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Politik: Deutschland

DDR Fluchthelfer: Ein dreckiges Geschäft

Wie die BRD Stasispitzel freikaufte

Der Fluchthelfer Wolfgang M. , Mitglied einer schlagenden Verbindung, Sohn eines Rommelkämpfers, wird 65. Die Rente steht an. Da frohlockt er: „Ich hab über zwei Jahre im Unrechtsstaat DDR gesessen. Das macht allein schon 300,- Euro Rente!“ So frohlockt er. Siegesgewiss: Ich war politischer Gefangener und die BRD hat mich freigekauft.

Von 1962 bis 1989 wurden 33.755 politische Häftlinge von der BRD freigekauft für 3,5 Milliarden D Mark nominell, darüber hinaus wurden 250.000 Ausreisewillige freigekauft. Adenauer hat das eingeleitet. Anfänglich betrug der Preis pro Häftling 40,000,- DM. Viele politische Häftlinge wurden auch gegen Waren eingekauft, als Dünger gegen Gefangene. Je besser das lief, desto höher wurde der Preis für die Häftlinge. Ein lukratives Geschäft. Was die DDR Führung dazu veranlasste, viele politische Häftlinge zu produzieren, dass sie die Gewissheit hatte, die würden freigekauft.

Ein Eldorado für Menschenhändler

Die Fluchthilfeorganisationen schossen wie Pilze aus der Erde. Unter dem Schutzschirm des kalten Krieges, des Kampfes gegen die Bolschewiken betrieben sie ihr geldbringendes Geschäft mit der Sicherheit, das im Falle einer Verhaftung sie auf die BRD hoffen konnte, die sie dann freikaufte. Eine Gewinnmaximierung mit geringem Risiko.

Das Stasiprotokoll

Der deutschen Gründlichkeit entgeht nichts. Die Akte Reg. Nr. IV/1172/ 79 liest sich wie ein Krimi. 1979 wird der Fluchhelfer Wolfgang M. in der DDR verhaftet. Dutzende Menschen hat er in die BRD geschleust. Für Hunderttausende DM steuerfrei. Das Muster war ganz einfach. Der Fluchtwillige musste zu einem präzisen Zeitpunkt an einem Parkplatz der Transitstrecke sein, ein Auto hielt an, innerhalb von Sekunden musste der Fluchtwillige in den Kofferraum springen und schon ging die Fahrt in den „Goldenen Westen.“ Zehn bis 50.000 DM brachte das dem Schleuser.

Ein erbärmliches politisches Ränkespiel

Bei Durchsicht der Aktenlage entdeckt man erschreckendes. Jenseits von jeglicher politischen Triebquelle verrät der verhaftete Wolfgang M. um seine Haftsituation zu erleichtern fluchtwillige Bürger an die Stasi, die dann aus ihrem täglichen normalen Leben verhaftet wurden, ihre Ehen zerstört, ihre Kinder in Heimen untergebracht wurden. In einem Fall ist eine Besonderheit zu entdecken, die an Unglaublichkeit nicht zu überbieten ist. Einer von M. Verratener wird später von der BRD freigekauft und zeigt im Westen seinen Verräter an. Das Verfahren wird von der Staatsschutzkammer in Frankfurt wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Spitzel freigekauft

Doch die Gewinnmaximierung geht weiter. Methodisch wird der Verurteilte Wolfang M. von der Staatssicherheit bearbeit, bis er einen Vertrag abschließt, nach seiner Freilassung als Spitzel für die Stasi zu arbeiten. So kauft die BRD Stasispitzel ein. Wolfgang M. gründet wieder in die BRD entlassen eine eigene Fluchthilfeorganisation, aber nicht um Fluchtwilligen zu helfen, sondern um Fluchwillige und ihre Adressen an die Stasi zu verraten. So verhilft er denen zu langen Haftstrafen und sich selbst zu Provisionen. Die BRD dankt ihm das mit lebenslänglichen Rentenzahlungen neben den 30.000 DM Haftentschädigung.

Karl Heinz Nagel

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Schlüsselwörter: DDR | Stasi | Fluchthelfer | Freikauf
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