Wirtschaft & Finanzen: Deutschland

Altenpfleger – Beruf mit Zukunft?

Fragt sich nur für wen…
30.10.2012 17:38:04 eingesandt von Alex Mais für OnlineZeitung 24.de

Altenpflege - Beruf mit Zukunft?
Altenpflege - Beruf mit Zukunft?
Wie kürzlich bekannt wurde will die Bundesagentur für Arbeit im Januar 2013 insgesamt 150 Altenpfleger in China anwerben. Dies wird derzeit mit der chinesischen Partnereinrichtung ZAV ausgehandelt. Das Argument dazu: In Deutschland gibt es zu wenige Fachkräfte! Das ist aber erst die Spitze des Eisberges, denn die Arbeitsagentur will noch weitergehen und auch in anderen Staaten weitere Fachkräfte für die Pflegebranche suchen und nach Deutschland holen.

Fragwürdige Suche im Ausland nach Fachkräften

Langsam kann ich es kaum noch glauben wenn uns laufend gesagt wird dass Deutschland einerseits eine hohe Zahl an Arbeitslosen und andererseits eine große Anzahl Schulabgänger ohne Ausbildungsplatz hat, wo doch permanent von staatlicher Seite sogenannte Fachkräfte aus dem Ausland geholt werden. Zumal dann anschließend auch wieder darüber gejammert wird dass der Ausländeranteil in Deutschland steigt und die Deutschen doch kurz vor dem Aussterben sind.

Natürlich sollen die chinesischen Fachkräfte eine abgeschlossene Schul- und Berufsausbildung mitbringen. Fragt man sich doch unweigerlich: Seit wann wird das denn in Deutschland anerkannt? Man hört doch laufend, dass ausländische Schul- und Studienabschlüsse hier nichts wert sind. Zudem muss die deutsche Sprache beherrscht werden. Dazu werden die Fachkräfte der Altenpflege dann in China in diversen Kursen vorbereitet, wobei ihnen auch etwas über unsere Kultur beigebracht werden soll. In Deutschland würden die Schulungen dann (mit unseren Steuergeldern) fortgesetzt.

Warum nicht Zeit und Geld in die eigene Fachkräfteausbildung investieren?

Die Suche im Ausland kostet Geld, viel Geld, und nimmt hier freie Arbeitsplätze weg. Zwar gibt es offenbar im Moment scheinbar keine Fachkräfte, aber entsprechende Berufe gezielt beworben und Fachkräfte gezielt ausgebildet brauchte man diese dann nicht mehr aus dem Ausland holen und die Arbeitslosenzahlen würden weiter zurückgehen, was sich auch positiv auf die Sozial- und Rentenkassen auswirken würde.

Warum ist dies nicht möglich? Verdient man in der Branche nicht genug? Kann doch gar nicht sein, denn ein Chinese, der aus China hier herkommt, muss hier wohnen und leben und hat dafür Kosten wie jeder andere auch. Und dennoch kommt der für den Job nur hierher, um Geld in die Heimat zu schicken. Also kann die Branche doch gar nicht so schlecht bezahlt sein – oder?

Vielleicht liegt es ja auch daran, das Ausbildungsplätze in der Branche fehlen, weil niemand von den Arbeitgebern bereit ist für teures Geld einen Azubi einzustellen, den Azubis kosten Geld – viel Geld. Aber hier könnte und müsste der Staat einschreiten und die Ausbildung zumindest zu einem guten Teil finanzieren.

Altenpfleger(in) – Ein Beruf mit großen Zukunftschancen?

Bei der Agentur für Arbeit sind derzeit rund 14.000 offene Stellen in der Altenpflege gemeldet. In Wirklichkeit wird die Zahl jedoch deutlich höher geschätzt, weil ein Großteil der Betriebe offene Stellen gar nicht meldet sonder anderweitig Mitarbeiter sucht. Das ist beachtlich und die 150 Chinesen in der Altenpflege wären eh nur der berüchtigte „Tropfen auf den heißen Stein“.

Niedrige Renten und Altersarmut sind Schlagwörter, mit denen die Altenpflege allerdings auch zu kämpfen hat. Schon jetzt sind nach aktuellen Informationen rund 411.000 Menschen nicht mehr in der Lage sich die Altenpflege leisten zu können. Das wird vor allem in den Altenheimen deutlich spürbar.

Kosten, Kosten und kein Geld…

Nach den Zahlen des VdK liegen die Heimkosten bei rund 2.900 Euro im Monat bei Pflegestufe 3. Von der Pflegeversicherung wird anteilig ca. 1.500 Euro übernommen. Die restlichen 1.400 Euro muss der Pflegebedürftige aufbringen. Doch viele haben nicht einmal mehr soviel Rente. Also muss der Staat das Sozialamt, einschreiten und bezahlen.

Alternativen gibt es kaum – außer, man geht im Alter ins Ausland, wo die Heime und die Pflege billiger sind. Angeblich wird dies auch schon von den Kassen diskutiert. Erfolgreiche Modelle gäbe es schon im Reha-Sektor wird argumentiert. Die beliebtesten Ziele der Altersauswanderer sind dabei neben Osteuropa Spanien und vor allem Thailand. Hier haben Europäer die Situation bereits vor längerer Zeit erkannt und so manch Altendomizil ist da fest in der Hand von Deutschen und Schweizern. Und die Alten könnten da durchaus zufrieden sein, wenn – je, wenn das Heimweh nicht wäre…

Bildnachweis:
Lesen Sie dazu auch: