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Politik: Deutschland

Fukushima - Das Restrisiko der Atompolitik ist ein Kapital-Verbrechen

1945 warfen US-Kampfflugzeuge zwei Atombomben über die Großstädte Hiroshima und Nagasaki in Japan ab. Beide Städte wurden total zerstört. In den atomaren Todeszonen starben 100.000 Menschen sofort, Hunderttausende starben an den Folgen radioaktiver Verstrahlung. In den 50er Jahren begannen japanische Regierungen mit dem Bau von Atomkraftwerken. Die Behauptung, die zivile Nutzung der Atomenergie sei mit ihrer militärischen Nutzung nicht vergleichbar, war ein wesentliches Argument für ihre Durchsetzung. Heute stehen über 50 Atomkraftwerke auf der japanischen Insel. Sie werden – auch von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) - als besonders sicher eingestuft. 2011 explodierten mehrere Blöcke des Atomkraftwerkes in Fukushima. Seitdem gelangt radioaktives Material entweder kontrolliert oder unkontrolliert in die Atmosphäre bzw. ins Erdreich. Ob die atomare Kernschmelze in den Reaktorblöcken noch unter Kontrolle gebracht werden kann oder ob der Kampf um die Eindämmung nur noch Handlungsmacht suggerieren kann, spielt für die Menschen in unmittelbarer und mittelbarer Umgebung der zerstörten Reaktorblöcke keine Rolle mehr. Die Menschen sind bereits radioaktiv kontaminiert, ihre Lebensgrundlage ist zerstört. Ähnlich wie nach Tschernobyl 1986 wird weltweit koordiniert und improvisiert, beim Lügen, Täuschen, Vertrösten und irreleiten - ob in Japan oder Deutschland, ob bei japanischen oder internationalen Atomaufsichtsbehörden. Der Grund ist kein besonders mieser, sondern ein struktureller: Wenn das Ausmaß dieser atomaren Katastrophe bekannt wird, gibt es nicht nur für die japanische Regierung und die japanische Atomindustrie kein Überleben mehr. Alle an der Atompolitik Beteiligten – ob in Japan, den USA oder Deutschland - wissen es: Wenn ein Atomreaktor explodiert, wenn die Sicherheitssysteme nichts mehr aufhalten können, dann gibt es keinen Rettungsplan, keinen Ausschalter mehr. Dann ist es so, als würde die Regierung eine Atombombe auf ihre eigene Bevölkerung abwerfen. Alle wissen, dass das, was als ›Restrisiko‹ verharmlost wird, ein wissentlich in Kauf genommenes ›Verbrechen gegen die Menschlichkeit‹ ist.

Zu dieser unglaublichen Farce gehören auch tägliche Berichte aus der Hauptstadt Japans, aus der 30-Millionen-Metropole Tokio: Von stoischer Ruhe, von unglaublicher Routine und Disziplin ist die Rede. Die aller meisten klammern sich an die Hoffnungen, die ihnen von professioneller Seite gemacht werden (die radioaktive Wolke nimmt eine andere Richtung, die Rettungsmaßnahmen haben Erfolg…). Was sollen sie auch anderes machen? Wie und wohin sollen 30 Millionen Menschen fliehen? Genau diese Frage war Gegenstand geheimer, nationaler und internationaler Krisenstäben, bereits ein paar Tage nach dem GAU – Krisenstäbe, die wissen, welches Ausmaß die Kernschmelze in Fukushima tatsächlich hat! Könnte eine Evakuierung der Bevölkerung Tokios gelingen? Wie viel Flugzeuge, wie viele Schiffe müsste man bereitstellen? Welche Länder würden atomare ›Flüchtlinge‹ aufnehmen? Wie lange würde eine solche Evakuierung dauern? Das Ergebnis war vorhersehbar und wenig überraschend: Es ist unmöglich. Also bleibt der japanischen Regierung nichts anderes als Zeit zu gewinnen, Fakten zu unterdrücken, Hoffnungen zu säen und immer wieder Wunder ins Bild zu setzen … Zeit, sich auf Krisenszenarien vorzubereiten, die eintreten könnten, wenn die Menschen in Japan das Vertrauen (in ihre Regierung, in den nationalen Pathos, in die angeblich typisch japanische Opferbereitschaft namens Kamikaze, in ihre eigne Gutgläubigkeit) verloren haben und nichts mehr zu verlieren haben.

