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Politik: Welt

Boykott der Fußball-EM? – Erinnerungen an 1980 kommen auf!

Wenn der Sport unter der Politik leiden muss

Fußball-EM 2012 ohne Deutschland?
Fußball-EM 2012 ohne Deutschland?
In den letzten Tagen nimmt die Diskussion um einen Boykott der Fußball-Europameisterschaft 2012 in der Ukraine deutlich zu. Auch mehren sich die Stimmen, die eine Verlegung der EM aus der Ukraine nach Österreich oder Deutschland fordern. Was aber bringt das wirklich? Erinnerungen an die olympischen Spiele 1980 in Moskau stoßen da wieder unangenehm auf. Verlierer ist dabei immer nur der Sport.

Boykott der Olympiade in Moskau 1980

Aus Gründen der Menschenrechte und insbesondere wegen des Einmarsches sowjetischer Truppen in Afghanistan wurden 1980 die olympischen Spiele in Moskau von insgesamt 64 Staaten boykottiert. Treibende Kraft war der damalige US-Präsident Jimmy Carter, der von seinen Bündnispartnern Solidarität in dieser Sache verlangt hatte.

Auch die deutsche Bundesregierung beschloss am 23. April 1980 eine Empfehlung an das Nationale Olympische Komitee die Spiele zu boykottieren. In der Versammlung des NOK für die BRD kam es daraufhin zu heftigen Debatten und einer Abstimmung, die mit 59:40 Stimmen für einen Boykott endete. Ein Schlag ins Gesicht der Sportler, die sich jahrelang auf die Spiele vorbereitet hatten. Ebenso hatte dies aber auch gravierende Folgen für die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles, die im Gegenzug dann von den meisten Ostblockstaaten boykottiert wurden.

Boykott oder Verlegung der Fußball-EM 2012

Diese beiden Möglichkeiten werden derzeit auch in Deutschland hart diskutiert. Vor allem Politiker der verschiedensten Parteien plädieren dafür. Darunter Erika Steinbach, menschenrechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU, die eine Verlegung der in der Ukraine geplanten Spiele nach Polen, Deutschland oder Österreich als „das richtige politische Signal an die undemokratische Regierung in Kiew“ sieht. Und auch Patrick Döring, Generalsekretär der FDP, empfiehlt eine Prüfung der Möglichkeit die ukrainischen Spiele nach Polen zu verlegen.

Der UEFA-Turnierdirektor, Martin Kallen, schloss einen Wechsel der in der Ukraine geplanten Spiele nach Deutschland aus, da dies seiner Meinung nach in der noch verbleibenden Zeit nicht machbar sei. Nach Ansicht der Polizeigewerkschaft wäre dies aber durchaus denk- und machbar. Als Begründung wurden von Bernhard Witthaut (GdP) Gespräche zwischen UEFA, DFB und Bundesinnenministerium genannt, die vor ca. einem Jahr stattfanden und bei denen ein entsprechendes Krisenszenario entwickelt worden sein soll. Und auch der Vorsitzende der DPolG hält die Polizei für ausreichend gerüstet um eine mögliche EM in Deutschland abzusichern.

Thomas Bach, DOSB-Präsident, betrachtet hingegen eine Verlegung der Spiele aus der Ukraine als respekt- und instinktlos – nicht nur gegenüber der Ukraine…

Boykott aus Solidarität zu Julia Timoschenko

Immer mehr Politiker fordern inzwischen aber einen Boykott der EM. Eine Reihe bekannter Politiker hat bereits zugesagt nicht zur EM zu reisen und die Ukraine so politisch zu boykottieren. So soll Solidarität zur ehemaligen ukrainischen Regierungschefin Julia Timoschenko bekundet werden, die derzeit unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert ist und zudem auf einen weiteren Prozess wartet.

Es ist zu befürchten, dass sowohl eine Verlegung als auch ein Boykott der EM nicht nur politisch nichts bewirken wird sondern im Gegenteil – ähnlich wie bei der Olympiade 1980 – bei der nächsten EM nur Retourboykotts nach sich ziehen wird. Ein politisches Desaster, dass nur die Sportler und ihre Fans treffen könnte, politisch aber ganz schnell verhallt. Und so dürfte es sicherlich geeignetere politische Druckmittel geben um hier etwas zu bewirken.

Bildnachweis:
  • Fußball-EM 2012 ohne Deutschland?: Didi01, Pixelio.de. (Kommerzielle und redaktionelle Nutzung mit erweitertem Bearbeitungsrecht gemäß den Pixelio-Bestimmungen.)

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Schlüsselwörter: Boykott | Fußball-EM | Ukraine | Timoschenko | Polen
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Kommentare

Peter Maier
am 05.05.2012 20:56:56 (93.219.179.xxx) Link Kommentar melden
Es gibt ja verschiedene "Gründe" für gewollten Boykott.

Andere Stimmen rufen uns auf, gerade jetzt dieses Ereignis zu nutzen, um den Frieden aufzubauen - und diesen Aufrufen sollte auch gefolgt werden.

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