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Sonstiges: Gesundheit

EMAH-Zentrum Münster: Operation gelungen - Patient tot

Herzzentrum in der Kritik anlässlich des Todes von Devran Duman

Rapper Devyl D (Devran Duman)
Rapper Devyl D (Devran Duman)
Der erschütternde Tod von Devran Duman, einem von ca. 200.000 Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler, bildet den traurigen Rahmen für diesen Artikel.

Devran begab sich mit 23 Jahren in "den Vorhof zur Hölle", wie er es in einem seiner selbstverfassten Liedern nannte, er meinte damit die Klinik, in der er schließlich so, wie er es vorausgeahnt hatte, unter mysteriösen Umständen sein Leben verlor.

Devran starb nicht einfach an seinem Herzfehler, sondern ursächlich waren diverse ungeklärte Komplikationen bei der Operation, einer valvulären Aortenstenose, die den Austausch einer Herzklappe notwendig machte. Klarheit über die Vorfälle bei der Operation haben die Eltern Devrans bis heute nicht erhalten. Sie wissen nicht einmal, wer ihren Sohn wirklich operierte.

Der junge Musiker, der in ganz Iserlohn und im Internet unter seinem Künstlernamen Devyl D. bekannt und beliebt war, vertraute auf die Aussagen der Uniklinik Münster, die ihm suggerierte, daß dort ein ganz besonders qualifizierter Bereich für "Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH)" bestehe.

Die Realität sah jedoch ernüchternd anders aus.

Schon bei dem ersten Eingriff, bei dem die kranke Herzklappe ausgetauscht worden war, sendete Devran verzweifelte Nachrichten per Handy an seine Mutter und teilte ihr mitten in der Nacht mit, daß ein Pfleger ihn - frischoperiert - seit mehr als zwei Stunden auf einem Toilettenstuhl habe sitzen gelassen und dass er Angst habe vor Repressalien, wenn sie sich darüber beschwerten.

Die Maßnahme des Pflegers wurde ihm sogar angekündigt, mit den Worten " wenn er nun, mitten in der Nacht Stuhlgang haben müsse, dann habe er zu warten, bis der Pfleger wieder Zeit habe, ihn ins Bett zurückzubringen, er habe zuviele Patienten für solche Sonderbehandlung".

Überlange Operationszeit, 10 Liter Blutaustausch?

Als es Devran zunehmend schlechter ging, rieten die Ärzte aus Münster dazu, die Operation zu korrigieren und Devran erneut aufzuschneiden. Der junge Mann hatte Todesangst, die er in seinen SMS an seine Mutter versandte.

Er sollte recht behalten, denn Devran wachte nach dem zweiten Korrektur-Eingriff nicht mehr auf. Die Mutter berichtet, dass auf der Intensivstation, die angeblich für viel weniger Betten konzipiert war, zwölf Betten dicht an dicht gedrängt waren, daß das Personal vollkommen gestresst und überfordert schien und daß kein Arzt sich blicken ließ, der eine stimmige Erklärung abgab, was passiert sei. An eine Verlegung in eine andere Klinik war auf diese Art nicht mehr zu denken.

In Memoriam Devyl D. (Devran Duman):

Das unglaubliche Zeugnis einer grausamen Vorahnung

YouTube Video

Dem Sterben nachgeholfen?

Man stellte die Geräte für die Beatmung laut Aussage der Mutter ohne Zustimmung ab, Zeit um sich zu verabschieden gab es nicht, weil man gedrängt wurde, das Zimmer zu räumen. Angeblich seien "Teile des Gehirns bereits tot", welche und wieviel, das wurde den geschockten Angehörigen nicht dargelegt. Nur, dass es keinen Sinn mache, Devran weiter am Leben zu erhalten.

Darüberhinaus versichert die Mutter, daß sie Devrans Leichnam nicht zur Obduktion freigegeben hatten, aber dass er eindeutig einer pathologischen Untersuchung zugeführt worden sei, gegen den erklärten Willen des Vaters, dessen muslimischer Glaube ihm das nochmalige Sezieren seines Kindes untersagt hatte.

