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Wirtschaft & Finanzen: Steuern & Steuerrecht

Finanzamt Plauen auf Kriegsfuß gegen Riesenschnitzel

Gastwirt Kaltscheuer heute vor Gericht – Seine Schnitzel sind zu groß

Kleines Normschnitzel des Fiskus.
Kleines Normschnitzel des Fiskus.
Preiswert und riesengroß – so sind die Schnitzel des vogtländischen Gastwirts Gerhard Kaltscheuer im Bistro Futterstube in Hammerbrücke bei Chemnitz. Das lockt täglich viele hungrige Arbeiter in sein Lokal, das in der ganzen Gegend ein Geheimtipp ist. Mindestens 200 Gramm bringen sie auf die Waage. Davon wird man satt – nicht so bei den deutschen Einheitsschnitzeln für Finanzbeamte mit 165 Gramm genormt. Doch damit könnte es jetzt bald endgültig vorbei sein.

Im Visier des Fiskus

Bereits im vergangenen Jahr geriet der Gastwirt ins Visier des Fiskus. Seine Einkäufe sind viel zu hoch im Gegensatz zu seinem Umsatz. Das meinten die Beamten vom Finanzamt Plauen und schickten im Juli 2010 einen Steuerprüfer ins Gasthaus.

Der ging dann von der deutschen Einheitsnorm aus und errechnete, dass die eingekauften Mengen Lebensmittel viel mehr Portionen ergäben als abgerechnet wurden. Der Behördenmann des Fiskus ging nämlich davon aus, dass die Schnitzel viel kleiner, eben nach der deutschen Norm, verkauft würden und dass in Folge dessen ein Großteil am Fiskus vorbei in die eigene Tasche gesteckt würde.

Dabei sind Kaltscheuers Schnitzel weit über die Grenzen des Vogtlandes bekannt und beliebt. So manch einer kommt extra dafür in seine eigentlich recht abgelegene Gaststube. Und entsprechend auch das Motto des Gastwirts: „Da muss man dem Kunden schon was bieten für sein Geld, wenn er extra von der Bundesstraße abbiegt.“

Jedenfalls ermittelte inzwischen auch die Staatsanwaltschaft Chemnitz in der Schnitzelaffäre. Ihr zufolge soll Kaltscheuer 25.000 Euro Steuern nachzahlen und zudem eine Strafe von weiteren 9.000 Euro. Der „Länderspiegel des ZDF“ berichtete noch Anfang Oktober vergangenen Jahres von einer 38.000 Euro Forderung des Finanzamt Plauen.

Von dieser ursprünglichen Forderung ausgehend hätten im Bistro täglich 270 Gerichte verkauft werden müssen. Das Bistro zählt an guten Tagen mal gerade um die 60 Gäste.

Selbständig = Steuersünder?

Man kann sich fast des Eindrucks nicht erwehren, dass hier wieder einmal mehr nach dem alten Vorurteil „Selbständig = Steuersünder“ gehandelt wird. Unzählige zufriedene Gäste können Kaltscheuers Schnitzelgröße bestätigen und schon oft wurden sie fotografiert und gefilmt. So wurden sie nicht nur Deutschlandweit bekannt, sondern auch schon über unsere Landesgrenzen hinaus.

Doch das alles lässt Fiskus und Staatsanwaltschaft offenbar kalt. Laut Finanzamt Plauen, das seinerzeit nicht bereit war dem „Länderspiegel“ in dieser Sache Rede und Antwort zu geben, kann der Gastwirt keine ordentliche, vollständige Buchhaltung vorlegen.