Noch gehen wenige Menschen in Japan auf die Straße. Zeit genug für den japanischen Ministerpräsidenten, vor laufenden Kameras ein Glas Wasser zu trinken, um damit seine Reinheit und Unbedenklichkeit unter Beweis zu stellen. Zur selben Zeit wird die tragische Rolle der Feuerwehrmänner, die seit Tagen gebersteten Reaktorblöcke mit Meerwasser zu kühlen versuchen, in einen Heldenepos umgeschrieben. Sie opfern sich nicht fürs Vaterland, sondern für ein kriminelles Regierungs- und Wirtschaftssystem. Tot ist, wenn wir es sagen… Zweifellos ähnelt jede Reaktorkatastrophe einem Kriegszustand. In einem solchen Fall sind auch Tote ein Kriegsgeheimnis. Bis heute: "So bezifferte die IAEO die Opfer des Super-GAUS von Tschernobyl auf weniger als 50 Tote. Die WHO spricht bis heute von 9.000 Menschen, die aufgrund der Strahlenexposition 'sterben könnten' ... 2009 veröffentlichte Jablokow ( Biologe, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften) umfangreiche Daten und Untersuchungsergebnisse über die gesundheitlichen und ökologischen Folgen von Tschernobyl. Er beziffert die Gesamtzahl der Toten auf 900.000 bis 1,8 Millionen weltweit. Die Zahlen beziehen auch zukünftige Tote mit ein, weil die Tschernobyl-Nuklide weiter in der Biosphäre bleiben. Allein bei den 830.000 Liquidatoren gebe es bisher 112.000 bis 125.000 Tote." (TAZ vom 30.3.2011)

Zum Kriegsrecht der Atomenergie gehört auch, dass der Tod (weniger) gegen den Tod vieler aufgerechnet werden darf - wenn Arbeiter, Feuerwehrmänner zu einer Arbeit verpflichtet werden können, die das Leben dieser Menschen aufs Spiel setzt. Es ist die Logik eines Krieges, den die Atomwirtschaft als ›Restrisiko‹ zur Fußnoten ihrer Politik gemacht hat und nun nach Helden ruft, die für ihren Krieg sterben werden. Doch anstatt Menschen mit dieser Wahrheit, mit dem tatsächlichen Risiko zu konfrontieren, schickt man Menschen in einen lebensbedrohlichen Einsatz und behauptet, dass man die radioaktive Gefährdung im Griff habe, dass keine Gefahr für die Gesundheit der Menschen bestehe. Doch anstatt Menschen mit dieser Wahrheit, mit dem tatsächlichen Risiko zu konfrontieren, schickt man Menschen in einen lebensbedrohlichen Einsatz und behauptet, dass man die radioaktive Gefährdung im Griff habe, dass keine Gefahr für die Gesundheit der Menschen bestehe. Wenn dies so wäre, dann sollte der japanische Ministerpräsident kein Glas Wasser trinken, sondern mit seiner gesamten Regierung (und Opposition), unter Einschluss aller Führungsetagen des Atomreaktorbetreibers Alco vor das AKW in Fukushima kommen und die für unbedenklich erklärte radioaktive Dosis mit allen ArbeiterInnen teilen. Wie stellt man diese Undenklichkeit her, wenn nicht mehr zu verheimlichen ist, dass die Radioaktivität seit Tagen in bedrohlichem Maße angestiegen ist? Man ändert die staatlich festgesetzten Grenzwerte: Die Arbeiter des Atombetreibers Alco und die Feuerwehrmänner tragen Ganzkörperanzüge, »die gegen Gammastrahlung nicht schützen. Einige sind zusätzlich mit Sauerstoffflaschen versorgt, so arbeiten sie seit einer Woche in Fukushima an der Rettung Japans. Als am vergangenen Mittwoch mehr als 400 Millisievert pro Stunde gemessen wurden, mussten die Männer den Einsatzort verlassen. Dieser Wert entspricht etwa 4000 Röntgenbehandlungen. Zuvor hatte das japanische Gesundheitsministerium den Grenzwert für die Arbeiter bereits von 100 auf 250 Millisievert pro Jahr hochgesetzt. Für deutsche Arbeiter in einem Kraftwerk gilt der Wert von 20 Millisievert pro Jahr. Bei 100 Millisievert pro Woche leitet das Bundesamt für Strahlenschutz die Evakuierung der Gegend ein. Ein paar Stunden Arbeit unter den Extrembedingungen der am stärksten belasteten Areale von Fukushima sind, so kann man sagen, kein Gesundheitsrisiko, sondern ein Todesurteil. Bei einem Tag Arbeit in einem Umfeld von 400 Millisievert stirbt die Hälfte der Arbeiter den Strahlentod. Schon bei mehr als 100 Millisievert pro Jahr ist mit ernsten Gesundheitsschäden wie Krebs zu rechnen. Gehen die Männer mehrfach auf das Areal, summiert sich die Belastung ....« (FR vom 23.3.2011) Wenn sich japanische Regierungsvertreter, wenn sich Pressesprecher der Atomfirma Alco vor jeder öffentlichen Erklärung mehrmals verneigen, dann nicht vor der Wahrheit, sondern vor den vielen Toten, die sie wissentlich und vorsätzlich in Kauf nehmen. Das ›Restrisiko‹ der Atompolitik ist ein Kapitalverbrechen Seit der Explosion von Reaktorblöcken in Fukushima wurde die Natur für die Reaktorkatastrophe verantwortlich gemacht. Sie hielt sich nicht an die Gefahrenprognosen der Atomkraftbetreiber. Nun sickern tröpfchenweise Nachrichten durch, dass auch ›unternehmerisches Versagen‹ dazu beigetragen hat. Zahlreiche Mängel waren seit langem bekannt, regelmäßige Kontrollen wurden unterlassen. Der AKW-Betreiber Tepco wusste darum, die japanischen Aufsichtsbehörden ebenso. Gemeinsam unternahmen sie nichts. Dass Mängel erkannt und nicht beseitigt werden, hat nichts mit Schlampereien zu tun (die bekanntlich menschlich sind, also überall einmal vorkommen). Hier geht es um etwas anders: Wenn in Japan, wie in Deutschland auch, ehemalige Atommanager nach ihrem Ausschieden in öffentliche Ämter (unter anderem in die Atomaufsichtsbehörde) wechseln und umgekehrt, dann wird jede öffentliche Kontrolle zur Farce, eine teure und lebensgefährliche zugleich. Auch in Japan hat man dafür keine Lösung, aber einen Namen: Amakudari, vom Himmel heruntergestiegen. »Amakudari nennt man auch jene Chefbeamten, denen die Ministerien nach ihrer Pensionierung zu hoch bezahlten Beraterstellen ausgerechnet in Firmen verhelfen, die sie zuvor kontrollieren sollten. Damit ist Korruption beinahe garantiert. Kein anderer Wirtschaftszweig ist über Amakudari so eng vernetzt mit der Politik wie die Atomwirtschaft; und zwar vor allem mit Tanigakis LDP (die ein halbes Jahrhundert, bis 2009 Japan regierte, d.V.) … Der Internet-TV-Reporter Tetsuo Jimbo nennt das Geklüngel von Atomlobby und Politik die ›japanische Nuklear-Mafia‹.« (SZ vom 21.3.2011) Diese Nuklear-Mafia ist keine japanische Krankheit, sondern ein anders Wort für das, was Robert Jungk bereits 1977 als ›Atomstaat‹ bezeichnet hat. Eine atomare Wirtschaftsmacht, die straf- und haftungsfrei schalten und walten kann, ein parlamentarisches System, das weder die Kontrolle hat, noch in der Lage ist, diese zu erzwingen, eine politische Elite, die als (lukrativ bezahlte) Türsteher der Atomwirtschaft agieren, ein Sarkophag aus Repression und Korruption, um diese rechtsfreien Zonen gegen jede Form von Anfeindungen abzusichern.

