Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Sonstiges: Verschiedenes

„Buried“ – 94 Minuten in der Kiste

Scheintot und lebendig begraben (II)

Ein lebendig Begrabener.
Ein lebendig Begrabener.
Seit November 2010 ist er im Kino, „Buried – Lebend begraben“, der aktuelle Thriller zum Thema. 94 Minuten lang sieht man praktisch nur einen einzigen Akteur, nämlich Ryan Reynolds. Und der liegt in einem Sarg, begraben bei lebendigem Leib und unter tonnenschwerer Erde in tiefster Dunkelheit…

Hoffnungslos verloren...

Wer in eine solche Situation gerät ist hoffnungslos verloren. Aus eigener Kraft besteht absolut keine Chance sich zu befreien. Der Sarg ist eng und bietet kaum Bewegungsmöglichkeiten und somit auch keinerlei Ansatzpunkte um ihn zu zerstören. Letzteres aber wäre die erste Voraussetzung zur Eigenbefreiung. Hinzu kommt, dass sich unmittelbar hinter dem Sarg die Erde befindet. Den Vorschriften entsprechend befinden sich mindestens 0,8 bis 1,0 Meter Erde über dem Sarg. Das sind bereits Tonnen an Gewicht.

Sich aus einer solch ausweglosen Lage aus eigener Kraft zu befreien, das schaffen nur Filmhelden in unrealistischen Szenen. Ein Beispiel dazu ist Um Thurman alias Kampfmaschine Beatrix Kiddo in Quentin Tarantinos Racheepos „Kill Bill“, der sich in einer zugenagelten Kiste unter der Erde wieder findet und dann mit bloßen Händen ausgräbt.

In der Realität gibt es dafür keine Chance und die Szene ist so unglaubwürdig fantastisch wie der Rest des Filmes auch. Vor einiger Zeit wurden in einer Wissenschaftssendung im Fernsehen entsprechende Versuche gemacht, ob es möglich ist sich aus einem geschlossenen Sarg zu befreien, der allerdings nicht eingegraben ist. Nur einem gut durchtrainierten, muskulösen Kampfsportler ist es nach etlichen Minuten gelungen den Sarg soweit zu zerstören, dass er herauskommen konnte. Und dieser sagte im Nachhinein, dass er schon nicht mehr daran geglaubt habe.

Die Befreiung geschah dahingehend, dass mit aller Macht das Sargende nach außen geschlagen bzw. getreten wurde. Dies aber geht nicht bei einem Sarg, der sich bereits in der Erde eingegraben befindet, denn in diesem Fall verhindert die Erde das Wegschlagen bzw. Wegtreten der Sargwände nach außen.

Dramatisch und realistisch

Im Film „Buried – Lebend begraben“ von Regisseur Rodrigo Cortés dreht sich praktisch der komplette Film nur um eines: Paul Conroy, gespielt von Ryan Reynolds, in einer Kiste lebendig begraben. Der Überlebenskampf beginnt. Ihm wird klar, er hat nicht viel Zeit zum Überleben. Die Luft wird knapp und durch die Ritzen der Kiste rieselt das Erdreich herein.

Conroy, ein amerikanischer LKW-Fahrer im Irak, dessen Konvoi von Aufständischen angegriffen wurde, ist von diesen entführt und lebendig begraben worden. Die Rebellen wollen ein Lösegeld für ihn erpressen. Dies erfährt er über sein Handy, dass er neben einem Feuerzeug, einem Stift und einem Flachmann bei sich hat. Dieses Handy ist seine einzige Verbindung zur Außenwelt.

Ob ein Handy jedoch tatsächlich im Falle des Lebendig begraben sein Hilfe bietet ist fraglich. Schließlich befinden sich Tonnen von Erde über dem Grab. Und welcher möglicherweise scheintot begrabene hat schon sein Handy dabei?