"Devran sah nicht mehr aus wie ein operierter Mensch, er sah aus wie ein Opfer auf einer Schlachtbank. Es gab keinen Teil seines Körpers, aus dem er nicht geblutet hat. Das ganze Bett war durchtränkt von seinem Blut, ein Anblick, den wir niemals aus dem Kopf bekommen werden" sagt die trauernde Mutter.

Devrans Todesahnung erfüllte sich

Devrans kleiner Junge
Devrans kleiner Junge
Devran hatte zudem einen kleinen Sohn, der nun ohne Vater aufwachsen wird. Sein Vater litt an einer angeborenen Aortenstenose, die er in einem speziell für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern ausgestatteten Zentrum korrigieren lassen wollte.

Münsters sogenanntes "EMAH-Zentrum":

Rechnet man die in Quebec, Kanada, kürzlich empirisch anhand von umfassenden Versicherungsdaten gefundene Prävalenz von angeborenen Herzfehlern bei Erwachsenen auf deutsche Verhältnisse hoch, kommt man auf 277 000 EMAH-Patienten (Marelli AJ et al., 2007). Dabei kommt die Anzahl der Erwachsenen mit schweren angeborenen Herzfehlern inzwischen sogar an die der Kinder heran, die Zahl der Erwachsenen mit allen AHF liegt sogar darüber, wie Abb. 1 zeigt. Nachdem Kanada 1998, USA und England seit 2001 in Erkenntnis dieses Problems Vorstellungen zu einer strukturierten Versorgung von EMAH-Patienten entwickelten, haben auch in Deutschland 2004 die drei wissenschaftlichen kardiologischen Fachgesellschaften DGK, DGPK und DGTHG die Herausforderung angenommen und zusammen mit den Arbeitsgemeinschaften der leitenden Kardiologischen Chefärzte, den niedergelassenen Kinder- und Kardiologen und Betroffenenverbänden eine Task-Force gebildet, die Empfehlungen zur Qualitätsverbesserung der interdisziplinären Versorgung durch EMAH-qualifizierte (Kinder-) Kardiologen/Schwerpunktpraxen und regionale und überregionale Zentren (Kaemmerer H. et al., 2006) sowie zur Weiter- und Fortbildung der betreuenden Ärzte erarbeitet hat (Hess J et al., 2007). Eine dritte Arbeitsgruppe erarbeitete schließlich medizinische Leitlinien zur Diagnostik und Therapie Erwachsener mit angeborenen Herzfehlern, die auf den Leitlinien der kanadischen, US-amerikanischen und europäischen Fachgesellschaften (Connelly MS et al., 1998; Deanfield J et al., 2003; Therrien J et al., 2001; Webb G et al., 2001; DGPK-Leitlinien, 2005) aufbauen (Schmaltz, 2008).

entnommen aus http://www.matthi...2_2010.pdf

Was aber muß ein EMAH-Zentrum leisten, um als solches anerkannt zu werden?

In der Theorie und der landläufigen Meinung der Betroffenen definiert sich ein EMAH-Zentrum folgendermassen:

3. Überregionale EMAH-Zentren: Diese versorgen schwerpunktmäßig Patienten mit seltenen und komplexen Herzfehlern. Solange jedoch nicht ausreichend spezialisierte EMAH-Kardiologen in Schwerpunktpraxen und -kliniken verfügbar sind, sollten alle Patienten mit angeborenen Herzfehlern, die erst im erwachsenen Alter diagnostiziert werden, in einem überregionalen EMAH-Zentrum vorgestellt werden.