Wie das System Amakudari in Deutschland funktioniert, hat die schwarz-gelbe Regierung vor kurzem vorexerziert: Die Laufzeitverlängerung von AKWs war noch nicht durch Regierungsmehrheit im Bundestag abgesegnet worden, da machte sich bereits der Atomminister Röttgen (CDU) daran, die Weichen zu stellen. Er berief an die Spitze der Reaktoraufsicht einen Mann, der nicht einmal den Anschein von Neutralität wahren musste: Gerhard Hennenhöfer. Gerhard Hennenhöfer war Generalbevollmächtigter für Wirtschaftspolitik beim Stromkonzern Viag. In dieser Funktion handelte er mit der damaligen rot-grünen Regierung den Atomkonsens aus, den er mit seiner Unterschrift besiegelte. Eigentlich verbieten die Vorschriften des Verwaltungsverfahrensgesetzes eine solche Nominierung. Dort steht überraschend verständlich geschrieben, dass, »wer außerhalb seiner amtlichen Eigenschaft in der Angelegenheit ... tätig geworden ist« (Paragraf 20), einen solchen Posten nicht wahrnehmen kann und darf. Doch die Befangenheit des Atomlobbyisten ist für Umweltminister Röttgen weder ›böser Anschein‹, noch ein Problem, sondern eine Art Garantieurkunde. Er lässt verlautbaren: »›Unser Haus teilt die Bewertung nicht‹, sagte ein Sprecher von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) der FR auf Anfrage. Die Frage der Befangenheit Hennenhöfers stelle sich ›zurzeit nicht‹.« Diese Neubesetzung der Reaktoraufsicht kommt der Absicht gleich, einen Waffenlieferanten damit zu beauftragen, das Verbot des Waffenbesitzes durchzusetzen.

Warum ein Atommanager in dieses Amt gehievt werden soll, hat einen einfachen und durchsichtigen Grund: Diese Abteilung ist federführend bei der Entscheidung über AKW-Laufzeitverlängerungen. Mit diesem Mann an der Spitze darf das Ergebnis als gesetzt betrachtet werden. Der Einstieg in den Ausstieg und wieder zurück Die Unbeherrschbarkeit der Atompolitik, die Geiselnahme der Bevölkerung, die aberwitzige Vergesellschaftung einer ›Restrisikos‹, für das die Atomindustrie nicht haften muss, all dieses Wissen muss nicht neu entdeckt werden. Spätestens nach der Explosion des Atomkraftwerkes in Tschernobyl/Sowjetunion 1986 ist dieses Wissen allen zugänglich. Die Mär von der friedlichen und beherrschbaren Atomenergie kostete bereits damals Zehntausenden von Menschen das Leben. Bis heute ist die Region um Tschernobyl radioaktiv verseucht. Die für tot erklärte Anti-AKW-Bewegung kehrte zurück auf die politische Bühne. Zehntausende gingen auf die Straße und forderten die sofortige Stilllegung aller Atomkraftanlagen. Die Regierung versprach eine Überprüfung des Atomprogrammes, spielte mit dem Leben (anderer) und auf Zeit. Mit Erfolg: Am Atomprogramm wurde festgehalten. Der Atomkonsens zwischen Nuklearwirtschaft und rot-grüner Regierung aus dem Jahr 2001 wurde gebrochen, die Laufzeitverlängerung durch die neue schwarz-gelbe Regierung 2010 beschlossen.

