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Wissenschaft: Forschung

MDC plant in Berlin ein neues Tierversuchslabor

Tierversuche – Ein Thema in Pro und Contra

Versuchstier hinter Gittern.
Versuchstier hinter Gittern.
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin will im kommenden Jahr einen Neubau für ein neues „Tierhaus“ beginnen, das bis zum Jahr 2016 fertig gestellt sein soll. Dieses „Tierhaus“ ist nichts anderes als ein Tierversuchslabor, das bei Fertigstellung auf dem neuesten Stand der Forschung und Technik sein soll. Tier- und Naturschützer meldeten bereits ihren Protest gegen den Neubau an.

Aufruf bei Facebook: Projekt verhindern

„Helft bitte mit, das Projekt zu verhindern“, schreibt beispielsweise Facebook-Mitglied Dieter Vogl in seiner Facebook-Chronik. „Das bedeutet, dass hier jedes Jahr viele zehntausend Mäuse genetisch manipuliert werden und dann schmerzhafte und grausame Experimente über sich ergehen lassen müssen, bevor sie von ihren Qualen erlöst werden.“ Soweit zu diesem Aufruf.

Was ist das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin nun eigentlich? Auf seiner Website stellt sich das MDC wie folgt vor: „Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) betreibt biomedizinische Grundlagenforschung. Wir versuchen, die Ursachen von Krankheiten auf molekularer Ebene aufzuspüren, um diese besser erkennen und behandeln zu können und um ihnen besser vorzubeugen. Unser Ziel ist es, die gewonnenen Erkenntnisse möglichst rasch in die Anwendung zu überführen.“

MDC-Argumentation für das neue „Tierhaus“

In einem Info-Blatt, das als PDF-Datei herunter geladen werden kann, legt das MDC seine Argumentation für den Neubau vor. Demnach wird das neue „Tierhaus“ ein „In vivo-Pathophysiologielabor“ (IPL) mittlerer Größe. Mit der Fertigstellung soll es auch zum Rückbau bestehender „Tierhäuser“ kommen. Das neue, vermutlich größere aber auch modernere, soll also kleinere und ältere ablösen und nicht zusätzlich im Einsatz sein. So jedenfalls wird es dargestellt. Zudem soll eines der älteren dann nur noch der Zucht und Tierhaltung dienen und nicht mehr als Labor.

Zukünftig will das MDC bei den Tierversuchen auch schonende und nicht invasive Untersuchungsmethoden verwenden. Dazu gehören zum Beispiel auch die bildgebenden Verfahren wie Ultraschall und MTR. Dafür aber sind in den alten Gebäuden keine Flächen vorhanden, so dass diese schonenden Methoden bisher nicht angewandt werden können.

Neubau erhöht aber auch die Kapazitäten

Das alles klingt auf den ersten Blick eigentlich doch sehr positiv. Allerdings stellt sich bei den Tierschützern dann doch ganz schnell ein bitterer Nachgeschmack ein, wenn man die Zahlen vergleicht. So soll die Anzahl der Mauskäfige beim MDC von derzeit 17.400 bis zum Jahr 2020 auf 19.800 erhöht werden. Das entspräche einer Zunahme der Maushaltungskapazität von 14 %.

Käfigmaus fürs Labor?
Käfigmaus fürs Labor?
Diese Erhöhung sei notwendig, so argumentiert man beim MDC, weil das MDC zu den besten Forschungsinstituten der Welt gehöre, ein Anziehungspunkt für Wissenschaftler aus aller Welt sei und bis zum Jahr 2020 seine Mitarbeiterzahl von 1.500 auf 2.000 erhöhen will. Zudem wachse die Zahl der Krankheiten ständig. Um da beim Forschungsbedarf Schritt halten zu können, sei das MDC-Vorhaben dringend notwendig.

4.000 Mauskäfige mit durchschnittlich 3 Mäusen pro Käfig (= 12.000 Mäuse) soll der Neubau, dessen Kosten mit derzeit rund 24 Millionen Euro veranschlagt sind, fassen.

Sind Tierversuche unverzichtbar?

„Kein noch so ausgefeiltes Reagenzglasexperiment kann Alzheimer simulieren, und auch die besten Computersimulationen müssen an Organismen überprüft werden.“ Das sagte Walter Rosenthal, Vorstandsvorsitzender des MDC lt. Tagesspiegel vom 4. Mai des Jahres beim „Tag zur Abschaffung von Tierversuchen“ in Berlin-Buch.

Jeder einzelne Tierversuch, so schreibt es das Gesetz vor, muss ausreichend begründet werden und wird dann erst vom Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales geprüft, bevor er genehmigt wird. Eine solche Genehmigung wird nur erteilt, wenn sichergestellt ist, dass im Einzelfall der Tierversuch unerlässlich ist und die beantragte Untersuchung nicht schon einmal woanders gemacht wurde (Ausschluss von Doppelversuchen). Zudem muss der Tierversuch ethisch vertretbar sein und nach den Bestimmungen des Tierschutzgesetzes ausgeführt werden.

Die MDC-Wissenschaftler müssen über jedes Tier, das untersucht wird, Rechenschaft ablegen. Und die Tierschutzbeauftragten des MDC stellen sicher, dass die Tieruntersuchungen nach den Regeln des Tierschutzgesetzes durchgeführt werden.

Wo bleibt die Medizin ohne Tierversuche?

Könnte die Medizin ganz ohne Tierversuche auskommen? – Das sollte hier die Frage sein. Die Antwort darauf muss lauten: Nein! Ohne Tierversuche wäre die Medizin noch lange nicht auf dem heutigen Stand. Und ohne künftige Tierversuche würde die medizinische Forschung stagnieren. Eine Alternative wären praktisch nur Versuche am lebenden Menschen. Menschenversuche anstelle von Tierversuchen? Hatten wir so etwas nicht schon einmal in unserer dunkelsten Stunde?

Und, was wollen wir? Eine Medizin, die auf heutigem Stand stillsteht oder eine medizinische Forschung, die vielleicht in einigen Jahren schon Heilung für heute noch unheilbare Krankheiten bringen kann. Nach diesen Kriterien muss die Frage entschieden werden! Allerdings sollte man streng darauf aufpassen, dass keine unnötigen Tierversuche stattfinden. Ob dies das Gesetzt gegen die Pharmaindustrie durchsetzen kann könnte zweifelhaft werden - angesichts der Menge der Mäuse, mit denen auch das MDC künftig arbeiten will.

Anders hingegen verhält es sich bei Tierversuchen in der kosmetischen Industrie. Da sollte und kann auf Tierversuche verzichtet werden. Hier sind Proteste durchaus gerechtfertigt. Und, kommt noch hinzu, dass auch im Nutztierbereich so mancher Unsinn zum Schaden und Nachteil von Tieren (z.B.: Gänsestopfen für die Gänseleber) praktiziert wird. Auch da sind Proteste durchaus angebracht…

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Schlüsselwörter: MDC Berlin | Versuchstiere | Tierversuche | Tierlabor | Medizinische Forschung
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