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Politik: Soziales & Bildung

Die „gender-gerechte“ Sprache: alle Zuhörer ansprechen, alle Leser anschreiben, alle Zuschauer ansehen?

Checkliste Gender Mainstreaming bei Maßnahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – eine Satire

„Bundeskanzlerin“ oder „Bundeskanzler“?
„Bundeskanzlerin“ oder „Bundeskanzler“?
Die Gleichberechtigung von Mann und Frau steht außer Frage, doch die diesem Faktum entsprechende korrekte „gender-gerechte Sprache“ ist ein Thema, das uns seit Jahren beschäftigt. Besser gesagt: sie ist ein Thema, mit dem man uns beschäftigt, ja geradezu auf Trab hält. Vor allem das „Be-eM-eF-eS-eF-Jott“, das Ministerium für all jenes, was nicht normal, nicht gesund, nicht jung und nicht männlich ist. Was also weder Single und Yuppie, noch männlich und gutverdienend ist, und vor allem: was nicht, wie es sich offenbar gehört, zwischen zwanzig und fünfundvierzig Jahre alt ist. Kurz: das sogenannte „Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“. Damit also das Ministerium für die wirtschaftlichen Verlierer unserer Gesellschaft, sozusagen.

Das BMFSFJ – das Ministerium für die Unproduktiven

Ein solches Ministerium ist natürlich dazu prädestiniert, Scheingefechte an der

Sprachfront im Kampf der Geschlechter durchzuführen, und dieser Aufgabe kommt es gern nach, selbstverständlich in schöner deutscher Gründlichkeit: mit Ausführungsbestimmungen und Erlassen. Sowie mit einer „Checkliste Gender Mainstreaming bei Maßnahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des BMFSFJ“. Eine Satire? Nein, man hat es wirklich unter diesem fragwürdigen Titel auf den Markt geworfen. Ein herrliches Thema, wie geschaffen für das närrische Treiben im Karneval, schon das Wort „Maßnahme“ läßt einen an den Maßkrug und bayerische Bierzelte denken; oder vielleicht doch eher ein dämliches Thema, entstanden bei einem feucht-fröhlichen Sitzung während des Karnevals?

Wie alles anfing: mit KollegInnen und GenossInnen

Erinnern wir uns: irgendwann vor vielen Jahren schien es plötzlich – keiner weiß mehr so genau, wann dieses Virus zum Ausbruch dieser noch immer grassierenden Epidemie der Sprachverhunzung führte – unglaublich wichtig, jede Nennung einer Person, jede Anrede zu doppeln, analog der Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren!“ Und plötzlich wurde jeder Brief, jeder Text, jede Rede und natürlich jede Dienstvorschrift entsprechend aufgebläht: „Liebe Leserinnen und Leser“, „liebe Autorinnen und Autoren“, „liebe Kundinnen und Kunden“, „liebe Bürgerinnen und Bürger“, „liebe Steuerzahlerinnen und Steuerzahler“, „liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer“, „liebe Schülerinnen und Schüler“. – Natürlich, das ist sprachlich ein Graus, darüber hinaus eine grammatische Fehlleistung und ästhetisch wie stilistisch sowie vor allem rhetorisch völlig unbefriedigend!

Die korrekte Titelzeile dieses Artikels, unser Thema, hätte entsprechend diesem Trend einer „sprachlichen Gleichbehandlung von Männern und Frauen“ somit also eigentlich korrekt formuliert werden müssen als

Gender-gerechte Sprache:

alle ZuhörerInnen ansprechen, alle LeserInnen anschreiben, alle ZuschauerInnen ansehen?

Doch die deutsche Sprache hat natürlich noch mehr zu bieten. Wer sich bemüht, den politisch-korrekten Erfordernissen der Sprachregulierer genüge zu tun, der hat immerhin noch viele weitere Möglichkeiten (hier einmal am Beispiel des studierenden Menschen dargestellt), die er ausschöpfen kann, manche allerdings nur in der Schriftform:

  • Studentinnen und Studenten (die derzeit meistverwendete Form)
  • Studenten und Studentinnen (man achte auf die falsche, nämlich sexistische Reihenfolge!)
  • Student/innen (optisch eher unschön)
  • StudentInnen (ganz schlecht, und eher in grünen Kreisen bevorzugt)
  • Studierende (eine sehr elegante problemvermeidende Partizipialkonstruktion!)