Legal, illegal, scheißegal… Mit den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen 2010 hat die schwarz-gelbe Regierungskoalition ihre Mehrheit im Bundesrat verloren. Eine Mehrheit, die notwendig wäre, um den Bruch des beschlossenen Atomkonsenses parlamentarisch durchzuwinken. Schließlich ist die Aufsicht über Atomkraftwerke Ländersache. Das sahen CDU und CSU-Landesregierungen auch so…. bis sie auf Bundesebene 2009 an die Macht kamen. 2002, als es darum ging, den ›Atomkonsens‹, den Ausstieg aus der Atomenergie bindend zu machen, erklärten jene CSU-CDU-Landesregierungen, dass die im Atomkonsens festgelegte Laufzeitbegrenzung »eine grundsätzliche Umgestaltung der Verwaltungsaufgabe (bedeute); die Vorschriften über den Aufgabenvollzug …erfahren eine neue Bestimmung« . Nun kann man in der Tat darüber streiten, ob die 2002 beschlossene Laufzeitbegrenzung den in Länderhand liegende ›Aufgabenvollzug‹ umgestaltet oder vielmehr (vorzeitig) beendet hat. Gänzlich absurd wird es jedenfalls, wenn acht Jahre später die geplante Laufzeitverlängerung, die zwingend eine Verlängerung des ›Aufgabenvollzugs‹ nach sich ziehen würde, für nicht zustimmungspflichtig gehalten wird, da sie nicht in die Hoheitsrechte der Länder eingreife. Wie es dazu kommt, dass damals etwas Recht war, was heute kein Recht mehr ist, erklärte der Sprecher der Bundesregierung Lautenschläger wie folgt: »Unser Haus hat die Sachlage erneut geprüft , und wir sind zu der Erkenntnis gekommen: Eine Zustimmung des Bundesrates ist nicht notwendig.« Dank dieses Unrechtsbewusstseins hat die schwarz-gelbe Bundesregierung den Bruch des ›Atomkonsenses‹, die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerke, beschlossen. Ein Paradebeispiel dafür, dass in einer Demokratie parlamentarische Mehrheiten wünschenswert, aber nicht zwingend notwendig sind.

The same procedure as every year …

Heute, angesichts der atomaren Katastrophe in Japan, wiederholt sich das Spiel der Atom-Parteien in allen Ländern. Wieder geht es darum Zeit zu schinden, bis Gras über die atomar-verseuchten Landschaften gewachsen ist. In Deutschland verkündete die schwarz-gelbe Regierung ein Moratorium für die gerade beschlossene Laufzeitverlängerung von Atomreaktoren. Sie will die Sicherheit der am Netz bleibenden AKW’s überprüfen. Eine Farce, wenn man bedenkt, dass dieselbe Regierung es abgelehnt hatte, die Überprüfung der Atomreaktoren nach dem neusten Stand der Technik durchführen zu lassen. Bei dem dreimonatigen Moratorium geht es nicht um die Sicherheit von Atomreaktoren, sondern um das Überleben der aktuellen Bundesregierung – angesichts bevorstehender Landtagswahlen.