Gäste, Freunde und Anwohner schimpfen über pauschale Unterstellungen und meinen: „Die Kleinen versucht man mit allen Mittel zu schröpfen, während man die Großen laufen lässt.“ Recht könnten sie haben mit diesem Vorwurf, denn oft genug haben Großkonzerne die Steuerprüfer einfach abgeworben, die dann für mehr Geld als beim Fiskus die Buchhaltung der Konzerne machten. Das gibt zu denken…

Mittwoch ist Gerichtstermin

Am heutigen Mittwoch (29.06.2011) ist Termin bei Gericht. Dann entscheidet sich wie der Schnitzelkrieg ausgehen wird. Sollte der Gastwirt der Staatsgewalt von Fiskus und Staatsanwaltschaft unterliegen, dann dürfte eines feststehen: Aus ist’s mit den Riesenschnitzeln im Vogtland, denn dann ist Gastwirt Kaltscheuer pleite. Und die Gäste, hungrige Forstbeamte und Bauarbeiter müssen sich demnächst wieder mit den teuren Einheitsportionen begnügen, von denen nur die Schreibtischhengste satt werden…

Bildnachweis:
  • Kleines Normschnitzel des Fiskus.: m. gade, pixelio.de. (Kostenlose redaktionelle und kommerzielle Nutzung mit erweitertem Bearbeitungsrecht gemäß den Pixelio-Bestimmungen.)

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Schlüsselwörter: Steuerhinterziehung | Staatsanwaltschaft Chemnitz | Finanzamt Plauen | Bistro Futterstube | Gastwirt Kaltscheuer
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Kommentare

Amschel
am 30.06.2011 19:27:24 (82.113.99.xxx) Link Kommentar melden
Die Häscher der Staatsmacht (Steuerprüfer, Steuerfahnder, Finanzbeamte, Staatsanwälte) sind, dazu da um das Steueraufkommen und Strafen nach oben zu treiben.
Als vor etwa 12 oder 13 Jahren öffentlich damit angefangen wurde ständig über zu hohe Staatsausgaben und Staatsschulden zu jammern und gleichzeitig die doch so hohen privaten Sparguthaben des Volkes hervorzuheben, war klar die Verschwender hatten es nun auf das private Volksvermögen abgesehen.

Ob sie den Zugriff darauf durch neue Gesetze, verschärfte Anwendung der Alten - oder schlicht durch erfinden real nicht vorhandener steuerrelevanter Gegebenheiten durch "Steuerprüfer" erreichen ist für sie irrelevant.
SuuuperNanny
am 16.07.2011 01:47:10 (84.59.35.xxx) Link Kommentar melden
...des vogtländischen Gastwirts Gerhard Kaltscheuer im Bistro Futterstube in Hammerbrücke bei Chemnitz.


Interessiert mich jetzt privat und nur am Rande: seit wann gehört Chemnitz zum Vogtland? Meines Wissens ist Garl-Morx-Schdadd sächsisch. Nu?!
Alex Mais
am 16.07.2011 19:56:55 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
...seit wann gehört Chemnitz zum Vogtland?
(SuuuperNanny am 16.07.2011 01:47:10)

Bitte richtig lesen. Ich habe an keiner Stelle geschrieben oder gar behauptet Chemnitz gehöre zum Vogtland. Fest steht aber das Hammerbrücke zum Vogtland gehört, wo eben der vogtländische Gastwirts Gerhard Kaltscheuer sein Bistro Futterstube betreibt.

Quellen u.a.: ZDF Länderspiegel vom 02.10.2010 (s. entsprechenden Link im Artikel oben), Welt-online u.a.

In Chemnitz ist der Sitz der zuständigen Staatsanwaltschaft, die in dieser Sache aktiv ist.
BigLud
am 15.10.2011 19:58:41 (88.217.126.xxx) Link Kommentar melden
Und was wurde vor Gericht nun aus dieser - unvorstellbaren - Sache? Wäre nett wenn man das hier erfahren könnte. Danke für die Infos,

Gruß Ludwig.
Kay Lorey
am 07.05.2013 06:37:59 (79.240.204.xxx) Link Kommentar melden
Na ja, das Verfahren wurde eingestellt. Manchmal siegt eben doch die Vernunft. Wink

http://www.nachri...meldungen/

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