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Wirtschaft & Finanzen: Deutschland

Kinderarmut

Wie groß ist die Not in Deutschland?

Das Thema Kinderarmut ist, bei Deutschlands Sozialpolitiker, das Thema Nummer Eins. Denn kaum ein Tag vergeht, an dem nicht auch Vertreter der beiden großen Kirchen, in Deutschland, zusätzliche Leistungen für kinderreiche Familien anmahnen. Die Forderungen beruhen zum Teil auf Untersuchungen des renommierten Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, das überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert wird.

Danach waren, in Deutschland, im Jahr 2005 16,3 % aller Kinder arm. Anfang Mai musste das Institut seine Berechnungen allerdings drastisch korrigieren. Es hatte sein Methoden verfeinert und kam zu dem Ergebnis, dass die Kinderarmutsquote um fast ein Drittel niedriger sei. Statt 16,3 % seinen es 2005 tatsächlich 10 % gewesen. Die Quote sei inzwischen auf 8,3 % gesunken. Der europäische Durchschnitt liegt, nach Angaben der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), bei 12 %. Muss man sich also gar nicht soviel Sorge um die finanzielle Situation von Kindern machen?

Im Bundesland Nordrhein-Westfalen scheint die Kinderarmut dennoch ein sehr großer Problem zu sein. Denn aufgrund der alarmierenden Zahlen hatte die Evangelische Kirche von Westfalen im Jahr 2008 eine zweijährige Armutskampagne unter dem Motto "Lasst Euch nicht hängen - gegen Kinder- armut" gestartet. Am Ende fragte der Präses der Kirche, Alfred Buß aus Bielefeld folgendes: "Mit welchem Recht wollen wir Kindern einschärfen, Grenzen zu respektieren, wenn sie in Kinderarmut gefangen sind und damit ständig an Grenzen stoßen, die ihnen eine umfassende gesellschaftliche Teilhabe verwehren?" Laut Kirchensprecher Andreas Duderstedt würde die Kirche ihre Kampagne wiederholen, auch wenn die absoluten Zahlen geringer seinen, als von den Fachleuten zunächst angegeben. Die Erfahrungen in den Städten und auch auf dem Lande wiesen auf einen großen Handlungsbedarf hin. Für jedes Kind sei es bitter, sich an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu fühlen.

Auch die Experten der Diakonischen Werke widersprechen der Vermutung, dass die neuen DIW-Berechnungen zu einer anderen Beurteilung der Kinderarmut führen. Denn nach Angaben der Sprecherin der badischen Diakonie, Angelika Schmidt (Karlsruhe), orientieren sich die südwestdeutschen Diakoniker an den Erkenntnissen des Statistischen Landesamtes in Baden-Württemberg. Und danach gilt derjenige als armutsgefährdet, dessen Einkommen weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommen beträgt. Die Behörde ermittelte, das im Jahr 2009 in Deutschland 18,7 Prozent der unter 18-jährigen armutsgefährdet seien. Im Bundesland Baden-Württemberg seien es 12,9 Prozent gewesen. Bezogen auf die Einkommensverhältnisse in dem Bundesland sein 17,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen armutsgefährdet. Deshalb fordere die Diakonie eine eigene Grundsicherung für Kinder, einen weiteren Ausbau von Betreuungsmöglichkeiten und die Beibehaltung des Landeserziehungsgeldes.

Für das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland - EKD - ist Armut "ein komplexes Phänomen, das sich nicht durch eine einzige Kennzahl beschreiben lässt". Es gebe "eine Schwelle, unterhalb derer Menschen als von Armut gefährdet gelten", sagte der Referent für Sozialpolitik gegen Armut und soziale Ausgrenzung im Diakonischen Werk der EKD, Michael Schröter aus Berlin, gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Denn neben geringen Einkommen müssten auch weitere Merkmale berücksichtigt werden, wie etwa fortdauernde materielle Mangelerfahrungen, soziale Isolation, fehlende soziale Integrations- und Erwerbsperspektiven sowie mangelnde Bildungschancen und fehlende Anerkennung, geistliche Not oder soziale, politische und persönliche Ohnmachtserfahrungen.