Das Atom-Moratorium im Abklingbecken der schwarz-gelben Bundesregierung Am 14. März 2011 kamen Funktionäre des BDI/Bund deutscher Industrie und der Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zusammen, um im Schatten der atomaren Katastrophe in F und im Licht anstehender Landtagswahlen ihre Politik abzustimmen. Herausragendes Thema war das gerade beschlossene dreimonatige Atommoratorium. Die BDI-Bosse wollten verständlicherweise von ihrem Wirtschaftsminister persönlich erfahren, wie das Moratorium gemeint ist. Der Wirtschaftsminister redete Klartext und enttäuschte seine Bosse nicht. Unter Tagesordnungspunkt 4 ›Umsetzung des industriepolitischen Gesamtkonzepts‹ fasst das Protokoll die ministrablen Ausführungen so zusammen: » (...) Der Minister ging zunächst auf die Ereignisse in Japan ein. Man müsse sich darauf einstellen, dass die Energiediskussion mit gesteigerten Emotionen zurückkommen werde. (...) Der Minister (…) wies erläuternd darauf hin, dass angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Druck auf der Politik laste und die Entscheidungen daher nicht immer rational seien.« Die BDI-Funktionäre waren beruhigt, auf ihren Wirtschaftsminister war wie immer Verlass. Die Atompolitik wird mit allen Mitteln fortgesetzt. Alles andere ist ›gesteigerten Emotionen‹ geschuldet, eine kleine Warteschleife, bis sich die Gemüter wieder beruhigt haben. Die Wirtschaftsbosse hatte nichts anderes erwartet und den nicht anwesenden BDI-Mitgliedern wurde ein Protokoll zuschickt. Ein völlig normaler Vorgang, zu dem selbstverständlich auch Vertraulichkeit gehörte, angesichts des Komplizenstatus zwischen Wirtschaftsbossen und Bundesregierung eine gängige Praxis. Alles wäre so wie immer gelaufen, wäre dieses Protokoll nicht in falsche Hände gelangt. Die Süddeutsche Zeitung zitierte daraus und das, was viele nur vermuten, und selten beweisen können, stand nun Schwarz auf Weiß. Nun musste das Containment zwischen Wirtschaft und Bundesregierung wieder geflickt, der Riss gekittet werden. Der Versuch, dieses Leck zu schließen ähnelte dabei dem Versuch in Fukushima, das unkontrollierte Entweichen von Radioaktivität durch kontrolliertes Ausleiten von Radioaktivität in den Griff zu bekommen. Zuerst behauptete man, man wisse gar nicht, was ein Protokoll sei…. Nein, man sollte in einer solch ernsten Lage nicht übertreiben. Man ließ vielmehr verlautbaren, das Protokoll habe den Wirtschaftsminister falsch zitiert bzw. zusammengefasst. Dann musste noch jemand gefunden werden, der den Kopf dafür hinhält – um an anderer Stelle wieder aus der Versenkung aufzutauchen. Man fand ihn, es sollte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf sein. Dessen Rücktrittserklärung ist absurd und wahr zugleich – zum schießen: »Ich übernehme die politische Verantwortung für die Folgen einer Indiskretion, an der ich persönlich nicht beteiligt war«, erklärte Schnappauf. Er wolle damit »möglichen Schaden für das Verhältnis von Wirtschaft und Politik« abwenden. Dieser Rücktritt setzt Maßstäbe. Würden diese nur einen ganzen Tag gelten, gäbe es keine Führungselite, keine Regierung mehr: Erstens übernehme ich Verantwortung für etwas, was ich persönlich nicht zu verantworten habe. Zweitens widerspreche ich den Gründen, die meinen Rücktritt zwingend machen und trete zurück. Drittens maximiere ich den Schaden, den ich abwenden muss, indem ich das, was als Protokollfehler ausgegeben wurde, als Indiskretion richtig stelle.

Aussichten Es wird wieder nichts passieren, wenn man die Atompolitik den Parteien und ihren wahltaktischen Finessen überlässt. Wenn man sie nicht zwingt, wenn man nicht die Atomfirmen am tödlichen Geschäft hindert, wenn man sich ihnen nicht selbst in den Weg stellt, werden wir in ein paar Monaten dasselbe Palaver von ›Brückentechnologie‹ und sicheren, deutschen Atomkraftwerken zu hören bekommen. Die Frage ist also nicht, ob die radioaktiv-aufgeladene Wolke auch Deutschland erreichen könnte, sondern ob es hier gelingt, aus dem Kreislauf kritischer Ohnmacht und sinnlosen Appellen an die gegenwärtige Bundesregierung herauszukommen. In den 70er und 80er Jahren wurden die Bauplätze besetzt und belagert, auf denen Atomkraftwerke gebaut werden sollten. Heute wird man die Atomfirmen, ihre Geschäfts- und Verwaltungszentralen treffen müssen, um sie dazu zu zwingen, die einzig angemessene Konsequenz aus den atomaren Katastrophen zu ziehen: Die Stilllegung aller Atomanlagen.

Wolf Wetzel 30.3.2011

Ein sehr ausführlicher Text zur Atompolitik und der Anti-AKW-Bewegung in den 80er Jahren, unter dem Eindruck der atomaren Katastrophe in Tschernobyl/Sowjetunion 1986 findet sind unter: http://wolfwetzel.wordpress.com/2010/01/13/5-11-2009-mit-krimineller-energie-zuruck-in-die-atomkraft/

Bildnachweis:
  • Atomkraft stilllegen: Wolf Wetzel (Wolf Wetzel)

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Schlüsselwörter: Atompolitik | AKW | Restrisiko | Laufzeitverlängerung | atomare Katastrophe | deutsche Atompolitik
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Kommentare

Amschel
am 15.04.2011 08:14:23 (49.229.27.xxx) Link Kommentar melden
Bin mal dem (nicht anklickbaren) Link gefolgt. Da der Artikel gewisse parteipolitisch gefärbte Tendenzen augenscheinlich macht.

