Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Lokales: Sonstiges

Halvers neues Müllsystem in der Kritik der Bürger

Wenn die Statistik versagt und die Bürger unzufrieden sind

Restmülltonne, Stein des Anstoßes.
Restmülltonne, Stein des Anstoßes.
Immer wenn ein System neu eingeführt wird gerät es in die Kritik der Bürger und es gibt eine heiße Diskussion um Pro und Contra. So derzeit auch im sauerländischen Halver, wo die Stadtväter zu Beginn des neuen Jahres ein neues Müllentsorgungssystem eingeführt haben. Und dies basiert auf einer statistischen Berechnung, die jedem Bürger seine Müllmenge erst einmal vorschreibt.

Auf die Frage, warum es überhaupt dazu kam, dass Halver heuer ein neues Abfallentsorgungssystem für den so genannten Restmüll hat, heißt es im Vorwort der aktuellen Halveraner Abfallbroschüre: „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, der Rat der Stadt Halver hat in seiner Sitzung am 27.09.2010 beschlossen, das bisherige Abfallentsorgungs- und Abfallgebührensystem an die aktuelle Rechtsprechung anzupassen.“ (Dr. Bernd Eicker, Bürgermeister)

Abschied vom alten Chip-System

Das alte System basierte auf einem Chip-System. Es gab 120-l-Tonnen und 240-l-Tonnen. Jeder Haushalt hatte eine Tonne. Für die Abfuhr musste ein entsprechender Chip in eine dafür vorgesehene Lasche eingesteckt werden. Damit konnte jeder Haushalt selbst bestimmen wann die Abfuhr geschah. Der Witz bei der ganzen Sache, der schon damals, bei der Einführung des Chip-Systems Stein des Anstoßes war, ist, dass eine Mindestabfuhr vorgegeben wurde, die auch berechnet wurde. Waren nicht genug Chips für das Jahr vorgesehen, konnte man welche dazu kaufen. Hatte man aber zuviel, so konnte man sie nicht zurückgeben. Viele Bürger, die wenig Müll produzierten, fühlten sich wohl zu Recht übervorteilt.

Seit diesem Jahr gibt es die grauen Restmülltonnen nicht mehr pro Haushalt. Sie sind nun Gemeinschaftsbehälter wie es weiter im Vorwort des Halveraner Bürgermeisters heißt. Dadurch konnte die Anzahl der Restmülltonnen in Halver um ganze 2.000 Stück (von 6.800 auf 4.800) gesenkt werden. Das mag auf den ersten Blick ein Vorteil sein. Auf den zweiten Blick kommen dann doch erhebliche Bedenken, zumal nach dem neuen System jedem Bürger gerade einmal ein Abfallvolumen von 20 Litern für 2 Wochen (14tägige Abfuhr) zugesprochen ist. Da ist der große Ärger vor allem in den größeren Mietshäusern wohl vorprogrammiert, wenn sich drei oder mehr Haushalte eine Mülltonne teilen müssen und diese nach einer Woche bereits überfüllt ist.

Wohin mit dem überschüssigen Müll?

Kleinkinder und Pflegepersonen die Windeln benötigen produzieren allein hierdurch bereits mehr als das Doppelte des zugestandenen Abfallvolumens von 10 Litern pro Woche. Da fragte sich schon so mancher: Wo entsorge ich dann diese Windeln, wenn die Restmülltonne voll ist? In der grünen Tonne (Altpapier) oder der gelben Tonne (Leichtabfall/Verpackungsmüll)? Ist ein Gewerbebetrieb im Haus, wird dieser Betrieb wie eine Person behandelt. Das heißt dem Gewerbebetrieb wird ebenfalls ein Abfallvolumen von 10 Litern pro Woche zugestanden. Das ist nahezu absurd wenn man bedenkt welche Abfallmengen beispielsweise täglich in einem Restaurant anfallen.

Das Ganze errechnet sich aus einer Statistik. Das liest sich in der Abfallinformation der Stadt Halver so: „Abfallvolumen: Die Gesamtmenge des in Haushalten anfallenden Abfalls durch die Anzahl der Einwohner ergibt die durchschnittliche Jahresabfuhrmenge pro Person. Insgesamt ergibt sich je Woche eine Abfallmenge von 10 l pro Person, also 20 l je Abfuhr.“ Ja, ja, mit der Statistik ist es schon so eine Sache. Wie sagte doch einst der bekannte deutsche Bankier Hermann Josef Abs (1901 – 1994): „Die Statistik ist wie eine Laterne im Hafen. Sie dient dem betrunkenen Seemann mehr zum Halt als zur Erleuchtung.“

Einwohner befürchten Anstieg wilder Kippen

Schon „drohte“ so mancher aus Frust damit seinen überschüssigen Müll vor dem Rathaus abzuladen. Aber das ist natürlich genauso wenig eine Lösung wie die Entsorgung von Restmüll in der grünen oder gelben Tonne. Außerdem wäre es illegal und strafbar. Und früher oder später wird man sicherlich dabei erwischt. Was aber tun? Für teures Geld eine zusätzliche Tonne? Zusätzliche Müllsäcke kaufen, die vierwöchentlich (nach Anmeldung) mit dem Sperrgut abgeholt werden? Oder steigt die Zahl der wilden Müllkippen wieder drastisch an? Noch haben sich die Gemüter in Halver nicht beruhigt und das neue Müllentsorgungssystem wird wohl noch eine ganze Weile Stoff für manchen Zoff bieten…

