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Lokales: Sonstiges

Frauen des Padaung-Stammes im „Menschenzoo“

Zweifelhafte neue Touristenattraktion mit „Giraffenfrauen“ im thailändischen Sattahip eröffnet

Archiv Siam-Journal
Archiv Siam-Journal
In Sattahip, wenige Kilometer südlich der bekannten Touristenhochburg Pattaya, eröffnete jetzt eine neue „Touristenattraktion“ mit zweifelhaftem Ruf. Hier werden gegen Eintritt (Thais ca. 50 Cent, Ausländer ca. 5 Euro) Frauen aus dem Stamm der Padaung, der dem Volk der Karen zugeordnet wird, öffentlich zur Schau gestellt...

Bisher gab es dies nur in Nordthailand. Es handelt sich bei den Padaung größtenteils um Flüchtlinge, die aus den grenznahen burmesischen Bergregionen stammen und aus Myanmar vor der Militärjunta geflohen sind. Thailändische, profitsüchtige Geschäftsleute boten ihnen an in den Dörfern zu wohnen, was die Padaung wegen ihrer katastrophalen, sozialen Situation als Flüchtlinge gerne annahmen.

Ein kürzlich von Neu Seeland gemachtes Angebot an die Padaung, nach Neu Seeland auszuwandern, hätten diese zwar gerne angenommen, scheiterte aber an einer Entscheidung der thailändischen Regierung, die ihnen die Ausreise verweigerte. Als Vorwand wurde dafür angegeben, mit der Umsiedlung in die Dörfer hätten die Padaung ihren Flüchtlingsstatus verloren.

Narong Thirachantarangkoon, Distriktvorsteher von Sattahip, sagte: „Die Frauen leben gerne hier. Das ist für sie besser als zu Hause zu bleiben und zu verhungern.“ Währenddessen argwöhnen die Padaung, dass ihnen die Ausreise nach Neu Seeland nur verweigert wurde, weil man in Thailand nicht auf die Eintrittsgelder verzichten wolle. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bezeichnete ähnliche Dörfer in Nordthailand im vergangenen Jahr als „Menschenzoo“.

Insgesamt gibt es nach offiziellen Vermutungen derzeit noch rund 7.000 Padaung, die überwiegend im thailändisch-burmesischen Grenzgebiet leben. Was den Stamm so besonders macht, sind die Frauen, die Messingringe (früher Goldringe) um Hals, Armen und Beinen tragen. Diese Ringe werden ihnen regelmäßig vom 6. bis zum 25. Lebensjahr, mindestens einmal jährlich, angelegt. Dadurch streckt sich im Laufe der Jahre der Hals immer mehr. Dies handelte den Frauen auch die Bezeichnung „Giraffenfrauen“ ein. Die Anlegung neuer, zusätzlicher Ringe ist jedes Jahr mit einem speziellen Zeremoniell und einer Feier verbunden. In der Regel sind es die Ehemänner, die den Frauen die Ringe anlegen. Dabei wird vorher die Haut mit einer dicken Fettsalbe und Tüchern geschützt. Aus dieser Zeremonie leitet sich auch der Name der Padaung ab. Pa bedeutet soviel wie „Drumherum“ und Daung ist „glänzendes Metall“; also: glänzendes Metall, das „Drumherum“ (um den Hals) gelegt wird.

Das kann soweit ausarten, dass einige Padaung-Frauen ihr Leben lang bis zu sieben Kilogramm Messing mit sich herumschleppen müssen. Auch an Arme und Beine werden viele Ringe angebracht. Die Frauen, die die meisten Ringe tragen, sind die angesehendsten im ganzen Dorf. Als drakonische und beschämende Stammesstrafe (zum Beispiel wegen Ehebruchs) können diese Ringe wieder entfernt werden. Eine so bestrafte Frau muss dann ihren unnatürlich in die Länge gezogenen Hals abstützen, denn die Deformierung der Wirbel und Muskulatur lässt dann im Extremfall kein normales Leben mehr zu. Im schlimmsten Fall muss sie den Rest ihres Lebens nur noch liegend verbringen.

Nach den Überlieferungen der Padaung soll diese Prozedur eine optische Verwandtschaft zu den Geistern und Dämonen aus der Schlangen- und Drachenwelt des Volkes bewirken. Gleichzeitig soll dies die Frauen auch vor „ihren gefährlichen Verwandten“ sicherstellen und sie unverwundbar gegen Panther-, Tiger- und Bärenangriffe machen…

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Schlüsselwörter: Thailand | Sattahip | Padaung | Karen | Giraffenfrauen | Menschenzoo
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Kommentare

Alex Mais
am 12.07.2008 12:01:36 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
Wie jetzt bekannt wurde, soll ein koreanischer Geschäftsmann mit 3.000.000,00 THB (ca. 60.000,00 €) die Provinzregierung von Mae Hing Son in Nordthailand bestochen haben, damit er Padaung-Frauen (7 Erwachsene und vier Kinder) in den Süden des Landes bringen konnte. Hier sollen sie ebenfalls für Touristen zur Schau gestellt werden.

Bei den Padaung handelt es sich um Flüchtlinge, die das ihr von den thailändischen Behörden zugewiesene Dorf nicht verlassen dürfen, da sie ansonsten ihren Flüchtlingsstatus verlieren.
Alex Mais
am 27.09.2008 09:26:52 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
Das Padaung-Dorf in Sattahip wurde jetzt, wie aus aktuellen Meldungen aus Thailand bekannt wurde, von der thailändischen Polizei geschlossen. Rund ein Dutzend Mitglieder des Padaung-Stammes wurden verhaftet. Begründung: Sie hätten sich bei den Behörden in Nordthailand nicht abgemeldet (was sie als Flüchtlinge aus Myanmar hätten tun müssen) und hielten sich deshalb illegal in Sattahip auf. Da hierbei auch die thailändische Touristen-Polizei involviert gewesen sein soll, wird allerdings auch vermutet, dass hier auch Gründe der Menschlichkeit eine Rolle gespielt haben...

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