Die „StudentInnen“ und gleichermaßen die „Student/innen“ kann man jedoch, einiges an rhetorischem Geschick vorausgesetzt, durchaus auch an- und aussprechen, nach dem Muster: „Liebe Student“ >> sehr betonte Kunstpause << „Innen“. Doch, das geht! Ganz Abgebrühte sollen sogar schon die Sprechweise „Liebe Student-großes-Innen“ gewählt haben...

Grammatisches Geschlecht und biologisches Geschlecht

Die letzte Variante „Studierende“ kann halbwegs überzeugen, denn wir sagen ja auch „Verehrte Anwesende!“ und nicht „Verehrte Anwesendinnen und Anwesende!“ obwohl das Wort Student uns auf die richtige Fährte hätte locken können: denn alle lateinischen Wörter wie Minister, Professor, Doktor, Student usw. sind natürlich in Grammatik sowohl feminin als auch maskulin zu gebrauchen. Deshalb sagen und schreiben wir korrekt ja „Frau Minister Schröder“, „Frau Professor Süßmuth“, „Frau Doktor Klein“. Stichproben allerdings ergaben, daß an mehreren deutschen Universitäten zwar von „Ausländischen Studierenden“ die Rede war, doch ein paar Seiten weiter dann vom „Studentenwohnheim“; eine eindeutig sexistische Diskriminierung!

Frau Hauptmann? Frau Hauptfrau?
Frau Hauptmann? Frau Hauptfrau?
Selbst an Frau Dr. Angela Merkel schreiben wir natürlich mit einem guten Sprachgefühl korrekterweise „Sehr geehrte Frau Bundeskanzler“, das wäre im Englischen entsprechend völlig geschlechtsneutral „chancellor“, siehe auch „Mrs. President“! Es geht um die Funktion, um das Amt, nicht um das biologische Geschlecht des Bundeskanzlers oder des Präsidenten. So wie bei der Bundeswehr die „Frau Hauptmann“ oder die „Frau Oberleutnant“ als Anrede gängig bzw. vorgeschrieben ist, denn analog zu „Herrn Hauptmann“ wäre „Frau Hauptfrau“ doch eher etwas irreführend, man könnte eventuell irrtümlich an eine Haremsdame denken... – Übrigens: die Soldaten der US-Army sagen zu ihrem weiblichen Offizier ganz schlicht und einfach „Sir! Yes, Ma'am Sir!“ Und damit ist dem „gender-speech“ in der US-Army oder Air Force offensichtlich ausreichend Respekt gezollt.

„Frau Minister“ oder „Frau Ministerin“?
„Frau Minister“ oder „Frau Ministerin“?
Ein ernstes Thema

Selbstverständlich ist die diskriminierungsfreie Sprache ein ernstes Thema; doch wenn grammatisches Geschlecht, biologisches Geschlecht und etwa vorhandene Geschlechter-Rollen in der Betrachtung vermischt werden, wirkt so manche Mühe, eine „gerechte“ Sprache zwangsweise zu erschaffen, doch etwas bemüht. Am Ende kommen dann nämlich allenfalls hölzerne und vor allem umständliche Formulierungen heraus. Als Alternative bieten sich an: Kreativität und Gelassenheit. Ein männlicher Redner darf zum Beispiel durchaus ankündigen, er werde sein Auditorium mit der weiblichen Form ansprechen, und die Männer dürften sich mitangesprochen fühlen. Das ist eine schöne Übung, die die Damen den Herren schon seit Jahren voraus haben.

Wem das noch nicht genug ist, der versucht sich einmal darin, alle Personen und alle Dinge, also alle Substantive, nach seinem eigenen (biologischen) Geschlecht anzusprechen: Männer sprechen männlich, Frauen sprechen weiblich, das grammatische Neutrum wird abgeschafft. Ein Mann spricht die Worte: „Ich fahre den Auto jetzt in den Tankstelle und betanke ihn dort mit E10, wie der Frau Pressesprecher vom ADAC gesagt hat!“, während eine Frau bekundet: „Die Kühlschrank bei mir ist so leer, weil die Finanzamt eine so große Betrag von die Brutto einbehält“.

