Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Politik: Welt

Kapitalismus und Nachhaltigkeitsförderung.

– Rohstoffpolitik im 21 Jahrhundert am Beispiel Botsuanas.

Kapitalismus und Nachhaltigkeitsförderung – Rohstoffpolitik im 21 Jahrhundert am Beispiel Botsuanas -

Botsuana oder Botswana, ein Land im zentralen Süden Afrikas gelegen, zeigt einerseits, dass die Mär vom rohstoffreichen aber armen, weil korrupten, afrikanischen Staat keineswegs der Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts entspricht.

Vielmehr kann sein Diamanteinhandel als Beispiel dienen, wie moderne Rohstoffpolitik aussehen kann, wenn sie mit Bedacht und auf Augenhöhe stattfindet.

Die Gegenbeispiele sind weltweit zahlreich. Die Ökonomen Sachs und Warner stellten in Ihrer Arbeit „Natural Resource Abundance and Economic Growth“ fest, dass ein großes Vorkommen an natürlichen Rohstoffen nicht zwangsläufig zu besseren Lebensbedingungen für die Bewohner führt.

Das dies nicht nur ein afrikanisches Phänomen ist, kann an Russland in den frühen neunziger Jahren des 20 Jahrhunderts illustriert werden.

Die Rohstoffe waren vorhanden, die zweckmäßige Nutzung dagegen war wegen der instabilen politischen Lage eher rudimentär ausgeprägt. Ebenso führt ein Ressourcenreichtum häufig dazu, dass andere Aspekte des Staatswesens vernachlässigt werden.

Zu nennen wäre da zunächst der Schutz des eigenen Bodens, die Gesundheitsvorsorge und die Investition in Schul- und Ausbildung der Bevölkerung. Ökonomisch führt ein großes Rohstoffvorkommen laut der Studie oft dazu, dass ein Land einen oder mehrere Rohstoffe in großer Anzahl exportiert und dadurch Handelsüberschüsse erwirtschaftet, also mehr exportiert als importiert.

Exportüberschuss als Handelsbarriere

Was zunächst lukrativ erscheint, kann dazu führen, dass die eigene Währung so stark aufgewertet wird, dass ein Export anderer Güter nicht mehr möglich ist oder zumindest erheblich erschwert wird. Dieses Phänomen kann einen Abbau dieser Wirtschaftszweige zur Folge haben, diese Erscheinung wird als „Dutch disease“ bezeichnet. Der Begriff geht auf die Beobachtung des dargelegten Ablaufes nach Erdgasfunden in den Niederlanden in den 1960er Jahren zurück. Eine solche Entwicklung kann auch noch andere Probleme beinhalten.

Krieg, Inflation und Religion

Die starke Inlandswährung führt in der Regel dazu, dass verstärkt Waren importiert werden, anstatt sie selbst zu produzieren. Ein sinkendes Binnenwirtschaftsniveau, ein Abbau von Arbeitsplätzen und eine zu starke Abhängigkeit vom Rohstoffmarkt sind häufig die Folge. Wenn zu diesen Problemen auch noch Korruption und Günstlingswirtschaft hinzukommen, oftmals gefolgt von territorialen Streitigkeiten, religiösen Konflikten und Kriegen, dann kann aus dem vermeintlichen Rohstoffsegen sehr schnell ein Fluch werden.

Ein Phänomen das sich in politisch eher instabilen Ländern wie dem Kongo oder Mali gerade sehr deutlich zeigt. Es ist keineswegs ein abwegiger Gedanke, dass den Rohstoff importierenden Ländern Unruhen in den exportierenden Staaten nicht ungelegen kommen. Ein plötzlicher erhöhter monetärer Bedarf, um einen staatswahrenden Krieg zu finanzieren, drückt den Preis des Rohstoffes. Ob und wie weit solche Tendenzen gefördert werden oder wurden, dies kann nur am Einzelbeispiel aufgezeigt werden.

Bestechung legitim

Fakt jedoch ist, dass es OPEC-Staaten in den 90er Jahren erlaubt war, Bestechungen vorzunehmen, um die begehrten Abbauprivilegien zu erhalten. Diese Kosten konnten dann steuerlich geltend gemacht werden. Dies galt in allen Staaten, die nicht der OPEC angehörten. Eine solche Politik kann als unmoralisch oder pragmatisch bezeichnet werden.

Botsuana geht eigene Wege

Botsuana ist einen anderen Weg gegangen, kontinuierlich und durchaus erfolgreich. Dabei haben sie keinesfalls vorher nie dagewesene Wirtschaftspolitik betrieben. Vielmehr waren und sind Beständigkeit und eine strukturierte, auf lange Sicht angelegte Innen- und Investitionspolitik die Maximen des Erfolgs. Dank dieses Vorgehens ist das Land mittlerweile der größte Exporteur von Diamanten weltweit. Auch die wesentlichen wirtschaftlichen staatlichen Kennzahlen offenbaren einen stetigen Anstieg des Lebensniveaus der Einwohner, sei es beim „Pro-Kopf Einkommen“ oder der durchschnittlichen Lebenserwartung.

