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Politik: Welt

Heute war Prozessbeginn gegen die Entscheidungsträger der Roten Khmer

Folter, Mord und Kriegsverbrechen – Die Angeklagten sind kampfbereit und zeigen keine Reue

Unter der Herrschaft der vier Angeklagten, deren Prozessauftakt heute in Phnom Penh begann, und der von rund 500 Zuschauern verfolgt wurde, kamen in den Jahren 1975 bis 1979 zwischen 1,8 und 2,2 Millionen Menschen ums Leben. Auf der Anklagebank des Völkermordtribunals sitzen Nuon Chea (84), der Chefideologe, Khieu Samphan (79), der Ex-Staatschef, Ieng Sary, der seinerzeitige Außenminister und seine Frau, Ieng Thirith (79), die frühere Sozialministerin.

Kein Anzeichen von Reue

Alle vier Angeklagten betraten den Gerichtssaal ohne jedes Anzeichen von Reue. Im Gegenteil, sie zeigten sich zwar gebrechlich aber dennoch voll kampfbereit. Nuon Chea erschien mit Wollmütze und dicker Sonnenbrille und lehnte jede Verantwortung für die unter ihrer Herrschaft begangenen Verbrechen ab. Die anderen drei Angeklagten taten es ihm gleich.

Khieu Samphan, Ieng Sary und Ieng Thirith äußerten sich am heutigen Tag nicht selbst zu den Vorwürfen und ließen stattdessen ihre Anwälte alleine reden. Diese verunglimpften im Wechsel die Staatsanwaltschaft und die von der UN unterstützten Untersuchungsrichter.

Lediglich Nuon Chea, der als „Bruder Nummer Zwei“ berüchtigt war, äußerte sich mit den Worten: „Ich bin über das Verfahren nicht glücklich.“ Anschließend verlangte er den Prozess zu beenden. Sein holländischer Anwalt Michiel Pestman beschwerte sich, dass das Gericht entlastendes Material gegen seinen Mandanten verworfen hätte. Welt online zitiert ihn wie folgt dazu: „Versucht dieses Gericht, die Geschichte zu beerdigen? Unser Mandant hat nicht die Absicht, dieses Verfahren durch seine Anwesenheit zu beehren.“ Daraufhin wurde Nuon Chea von zwei Wachen zurück in seine Zelle geführt.

Ein historischer Moment für Kambodscha

Youk Chhang führt ein renommiertes Dokumentationszentrum über die Gräueltaten der Roten Khmer. Mehr als eine halbe Millionen Dokumente stellte er dem Gericht zur Verfügung. Den Prozess bezeichnete er als den wichtigsten Prozess für das kambodschanische Volk. „Es ist ein historischer Moment.“ Auch seine Schwester wurde vom Folterregime ermordet und er selbst hat aus dieser Zeit eine hässliche Narbe am Bein zurückbehalten.

Den Kambodschanern ist schon klar, dass die Angeklagten alles abstreiten und lediglich auf Untergebene verweisen. Doch diese handelten ja im Auftrag ihrer Machthaber. Und die sollen nun endlich für das verurteilt werden, was sie angezettelt und verbrochen haben. Und so hofft man jetzt in Kambodscha mit diesem Prozess das Kapitel der Schreckensherrschaft der Roten Khmer endlich abschließen zu können.

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Schlüsselwörter: Rote Khmer | Kambodscha | Völkermordtribunal | Folter | Mord | Kriegsverbrechen
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Kommentare

MarBrun
am 29.06.2011 09:44:17 (92.196.65.xxx) Link Kommentar melden
Und so hofft man jetzt in Kambodscha mit diesem Prozess das Kapitel der Schreckensherrschaft der Roten Khmer endlich abschließen zu können.
.

Doch hat der (erste) Prozess gegen Kaing Guek Eav (der widerum in der Hirachie weit unter den jetzt Angeklagten stand) deutlich aufgezeigt, dass solch ein Verfahren leicht zur einer Posse werden kann, auch wenn Berufung eingelegt worden ist. Die Vorsitzenden Richter scheinen große gravierende Fehler gemacht zu haben.

Eventuell wäre der Prozess in Den Haag besser aufgehoben.

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