Wer darin dann ausreichend Übung erlangt hat, geht dann ganz bestimmt ins sprachliche Paradies ein, wo bekanntlich die Wölfe völlig diskriminierungsfrei bei den Schafen liegen... – und die Männlein ganz entspannt bei den Weiblein.

Geschlechtergerechte Sprache

Die Verwaltungssprache in Vorschriften, Erlassen, Vermerken, Briefen und anderen Textproduktionen soll verständlich, eindeutig und klar sein und dabei auch die Komplexität von Sachverhalten vermitteln. Dazu gehört seit langem auch die sprachliche Gleichbehandlung von Männern und Frauen, die auch für die Umsetzung der Strategie Gender Mainstreaming (GM) wichtig ist. Rechtliche Vorgaben und Arbeitshilfen der Bundesregierung enthalten dazu weitergehende Regelungen.

Die sprachliche Gleichbehandlung von Männern und Frauen in den Rechts- und Verwaltungsvorschriften des Bundes und im dienstlichen Schriftverkehr ist im Bundesgleichstellungsgesetz § 1 verbindlich geregelt. Weiter sind in der öffentlichen Verwaltung seit Jahren Handreichungen und Formulierungshilfen für eine geschlechtergerechte Sprache im Gebrauch, insbesondere das Handbuch der Rechtsförmlichkeiten des Bundesjustizministeriums von 1999 mit vielfältigen Anregungen und Beispielen für die Praxis. Sehr viele anregende Beispiele enthält neben seiner klaren Gliederung das Handbuch zur nichtsexistischen Sprachverwendung in öffentlichen Texten von Fuchs und Müller aus dem Jahr 1993.

Die sprachliche Gleichstellung der Geschlechter ist nicht nur in Vorschriften, sondern auch in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Ressorts gefordert. Inhalte und Aufmachung der Botschaften und Produkte sollen klar, leicht verständlich und zielgruppengerecht sein. Dazu gibt es eine Checkliste Gender Mainstreaming bei Maßnahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Literaturhinweise:

  • Bundesministerium der Justiz, Handbuch der Rechtsförmlichkeit (2), 1999.
  • Deutscher Bundestag, Maskuline und feminine Personenbezeichnungen in der Rechtssprache, Bericht der Arbeitsgruppe Rechtssprache vom 17. Januar 1999, Drucksache 12/1041.
  • Hellinger, Marlis, Feministische Sprachpolitik und politische Korrektheit - der Diskurs der Verzerrung, in: Die deutsche Sprache zur Jahrtausendwende. Sprachkultur oder Sprachverfall 2000.
  • Müller, Sigrid/Fuchs, Claudia, Handbuch zur nichtsexistischen Sprachverwendung in öffentlichen Texten, 1993.
  • Pusch, Luise, F., Das Deutsche als Männersprache, 1984.

Eine kleine filmische Anmerkung zum Thema, nicht ganz ernstzunehmen:

YouTube Video

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© 2011 Kay Lorey

(Erstveröffentlichung, Zusammenfassung aus internen Seminarunterlagen sowie aus persönlichen Redemanuskripten, anhand neuerer politischer Entwicklungen unter dem Einfluß des Karnevals an Rhein und Main aktualisiert.)

Dieser Text wurde bewußt, gewollt und mit großem sprachlich-ästhetischem Genuß nach den Regeln der „alten“ Rechtschreibung verfaßt.

Bildnachweis:

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Schlüsselwörter: Grammatik | gender-gerechte Sprache | gender mainstreaming | gutes Deutsch | Grammatik | Gleichberechtigung | BMFSFJ
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Kommentare

300
am 12.03.2011 14:31:50 (178.33.255.xxx) Link Kommentar melden
...die sprachliche Gleichbehandlung von Männern und Frauen, die auch für die Umsetzung der Strategie Gender Mainstreaming (GM) wichtig ist.
Wie soll so eine "Gleichbehandlung" funktionieren? Wo doch unsere Sprache sehr genau (in der Grammatik) das Geschlecht differenziert? Vermutlich ist das alles so eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für völlig überflüssige und überbezahlte Beamte.
Peter Maier
am 14.03.2011 17:48:53 (93.219.162.xxx) Link Kommentar melden
Dafür müsstest du konkrete Beispiele bringen, master of desaster, denn genau umgekehrt ist es: unsere Grammatik differenziert eben nicht zwischen männlich und weiblich.

