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Medien: Fernsehen

Verklag mich doch

Abzocke eines Bestattungsunternehmens

Sargausstellung eines Bestatters.
Sargausstellung eines Bestatters.
Der Titel einer interessanten, lehrreichen und durchaus manchmal auch spannenden Serie beim TV-Sender VOX lautet „Verklag mich doch“. Dargestellt werden dort Rechtsfälle, die (im Einzelfall) mehr oder weniger Realität werden könnten. In Zwischenkommentaren geben fachkundige Anwälte Kommentare und Tipps zum aktuellen Stand der Geschehnisse in der Filmhandlung. Heute Morgen (20.08.2012) war als Thema in der ersten Folge ein betrügerisches Bestattungsunternehmen.

Abzocke im großen Stil

Ob es je einen solchen Fall gegeben hat, wie hier dargestellt, ist für einen seriösen Bestatter kaum vorstellbar und mag dahingestellt bleiben, schließlich sind die Handlungen der Reihe ja auch frei erfunden. Und es drängt sich auch so ein bisschen der Anschein auf, dass hier einmal mehr eine Branche im Stile einer „Bestattungsmafia“ à la P. Waldbauer vorgeführt werden sollte.

Doch kommen wir zur eigentlichen Handlung, in der es gleich um mehrfache Abzocke und Betrug im großen Stile ging. Das Unternehmen wurde quasi als „Hausbestatter“ eines Seniorenheimes dargestellt, was allein schon mindestens moralisch bedenklich ist. So besuchten die Bestattungsunternehmer, im Film zwei Brüder, die Bewohner des Heimes wohl regelmäßig um mit diesen (allen) einen Bestattungsvertrag (genau: Bestattungs-Vorsorge-Vertrag) abzuschließen. Und dabei standen ihnen offensichtlich für die Abzocke alle Türen auf. Wohl mit Wissen der Heimleitung wurden diese Praktiken geduldet, bei denen die Heimbewohner keinerlei Beistand hatten.

Vater als Clown im Sarg

Im Film ging es um einen verstorbenen Vater zweier Töchter, zu denen der Witwer praktisch keinerlei Kontakt hatte. Dieser hatte mit dem Bestattungsinstitut einen Vertrag über seine Beerdigung abgeschlossen. Als nun die eine Tochter zum Bestatter kommt, um ihren Vater noch einmal zu sehen, liegt dieser mit einem Clownskostüm im Sarg. Die Tochter ist geschockt.

Grundsätzlich kann natürlich jeder in der Kleidung beerdigt werden, in denen er beerdigt werden will. Das gilt auch für ein Clownskostüm. Doch im besagten Fall stellte sich dies schließlich als Irrtum heraus und der Vater wurde neu angezogen.

Kosten der Bestattung

Die Kosten der Bestattung wurden auf Anfrage vom Bestatter auf insgesamt rund 5.000 Euro benannt. Auch wenn im Film die Tochter dies als unangemessen hoch betrachtete, ist dies durchaus eine realistische Summe für eine durchschnittliche Erdbestattung im Eichensarg einschließlich der Friedhofskosten.

Einen Großteil der Summe mache, so der Bestatter im Film, der Blumenwunsch des Vaters aus, der sich aufwendigen Blumenschmuck aus Orchideen gewünscht habe. Bei der Beerdigung war allerdings von Blumen so gut wie gar nichts zusehen und die drei Blümchen, die dabei waren, wurden bereits am Folgetag vom Friedhofsgärtner auf Geheiß des Bestatters wieder entfernt, der diese offensichtlich noch einmal verwenden wollte.

Keine zwei Tage nach der Beerdigung erhielten die Töchter die Rechnung des Bestatters, die sich nicht auf die zugesicherten 5.000 Euro belief, sondern auf die stolze Summe von 8.200 Euro. Enthalten waren Blumenkosten von 400 Euro, wozu niemand weiß, wo für diesen Preis Blumen gewesen sein sollen. Zudem war ein Leihwagen (wofür auch immer) in Rechnung gestellt worden.

Auch Betrug im großen Stil

Durch Zufall stellte sich heraus, dass der Verstorbene beim Bestatter zu dem Bestattungsvertrag auch noch eine Sterbegeldversicherung abgeschlossen hatte. Das ist durchaus ein üblicher Vorgang um einen solchen Bestattungs-Vorsorge-Vertrag kostenmäßig abzusichern, damit der Bestatter überhaupt seine Leistung mit Bezahlung erbringen kann.

Hier jedoch kassierte der Bestatter die Versicherung ohne diese in Abzug zu bringen. In offensichtlich betrügerischer Absicht wollte er doppelt kassieren. Zudem stellte sich heraus, dass er eine relativ neue Uhr des Verstorbenen im Wert von rund 3.000 Euro schlicht geklaut hatte. Letzteres brach ihm im Film schließlich das Genick.

Den Töchtern gegenüber hatte der Bestatter behauptet, der Verstorbene sei auf eigenen Wunsch mit der Uhr beerdigt worden. Diese gaben sich aufgrund der anderen Umstände mit dieser Aussage nicht zufrieden. Zusammen mit einem Anwalt stellten sie dem Bestatter eine Falle, indem sie ihm sagten, dass sie Anzeige gegen ihn gestellt hätten und eine Exhumierung des Leichnams beantragt und vorgesehen wäre.

Als der Bestatter nun am späten Abend, im Schutz der Dunkelheit, auf den Friedhof kam und den Sarg anfing auszugraben, wurde er von den Töchtern und der von diesen herbeigerufenen Polizei überrascht, die in der Anzugtasche des Bestatters die Uhr des Vaters fand. Die Bestatter erhielten Gefängnisstrafen, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wurden und für das Heim arbeit nun ein seriöser Bestatter…

Fazit von alledem…

Der Abschluss eines Bestattungs-Vorsorge-Vertrages ist durchaus sinnvoll. Allerdings sollte man dabei durchaus seine Familie einbeziehen, die Finanzierung regeln und sich nicht zu etwas überreden lassen, was man eigentlich gar nicht will. Im Zweifelsfall können Sie sich zuvor auch vom Bundesverband Deutscher Bestatter (BDB) beraten und ein seriöses Bestattungsinstitut in Ihrer Nähe nennen lassen.

Außerdem gilt: „Die Wahl des Bestatters in Heimen…“ ist grundsätzlich frei. Das gilt für den Abschließenden des Vorsorge-Vertrages genauso wie für die Angehörigen, wenn der Verstorbene keinen solchen Vertrag hatte!

Bildnachweis:
  • Sargausstellung eines Bestatters.: Foto: © Axel Ertelt (Alle Urheberrechte vorbehalten!)

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Schlüsselwörter: Bestatter | Betrug | Abzocke | Beerdigungskosten | Seniorenheim
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Kommentare

OZ24
am 24.08.2012 09:14:29 (87.158.33.xxx) Link Kommentar melden
Da ich ja leider momentan krank bin und viel Zeit zum Fernsehen habe kam ich auch schon in den Genuß einer Folge dieser Reihe. Es ist echt der Hammer was da einem zugemutet wird. Unsere Kinder bezeichnen diese Form des Fernsehens als Assi-TV. Ich weiß jetzt warum.

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