Dies alles mache Armut aus. Laut Schröter sind Familien mit mehr als zwei Kindern, Familien mit erwerbslosen Elternteilen und Alleinerziehende überproportional gefährdet. Fast 1,8 Millionen Kinder unter 15 Jahren bezögen Hartz IV-Leistungen, insgesamt lebten mehr 2,2 Millionen Kinder auf Sozialhilfeniveau.

Auch rücke die Altersarmut zunehmend in den Blick. Das Risiko, in der letzten Lebensphase nicht mehr genügend Geld zu haben, steige ständig an. Davon seien insbesondere Frauen betroffen, weil sie geringere Löhne und damit auch später auch niedrigere Renten bekämen als Männer und Familienarbeit nicht genügend anerkannt werde. Deshalb engagiere sich die Diakonie immer stärker für eine ausreichende und nachhaltige Alterssicherung, so Schröter.

Laut OECD leben zehn Prozent der Rentner von der staatlichen Grundsicherung. Andere Berechnungen gehen derzeit von 2,5 Prozent aus und erwarten, dass es in 10 Jahren voraussichtlich 10 bis 20 Prozent seien.

Und diese Zahlen können gut angehen. Denn die Löhne, in Deutschland, sinken ja auch immer weiter ab und dieses wirkt sich irgendwann dann natürlich auf die Höhe der gezahlten Rente aus.

Schlüsselworte: Kinderarmut, Altersarmut, großer Handlungsbedarf, Merkmale der Armut und Statistiker sowie Andere Berechnung

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Schlüsselwörter: Armut | Kinderarmut
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Kommentare

SuuuperNanny
am 18.05.2011 17:36:58 (84.59.61.xxx) Link Kommentar melden
Laut Schröter sind Familien mit mehr als zwei Kindern, Familien mit erwerbslosen Elternteilen und Alleinerziehende überproportional gefährdet. Fast 1,8 Millionen Kinder unter 15 Jahren bezögen Hartz IV-Leistungen, insgesamt lebten mehr 2,2 Millionen Kinder auf Sozialhilfeniveau.
Man müsste eben mal die Väter, die sich um den Unterhalt drücken, an den Hammelbeinen fassen!
Gata Linda
am 18.05.2011 22:28:38 (83.61.231.xxx) Link Kommentar melden
Es gibt auch genügend Hartz4-Kinder, deren Väter arbeiten aber deren Einkommen nicht hoch genug ist, um den Unterhalt der Familie damit zu bestreiten. Das liegt zum einen an der perversen Steuergesetzgebung, die Familien bestraft, zum anderen am deutschen Lohndumping, welches einen Familienvater kaum besser stellt als einen arbeitslosen Hartz-4 Bezieher.

http://www.mindes...utschland/
Um Unterhaltsansprüche durchzusetzen, hat der deutsche Staat durchaus viele Möglichkeiten, z.B. die Beistandschaft.

Aber es sind ja oft ganze Familien von Armut betroffen, wo eben nicht der Vater schuld ist, sondern die geringen Einkommensmöglichkeiten und fehlende Zuverdienstmöglichkeiten.

Familien mit mehr als 2 Kindern haben in Deutschland einfach schlechte Karten. Das ist das Grundproblem, und das muss sich ändern.
Sonst können die Politiker ihre Wähler bald im Ausland besuchen.
Gata Linda
am 18.05.2011 22:37:47 (83.61.231.xxx) Link Kommentar melden
http://www.cesifo...-04-05.htm
Hier die Zahlen, damit mal transparent wird, woran dieses sogenannte Sozialsystem krankt:

