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Wirtschaft & Finanzen: DeutschlandLebensmitteldiscounter Lidl setzt Stasimethoden ein

Lidl=Stasi?
Lidl überwachte seine Mitarbeiter mit versteckten Minikameras, ohne die Mitarbeiter davon zu unterrichten. Das baden-württembergische Innenministerium will die vom Magazin „Stern“ erhobenen Vorwürfe jetzt überprüfen lassen. Eine Sprecherin des Bundesbeauftragten für Datenschutz gab am Mittwoch bekannt, dass die Videoüberwachung von Mitarbeitern, wie bei Lidl geschehen, bei weitem kein Einzelfall in Deutschland darstellt. Eine solche Überwachung sei grundsätzlich ein Verstoß gegen das Datenschutzgesetz.
In seiner neusten Ausgabe berichtet der „Stern“, dass die Überwachungskameras teilweise direkt auf die Arbeitsplätze von Kassiererinnen oder in den Umkleidekabinen der Mitarbeiter ausgerichtet waren und dort protokollierten wann und wie oft die Mitarbeiter zum Beispiel auf die Toilette gingen, wer mit wem möglicherweisen eine Verhältnis hat und wer für die ihm übertragene Aufgabe ungeeignet ist. Es wurden sogar Protokolle über vorhandene Tätowierungen und ihre mögliche Wirkung auf die Kundschaft dokumentiert und Telefonate aufgezeichnet. Eine solche umfängliche Überwachung erwartet man eigentlich nur von Geheimdiensten und nicht von Lebensmitteldiscountern. Die Behauptungen des „Stern“ begründen sich, auf dem Magazin zugespielten, interne Protokolle der Überwachungsaktionen. Die Mehrzahl der Überwachungsberichte stammen aus Filialen in Niedersachsen, Berlin, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz.
Lidl wehrt sich gegen die Vorwürfe
Die Geschäftsleitung von Lidl wehrt sich gegen die erhobenen Vorwürfe. Jürgen Jung, Mitglied der Geschäftsführung des Unternehmens, musste jedoch einräumen, dass es möglicherweise in einigen Filialen des Unternehmens zu Aufträgen zur Bespitzelung von Mitarbeitern gekommen sei, jedoch ohne Wissen und Duldung der Geschäftsleitung. Von wem der Vorstoß zu Überwachung der Mitarbeiter gekommen sei, ist für ihn momentan nicht nachvollziehbar. Zwei Detekteien die von Lidl beauftragt worden sind, hätten die Zielstellung gehabt, Ladendiebstähle von Kunden aufzudecken. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe, habe der Discounter die Zusammenarbeit umgehend eingestellt. Laut Jung sollen in Zukunft nur noch sichtbar angebrachte Kamerasysteme verwendet werden, um Ladendiebstähle aufzudecken.
Wer wirklich glaubt, dass nur ein Handschlag in den Filialen getätigt wird, ohne dass die Geschäftsleitung davon Kenntnis hat, sollte langsam munter werden. Die Unternehmen praktizieren nur das, was der Staat ihnen vorlebt, Überwachung der Menschen bis ins kleinste private Detail.
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