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Wirtschaft & Finanzen: Deutschland

Führt Bildung zum Realitätsverlust??

These: 98% der Geringverdiener sind unqualifiziert

Da gibt es eine Studie des IAQ (Institut für Arbeit und Qualifikation) und da gibt es einen alternierenden Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Bundesagentur für Arbeit und gleichzeitig Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Arbeitgeber. Beide haben etwas mit der Arbeitswelt zu tun und kommen zu erstaunlich unterschiedlichen Bewertung dieser.

Es drängt sich nach Studium der nachfolgenden Aussagen beider die Frage auf, gibt es eine reale Welt und eine einigermaßen objektive Wahrnehmung? Hier sind wohl auch die Philosophen gefragt.

Wenn man überlegt, dass im Jahre 2006 22% aller Beschäftigten in dieser sozialmarktwirtschaftlichen und demokratischen Republik durch Niedriglohn vergütet wurden, so sollte der Rest, also der "Normalverdiener" sich langsam Gedanken machen, wie er auch für sich die Bedrohung abwehrt. Denn, diese negative Entwicklung im Arbeitseinkommen schreitet voran. Nun wird auch wohl jeder verstehen, dass der Ruf nach Kombilöhnen durch Wirtschaft und Parteien verstummte. Man braucht ihn nicht mehr zu fordern, man hat ihn schon, durch Hartz IV. Ein neuer Ruf wird angestimmt, durch Politik und Wirtschaft: Hartz IV für alle!! Also Leute, seid solidarisch und einsichtig, verzichtet auf Lohn und beantragt den Kombi-Hartz. Ach ja, bei unserem Vorbild USA liegt die Niedriglohnquote bei etwa 25%.

http://www.iaq.un...8-01.shtml

„Weitere Zunahme der Niedriglohnbeschäftigung: 2006 bereits rund 6,5 Millionen Beschäftigte betroffen

Thorsten Kalina / Claudia Weinkopf Auf den Punkt ... Unter allen abhängig Beschäftigten liegt der Anteil von Niedriglöhnen (unterhalb von zwei Dritteln des Medians) 2006 bei gut 22% - d.h. mehr als jede/r Fünfte ist gering bezahlt.

Gegenüber 1995 ist der Niedriglohnanteil in Deutschland damit um gut 43% gestiegen.

Der durchschnittliche Stundenlohn der Niedriglohnbeziehenden ist seit 2004 gesunken, während er in den Vorjahren gestiegen ist.

Überdurchschnittlich betroffen von Niedriglöhnen sind insbesondere Mini-jobber/innen, Jüngere, gering Qualifizierte, Ausländer/innen und Frauen.

Der Anteil von Beschäftigten mit abgeschlossener Berufsausbildung am Niedriglohnbereich ist von 58,6% (1995) auf 67,5% (2006) deutlich gestiegen.

Im internationalen Vergleich hat Deutschland inzwischen einen hohen Anteil von Niedriglöhnen und eine fast beispiellose Ausdifferenzierung des Lohnspektrums nach unten.“

Wie weit sind unsere "Gelehrten" von der Realität eigentlich entfernt? Da behauptet doch tatsächlich ein gebildeter cleverer Mensch, der gar im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit sitzt, dass der Niedriglohn nicht arm macht, sondern im Gegenteil eine soziale Absicherung bewirkt und dass 98% der Niedrigverdiener unqualifiziert sind. Ganz schön krass, welches Welt- und Menschenbild da von Vertretern öffentlicher und überwiegend durch Arbeitnehmer finanzierten Einrichtungen da zeigt. Als einer, der auch beruflich mit Menschen aus dem Niedriglohnbereich zu tun hat, kann ich hier nur feststellen dass es sich bei diesen Äußerungen entweder um eine bewusste Verdrehung der Realität und Hetze handelt, oder um eine schon krankhafte Form von Wirklichkeitswahrnehmung und/oder Dummheit. Joachim Jahnke kommt auf ein ähnliches Ergebnis:

http://www.jjahnke.net/gedanken27.html#cle Gedanken zur Zeit 831 19-04-08: Clever und die Geringverdiener

„Wer ist Peter Clever? 43 Jahre alt. Studium der Volkswirtschaftslehre, Politischen Wissenschaften und Soziologie an der in diesen Fächern bekannt-konservativen Universität Köln. Leiter des Büros des CDU-Arbeitsministers Blühm. Nach Antritt der rot-grünen Koalition Wechsel zur Immobiliengruppe FUNDUS. Ab 2003 Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Arbeitgeber und alternierender Vorsitzender des Verwaltungsrates der Bundesagentur für Arbeit.