Hartz IV hätte ein sinnvolles Kompensationssystem für die Verlierer der Globalisierung werden können. Aber die Chance dazu wurde verpasst. Das Arbeitslosengeld II ist ähnlich wie die alte Sozialhilfe immer noch ein reines Lohnersatzsystem. Jeder, der nicht arbeitet, erhält staatliches Geld – und verliert es in dem Maße, wie er arbeitet. Der Staat bleibt auf dem Arbeitsmarkt der mächtige Konkurrent der privaten Wirtschaft, der die Lohnskala von unten her zusammenstaucht und Deutschland zum Weltmeister bei der Massenarbeitslosigkeit der gering Qualifizierten gemacht hat. Zwischen der Hochlohnkonkurrenz des Sozialstaates auf dem heimischen Arbeitsmarkt und der Niedriglohnkonkurrenz der Polen und Chinesen auf den Absatzmärkten werden die deutschen Arbeitsplätze weiterhin zerrieben.

Bei Hartz IV können Bezieher des Arbeitslosengeldes II nur etwa 50 Euro frei hinzuverdienen. Für jeden zusätzlichen Euro Brutto mehr müssen sie einen Abzug von 80 bis 90 Cent akzeptieren, bis das Arbeitslosengeld II gänzlich abgeschmolzen ist. Wenn also etwa ein Familienvater mit zwei Kindern netto fünf Euro pro Stunde verdienen will, braucht er bei einer Teilzeitstelle von zwölf Wochenstunden einen Stundenlohn von 26 Euro brutto und bei einer Vollzeitstelle mit 35 Euro einen Stundenlohn von 19 Euro brutto. Da es von solch gut bezahlten Stellen in Deutschland nicht genug gibt, muss er weiter arbeitslos bleiben.

Wolfgang Clement (SPD) und Karl-Josef Laumann (CDU) haben nun eine Ausweitung der Hinzuverdienstmöglichkeiten vereinbart. Aber die hört sich besser an, als sie ist: Zwar sollen nun die ersten 100 Euro frei bleiben, und bis zu einem Einkommen von 400 Euro die Abzüge beim Arbeitslosengeld II von 85 Prozent auf 80 Prozent gesenkt werden. Doch oberhalb von 400 Euro bleibt die Grenzbelastung durch Transferentzug und Sozialabgaben weiter bei 80 Prozent. Oberhalb von 800 Euro soll sie sogar auf 90 Prozent steigen – mehr als je zuvor. Die Eigernordwand des Sozialsystems wird unbezwingbar.

Die Mindestlohnschranke, die in dem System angelegt ist, wurde nur am Anfang etwas verringert. So braucht der Familienvater aus unserem Beispiel, der 12 Stunden in der Woche arbeitet und mindestens fünf Euro netto haben möchte, statt 26 Euro nur noch 19 Euro brutto die Stunde. Aber für eine Vollzeitstelle mit 35 Stunden sind es schon wieder so viel wie zuvor. Für zusätzliche Arbeit, die seinen Verdienst über 800 Euro hinaus erhöht, braucht er nun sogar 50 Euro in der Stunde. Bisher waren es 22 Euro oberhalb von 800 Euro und 42 Euro oberhalb von 900 Euro.


Quelle:http://www.cesifo...me/f-about
Holzi
am 19.05.2011 15:19:18 (79.246.137.xxx) Link Kommentar melden
Hartz IV ist sowieso ein Systhem, dass Deutschland aber sicher kaputt macht, weil es die Menschen in die Armut zwingt. Mit dem alten Systhem, von Arbeitslosen- und Sozialhilfe sind wir besser gefahren.

Auch die Niedirgstlöhne, in Deutschland, belasten unser Sozialsysthem. Denn wie es sein, dass jemand arbeiten geht und dann von dieser Arbeit nicht leben kann.

Arbeit zu fairen Löhnen ist dringend angesagt. Die Bosse, von Wirtschaft und Industrie, müssen endlich einsehen, dass Arbeit auch etwas kostet. Aber dieses Problem hat Deutschland nicht alleine, sondern in Polen ist dieses ebenfalls der Fall.

