Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Politik: Welt

Gerichtsvollzieher pfändete Flugzeug des thailändischen Kronprinzen

Thailändische Regierung hat 30 Millionen Schulden beim Insolvenzbetrieb Walter Bau

Hochstraße in Bangkok.
Hochstraße in Bangkok.
Am vergangenen Dienstag (12.07.2011) geschah etwas Kurioses und in dieser Form so wohl noch nie da gewesen. Der Insolvenzverwalter Werner Schneider aus Neu-Ulm ließ die Boeing 737 der Royal Thai Air Force des thailändischen Kronprinzen Maha Vajiralongkorn (58) auf dem Münchner Flughafen pfänden. Seitdem ziert die Maschine, die derzeit auf einem Wartungsvorfeld steht und nicht starten darf, ein deutsches Pfandsiegel.

Thailand ist entsetzt über diese Maßnahme

In Thailand ist man entsetzt über die Pfändung. Das Verhältnis ist angespannt. Am Freitag (15.07.2011) scheiterte ein Eilantrag der thailändischen Regierung um die Sicherstellung der Maschine aufzuheben. Am Abend traf sich dann der extra angereiste thailändische Außenminister Kasit Piromya im Auswärtigen Amt in Berlin mit der deutschen Staatsministerin Cornelia Pieper (FDP). Auch dieses Treffen brachte keinerlei Erfolg. Die Ministerin sagte im Anschluss an das Treffen lapidar, dass sie hoffe dass sich in dieser Angelegenheit „schnell Lösungen finden lassen“.

Auch Kronprinz Maha Vajiralongkorn versucht seit Tagen alles um sein Flugzeug wieder frei zu bekommen. Schließlich habe er nichts mit den Schulden der thailändischen Regierung zu tun. Das scheint ein schlagkräftiges Argument zu sein auf das sich die deutschen Behörden jedoch nicht einlassen.

Thani Thingphakdi, ein Sprecher des Bangkoker Außenministeriums sagte unterdessen, die thailändische Regierung wolle „die Angelegenheit so schnell wie möglich klären. Wir sind betroffen über das, was passiert ist. Es muss sich um ein Missverständnis handeln.“ Schließlich betonte auch er, dass die Boeing 737 dem Kronprinzen und nicht der thailändischen Regierung gehöre.

Hochtrasse in Bangkok.
Hochtrasse in Bangkok.
Die Hintergründe

Als Hintergrund dieser peinlichen Situation stehen Schulden in Höhe von mehr als 30 Millionen Euro, die die thailändische Regierung seit mehr als 20 Jahren beim 2005 in Insolvenz gegangenen Baukonzern Walter Bau hat. Diese resultieren aus dem Bau einer Mautautobahnstrecke bei Bangkok, den die Walter Bau Tochterfirma Dywidag durchführte.

Weil die thailändische Regierung seit Jahren nur auf Zeit spielt anstatt zu handeln tat dies nun Insolvenzverwalter Schneider, der diese Maßnahme als „Ultima Ratio“ bezeichnete. Schneider glaubt inzwischen, dass die Pfändung nun erste Früchte zu tragen scheint. Auch das thailändische Königshaus könnte Druck auf die Regierung ausüben, da es ja offenbar zu Unrecht betroffen ist. Wenn der König ein Machtwort spricht, hat die Regierung bisher immer noch gespurt.

Die Walter Bau war einmal einer der größten deutschen Baukonzerne mit einer Bauleistung noch im Jahr 2004 von 3,283 Milliarden Euro. Am 1.02.2005 wurde Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Augsburger Amtsgericht gestellt. Drei Tage später ebenso für 11 Tochterfirmen. Dieses wurde am 1. April 2005 eröffnet. Es war eine Finanzierungslücke von 200 Millionen Euro entstanden. Die Schulden der thailändischen Regierung schlagen dabei mit 15 % zu Buche.

Der Don Muang Tollway

Vorbereitung zum Pfeilerbau.
Vorbereitung zum Pfeilerbau.
Bei der von der Walter Bau Tochterfirma Dywidag gebauten Mautautobahnstrecke handelt es sich um den Uttaraphimuk Elevated Tollway, der allgemein auch als Don Muang Tollway bekannt ist. Es handelt sich um eine auf Pfeilern stehende Hochstraße mit einer Gesamtlänge von 15,4 Kilometern und drei Fahrspuren in jede Richtung.

Die Angebotsaufforderung für den Bau der Strecke geschah im Dezember 1987. Baubeginn war 1991 und die Fertigstellung im August 1994. Im Oktober des gleichen Jahres wurde sie für den Verkehr freigegeben. Im April 1996 endete die Gewährleistungsfrist.

Der Bau war mit einigen Auflagen verbunden. So sollte der Verkehr auf der alten, ebenerdigen Schnellstraße nicht unterbrochen werden. Das Verkehrsaufkommen betrug bereits damals 180.000 Fahrzeuge pro Tag.

Bildnachweis:
  • Hochstraße in Bangkok.: Foto: Paul Boden, Archiv Siam-Journal (Axel Ertelt). (Eine Verwendung des Fotos außerhalb dieses Artikels ist nicht gestattet.)
  • Vorbereitung zum Pfeilerbau.: Foto: Paul Boden, Archiv Siam-Journal (Axel Ertelt). (Eine Verwendung des Fotos außerhalb dieses Artikels ist nicht gestattet.)
  • Hochtrasse in Bangkok.: Foto: Paul Boden, Archiv Siam-Journal (Axel Ertelt). (Eine Verwendung des Fotos außerhalb dieses Artikels ist nicht gestattet.)

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Maha Vajiralongkorn | Royal Thai Air Force | Don Muang Tollway | Walter Bau | Flugzeugpfändung
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

extrem-ossi
am 18.07.2011 14:25:59 (125.27.9.xxx) Link Kommentar melden
Wiso muß der Insolvenzverwalter so lügen?
Hier geht es nicht um nichbezahlte Bauarbeiten sondern um entgangenem Gewinn bei einer Autobahnmaut!
Die Walter Bau AG hatte 10% Beteiligung an einem Bau- und Betriebskonsortium, das dann nach ihrem Konkurs in die Dywidag überging. Die Mautgebühren waren nach Fertigstellung der Hochautobahn ziemlich gesalzen, die Bangkokianer sind da lieber unten im Stau weitergefahren. Diese Notsituation hat die Stadt erwogen öfters mal niedrigere Gebühren vorzuschreiben. Daher der Verlust bei dieser Beteiligung, und hat dann Recht beim UN-Gericht bekommen wegen Einmischung des Staates in einer Konzessionsvereinbarung.
Der Einspruch gegen diese UN-Gericht Entscheiung ist im Gange, weil der stetige Eingriff in die Mautgebühren schon zurückgefahren wurde. Der Nutznießer wird dann die Dywidag sein.
Wieso hält sich da der Insolvenzverwalter nicht an die Dywidag? Die erntet doch dann die Früchte!
Geht nicht, die hat schon die Strabag in Österreich.

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.06 Sekunden
37,394,971 eindeutige Besuche