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Verschollen im Kyffhäuser

Unglaubliche Geschichten über die Zeit (6)

Denkmal am Kyffhäuser.
Denkmal am Kyffhäuser.
In Thüringen gibt es den Kyffhäuser, einen Berg, den einst eine kaiserliche Burg krönte. Als bekannt wurde, dass die Gebeine des Kaisers Barbarossa aus Tyros, wo sie beigesetzt wurden, spurlos verschwunden waren, bildete sich auch hier, genau wie am Untersberg, die Legende, dass der Kaiser nicht tot sei sondern im Kyffhäuser weiterlebte und auf seine Rückkehr warte. Im 13. Jahrhundert entstand eine Sage über den Kyffhäuser, die ebenfalls von einer verlorenen Zeit berichtet:

Die Legende wird wahr…

Einst lebte in der Nähe des Kyffhäusers der junge Schafhirte Kunz. Er hatte eine junge, hübsche Frau mit Namen Grete und eine Tochter, die hieß Susanne. Als es einmal zu einem Streit zwischen Kunz und Grete kam, wollte Kunz seiner Grete einen Denkzettel verpassen, indem er sich für ein paar Tage aus dem Staub machte. Sie sollte ihn vermissen; erst dann würde er zurückkommen.

Seine Gedanken schweiften ab zum Kyffhäuser: „Wüsste ich nur, ob es wahr ist mit den Schätzen, die im Kyffhäuser liegen sollen und was der alte Kaiser Friedrich auf meine Bitte antworten würde. Doch was hilft alles Wünschen, weiß ich doch nicht einmal das Sprüchlein, mit dem ich die Türe in den Berg auftun kann.“

Nach mehreren Stunden, in Gedanken versunken, machte sich Kunz auf den Heimweg. Am Kyffhäuser bemerkte er erstaunt, dass eine Tür im Berg war, die offen stand und den Zugang ins Innere freigab. Nach langem Zögern nahm Kunz all seinen Mut zusammen und schritt in den Berg hinein.

Die fröhliche Weinrunde im Berg

Plötzlich hörte Kunz fröhlichen Gesang und das Klingen voll gefüllter Becher. Er folgte den Geräuschen und kam in eine in den Stein gehauene Rotunde. Darin saßen Ritter in prächtiger Tracht um einen Schanktisch gereiht und tranken in fröhlicher Runde lieblichen Wein. Auf dem Tisch standen Weinkrüge aus Gold, besetzt mit kostbaren Edelsteinen. Der Duft des Weines stieg Kunz verlockend in die Nase. Da wurde er von einem Ritter bemerkt, der ihm schließlich zuwinkte und hieß näher zu treten. Kunz verlor seine Scheu und trat vor.

Nachdem eine Weile verstrichen war, vertrieben sich die Ritter ihre Zeit durch Kegelspiel. Kunz, der die Kegel wieder aufstellte, durfte dafür soviel Wein trinken, wie er wollte. Plötzlich bemerkte er, wie sich die Höhle um ihn herum bewegte. Das war wohl die Folge des umfangreichen Weingenusses. Glücklicherweise hörten die Ritter nun auf zu spielen und einer von ihnen trat zu Kunz heran und reichte ihm zwei Kugeln. Dabei sagte er: „Nimm dies zum Lohne.“ Kunz steckte die Kugeln in seinen Schnappsack, bedankte sich und schlief ein.

Siebzehn Jahre verschollen

Während Kunz im Berg schlief war es draußen tiefe Nacht geworden und Grete war besorgt. Die Herde Schafe war, angeführt durch den Hund Munter, allein zu Hause angekommen. So lief Grete immer wieder ein Stück des Weges lang und rief verzweifelt nach ihrem Mann. Doch Kunz meldete sich nicht. Auch eine folgende Suchaktion, an der sich viele Leute aus dem Dorf beteiligten, blieb ergebnislos. Nach ein paar Tagen glaubte man Kunz sei tot und Grete legte Trauer an. Nachdem das Trauerjahr zu Ende war, legte sie die Trauerkleidung wieder ab und tanzte auch wieder in der Dorfschenke. Es dauerte nicht lange, da heiratete sie ihren Nachbarn Jacob. Susanne war inzwischen zu einem hübschen jungen Mädchen von 17 Jahren herangewachsen.

Sie hatte sich in Franz, den Sohn des reichen Gastwirts Veit, verliebt. Auch Franz liebte Susanne sehr, aber sein reicher und geiziger Vater würde niemals die Einwilligung zu einer Hochzeit zwischen ihnen geben, da Susanne nur ein einfaches und armes Hirtenmädchen war.

Böses Erwachen

Inzwischen war Kunz im Kyffhäuser aus seinem tiefen Schlaf erwacht. Es kam ihm so vor, als ob er recht lange geschlafen hätte und er fühlte wie sein Bart sehr lang gewachsen war und sich die ersten weißen Haare zeigten. Verwundert sah er sich um. Alles schien so wie vorher zu sein. Kunz nahm seinen Schnappsack und wollte den Kyffhäuser verlassen. Zuvor fragte er jedoch noch einen Knappen, wie lange er geschlafen habe. „Siebzehn Jahre!“ antwortete ihm dieser. „Schalk!“ sagte Kunz und fragte nun einen der Ritter. Die Antwort war jedoch die gleiche: „Siebzehn Jahre!“

„Ihr scherzt, Herr Ritter!“ sprach Kunz nun doch schon sichtlich erschrocken. Er ging seitlich auf eine Nische zu, in der ein hoher Mann mit langem Bart saß. Diesen fragte Kunz nun ehrerbietig: „Herr, wie lange habe ich geschlafen?“ Und als dieser voll Milde und Ernst sprach „Siebzehn Jahre!“, da brach das Grauen über Kunz herein und er verließ fluchtartig den Kyffhäuser und sprach bei sich: „Siebzehn Jahre am Leben verloren! Warum? Weil ich, Tor, ergründen wollte, was ich nicht zu wissen brauchte, was mir nichts nützt!“

Daheim in der Fremde

Als Kunz den Kyffhäuser verlassen hatte und im Dorf angekommen war, da fragte er die Leute nach Kunz. „Oh, der ist nun schon seit siebzehn Jahren tot!“ erhielt er als Antwort. Auf seine Frage nach dem Haus von Grete zeigte man ihm ein andres Haus als das eigene. Er ging schließlich auf das gezeigte Haus zu und trat ein. Dort saßen sie alle. Kunz fragte, ob sie ihn kennen würden, aber sie verneinten. Nur ein alter, halbblinder Hund kam plötzlich unter dem Tisch hervor, wedelte freudig mit dem Schwanz und sprang immerzu an Kunz hoch. Da sprach dieser:„Munter, lebst du noch und kennst deinen alten Herrn noch?“

Schließlich erkannte ihn auch Grete. Der Schock war sehr groß. Als Kunz die Kugeln aus seinem Sack nahm, da waren sie aus reinstem Gold und glitzerten die recht prächtig im Schein der alten Lampe. Am nächsten Tag ging Kunz zur Nachbarstadt und verkaufte dort die beiden Goldkugeln für viel Geld, welches er seiner Tochter schenkte. Sobald der geizige Veit von Susannes plötzlichem Reichtum erfuhr, warb er selbst um sie für seinen Sohn. So wurden die beiden doch noch ein glückliches Paar. Kunz aber verließ bald darauf das Dorf und blieb für immer von der Bildfläche verschwunden.

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Schlüsselwörter: Zeitreise | Zeitsprung | Kyffhäuserlegende | Siebzehn | Thüringen
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