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Wissenschaft: Sonstiges

'Klinikskandal um UK Münster erneut vor Gericht'

Paradoxes Strafverfahren gegen Whistleblower Däbritz

Herz-Koryphäe Prof. Dr. Däbritz
Herz-Koryphäe Prof. Dr. Däbritz
Es ist immer eine Tragödie, wenn ein Mensch stirbt. Wenn er aber nach einem operativen Eingriff stirbt, oder noch im Operationssaal, dann entstehen automatisch Fragen nach dem Warum. Fragen, die man sich in Deutschland offensichtlich nur heimlich stellen darf, denn wie sonst wäre es zu erklären, dass heute gegen die weltweit anerkannte Chirurgin Prof. Dr. Sabine Däbritz und ihren Lebensgefährten eine Verhandlung stattfindet, deren Anklageschrift allein 15 Seiten umfasst.

Kritik aus den eigenen Reihen

Die Professorin war als Kinderherzchirurgin zu weltweiter Beachtung gelangt und war das einstige "Aushängeschild" des Uniklinikums Münster, und nicht zuletzt wegen ihrer unbestreitbaren medizinischen Kompetenz vom Chefarzt des UKM, Prof. Scheld, als seine künftige Nachfolgerin favorisiert worden.

Offenbar gingen die Auffassungen über die qualitative Versorgung der Patienten aber weit auseinander, und aus dem einstigen Protegè wurde schnell ein unbequemer Kritiker in den eigenen Reihen.

Lange Mängellisten wurden der Geschäftsführung des UKM von der Professorin vorgelegt, sie kritisierte Arbeitsabläufe, unklare Operationsvorkommnisse, ungewöhnlich hohe Blutübertragungsmengen etc.

Ignoranz als Qualitätsmanagement

Als keine nennenswerten Reaktionen erfolgten, habe der Lebensgefährte, der von den Vorgängen aus dem Zugriff auf die Dateien seiner Partnerin Kenntnis erlangt habe, anonym Anzeige erstattet, um eine Klärung der Vorgänge zu erreichen.

Schnell wurde die Staatsanwaltschaft tätig, und binnen kürzester Zeit wurde dem unter Beschuss geratenen Professor Scheld und seiner ärztlichen Mannschaft bescheinigt, dass er erwiesenermassen unschuldig sei. Dies binnen weniger Tage. Bemerkenswert dabei ist, dass die sogenannten Gutachten, auf die sich die Einstellung des Verfahrens stützt, von Prof. K. unterzeichnet und verfasst wurden. Ebendieser hat innerhalb weniger Tage die gesamten Operationsvorgänge studiert und für korrekt befunden, was zu der Annahme der "erwiesenen Unschuld" des unter Beschuss geratenen Professors Scheld führte.

Verbandsklüngel und kollegiale Reinwaschung oder unabhängiges Gutachten?

Interessantes Detail an diesen Gutachten sind zwei Aspekte: K. begutachtete Transplantationen, bei denen die Patienten schlussendlich verstorben waren und befand diese für ordnungsgemäss durchgeführt. Allerdings ist Dr. K. kein Herzchirurg, der selbst transplantiert, begutachtet aber als Präsident der Fachgesellschaft für Herz-Thoraxchirurgie diese Operationstechnik. Das ist ungefähr so qualifiziert, als ob man einen KFZ-Meister ein Gutachten über einen Flugzeugabsturz schreiben lässt.

Desweiteren mag K. wohl ein Kunstgriff in die Trickkiste gewesen sein, denn wie unabhängig mag ein Mediziner sein, der von ebendiesem Arzt, den er beurteilen soll, den Präsidentenstuhl übernahm und der mit ihm zusammen diverse medizinische Fachliteratur verfasst hat. Sinnigerweise gibt es sogar einen Kodex innerhalb der Fachgesellschaft, wonach ein Mitglied dieses Bundes einem anderen nicht schaden dürfe. Ob sich die Staatsanwaltschaft dessen bewusst war oder nicht, darüber kann man nur spekulieren, aber es muss zumindest erlaubt sein, sich gedanklich zu fragen, ob hier das UKM als staatliches Unternehmen unter einem besonderen Schutz des Staates steht. Dass das Gutachten auf tönernen Füssen steht, ist auch durch die mittlerweile zweite Zivilklage, die das UKM gegen die ungeliebte Professorin und ihren Partner verloren hat, untermauert.