Zumindest nicht immer und auch nicht immer eindeutig.
557
am 14.03.2011 21:59:47 (84.19.165.xxx) Link Kommentar melden
....unsere Grammatik differenziert eben nicht zwischen männlich und weiblich.

Die indogermanischen Sprachen differenzieren klassischerweise u.a. nach casus, genus und numerus. Also z.B. Maskulinum, Femininum, Neutrum.

Daher verstehe ich Deinen Einwand nicht.

Der Mann, die Frau, das Kind. Das ist differenziert nach männlich, weiblich, sächlich.
563
am 17.03.2011 11:17:18 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Deutsch unterscheidet in der Grammatik nach dem grammatischen Geschlecht, das lernt man in der ersten Klasse. Wer dann das Glück hat, Latein zu lernen, findet das dort auch betätigt. Englisch macht das zum Beispiel nicht, Peter Maier. Außer natürlich bei den Pronomen.
Daniel Marien
am 17.03.2011 12:10:23 (89.204.137.xxx) Link Kommentar melden
Wenn man es wirklich bis auf die Spitze (der Spitzer?) treiben will, müsste es ja wahre Stürme des Protestes bei "DER Mensch" geben.

Die Bezeichnung unserer Spezies, die bekanntlich aus beiden Geschlechtern besteht, wird schließlich auch von den fanatischsten Feministinnen in der herkömmlichen maskulinen Form benutzt.

Mit Gleichberechtigung der Geschlechter hat dies jedoch nichts zu tun.
Diese fängt mit gleicher Bezahlung für gleiche Arbeit oder gleiche berufliche Chancen bei gleicher Qualifikation an und eben nicht mit der (exzessiven) Erfindung femininer Pendents zu maskulinen Anredefloskeln.

Die Deutschen drohen sonst wieder einmal Weltmeister des inhaltlosen Blablas zu werden... Hauptsache, die sprachliche Form wird eingehalten.
349
am 17.03.2011 15:53:57 (212.227.103.xxx) Link Kommentar melden
Das alles scheint mir ein typisches Scheinthema der Linken und Grünen zu sein.
557
am 18.03.2011 13:40:25 (84.19.165.xxx) Link Kommentar melden
Gleichwohl ist es ein interessantes Thema, weil dabei so manche pschische Deformation sichtbar wird. Normale und gesunde Menschen haben damit kein Problem.

Neulich wurde ich in einem Geschäft Zeuge einer Reklamation durch einen Kunden, der recht aufgebracht war. Die Verkäuferin, ca. 30 Jahre alt und 1,60 m klein, sagte auf die Frage des Kunden: "kann ich mal den Chef sprechen!!!?" ganz locker: "ich bin der Chef!"

Wohlgemerkt, sie sagte nicht "die Chefin"! Es geht um die Funktion, bei dieser wirklich bildhübschen Dame stellte sich die Frage nach ihrem biologischen Geschlecht wirklich nicht...
349
am 25.03.2011 21:46:11 (212.227.103.xxx) Link Kommentar melden
Das hat man doch ganz oft, DER Moderator oder DER Strafverteidiger kann eine Frau sein usw.
Kay Lorey
am 23.04.2013 14:57:04 (87.157.206.xxx) Link Kommentar melden
Diesem ganzen neusprachlichen Unfug wurde ja jetzt, zum 01. April ausgerechnet(!), die Krone aufgesetzt, mit dem allerneuesten "Dummdeutsch" (Zitat Jan Fleischhauer):
Erstmals fließt der Verkehr in Deutschland geschlechtsneutral, also ohne "Fußgänger", "Radfahrer" und überhaupt ohne jeden "Verkehrsteilnehmer". Um das zu erreichen, heißt es künftig nur noch "wer zu Fuß geht" beziehungsweise "wer ein Fahrrad führt". Auch "zu Fuß Gehende" gibt es nun oder "Mofa Fahrende", aber eben keine Mofafahrer mehr. Man mag darüber streiten, inwieweit diese Änderungen der Verkehrssicherheit in Deutschland dienen. Für die Sache der Emanzipation ist die Neuerung nach Ansicht der Unterstützer zweifellos ein wichtiger Schritt.
http://www.spiege...91487.html

Außerdem: "Die neue StVO Gender-politisch state of the art"
http://www.lto.de...eminismus/

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