Dem Autor ist zuzustimmen, daß den Regierungen und den Energieriesen immer sehr kritisch auf die Finger gesehen werden muß. Das zeigt das Beispiel im Link betreffend des staatlichen Atomforschungszentrum GKSS8, es ist zweifellos ein vertuschter Skandal:

Die größte Leukämiedichte der Welt rund um Geesthacht

Anfang der 90er Jahre sorgte eine wachsende Zahl von Leukämiefällen nahe des AKW Krümmel und des staatlichen Atomforschungszentrum GKSS8 für große Unruhe. 1991 und 1992 wurden von den Landesregierungen Schleswig-Holstein und Niedersachsen Untersuchungskommissionen ins Leben gerufen. Die eine beendete ihre Arbeit ergebnislos, die zweite endete im Eklat: Die Mehrheit der darin versammelten Wissenschaftler legte ihre Arbeit nieder, nachdem sie die massiven Behinderungen durch Atomaufsichtsbehörde und Atomwirtschaft anprangerten: »Wir haben das Vertrauen in diese Landesregierung verloren.«

Seitdem herrschte Stillstand in Sachen Ursachenforschung, während sich die Leukämiefälle zum weltweit größten Cluster verdichteten.

Der Vorwurf vonseiten der Bürgerinitiativen und renommierter Wissenschaftler ist gravierend: Die rund um Geesthacht gefundenen hoch radioaktiven Mikrokügelchen sind weder Wurmkot oder natürliche Nuklide, noch ›Emissionen‹ aus dem Atomkraftwerk Krümmel oder Fallout-Produkte aus dem AKW in Tschernobyl. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind sie das Ergebnis von (misslungenen) »besonderen kerntechnischen Experimenten«9, die nur auf dem Gelände der GKSS stattgefunden haben konnten.


Andererseits benutzt auch der Autor bezüglich Fukushima einige Daten, Vermutungen und Äußerungen, die längst überholt und zum erheblichen Teil unzutreffend sind. Zweck, schüren von Angst und Panik, um in BRD den AKW-Ausstieg durchzupeitschen.

Wir sollten heil froh sein, daß aktuell, trotz Rückschlägen (Nachbeben), die Lage in Fukushima langsam übersichtlich und beherrschbar wird. Es gab wohl um die 30.000 direkte Tsunami Tote. 50 bis 100 Arbeiter am AKW werden sicherlich sehr vorzeitig ableben wegen der hohen Strahlenbelastung. Auch Teile der betroffenen Bevölkerung werden ein stark erhöhtes Krebsrisiko haben.

Es ist dennoch unseriös Kriegseinsatz von A-Waffen und einen schrecklichen Unfall bedingt durch Naturkatastrophe, über einen Kamm zu scheren. Das neudeutsche Phänomen für jeden toten Menschen einen persönlich Verantwortlichen dingfest machen zu wollen, grenzt schon an pathologisch - kognitive Dissonanz. http://de.wikiped..._Dissonanz

Tote werden nicht mehr lebendig, jeder einzelne von uns wird eines Tages sterben und das ist weder ein Verbrechen, noch vermeidbar sondern Teil des Lebens wie die Geburt. Letztlich geht es um das Überleben der Art und dazu muß man bei 6 bis 7 Mrd. Menschen verdammt gut planen !!!

Wenn man die nun mal existierenden AKWs verteufeln will, muss man einen zu 100% funktionsfähigen Plan B, ohne AKWs vorweisen. Dieser fehlt bislang.

Wenn die Grünen oder AKW-Gegner einen solchen Gesamtplan vorlegen der sagen wir auf 200, 300, 1000 oder mehr Jahre, eine Lebensstandart sichernde Energieversorgung gewährleistet, bin ich der erste der Hurra schreit und das unterstützt. Die im 4 Jahresrhythmus gewählten Regierungen sind ja schon mit Zukunftsplänen die 10, 12 Jahre übersteigen völlig überfordert.
Wobei ich daran erinnern möchte, daß unsere Spezies, allen voran der Neandertaler, mehrere Eiszeiten nur mit Hilfe von offenen Holzfeuern über einen Zeitraum von mehr als 200.000 Jahren überstand. Die weltweite Population bewegte sich jedoch sehr deutlich unterhalb von 1Mill. Exemplaren.
349
am 15.04.2011 08:48:26 (212.227.103.xxx) Link Kommentar melden
... tägliche Berichte aus der Hauptstadt Japans, aus der 30-Millionen-Metropole Tokio: Von stoischer Ruhe, von unglaublicher Routine und Disziplin ist die Rede.