Die Regierung handelte bereits 1969 eine Vereinbarung aus, die dem Land eine Partnerschaft mit einem der größten Diamantenhändler bescherte, der Firma De Beers. Es wurde ein Vertrag ausgehandelt, der Botsuana gleichberechtigt an den Gewinnen beteiligt, anstatt lediglich durch Steuern und vorab festgelegte Summen vom Handel zu profitieren. Der Plan sieht vor, dass alle Minen des Landes in Gemeinschaft erschlossen werden und die Diamanten gemeinschaftlich gefördert werden.

Diamantenhandel hilft der Wirtschaft

„Debswana“, so der Name des Projektes, ist die Hauptursache dafür, dass die Wirtschaft solide wächst und das Einkommen der Bürger kontinuierlich ansteigt. Gleichzeitig sind natürlich beide Partner daran interessiert, die Einnahmen zu steigern, was letztendlich auch beiden Seiten zu Gute kommt. Die Entwicklung des gesamten Landes schreitet analog zum Diamantengeschäft weiter voran, im letzten Jahr meldete De Beers, dass sie nach 60 Jahren ihren Firmensitz verlegen, von London nach Gaborone, der Hauptstadt des Landes.

Banken verdienen mit

Laut Firmenangaben steigt dadurch der Verkaufserlös aus dem Diamantenhandel noch einmal um 6 Mrd. Auch weitere positive Entwicklungen sind nicht ausgeschlossen, laut Regierungskreisen hätten bereits mehrere Banken, die ebenfalls im Diamantengeschäft tätig sind, um Banklizenzen angefragt.

Es entstehen also weiter Jobs in Gaborone, einer Stadt, die 1966 gerade einmal um die 1000 Einwohner hatte und vornehmlich wegen der guten Wasserversorgung den Hauptstadtzuschlag bekam. Es ist anzunehmen, dass die meisten Jobs die entstehen, sogenannte „Clean-Jobs“ werden dürften. Für Tätigkeitsfelder im Banken oder Diamantengeschäft werden Experten mit entsprechenden Fachkenntnissen benötigt.

Eine solche Spezialisierung setzt eine solide schulische Ausbildung und eine wachsende Anzahl von jungen Menschen voraus, also sind nachhaltige Investitionen in Schul- und Gesundheitswesen wesentlich. Die weitsichtigen Entscheidungen der Regierung aus den späten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts, die Diamanteinnahmen genau in diesen Bereichen zu reinvestieren, zahlt sich nun aus und dürfte auch in Zukunft rentabel sein. Natürlich ist es ebenso richtig, dass sich die Regierung auch in ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis zum Welt-Diamanteinpreis begibt, gleichzeitig verstärkt sich der Austausch und die Verbindung mit De Beers.

Positive Zukunftsperspektiven

Die Firma scheint allerdings nicht davon auszugehen, dass im Diamantenhandel eine Absatzkrise bevorsteht, oder das die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Botsuana gefährdet ist, was der Umzug der Firmenzentrale beweist. Dennoch hat die Regierung die Gefahr erkannt und versucht gegenzusteuern:

„Die Abhängigkeit vom Diamantenhandel bereitet uns schlaflose Nächte", beschreibt Ponatshego Kedikilwe, der Minister für die Mineralindustrie des Landes, die Situation. Ebenso wurde erkannt: „dass der Rohstoff endlich ist, und die Erlöse daher für alle sichtbar investiert werden müssen“, wie Linah Mohohlo, die Vorsitzende der Botsuana Bank, versichert. Dafür sollte der für Afrika bereits gut entwickelten Bankensektor weiter ausgebaut werden. Auch der Abbau von weiteren Rohstoffen und Exportgütern wie Nickel und Uran, dass 2007 entdeckt wurde, soll weiterhin gefördert werden, um einer zu einseitige Abhängigkeit vom Diamantenhandel entgegenzuwirken.

Vorbild Norwegen

Um ein Überhitzen der Wirtschaft, wie oben skizziert, zu verhindern, verfolgt die Regierung einen Plan, der dem Norwegens nicht unähnlich ist. Auch Norwegen erzielt dank dem Export eines Gutes, Erdöl, gewaltige Überschüsse. Die Erträge werden in einen Fond eingezahlt, dessen Erträge hauptsächlich der Bevölkerung zu Gute kommen. Das eingesetzte Geld wird mehrheitlich im Ausland angelegt, um ein Heißlaufen der eigenen Wirtschaft zu verhüten . Dabei ist das Investieren in Rüstungskonzerne nicht zulässig. Das dies keineswegs eine Selbstverständlichkeit darstellt, dies bewies nicht zuletzt Deutschland mit den jüngsten Waffenlieferungsvereinbarungen mit Saudi- Arabien.

AIDS und Menschenrechte

Sicherlich, dass Land hat immer noch gewaltige Probleme. Die Aidsrate ist erheblich, die Frauenrechte ausbaufähig und trotz des enormen ökonomischen Aufschwungs herrscht in Teilen des Landes noch bittere Armut. Dennoch erscheint die Entwicklung des Landes insgesamt positiv. In wie weit dieser Aufschwung anhält, ist noch nicht abzusehen und von vielfältigen politischen wie ökonomischen „Unkonstanten“ abhängig. Dennoch ist weit mehr als ein erster Schritt bereits erreicht.

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Afrika | Nachhaltigkeit | Diamantenhandel | Ressourcen | Politik
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.05 Sekunden
39,657,669 eindeutige Besuche