von „Mitpatienten“, dass „die Nazis leben und das das hier die moderne Art von Arbeitslager ist, aber keiner glaubt es…“ Du selbst klopfst dich noch am Kopf und sagst: Der ist wirklich „verrückt“… So was? In Deutschland? Da sind wir doch seeehr empfindlich alle. Bis die Erkenntnis auch zu dir kommt und du sie weiter zu vermitteln versuchst und dir auch keiner glauben wird. Jetzt bist du auch der, der „wirklich verrückt“ sei.

Warum sollte also die Gewerkschaft nicht die Erkenntnis interessieren,

dass die arbeitslose bzw. –unfähige Arbeiterklasse früher oder später zu so einer „REHA“ degradiert wird? Das große drum rum um die Frau Hannemann und ihre durchgesickerten Berichte, unter anderen auch die Aussage, dass die Arbeitsagentur Arbeitslagerkonzept hat, (siehe Titelfoto) müsste nun langsam wahrgenommen werden, oder wie?

Was erwarte ich von den Gewerkschaften?

Dasselbe, wie von allen anderen Institutionen, Organisationen und Menschen auch: Mehr Aufmerksamkeit im unmittelbaren Umfeld. Wir machen hier keine nächste Umfrage, von der man sich belästigt fühlt, wir machen keine Werbung für die nächste Generation eines Elektro-Zahn-Putz-Blas-Apparats und wir beschreiben hier auch keinen Science Fiktion-Thriller, den man ansehen kann, aber doch nicht muss. Wir berichten aus Deutschland AD 2013, wo inzwischen höchstgerichtlich klar steht, dass psychiatrische Zwangsbehandlung eine Körperverletzung bedeutet und über 60 Jahre keine gesetzliche Grundlage hatte, weil diese Substanzen keine heilende, sondern lähmende Funktion haben und sehr hohe Mortalität aufweisen. Das heißt auf gut Deutsch: Wer sie lange nimmt, stirbt um gut 30 Jahre eher als die, die noch nicht diese „REHA-Behandlung“ genossen haben…

Schöne Grüße!

„Der Liebe Andi aus der Raumstation Drei“

Mit der Wand gegen den Kopf 1

Mit der Wand gegen den Kopf 2

Bildnachweis:
  • Collage: Stimme Russlands: Fot. Skulski (Free)

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Schlüsselwörter: ArtBonus | Schizophrenie | Gleichberechtigung | Menschenrechte | Antipsychiatrie
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