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Wissenschaft: Sonstiges

Prozess Däbritz: Professorin zeigt Rückgrat

Sabine Däbritz will sich Verfahrenseinstellung nicht erkaufen

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Seltsame Vorgänge im Prozess gegen Dr. Sabine Däbritz, Herzchirurgin von Weltruf bei der Verhandlung am heutigen Donnerstag:

Nachdem die renommierte Professorin bereits in zwei arbeitsgerichtlichen Verfahren obsiegt hatte, droht das Uniklinikum Münster weiterhin mit Revision, was der Professorin und ihrem Lebensgefährten bei einem Streitwert von 5 Millionen erhebliche Gerichts- und Anwaltskosten sowie viel Aufwand einbringen würde.

Strafprozess sollte eingestellt werden

Derzeit wird ein anhängiger Strafprozess verhandelt, bei dem es um die Frage geht, ob die Spitzenmedizinerin und ihr Lebensgefährte das UKM verleumdet haben oder nicht. Um nun einen Konsens der Parteien herbeizuführen, wurde zwischen den Parteien ein "Kompromiss" ausgearbeitet, um den Nebenkläger, das Uniklinikum Münster, zur Zustimmung der Einstellung des Strafprozesses zu bewegen.

Echte Einigung oder unterschwellige Erpressung?

Hierbei sollte die Ärztin und ihr Partner - ohne dass eine Verhandlung stattgefunden hat - je 20.000 bzw. 15.000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung entrichten, um den Strafprozess einzustellen. Darüberhinaus sollten aber noch 300.000 Euro bezahlt werden, um auch die Revision "vom Tisch" zu bekommen, die nicht Gegenstand des Verfahrens war, und die das UKM bereits zwei mal verloren hat.

Die Kalkulation hierzu spricht der vorsitzende Richter ganz deutlich aus: Für Dr. Däbritz geht es bei einer Verurteilung nicht nur um eine Strafe, sondern evt. um den Verlust ihrer ärztlichen Zulassung.

Kosten-Nutzenabwägung versus Wahrheitsfindung

Diesen Umstand ausnutzend, sollte der Druck auf die Angeklagten so gross sein, dass diese auch die Kröte der 300.000 Euro zu schlucken bereit seien.

Die Ärztin, die nun diesem Deal nicht entsprach, wird nun seitens der Staatsanwaltschaft mit Unverständnis betrachtet. Dem aussenstehenden Prozessbeobachter bietet sich jedoch ein anderes Bild: das einer Jeanne d'Arc der Medizin, die sich lieber auf die Scheiterhaufen führen lässt, als sich für etwas freizukaufen, was sie nicht zu verantworten hat.

Staatsanwalt weiss bereits, wer schuldig ist

Nur so lässt sich erklären, warum die hochintelligente Medizinerin von dem sogenannten "Geschenk" des Staatsanwaltes nicht begeistert war. Interessant auch die Aussage des Richters, der die Gefahr erkannte, dass bei dem Verfahren womöglich das Uniklinikum in seiner Reputation beschädigt werden könnte - zu Unrecht, wie er meinte - und zwar noch bevor Gutachter und Beweise vor Gericht überhaupt verhandelt wurden.

So lässt der Prozessverlauf darauf schliessen, dass man mit diesem Kuhhandel das Schweigen der Ärztin erzwingen wollte, welche monatelang vergeblich auf Probleme innerhalb der von ihr geleiteten Herzchirurgie hingewiesen haben will.

Einstellung gegen weiches Schuldanerkenntnis oder drohender Approbationsverlust

Für Menschen mit hohen Idealen und heren Zielen kann so ein unter Druck erzwungener Kompromiss nicht in Frage kommen, weshalb es nur logisch erscheint, dass eine Vorzeige-Ärztin wie Sabine Däbritz lieber ihren Beruf riskiert, als sich mit den falschen Voraussetzungen ihre Ruhe zu erkaufen.

Presse beeinflusst und unter Druck gesetzt?

Interessant an diesen Vorgängen ist auch durchaus die Tatsache, dass die Medien, die über diesen Fall berichteten, diverse Abmahungen seitens des UKM in Millionenhöhe erhalten haben sollen, dass man die Prozessbeobachter gewarnt habe, ihrer Aufgabe der Berichterstattung nicht dergestalt nachzugehen, bekanntgewordene negative Inhalte publik zu machen.

Inwieweit diese Repressalien sich auch auf andere Bereiche erstrecken, ist nicht nachvollziehbar, aber durchaus denkbar, da die Uniklinik als staatliche Institution über ein schier unerschöpfliches finanzielles Reservoir verfügt und seine Klagen aus dem Staatssäckel bezahlen kann.

Warum will das UKMünster überhaupt eine Verfahrenseinstellung, wenn es doch die Strafsache als Nebenkläger betreibt?

