Wissenschaft: Sonstiges

Chemtrails- Streifen am Himmel

12.12.2006 13:33:41 eingesandt von Rene Thurow für OnlineZeitung 24.de

seltsame Muster am Himmel
seltsame Muster am Himmel
Viele Menschen schauen in den Himmel, wenn sie das Haus verlassen. Das ist nicht nur schön, sondern auch nützlich: Wenn man den Wetterbericht verpasst hat oder den Metereologen nicht glaubt, kann man sich noch schnell einen Regenschirm holen. Beim Blick in den Himmel achten einige inzwischen aber auch verstärkt auf Kondensstreifen von Flugzeugen, fotografieren sie und veröffentlichen die Fotos auf ihren Internetseiten. Dahinter steckt der Verdacht, dass es keine normalen Kondensstreifen sind, sondern so genannte “Chemtrails”. Angeblich enstehen Sie, weil den Treibstoffen der Flugzeuge Zusätze beigemischt werden, die den Klimawandel rückgängig machen sollen.

Die Geschichte einer Verschwörungstheorie.

Im März 1991 wurde in den USA ein Patent zur Anreicherung der Stratosphäre zur Reduktion der globalen Erwärmung eingereicht. Zwei Forscher des Lawrence Livermore National Laboratory wollten in der Stratosphäre “Welsbach-Partikel” freisetzen. Diese Partikel erfüllen laut Patent eine Doppel-Funktion: Einerseits soll von der Erde ausgehende Hitze in Infrarot-Strahlung umgewandelt und in den Weltraum abgeleitet werden, andererseits das Sonnenlicht an Aluminiumpartikeln gebrochen und reflektiert werden.

Seit Mitte der neunziger Jahre gibt es Gerüchte, dass dieses Patent auch praktisch umgesetzt wird. Dem Treibstoff von Düsenflugzeugen sollen Welsbach-Partikel zugefügt werden, die während des Verbrennungsvorganges ausgestossen werden. Behauptet wurde, dass die US-Regierung mit dieser Methode der Klimabeeinflussung den “American Way of life” retten will: Wenn der Klimawandel durch diese Methode zurückgewandelt werden kann, dann können die Bürger der Freien Welt weiter in ihren freien Autos im freien Stau stehen.

Gilbert K. Chesterton, der Autor der Pater Brown Krimis, hat sehr schön geschrieben: “Seit die Menschen nicht mehr an Gott glauben, glauben sie nicht nichts, sondern alles.” Da kommen Verschwörungstheorien gerade recht, das Internet eignet sich hervorragend zu Verbreitung solche Theorien. Auslöser der Diskussionen um Chemtrails in Deutschland scheint ein Artikel in einem Print-Medium zu sein: In der Ausgabe Nr. 127 der “Raum & Zeit” erschien ein langer Artikel über “Die Zerstörung des Himmels”.

Darin wurden Fotos abgedruckt, die Gitterstrukturen von Kondensstreifen zeigen. In den anschliessenden Diskussionen in Foren und auf den danach entstandenen Internetseiten werden diese Fotos kommentiert und immer wieder als Beweis für die Existenz der Chemtrails angeführt. Viele besorgte Menschen haben beim Bundesumweltministerium, beim Umweltbundesamt, beim Deutschen Wetterdienst, bei staatlichen und Nicht-Staatlichen Forschungseinrichtungen, bei Umweltorganisationen und bei Jörg Kachelmann nachgefragt oder von diesem Phänomen berichtet. Die Antworten sind immer ähnlich: Ja, es gibt dieses Patent; ja, es gibt Kondensstreifen; nein, es gibt keinen Beweis für Chemtrails. Das hält den echten Verschwörungstheoretiker aber nicht ab: Genau das ist der Beweis, weil sowieso alle unter einer Decke stecken, sogar Greenpeace. Es dauerte nicht lange, da entwickelte die Theorie sich weiter: Nicht nur das Klima wird beinflusst, sondern es soll auch “mind control”, also Gehirnwäsche stattfinden. Wer steckt dahinter? Wenn die US-Regierung nicht als Böses ausreicht, dann eben die CIA, die Freimaurer oder die, die immer an allem Schuld sein sollen: Natürlich die jüdische Weltverschwörung.

Sprühen Flugzeuge Chemikalien in die Luft?
Sprühen Flugzeuge Chemikalien in die Luft?
Dass es noch niemandem gelungen ist, Chemtrails-Partikel aus der Luft, die irgendwann mal auf der Erde ankommen müssten, nachzuweisen, das stört keinen der Chemtrails-Gläubigen. Dass es sehr viel einfacher wäre, die Partikel über den Ozeanen freizusetzen, darüber hat keiner der Gläubigen nachgedacht. Dass so eine Operation Milliarden kosten würde und so viele Mitwisser haben müsste, dass sie nicht geheim gehalten werden kann, das irritiert die Geheimnissucher nicht. Dass in den letzten Jahren, nicht erst seit den Billigfliegern, die Luftverkehr rapide zugenommen hat und das sich mit den Luftkorridoren auch Gittermuster erklären lassen, dass regt nicht zum selber denken an. Das es Filme und Photos der Bombergeschwader des 2. Weltkrieges gibt, die lange Kondensstreifen zeigen, das fällt auch nicht auf.

Verschwörungstheoretiker wollen nicht nachdenken, sie wissen ja schon alles, sie kennen sogar die Schuldigen.

Manchmal fragt man sich, wem solche Theorien nützen? Sie lenken auf jeden Fall von wirklichen Problemen ab. Dass es eine Klimaveränderung gibt, ist inzwischen unbestritten. Dass der Flugverkehr einen großen Teil dazu beträgt, ist auch bekannt. Dass die US-Regierung für vieles verantwortlich ist, das gegen geltendes Recht verstösst, ist nachprüfbar. Vielleicht sind solche Verschwörungstheorien gerade eine Erfindung der CIA, um von wirklichen Problemen abzulenken?

Ein ausführliches Statement und weiterführende Links findet man beim Umweltbundesamt.

Erstveröffentlichung bei "Readers Edition" Autor Andrew Cardoso Grundlage für Zweitveröffentlichung Creative Commons-Lizenz