Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Wirtschaft & Finanzen: Deutschland

Sozialbestattungen in Deutschland

Inakzeptable und nicht tragbare Praktiken der Sozialämter

Sozialbestattung mit Billigsarg.
Sozialbestattung mit Billigsarg.
Jeder sechste Einwohner Deutschlands ist armutsgefährdet. Das sind rund 12,6 Millionen Menschen wie neueste Statistiken ergaben. Dabei gilt als armutsgefährdet jeder, der im Jahr 2009 weniger als 949,00 Euro im Monat zur Verfügung hatte. Betroffen sind dabei vor allem Arbeitslose und Alleinerziehende meldete das Statistische Bundesamt.

Tendenz steigend

Glaubt man den Medien, so ist die Tendenz dazu steigend und insbesondere wird auch immer wieder gemeldet dass die Kinderarmut in Deutschland stetig steigt. Je größer die Armut, je größer auch die Sozialleistungen, die für die Bedürftigen gezahlt werden müssen.

Doch wo soll all dieses Geld herkommen? – Immer weniger Menschen müssen immer mehr Gelder dafür erwirtschaften. Dies ist nicht nur bei der Rente so.

Auch der Anteil von Sozialbestattungen in Deutschland steigt rapide an. Unter Sozialbestattung versteht man eine Bestattung, die vom Sozialamt bezahlt wird – bezahlt werden muss – wenn die bestattungspflichtigen Angehörigen nicht über ausreichende Gelder bzw. Vermögen verfügen um die Bestattung eines Angehörigen bezahlen zu können.

Würdevoll und standesgemäß sieht anders aus

Bei einer Sozialbestattung wird vom zuständigen Sozialamt in der Regel lediglich das ortsüblich Billigste anerkannt – wenn überhaupt. Zeitungsanzeigen, Trauerdrucksachen und Blumenschmuck werden in der Regel nicht übernommen. Auch die sogenannte Erledigung der notwendigen Formalitäten wollen viele Sozialämter nicht anerkennen, da sie offenbar der Auffassung sind, dass diese von den Angehörigen selbst erledigt werden können. Doch dies ist bei einigen Sachen gar nicht möglich und mit vielen Formalitäten sind die Angehörigen auch schlichtweg überfordert.

Eine Sozialbestattung hat nichts mehr mit Würde zu tun und auch eine standesgemäße Beerdigung sieht anders aus. Unter einer standesgemäßen Beerdigung, die jedem zusteht – wie es früher immer hieß – versteht man eine durchschnittliche ortsübliche Bestattung. Die Sozialbestattung ist vielerorts jedoch die bestmögliche Billigbestattung.

Unzumutbare Bearbeitungszeiten

Damit die Sozialämter überhaupt Bestattungskosten übernehmen müssen die bestattungspflichtigen Angehörigen einen Antrag stellen. Und das sollte vor Beauftragung der Bestattung geschehen. Zu den bestattungspflichtigen Angehörigen zählen insbesondere erst einmal Ehe-/Lebenspartner und Kinder. Hatte der Verstorbene z. B. fünf Kinder, dann müssen auch alle fünf Kinder (zusätzlich zum Ehe-/Lebenspartner) einen Antrag stellen.

Die Anträge werden dann geprüft, bevor die Entscheidung fällt, ob und für wen wie viel von den Bestattungskosten übernommen wird. Und eine solche Prüfung kann bis zu einem halben Jahr – oder noch viel länger dauern. Bei einem Partner und fünf Kindern sind es sechs zu prüfende Anträge, wobei jedem 1/6 der Kosten zugeordnet werden. Wer nach Prüfung über genügend finanzielle Mittel verfügt bekommt nichts. So kann es leicht passieren, dass nur ein Bruchteil der Bestattungskosten auch tatsächlich vom Sozialamt übernommen wird.

Ausgleich der Bestattungskosten nicht mehr sicher

Die Bestattungsunternehmen beklagen immer häufiger die unzumutbaren Praktiken der Sozialämter die Bestattungskosten erst nach Monaten (wenn überhaupt) zu bezahlen. Wartezeiten von bis zu sechs Monaten sind inzwischen weitgehend der Regelfall. Manchmal kann es auch länger dauern. In einem mir bekannten Fall des Sozialamtes im Märkischen Kreis waren es 10 Monate bevor ein Teil der Kosten bezahlt wurde!

Wird dann nur ein Teil der Bestattungskosten bezahlt und die Angehörigen können oder wollen nicht den Rest bezahlen, bleibt der Bestatter auf den Kosten sitzen. Eine Praktik, die so nicht länger hingenommen werden kann und nicht hingenommen werden sollte!

Sozialämter müssen in die Pflicht genommen werden

Aus den genannten Gründen lehnen heute bereits viele Bestatter eine Sozialbestattung ab. Verständlich, denn wer will schon seine Leistung erbringen und seine Ware hergeben, wenn er nicht weiß ob und wenn ja wann er mal sein Geld bekommt.

So bleiben zukünftig für Sozialbestattungen wohl nur noch zwei Alternativen:

  1. Die Sozialämter gehen in Vorleistung – wie es eigentlich vom Gesetzgeber auch vorgesehen ist – und geben dem Bestatter z. B. aufgrund eines Kostenvoranschlages eine schriftliche Bestätigung der Kostenübernahme – und zwar innerhalb einer angemessenen Zeit, die maximal vier Wochen nicht überschreiten sollte.
  2. Die Bestattung wird erst dann ausgeführt, wenn die Bezahlung erfolgt ist.

Armes Deutschland

Die zweite Alternative ist Angehörigen kaum zumutbar und weder würde- noch pietätvoll. Doch wird sie schon heute in einigen Großstädten praktiziert wie Medien bereits berichteten. Und wenn man bedenkt, dass viele Bestattungsunternehmen Familienbetriebe sind, die es sich einfach nicht leisten können auf Rechnungsbeträge sechs bis zehn Monate zu warten, zumal in den Beträgen auch Fremdkosten enthalten sind, die sie selbst weitergeben müssen, ist es nur allzu verständlich, wenn niemand mehr eine Sozialbestattung ausführen will.

Hier muss sich ganz dringend etwas tun, wenn Deutschland weiterhin ein Land mit hohem sozialen Niveau bleiben will – oder besser gesagt – wieder werden will…

Bildnachweis:
  • Sozialbestattung mit Billigsarg.: © Axel Ertelt (Weiterverwendung ohne ausdrückliche Genehmigung nicht gestattet.)

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Lesen Sie dazu auch:
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Sozialamt | Sozialbestattung | Bestattung | Bestatter | Mißstände
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.08 Sekunden
37,667,242 eindeutige Besuche