Das Verhalten der wirklich betroffenen Japaner ist mir wesentlich sympathischer als die Hysterie der nicht betroffenen Deutschen.
300
am 15.04.2011 10:18:55 (80.190.200.xxx) Link Kommentar melden
Der Titel "Das Restrisiko der Atompolitik ist ein Kapital-Verbrechen" stellt für mich eine maßlose und auch demagogische Übertreibung dar. Mit "Kapitalverbrechen" meint man eigentlich was anderes.
317
am 15.04.2011 14:38:38 (80.237.225.xxx) Link Kommentar melden
Wir können nicht mit einer antiquierten Technologie, die 55 Tage im Jahr läuft, unsere Energieversorgung sicherstellen. Gemeint sind solche lächerlichen Lösungsvorschläge wie Windräder. Ohne KKW geht es vorerst ganz sicher nicht.
Gata Linda
am 15.04.2011 14:52:56 (81.32.196.xxx) Link Kommentar melden
Ihr könnt gerne die Atomenergie über den grünen Klee loben und die Bevölkerung, die sich von dieser Art der Energieversorgung trennen will, als hysterische Hasenfüsse hinstellen:
Ich aber denke, dass ihr ziemlich egoistisch denkt, denn für EURE Bequemlichkeit und EUREN Standard hinterlassen wir der nachfolgenden Menschheit strahlende Erblasten, die noch in 25.000 Jahren ein Problem sein werden.
Habt ihr denn keine Kinder, keine Familien, kein schlechtes Gewissen, indem ihr das Lebensumfeld der nachfolgenden Generationen ohne mit der WImper zu zucken verramscht, der Atomlobby nach dem Munde redet und denjenigen, die bereit sind zu Verzicht und die die Gefahren sehen und abwenden wollen, für Spinner darstellt?
Wie kann man mit solch einer Haltung eigentlich ruhigen Gewissens seinen Kindern "alles Gute zum Geburtstag" wünschen? Nichts wird mehr gut sein, wenn es Euch, uns einmal nicht mehr geben wird. Die Erde wird ein unbewohnbarer, verstrahlter Acker sein, der ausgelöscht wurde für die Bequemlichkeit aus der Steckdose, fûr den Reibach der Konzerne.
Die Weissagung der Cree ist ein eingängiger Spruch der amerikanischen und westdeutschen Umweltbewegung, der auf die Umweltproblematik aufmerksam machen sollte. Er fand in den 1980er Jahren weite Verbreitung als Autoaufkleber. Der Text lautete:

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“
Hartmut Holz
am 15.04.2011 17:16:45 (217.80.207.xxx) Link Kommentar melden
Der Betreiber, des AKW Fukushima, die sogenannte Firma Tepco, hat dieses AKW bewußt heruntergewirtschaftet. Denn nur eines war diesem Betreiber wichtig: Gewinn und nochmals Gewinn.

Und in Deutschland? Angeblich sind ja unsere Kernkraftwerke besonders sicher. Wer es glaubt, der wird selig. Und die sogenannte Reaktorsicherheits Konferenz ist eine Vereinigung von Lobbyisten, die sogar die aktuelle Bundesregierung, mit ihren Pro Atom Interessen, beeinflußt.

Und der Herr Vater von Gandalf und Galahad sollte einmal darüber nachdenken was er da kommentiert und schreibt. Denn die Angst unserer Bevölkerung vor diesen vorsintflutlichen deutschen Atomkraftwerken ist keine Hystherie, sondern die reale Angst, der deutschen Bevölkerung, vor einer "Strahlenden Zukunft" von Deutschland. Aber das scheint ja den Atomlobbyisten völlig egal zu sein.
563
am 15.04.2011 18:00:33 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Die Behauptung, die zivile Nutzung der Atomenergie sei mit ihrer militärischen Nutzung nicht vergleichbar, war ein wesentliches Argument für ihre Durchsetzung.

Und der unsinnige Vergleich der zivilen Nutzung der Kernkraft mit der Atombombe ist eines der wesentlichen Scheinargumente derjenigen, die jetzt glauben, ihre grünen Maschinenstürmerphantasien umsetzen zu können.
Amschel
am 16.04.2011 07:37:07 (49.230.28.xxx) Link Kommentar melden
Vergesst bitte nicht, dass gerade die Deutschen Jahrzehnte lang dem Risiko ausgesetzt waren das atomare Hauptschlachtfeld des Ost-West-Konfliktes zu sein.

Da hätten uns dann die Japaner und Neuseeländer aus der Entfernung bedauern können. Wohl mit dieser ständigen aber doch verdrängten Bedrohung im Nacken, war man damals froh, wenn statt Atombomben, Atomkraftwerke gebaut wurden.

Der Regierung in Sicherheitsfragen vertrauend, war man desweiteren froh über günstigen Strom.

Heute haben wir die Dinger wie eben viele andere Länder auch. Gata Linda, sag wie stellst Du Dir die langfristige sichere Energieversorgung von 6-7Mrd Menschen vor.
(Ich akzeptiere auch die Antwort, die Weltbevölkerung müsse (sanft) schrumpfen)
Gata Linda
am 17.04.2011 00:36:41 (90.168.230.xxx) Link Kommentar melden
@Amschel:

Gata Linda, sag wie stellst Du Dir die langfristige sichere Energieversorgung von 6-7Mrd Menschen vor.
(Ich akzeptiere auch die Antwort, die Weltbevölkerung müsse (sanft) schrumpfen)


Du wirst lachen, aber die Lösung dieses Problems liegt sicher nicht bei der Atomkraft. Es gibt mittlerweile Methoden, die aber nicht ausreichend gefördert wurden:

http://www.bio-wa...

