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Politik: Europa

SKANDAL: Polnische Regierung will Gedenkstätte des Vernichtungslagers SOBIBOR schliessen

1941 erstes Nazi-Lager zur fabrikmässigen Vernichtung von Menschen - 1943 Selbstbefreiung

SOBIBOR - ein kleiner Ort in Ost-Polen kurz vor der russischen Grenze.Vielleicht Zeitungslesern durch den Münchener "Demjanjuk-Prozess" noch oder wieder bekannt geworden. Dort entstand 1941 das erste von den deutschen Nazis errichtete Lager zur fabrikmässigen Vernichtung von Menschen - Vorläufer von Auschwitz. Es führt zu weit, wenn ich hier und jetzt Details erklären und berichten würde.

SOBIBOR war das einzige Vernichtungslager der Nazis, dessen Häftlinge sich bereits 1943 durch einen Aufstand unter Leitung eines dort gefangen gehaltenen Offiziers der sowjetischen Streitkräfte selbst befreien konnten. Um die Spuren ihrer Niederlage zu verwischen, ließ die SS das Lager dann schließen. Ich war als Gerichtsreporter zu Beginn der 80er-Jahre im 2. SOBIBOR-Prozess tagtäglich im Schwurgericht Hagen/Westfalen zugegen. Dem 1960 zu lebenslanger Haft verurteilten Frenzel war ein "Wiederaufnahme-Verfahren" gelungen, das fast 1 Jahr lang dauerte. Das Ergebnis: Die lebenslange Freiheitsstrafe des Frenzel wurde vom Schwurgericht bestätigt.

Um so mehr schmerzt es mich und ich bin bitterlich und zutiefst empört, dass die Regierung der jetzigen Republik Polen unter dem Vorwand von "Kostengründen" die Gedenkstätte in SOBIBOR schließen will.

Nachfolgend mein Brief AN DEN BOTSCHAFTER DER REPUBLIK POLEN:

Götz Bockmann

Adresse von der Redaktion entfernt

Datum: 14. Juni 2011/ 02. Juli 2011

Seine Exzellenz Herrn

Ausserordentlichen und Bevollmächtigten Botschafter der Republik Polen in der Bundesrepublik Deutschland

Dr. Marek Prawda

Lassestrass 19 – 21

D-14193 BERLIN – Grunewald

DIESEN BRIEF ERHALTEN SIE DURCH E-MAIL berlin.amb.sekretariat@msz.gov.pl

Betrifft: Faschistisches Vernichtungslager SOBIBOR in der heutigen Republik Polen

Sehr geehrter Herr Botschafter, ich darf mich zunächst kurz vorstellen: geboren am 18.02.1947 in Blankenburg/Harz. Ab August 1979 habe ich als freiberuflicher Journalist für deutsche Zeitungen und nationale und internationale Nachrichtenagenturen (reuters, afp) gearbeitet. Ich war unter anderem auch für die Bereiche Gerichtsberichterstattung über Strafprozesse in Deutschland (Bundesrepublik und DDR) gegen Nazi-Verbrecher und Neofaschisten als Nicht-Mitglied einer Religionsgemeinschaft ständiger redaktioneller Mitarbeiter der „Jüdischen Allgemeinen Wochenzeitung“. Nicht nur für diese Zeitung, sondern auch für die „Westfälische Rundschau“ (Dortmund), habe ich ein dreiviertel Jahr lang zu Beginn der 80-er Jahre ständig und täglich als Gerichtsreporter aus dem Schwurgericht Hagen/Westfalen über das dort verhandelte Wiederaufnahmeverfahren des FRENZEL berichtet, den 2. Sobibor-Prozess. Frenzel war es nach jahrelanger Haft gelungen, dieses „Wiederaufnahmeverfahren“ durchzusetzen. Im Ergebnis hat das Gericht seine lebenslange Freiheitsstrafe bestätigt. Ich bin also mit der Geschichte des faschistischen Vernichtungslagers SOBIBOR sehr vertraut. Erst kürzlich bin ich von einem belgischen Historiker, der mich durch seine Recherchen im Internet gefunden hat, mit der Tatsache vertraut gemacht worden, dass allein auf Grund meiner Strafanzeige der ehemalige Adjudant des Lagerleiters des KZ MAJDANEK, der 1960 vom Schwurgericht Düsseldorf (MAJDANEK-Prozess) freigesprochen worden war, als 80-jähriger dennoch zu 4 Jahren Haft verurteilt worden ist. Soweit zu meiner eigenen Biographie.

Sehr geehrter Herr Botschafter, Sie werden deshalb verstehen, WESHALB ICH VON TIEFSTEM HERZEN BITTERLICH EMPÖRT BIN, dass die Regierung IHRES LANDES die Gedenkstätte in SOBIBOR schliessen will.. Formal nennt man „finanzielle Gründe“. Doch in Wirklichkeit geht es nach meiner Meinung um ganz andere Fragen, ES SOLL EIN TEIL DER GESCHICHTE POLENS ausgelöscht oder mundtot gemacht werden. Es ist eine historische TATSACHE: 1.) Das Vernichtungslager SOBIBOR war der Prototyp der fabrikmässigen Vernichtung von Menschen, 2.) SOBIBOR war das erste und einzige faschistische Vernichtungslager, dessen Häftlinge sich AUS EIGENER KRAFT befreien konnten – unter Organisation durch einen dort gefangenen Oberleutnant der SOWJET-ARMEE. Will IHR LAND, sehr geehrter Herr Botschafter, dieses alles wirklich dem VERGESSEN anheim fallen lassen ???? Aus ökonomischen und politischen Gründen ? DAS KANN UND DARF DOCH WOHL NICHT WAHR SEIN !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Der Kampf der Menschen für ihr Recht, für ihre Freiheit, und auch für uns „Nachgeborene“ wird verraten und um des Geldes wegen verkauft, wenn Ihre Regierung die Gedenkstätte in SOBIBOR schliesst..

Ich bitte SIE PERSÖNLICH sehr herzlich, diesen Brief Ihrer Regierung und allen Abgeordneten Ihres Parlaments original zur Kenntnis zu bringen.

Ich bedanke mich im Voraus für Ihre freundliche Nachricht und bin mit

Freundlichen Grüssen Ihr Götz Bockmann

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Schlüsselwörter: Sobibor | Vernichtungslager | Polen
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