Zwei verlorene Schadensersatzklagen - zahlen darf der Steuerzahler

Es ging um die Frage, ob die Professorin durch bewusste falsche Behauptungen das UKM geschädigt habe. Hier gelang es beide Male nicht, nachzuweisen, dass die gemachten Behauptungen falsch waren. Das UKM indes muss sich fragen lassen, wie es denn sein kann, dass hier bei einem Streitwert von 4 Millionen Euro eine unsinnige Klagewut ausgelebt wird, die letztlich durch Steuergelder finanziert wird.

Europäischer Gerichtshof entscheidet für Meinungsfreiheit

Unter AZ 28274/08 EuGH wurde festgestellt, dass das Recht auf freie Meinungsäusserung höher wiege als das schutzwürdige Interesse eines Arbeitgebers auf betriebsinterne Kritiken.

www.betriebsratsp..._id=204383

"In dem Kammerurteil (Beschwerdenummer 28274/08) stellten die sieben EGMR-Richter fest, "dass in einer demokratischen Gesellschaft das öffentliche Interesse an Informationen über Mängel in der institutionellen Altenpflege in einem staatlichen Unternehmen so wichtig ist, dass es gegenüber dem Interesse dieses Unternehmens am Schutz seines Rufes und seiner Geschäftsinteressen überwiegt".

Dies scheint bei dem gegenständlichen Strafverfahren noch nicht bei der Staatsanwaltschaft Münster angekommen zu sein, denn wie sonst sollte es zu erklären sein, dass ausgerechnet das Bundesdatenschutzgesetz herangezogen wird, um der Ärztin den Prozess zu machen. Ein Gesetz, das sowieso nur auf dem Papier besteht, da sich noch nicht einmal die Bundesregierung daran hält.

Erneut ungeklärter Todesfall

Indessen wird am UKM weiter gestorben, und die Staatsanwaltschaft scheint zu beschäftigt zu sein, um die neu eingegangenen Anzeigen gegen das UKM zu bearbeiten, denn bis zum Redaktionsschluss war den Anzeigeerstattern noch keine Nachricht des Gerichts zugegangen. Immerhin ist die Anzeige bereits vor vier Monaten an die Staatsanwaltschaft gesandt worden, anscheinend ist man nicht immer so schnell wie bei der Begutachtung von Dr. Scheld.

Auch der Etikettenschwindel EMAH-Zentrum, der in OZ24 nachzulesen ist, geht munter weiter.

Wundersame Geldvermehrung "Manche Firmen haben soviel Geld, daß sie es verschenken können. Nicht umsonst gibt es ja den Spruch, "tue Gutes und sprich darüber". Das ist solange auch durchaus lobenswert, solange der Zweck dieser Spenden auch wirklich der Allgemeinheit oder einer bestimmten Gruppe von sozial benachteiligten Menschen zugute kommt.

Realsatire Stiftung - Bestechung klingt so negativ

In einer zumindest moralischen Grauzone bewegen sich aber Firmen, die sich mittels einer Stiftung den Anschein geben, gemeinnützig tätig zu sein. Leider sind oftmals gerade diejenigen, die das meiste Kapital haben, so legendär und unangreifbar, dass sich niemand mehr traut, genauer hinzugucken oder sogar offen Kritik zu üben. Sehr schnell ist man in der Gefahr, mittels Gerichtsbeschluß mundtot gemacht zu werden."