Das überregionale EMAH-Zentrum am Herz- und Diabeteszentrum übertrifft diese Anforderungen sowohl hinsichtlich der personellen als auch apparativen Ausstattung bei weitem. Hier versorgen sieben zertifizierte EMAH-Kardiologen in Spezialambulanzen die Patienten. Für Katheterinterventionen stehen drei EMAHKatheterinterventionalisten, für herzchirurgische Eingriffe zwei EMAH-Herzchirurgen mit einem zugeordneten OP-Saal und vier EPU-Spezialisten in zwei EPU-Laboren zur Verfügung. Die bildgebende Diagnostik wird durch erfahrene Ärzte an technisch neuesten Großgeräten (MRT, PET-CT) gewährleistet. Aber erst die enge Kooperation der Spezialisten des EMAHZentrums mit Schwerpunktpraxen und -kliniken und den Hausärzten sichert eine qualitativ hochwertige Versorgung von EMAH-Patienten.

entnommen aus http://www.matthi...2_2010.pdf

Tödlicher "Etikettenschwindel" oder schicksalhafter Einzelfall?

(Artikel in OZ24 dazu lesen: Etikettenschwindel EMAH )

Die Uniklinik Münster beherbergt ein sogenanntes "EMAH-Zentrum" unter ihrem Dach, eine Stiftung, die Gelder sammelt, um Erwachsene mit angeborenem Herzfehler adäquat betreuen zu können, da sich die Behandlung von Herzerkrankungen, die angeboren sind, erheblich unterscheiden von erworbenen Herzkrankheiten, die im Erwachsenenalter auftreten können. Für Menschen mit angeborenen Vitien ist es ab dem Erreichen des 18. Lebensjahres problematisch, irgend einen Arzt aufzusuchen, der sich mit angeborenen Herzfehlern auskennt, da die behandelnden Kinderkardiologen plötzlich nicht mehr zuständig sind für die Weiterbehandlung dieser Patienten.

Die Gründung eines Zentrums für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern ist also eine notwendige und richtige Sache. Dies aber setzt voraus, dass in dem EMAH-Zentrum auch spezialisierte Ärzte tätig sind, die für die Behandlung angeborener Herzfehler qualifiziert sind. Denn ansonsten wäre der durch Spenden aufgebaute Rahmen des EMAH-Zentrums lediglich eine Luftnummer, eine Mogelpackung, in der der Patient nicht das vorfindet, was ihm suggeriert wird.

Devyl D.
Devyl D.
Der Tod von Devran Duman wirft viele Fragen auf, auch an die Politik:

Wieso muß eine private Stiftung ein Zentrum für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern finanzieren? Warum ist dies nicht im Leistungskatalog der normalen, flächendeckenden Gesundheitsversorgung abgedeckt? Warum wird die Gesundheitsversorgung von mindestens 25.000 Erwachsenen allein in NRW in die Hände privater Spendensammler und Entscheidungsträger gelegt, wieso engagieren sich die betreffenden Universitätskliniken nicht einfach für eine flächendeckende Gesundheitsversorgung der Patienten durch die gesetzliche Sozialversicherung? Oder einfacher gefragt: warum nimmt man diese Ausbildung über angeborene Herzfehler nicht einfach in den Studiengängen für angehende Kardiologen und Herzchirurgen mit auf? Wieso muß hier der Berg zum Propheten und nicht umgekehrt? Man weiß doch nun lange genug, daß es Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern gibt, wieso regelt man also nicht die Studienerweiterung und passt diese an die realen Notwendigkeiten an?

EMAH Münster schreibt dazu:

Jahr für Jahr kommen in Deutschland zirka 6.000 Kinder mit angeborenem Herzfehler zur Welt. Früher hatten die kleinen Patienten kaum eine Überlebenschance. Heute erreichen neun von zehn Kindern dank großer Fortschritte bei der Korrektur der teilweise sehr komplexen Fehlbildungen das Erwachsenenalter. Es wird geschätzt, dass zur Zeit 200.000 – 300.000 Patienten mit einem angeborenen Herzfehler in Deutschland leben und die Zahl der zu betreuenden Patienten steigt. Die meisten von ihnen benötigen trotz erfolgreicher Behandlung noch Jahrzehnte hin qualifizierte medizinische Betreuung. Hier besteht allerdings derzeit noch eine große Versorgungslücke. Am Universitätsklinikum Münster (UKM) soll dieses „Betreuungsloch“ jetzt durch die in Angriff genommene Gründung eines Zentrums für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH) geschlossen werden.