Bildnachweis:

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Lesen Sie dazu auch:
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Halver | Müllsystem | Kritik | Bürger | Statistik
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

Amschel
am 07.03.2011 21:01:05 (89.204.153.xxx) Link Kommentar melden
Die unterschiedlichen Müllsysteme von Landkreis zu Landkreis, sind ein altes Ärgernis. Ein vernünftiges System Bundesweit und gut. Alle suchen nach dem besseren effektiveren System und beständig wird es teurer und oft, wie Du hier auch darlegst, absurder.
Peter Maier
am 07.03.2011 21:06:43 (93.219.189.xxx) Link Kommentar melden
Das Müllproblem besteht nicht nur regional, es baut sich immer mehr in ganz Deutschland auf. Die große Verschaukelei besteht insbesondere darin, dass man "unbedingt" trennen soll -- ja, und wenn der Müllonkel vor der Tür steht, steckt er doch alles in einen "Sack" - alles eine Frage des Commerz'
563
am 12.03.2011 10:19:52 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Gaststätten müssen ihre Speisereste doch getrennt entsorgen, das wird sicher nicht zu diesem vorgschriebenen Müllvolumen gerechnet.
300
am 12.03.2011 15:31:35 (178.33.255.xxx) Link Kommentar melden
...man kann seinen Müll doch einfach, in kleine Portionen verteilt, an den Bushaltestellen in der näheren Umgebung entsorgen. Ist das verboten?

Wink
Gino Dino
am 14.03.2011 13:49:20 (80.239.242.xxx) Link Kommentar melden
Da wird schon viel Unsinn gemacht mit der Müllentsorgung! Es kostet immer unser Geld am Ende, billiger wird es nicht.
557
am 18.03.2011 15:58:15 (84.19.165.xxx) Link Kommentar melden
Manchmal gibt es einfach Auswüchse irgendwelcher Verwaltungs-Chefs...

Im Großen und Ganzen haben wir natürlich eine Müllentsorgung, um die uns viele beneiden.
Amschel
am 20.03.2011 13:36:30 (49.230.79.xxx) Link Kommentar melden
Habe mich früher ausgibig mit Problemen der Müllentsorgung wie auch der Energieversorung in BRD befasst. Nachdem klar wurde daß es nicht um die vernünftigsten Lösungen, sondern damals nur die Befriedigung der Wünsche der stärksten Interessensgruppen, ging, wandte ich mich ab und ging weg.

Weiß einer was "termische Verwertung ist" ? Es wurde bei Einführung des grünen Punktes groß getönt, man wolle das Gesammelte "wiederverwerten". Aus meiner Sicht ist Wiederrverwertung, das was die Natur macht, etwas wächst, stirbt und wird wieder zu Dünger für spätere Pflanzengenerationen oder als Depot konzentriert abgelagert (Kohle, Öl, das dauert aber Jahrmillionen)
Bei Glas, gewissen Metallen, teilweise Papier schafft das der Mensch einiger maßen in seinen eigenen Lebenszyklen.
Bei Kunststoffen funktionierte es damals nicht, zu sehr verschmutzt und nicht sortenrein.
Nachdem in China "Grüne Säcke" im grossen Stiel aufgetaucht waren, führte man in BRD die "Termische Verwertung oder Wiederverwertung ein. Wortkosmetik für verbrennen.
Man hatte festgestellt daß viele Müllverbrennungsanlagen wegen der aussortierten Kunststoffe nun vielmehr Gas brauchten, weil der Brennwert des Mülls zu niedrig geworden war.
Folglich mischte man nun Kunstoffe aus den "Grünepunktsammlungen" die man "dem Grünen Punkt" abkaufte unter den Restmüll, aus dem der verarschte Verbraucher sie zuvor aussortiert hatte. Das nennt sich dann termische Verwertung.

Für mich ist das Betrug und Verarschung. Keine Ahnung was mit dem Kunststoff aus den "Flaschenpfandautomaten" passiert? Sortenrein sollte dieser nun sein. Ob daraus neue Pfandkunststoffflaschen entstehen, so wie es beim alt bewährten Glasflaschen Pfandsystem der Fall war? Ich bezweifle es. Im Höchstfall die "Alibie Parkbänke" und Bodenbeläge, und wenn die kaputt sind? Verbrennung, wetten? Also Problem verschoben und nicht gelöst, wie fast alles was die Diletanten anfassen.

Bierflasche: Pfand 0,08Eur; PE-Kunststoffflasche: Pfand 0,25Eur => ..die spinnen die Deutschen... ..daß die Bürger den Regierungen nicht in den Arsch treten die so etwas initieren !!!
Die Meisten wissen gar nichts davon, wichtig ist das "geilste" neue Händy, I-Pat, DSDS, Klamotten usw. ... und jammern natürlich daß die Kohle nie langt ...!
Peter Maier
am 20.03.2011 18:47:14 (93.219.153.xxx) Link Kommentar melden
Ja, Amschel, das meinte ich in meinem oben stehen Beitrag - alles nur "Verarsche", und Hauptsache, der Rubel rollt in die richtige Richtung.

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.06 Sekunden
40,064,400 eindeutige Besuche