Liebe "Volksvertreter" in Berlin - Wacht endlich einmal auf und beseitigt die Sozialen Probleme in Deutschland.
Peter Maier
am 19.05.2011 20:50:09 (93.219.160.xxx) Link Kommentar melden
Liebe "Volksvertreter" in Berlin - Wacht endlich einmal auf und beseitigt die Sozialen Probleme in Deutschland.


Hartmut Holz: es sind nicht die Volksvertreter in Berlin, die die sozialen Probleme in Deutschland beseitigen können - es ist das Volk, das seine Vertreter gewählt hat ...
Peter Maier
am 19.05.2011 20:59:50 (93.219.160.xxx) Link Kommentar melden
Es gibt auch genügend Hartz4-Kinder, deren Väter arbeiten aber deren Einkommen nicht hoch genug ist, um den Unterhalt der Familie damit zu bestreiten. Das liegt zum einen an der perversen Steuergesetzgebung, die Familien bestraft, zum anderen am deutschen Lohndumping, welches einen Familienvater kaum besser stellt als einen arbeitslosen Hartz-4 Bezieher.


Der Durchschnittsarbeiter verdient maximal 1200 - 1400 Euro netto (!) monatlich, und das ist schon hoch gegriffen! Um auf die umstrittene Unterhaltsgeschichte zurück zu kommen, darf jeder, der Gata Lindas Beispiel zum Mindestunterhalt genau gelesen hat, rechnen. Dem arbeitenden "Kindesvater" verbleiben nach Abzug einer monatlichen Pauschale für seine Aufwendungen, zur Arbeit zu fahren, sich Berufsbekleidung anzuschaffen etc. pp., bei dieser Einkommensgruppe gerade mal ein Selbstbehalt von 950,- Euro - davon bestreitet er seinen gesamten Lebensunterhalt, ohne Anspruch auf soziale Leistungen. Wenn Sie jetzt von ca. 1150 Euro (bei einem Verdienst von 1200 Euro abzüglich der Pauschale) ausgehen, können Sie ohne meine Rechnung sehen, dass dieser Arbeiter oder Angestellte usw. usf. gerade mal 200 Euro für die Unterhaltszahlungen seines Kindes, seiner Lebensgefährtin (bis zu 3 Jahren Unterhaltspflicht) aufbringen kann ... hat er dann noch weitere Kinder, wird es ganz böse.

Im Übrigen trifft das nicht nur für männliche Unterhaltsverpflichtete zu!

Quelle:

http://www.treffp...abelle.php
Holzi
am 20.05.2011 16:19:55 (79.246.131.xxx) Link Kommentar melden
Und gerade an diesem Lohndumping krankt Deutschland ganz gewaltig. Denn es kann einfach nicht sein, dass jemand von seiner Arbeit nicht leben kann.

Arbeit muss etwas kosten, dass müssen die Chefs, in unserem Land, endlich einmal merken.
Holzi
am 20.05.2011 16:47:54 (79.246.131.xxx) Link Kommentar melden
Und im Jahr 2009 waren, laut Statistischen Bundesamt, ganze 14,6% der Deutschen von Armut bedroht. Des waren 0,2 Pozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Experten befürchten jedoch, dass dies Tendenz, in den nächsten Jahren, immer weiter ansteigen wird.

Dabei stuften die Statistiker alle Bundesbürger als "armutsgefährdet" ein, die von weniger als 60% des mittleren Einkommen leben müssen. Bei Alleinstehenden entspricht dies derzeit 801 Euro monatlich und bei Familien, mit zwei Kindern, 1.683 Euro.

Deutlich ist, bei diesen Zahlen, auch ein Unterschied zwischen alten und neuen
Bundesländern zu erkennen. Denn im letzen Jahr war in den neuen Bundesländern und Berlin knapp jeder Fünfte von Armut bedroht, in den alten Ländern lag dieser Wert dagegen nur bei 13%.

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