Einführung der Leichenhäuser

Die am 25. Juni 1828 in Opatów/Posen geborene deutsche Dichterin Friederike Kempner hatte ebenfalls panische Angst davor lebendig begraben zu werden. Sie setzte sich schließlich mit Erfolg für die Errichtung so genannter Leichenhäuser und die Karenzzeit zwischen dem Eintritt des Todes und der Bestattung ein. Dadurch sollte das Problem eines damals medizinisch häufig unerkannten Scheintods verhindert werden. Ihr einflussreichstes Werk in diesem Zusammenhang ist die „Denkschrift über die Nothwendigkeit der gesetzlichen Einführung von Leichenhäusern“, die 1850 erschien und es bis 1867 auf sechs Auflagen brachte.

So sollte durch Aufbahrung des Verstorbenen und seine Beobachtung bis zum Entstehen der sicheren Todeszeichen die Bestattung von Scheintoten verhindert werden. Allerdings war Friederike Kempner nicht die Einzige, die dies forderte. Bereits 1792 war das erste Leichenhaus Deutschlands in Weimar durch den Arzt Christoph Wilhelm Hufeland erbaut worden. Im 19. Jahrhundert setzte die Errichtung solcher Leichenhäuser schließlich Europaweit ein, was nicht zuletzt auch der Verdienst von Friederike Kempner war.

Fortsetzung folgt...

Bildnachweis:

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Lesen Sie dazu auch:
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Scheintod | scheintot | lebendig begraben | Buried | Reynolds | Sarg | Bestattung | Beerdigung
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

Peter Maier
am 12.04.2011 19:57:26 (93.219.171.xxx) Link Kommentar melden
Ein Albtraum! Lebendig begraben zu werden - darüber habe ich schon viel gelesen; es ist ja auch nicht von der Hand zu weisen, da schon des Öfteren "real" geschehen. Zerrütete Gräber, schiefe Grabsteine - danach das Ausheben des Grabes, in welchem man Menschen mit plötzlich aschweißem Haar und zentimeterlang gewachsenen Fingernägeln fand ... nicht auszudenken.
300
am 15.04.2011 10:10:39 (80.190.200.xxx) Link Kommentar melden
Na ja, so spannend scheint mir der Film nicht zu sein, eineinhalb Stunden jemanden im Grab zu beobachten. Da weiß ich besseres für die Freizeitgestaltung.

Der Artikel ist aber gut geschrieben und informativ.
Alex Mais
am 16.04.2011 12:55:21 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
@ Peter Maier
...danach das Ausheben des Grabes, in welchem man Menschen mit plötzlich aschweißem Haar und zentimeterlang gewachsenen Fingernägeln fand...

Das hat andere, biologische Ursachen. Niemand überlebt in einem Grab solange, dass Fingernägel um Zentimeter wachsen können.

Aber es gibt tatsächlich Beweise. Diese stammen zumeist aus Gruften, in denen Särge aufgebahrt werden und dann nach Jahren geöffnet wurden. Darin enthalten die Körper in verkrampften, unnatürlichen Stellungen und deutliche Kratzspuren am Holz sowie entsprechende Holzsplitter unter den Fingernägeln.

Einige besonders gut dokumentierte Fälle sind in der Vergangenheit z. B. von Barbados überliefert.

@ master of desaster
...so spannend scheint mir der Film nicht zu sein, eineinhalb Stunden jemanden im Grab zu beobachten. Da weiß ich besseres für die Freizeitgestaltung.

Stimme ich Dir zu. Trotzdem hat der Film entgegengesetzte Kritiken in rennomierten Zeitschriften gefunden. Interessant ist aber auf jeden Fall die teilweise ganz realistische Darstellung des Themas.
Peter Maier
am 16.04.2011 21:38:30 (93.219.191.xxx) Link Kommentar melden
Alex Mais: mein Großvater, ein ziemlich weiser Mann, hatte mir diese Geschichten über Scheintote erzählt; damals war ich noch relativ klein und vielleicht auch naiv genug, um das mit den langen Fingernägeln und dem schneeweißen Haar, die verstorbene junge Menschen hatten, nachdem man sie aus den verhügelten Gräbern herausgeholt hatte, an sich hatten. Ist auch schon lange her ...

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.06 Sekunden
40,064,475 eindeutige Besuche