Kritiker in Deutschland vor dem Kadi

Bleibt abzuwarten, ob der Richter in dem Verfahren am 14.11.2011 die Hintergründe dieser bizarren Kollegenposse durchschaut und dem Staatsanwalt die Richtung weist, oder ob sich Deutschland ausserhalb des EU-Rechts stellt und kritische Menschen mundtot macht, entgegen jeden Rechtsempfindens des normalen Bürgers. Nicht vergessen sollte man, dass der Tod eines Menschen immer wert ist, dass solange nachgefragt und nachgeforscht wird, bis die Wahrheit unzweifelhaft geklärt ist. Diese "unzweifelhafte" Klärung der Wahrheit muss die Staatsanwaltschaft erst belegen, bevor sie Persilscheine für staatliche Institutionen im Schnelldurchlauf ausstellt.

http://www.networ...2f5341a21e

Bildnachweis:
  • Herz-Koryphäe Prof. Dr. Däbritz: Dr. Däbritz (Dr. Däbritz)

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Schlüsselwörter: Strafprozess | Prof. Dr. Sabine Däbritz | UK Münster | Whistleblower | Klinikskandal
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Kommentare

Peter Maier
am 16.11.2011 19:01:21 (93.219.140.xxx) Link Kommentar melden
Es wäre schön, vom weiteren Verfahrensverlauf Näheres zu erfahren.
Gata Linda
am 19.11.2011 02:21:10 (83.57.204.xxx) Link Kommentar melden
http://www.muensterschezeitung.de/lokales/muenster/Richter-regt-Einstellung-des-Verfahrens-an;art993,1470002
MÜNSTER Überraschende Wende im Fall Däbritz: Richter Thomas Mattonet hat am Mittwoch die Einstellung des so genannten "Rufmord-Prozesses" gegen die Chirurgin Sabine Däbritz ins Spiel gebracht.


Hat so ein Richter also doch genug Menschenverstand, um sich für sowas nicht herzugeben...

Nach Angaben von Prof. Nelles kam es aber schon kurz nach dem Dienstantritt von Däbritz zu einer Reihe von Beschwerden. Zum einen hätten sich die Mitarbeiter der Klinik über die „soziale Inkompetenz“ der neuen Herzchirurgin beklagt. Zum anderen habe sich auch Däbritz selbst immer wieder an sie gewandt und behauptet, sie würde von ihrem Chef gemobbt.
soziale Inkompetenz= die macht unsere Schweinereien nicht mit und Mobbing vom Chef = der Typ versteht nicht, dass NEIN nicht JA ABER bedeutet...
Dies ist nur mal eine Interpretation, reine Spekulation also.

„Ich fühlte mich manchmal wie im Auge des Hurrikans“, erinnerte sich Prof. Nelles. „Ich konnte irgendwann nicht mehr sagen, wer hier eigentlich durchgeknallt war.“
...*Gata Linda leiht Nelles mal nen Spiegel*

Aber das Dümmste, das ich in diesem Zusammenhang je gelesen habe, ist der krampfhafte Versuchsballon des Staatsanwaltes:
Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass die Angeklagten damals aus Frust, Wut und Enttäuschung einen wahren „Rachefeldzug“ gegen das UKM geführt haben. Angeblicher Hintergrund: Däbritz war im Herbst 2007 nur wenige Monate nach ihrem Dienstantritt in der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie fristlos gekündigt worden.
Eine Ärztin von Weltruf begibt sich in ein Provinzklinikum in Münster, um dort die Herzchirurgie auf Vordermann zu bringen. Eine Frau, die Angebote von der besten Herzklinik der Welt hatte und der ALLE Türen in der Medizin WEIT offenstehen. Ausgerechnet diese Lichtgestalt am Operationstisch soll sich ärgern, weil sie in diesem Krämerladen gekündigt worden sei....wie geil ist das denn?? Da hat aber einer seine Hausaufgaben überhaupt nicht gemacht, aber der ist ja nun ohnehin im Ruhestand und damit endlich weg von der Bildfläche.
Mit jedem Tag, den diese hervorragende Chirurgin am OP-Tisch fehlte für dieses unsinnige Verfahren, mussten Menschen mit ihrem Leben spielen und sich in Notsituationen mit den zweitbesten Operateuren begnügen...DAS ist die eigentliche Tragödie an diesem Verfahren.

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