Quelle: http://www.emah.de/index.php?id=466

Mangelsituation als Marketingstrategie ausgenutzt?

Es gibt darauf schöne und weniger schöne Vermutungen, und die weniger Schöne ist, dass man auf diese Art der Nutzung privater Fördermittel keinen staatlichen Zwängen und Kontrollen unterliegt.

Werbekampagne

Wie wäre es sonst zu erklären, dass das sogenannte spezialisierte Zentrum keinen staatlich diplomierten oder zertifizierten Herzchirurgen beschäftigt, der für angeborene Herzfehler qualifiziert ist?

Prof. Scheld verfügt zwar über ein Zertifikat der DGTHG, in deren Vorstand er selbst Mitglied ist (wieviel ein Zertifikat wert ist, das man sich quasi selbst verleiht, mag jeder für sich beurteilen), eine Prüfung dafür musste er aber imho nicht ablegen.

Die deutsche Gesellschaft für pädiatrische Kardiologie, die für die Zertifizierung der EMAH-Zentren zuständig ist, teilte auf eine Anfrage am 22.6.2011 folgendes mit:

1.) ein EMAH-Zentrum muss von einem zertifizierten EMAH-Arzt geleitet werden.

2.)Es gibt keine gesetzliche Erfordernis, vielmehr die Anforderung zur Weiterbildung als Kinderkardiologe oder Kardiologe 1,5 Jahre sich auf dem Gebiet der EMAH-Kardiologie weiterzubilden.

3.) Bisher sind noch keine Zentren zertifiziert, dieser Prozess ist gerade angelaufen. EMAH-Abteilungen bzw. -Aktivitäten gibt es an zahlreichen universitären und nicht-universitären Herzzentren und stehen in der Regelfinanzierung. Einzig in Münster gibt es eine EMAH-Stiftungsprofessur.

Die Seite der Uniklinik klärt indessen auf, wie es zu diesem augenscheinlichen Etikettenschwindel kommen kann, der unverhohlen mit Attributen wirbt, die offenbar gar nicht existent sind:

Die Entwicklung und Umsetzung der Kampagne ist ein probono Projekt der Düsseldorfer Werbeagentur Euro RSCG. Die Motive wurden vom bekannten People-Fotograf Frank Schemmmann, Düsseldorf, in Szene gesetzt.

Quelle. http://www.emah.de/index.php?id=529

Wenn sich Prominente mit ihrem Charity-Gebaren weiterhin ins Rampenlicht setzen wollen und sich durch die irreführenden Bezeichnungen täuschen lassen, ist das eine verzeihliche Sache.

Wenn ein schwerkranker Mensch aber durch diese irreführende Werbekampagne an den falschen Arzt und das falsche Krankenhaus gerät und deswegen ums Leben kommt, bekommt das ganze Geschehen einen sehr bitteren Beigeschmack.

Die Uniklinik Münster wird zwar als EMAH-Zentrum bezeichnet, nur ist diese Phantasiebezeichnung weder geschützt noch sagt sie etwas über die Qualität der Behandlung aus. Devran Dumans Tod sollte nun Anregung sein, irreführende Werbemaßnahmen und monetäre Interessen der Wirtschaft aus der Medizin herauszuhalten, damit es nicht noch mehr Menschen gibt, bei denen man sagen kann: Operation gelungen, Patient tot!

Bildnachweis:
  • Rapper Devyl D (Devran Duman) : privat (privat)
  • Devyl D.: privat (privat)
  • Devrans kleiner Junge: privat (privat)

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Schlüsselwörter: EMAH | Uniklinik Münster | Devran Duman | Skandal | Völlm
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