Auch der Bau von Photovoltaikanlagen und Solaranlagen in Wüstenregionen wäre eine Option, die gleichzeitig eine Lebenspersepktive für die 3. Welt darstellte.
http://www.dradio...k/1435427/

Wenn man nur einen Bruchteil der Milliarden Fördermittel, die die AKW verschluckt haben, in die Forschung und den Ausbau regenerativer Engergien stecken würde, dann haben wir in wenigen Jahren eine gleichwertige Stromproduktion, die sauber und ohne diese Risiken ist.
Es muss daher Förderungen zu Niedrigenergiehäusern geben, und die Menschen müssen bereit sein, eben mal abends nicht das Haus mit Festbeleuchtung zu beleuchten, es gibt dann eben nicht ein Lichterfest in den Strassen etc.
Ich habe diese Mentalität überhaupt nicht, da in Spanien bei Regen generell der Strom ausfällt, entweder wegen maroder Leitungen oder wegen Ausfall in den Stromwerken.
Davon geht die Welt nicht unter, man kann durchaus mit einer Kerze die Zeit überbrücken.
Kochen kann man mit Gas ganz problemlos.
Auch Kühlschränke haben wir hier mit Gas betrieben...
Die Verbraucher müssen umdenken, denn noch vor einem halben Jahrhundert lebte man auch ohne Atomkraftwerke, warum also heute nicht mehr?
Die Unternehmen müssen eben bei ihren Investitionen auch auf den Stromverbrauch achten, es kann nicht sein, dass wir alle und alle folgenden Generationen das Risiko tragen müssen, damit Grosskonzerne wachsen und Gewinne abschüpfen können, und nichts dafür tun müssen als lediglich den Stecker in die Dose zu stecken.
Beim Bau eines neuen Werkes müssen die Unternehmen eben auch die Eigenproduktion von Strom gleich miteinplanen, ebenso beim Neubau von Wohngebäuden etc.
Dass die Atomwirtschaft nun aussteigt aus dem Energiefonds, sollte nicht das Problem sein. Allerdings sollten sie dann anteilig bitteschön die Fördermittel zurückzahlen, die sie kassiert haben, als sie falsche Versprechungen und Fehlbeurteilungen zur Sicherheit abgaben und aufgrund dieser Angaben die Förderungen erschlichen haben.

Auch stellt sich die Frage, ob man nicht die Kosten für die Entsorgung des Strahlenmülls verlangen sollte, denn wenn ein Industrieunternehmen Müll produziert, muss es diesen auch selbst entsorgen und nicht der Bürger.

Aber eins ist de facto notwendig: eine Umstellung der Verbrauchshaltung, Verzicht und back to the roots.

Ich sehe jedenfalls nict ein, warum ich mir für den Luxus einiger Leute solch ein Risiko antun muss, denn ich bin betroffen, ob ich will oder nicht, ebenso wie alle anderen. Das ist wie mit den Rauchern: warum muss ich als Nichtraucher deren Gewohnheiten ertragen, warum das Risiko von Passivrauchen haben, nur weil ein Raucher meint, er muss sich eine anzünden, während ich esse? Auchhier hat der Gesetzgeber durchgegriffen und die Allgemeinheit geschützt - also auch mich - weil es einfach notwenig war. Und ebenso kann ich verlangen, dass ich geschützt werde vor den Gewohnheiten des exzessiven Stromverbrauchs, denn es ist auch MEINE und DEINE Umwelt, die bei einem Atomunglück verstrahlt wird. Und die denke ich nicht dem Anspruchsdenken und der Dekadenz anderer zu opfern, nur weil sie sich nicht einschränken wollen.

Ich schreibe dir dazu noch eine PN.
LG
349
am 17.04.2011 17:31:03 (212.227.103.xxx) Link Kommentar melden
Gata Linda, auch das Gas muss irgendwoher kommen. Solche klein-klein-Lösungen sind nicht überzeugend. Die Industrie (in Europa und in der westlichen Welt) ist längst auf Energie-Spar-Kurs), allein aus Kostengründen.

Auf Dauer ist es einfach schade um Öl, Gas und Kohle, wenn man sie verbrennt. Es sind wertvolle Rohstoffe. Das allein spricht für die Kernenergie. Wenn man außerdem Brennstoffzellen, Wasserkraft und (dort, wo es passt) Windkraft nutzt, wird das nicht schaden. Aber mit Windrädern kann man keinen Aluminiumhersteller energietechnisch versorgen. Und Solarzellen brauchen für ihre Herstellung etwa soviel Strom, wie sie dann einbringen in ihrem Leben.

...es ist auch MEINE und DEINE Umwelt, die bei einem Atomunglück verstrahlt wird. Und die denke ich nicht dem Anspruchsdenken und der Dekadenz anderer zu opfern, nur weil sie sich nicht einschränken wollen.

Schade. Das ist eine Formulierung, die mich beleidigt. Warum?

Ich bin (weiterhin) für die friedliche Nutzung der Kernenergie, aber sehe mich weder als "dekadent" an noch bedeutet es ein Problem für mich, "Einschränkungen" zu erleben oder bewusst vorzunehmen.

Wenn Du andere überzeugen willst, solltest Du einen anderen Weg wählen als ihnen unlautere Motive zu unterstellen oder sie zu beschimpfen.
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