Mit diesem eindeutigen Hintergrund äußert sich Clever im TV-Sender N24 zum wachsenden Anteil an Geringverdienern und weist dabei die Forderung nach Mindestlöhnen zurück. Die zunehmende Zahl von Geringverdienern sei "kein Argument" dafür. Niedriger Lohn heiße "noch lange nicht, in einer armen Familie zu leben". Dies betreffe 17 Prozent, vor allem Alleinerziehende und Migranten. Die Alternative zu Niedriglohn-Jobs sei Arbeitslosigkeit. So einfach ist das also.

Hier die Antworten im einzelnen, die mir ein Besucher des Infoportals zugeschickt hat und bei denen einem der kalte Kaffee hochkommen kann:

Antwort Nr. 1 Wer für einen Niedriglohn arbeitet ist ja nicht automatisch arm. Es käme darauf an ob diese Personen in einem armen Haushalt leben würden. Dies wäre nicht der Fall, da die meisten Niedriglöhner Frauen von gutverdienenten Männern seien. Der Niedriglohn sorge dafür, daß diese Haushalte noch mehr Geld zur Verfügung hätten.

Antwort Nr. 2 Schuld an dem Niedriglohn sei die Politik, die zuwenig Kinderbetreuungsplätze zur Verfügung stellt und daher die Frauen nur Niedriglohnarbeit annehmen könnten, da Sie den Großteil ihrer Zeit mit der Erziehung verbringen müssen. Hier sei die Politik gefragt Abhilfe zu schaffen.

Antwort Nr.3 Es gibt Arbeiten, die eben nicht mehr als Niedriglohn hergeben und für die Aufstockung dieser Niedriglöhne ist die Politik, sprich Staat zuständig, der im übrigen die Schuld an den hohen Belastungen der Unternehmer trage. Ausserdem spare der Staat sich das Arbeitslosengeld 2. In Ausnähmefällen müsse der Staat den Niedriglohn aufstocken.

Antwort Nr. 4 Es gäbe nach seinem Kenntnisstand nur etwa 4000 Menschen die dauerhaft zum Niedriglohn Arbeitslosengeld 2 beziehen. Auf Grund der geringen Zahl von 4000 Aufstockern sieht er hier einen "Statistikfehler". Wäre der Niedriglohn wirklich bei 22% müsste es auch 6,5 Mill. Aufstocker geben.

Antwort Nr. 5 Arbeit mit Niedriglohn ist immerhin besser als arbeitslos zu sein.

Antwort Nr. 6 98% derer, die für Niedriglohn arbeiten, seien unqualifizierte Menschen, die weder eine ausreichende Schulbildung noch über eine Berufsausbildung verfügten. Der Staat solle froh sein und anerkennen, das die Wirtschaft auch diesen Menschen Arbeit bietet und sich durch Hartz IV daran beteiligen um so Arbeitslosengeld sparen. Die Pisa-Studie habe ja offengelegt, daß es in Deutschland keine ausreichende Schulbildung gibt.

Antwort Nr. 7 Ein Mindestlohn ist aus seiner Sicht nicht erforderlich und sogar schädlich für den Arbeitsmarkt. Der Staat sichere bei Niedriglohn die Armut ausreichend ab.

Frage von Joachim Jahnke: Woher weiß Clever eigentlich, daß die meisten geringverdienenden Frauen mit gutverdienenden Mânnern verheiratet sind? Meint er seine eigene Frau?“

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Schlüsselwörter: Niedriglohn | Hartz IV | Deutschland
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Kommentare

am 21.04.2008 23:26:37 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
Einige Politiker reden ja von Vollbeschäftigung. So um 2010. Bis dahin werden diese Menschen über Tricks aus der Statistik herausgerechnet.

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