Fraglich ist, warum dieses Verfahren überhaupt vermieden werden sollte, denn immerhin geht es dabei um die Klärung vieler wichtiger Fragen, die im Zusammenhang mit den Todesfällen von Münster aufgetaucht sind: so bleibt zumindest die Möglichkeit erhalten, zu klären, ob die Einstellung des Verfahrens gegen das UKM aufgrund einiger kurzer Sachverständigenaussagen, die so nicht als Gutachten verwertbar sein sollen, wirklich gerechtfertigt war, es bleibt zu fragen, ob Todesfälle wirklich unvermeidbar waren und es bleibt zu eruieren, ob es wirklich strafbar ist, wenn man ein Krankenhaus anzeigt und die Öffentlichkeit informiert, weil man glaubt, dass Menschen vermeidbar sterben müssen, wenn man nicht eingreift. Hier bereits im Vorfeld von "Geschenk" einer Einstellung zu philosophieren, ist einem an Wahrheit und Gerechtigkeit interessiertem Staatsanwalt nicht angemessen und zeugt von einer seltsamen Moral, die ein Grossteil von Däbritz-Patienten nur mit Kopfschütteln kommentieren.

Fragwürdige Verfahrenseinstellungspraxis

Nicht zuletzt gibt staatsanwaltlich eingebrachte Stichwort "weiterer Geschenke, die es nicht mehr geben werde" dem kritischen Prozessbeobachter zu denken: immerhin wurde das Verfahren gegen das Uniklinikum Münster bereits vorab in Bausch und Bogen eingestellt, inwieweit dieses "Geschenk" gemeint war, bleibt wohl das Geheimnis der Staatsanwaltschaft, denn diese Verfahrenseinstellung ist die Grundlage für den Prozess gegen Prof. Däbritz, den man nun gern vermieden hätte. Erinnert irgendwie an den Zauberlehrling und "die Geister, die ich rief..."

Bildnachweis:
  • wikipedia: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Surgery_-_preparation_%281978%29.jpg&filetimestamp=20090302144145 ( Dieses Werk ist in den Vereinigten Staaten gemeinfrei, da es von einem Beamten oder Angestellten einer US-amerikanischen Regierungsbehörde in Ausübung seiner dienstlichen Pflichten erstellt wurde und deshalb nach Titel 17, Kapitel 1, Sektion 105 des US C)

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Schlüsselwörter: däbritz | verhandlung | UK Münster | strafprozess
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Kommentare

Amschel
am 25.12.2011 08:14:55 (110.49.241.xxx) Link Kommentar melden
Weshalb wurden die Kommentare zu den verlinkten Artikel deaktiviert? Wenn man hier etwas dazu schreibt, wird das dann auch deaktiviert. Wozu dann die Mühe?

Ein Skandal ist das oben Beschriebene allemal.

Das verhalten der Justiz dann ein Weiterer.

Aber große Teile der deutschen Justiz sind alles andere als unabhängig. Oft sind Juristen auch Personen mit zweifelhaftem Charakter. Wie in diesem Artikel schon ausgeführt: Sicherungsverwahrung: Neudeutsch für das echte Lebenslänglich
...Welcher normal veranlagte Mensch wählt schon freiwillig einen Beruf, bei dem die Gefahr besteht, insbesondere wenn man in den Staatsdienst tritt, unschuldige für Jahre oder Jahrzehnte einzusperren. Als Staatsanwalt ist einer gar von Amts wegen gezwungen Menschen vorwiegend als schlecht, verkommen und bei Klageerhebung als schuldig zu betrachten.
Dr. P. Holzmann
am 28.12.2011 02:54:29 (212.110.104.xxx) Link Kommentar melden
eine sehr professionelle unabhängige journalistische Zusammenfassung zum Prozess Däbritz.
Schade, dass die Medien in diesem Fall nicht mehr wahrheitsgemäß berichterstatten..
Ich glaube, Gerechtigkeit wird in diesem Fall siegen und Däbritz wird frei gesprochen...
Mama eines Mini-Patienten
am 29.08.2012 09:45:19 (80.140.200.xxx) Link Kommentar melden
Als Mama eines herzkranken Kindes, musste ich mit erschrecken feststellen, für was für Aufsehen Frau Professor Däbritz sorgte! Wir wohnen knapp 100km vom "Ort des Geschehens" entfernt, weshalb der Vorfall uns bisher nicht bekannt war.
Allerdings wurde der erste "Schock" begleitet von einem Gefühl tiefster Bewunderung! Ich selbst komme aus der Medizin und habe nicht nur einmal erlebt, wie Ärzte vermeintlich "gepfuscht" haben!!! Ich ziehe den imaginären Hut vor Frau Däbritz, sie schenkte meinem Sohn sein Leben und mir als Mutter somit auch meins. Fachlich, sowie auch menschlich ist Frau D. weltklasse! Wie in dem Artikel schon richtig beschrieben wurde: sie ist die Jeanne d'Arc der Medizin, bzw. der Patienten und keine Chefärztin die über Leichen geht, um an eine hervorragende Position zu gelangen. Dies hat sie nicht zuletzt durch ihr hervorragendes Können erreicht!!!

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