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Sonstiges: Gesundheit

Streß – warum er krank machen kann

Das Modewort „Streß“ und die tatsächlichen Gefahren für unsere Gesundheit

„Wenn die Seele brennt...“
„Wenn die Seele brennt...“
Der Begriff „Streß“ ist seit einiger Zeit ein Modewort geworden, das wir gern und oft verwenden; man sagt zum Beispiel „ich war im Streß“, obwohl man doch eigentlich ausdrücken möchte, daß man keine Zeit fand, eine Aufgabe termingerecht abzuschließen. Oder man sagt: „streß mich nicht!“, wenn man einem anderen mitteilen will, er solle einen in Ruhe lassen.

Das Wort „Streß“ ist also im Alltag etwas unscharf und vermag viele Begriffe abzudecken, meistens jedoch wird es umgangssprachlich negativ benutzt, und das ist eigentlich interessant. Denn im Grunde ist das Wort „Streß“ absolut wertungsfrei und völlig neutral!

Der Begriff „Streß“ kann zwar subjektiv und in einer konkreten Situation (siehe Video am Ende des Artikels) einerseits als negativ empfunden werden, dann sprechen wir vom sogenannten „Distress“ – andererseits aber kann man ihn auch positiv verstehen, dies wird dann als „Eustress“ bezeichnet: zum Beispiel ist jedes Tor im Fußball, jeder Verkaufserfolg, der Kauf eines Hauses oder eines neuen Autos und auch jeder Orgasmus ein (positiver) Streß für Körper und Seele.

Hans Selye, der „Vater“ der Streßforschung

Diese begriffliche und inhaltliche Differenzierung zwischen dem als negativ erlebten „Distress“ und dem als positiv empfundenen „Eustress“ sowie die Streß-Theorie insgesamt geht zurück auf den ungarischen Endokrinologen Hans Selye, den „Vater“ der Streßforschung (eigentlich János Selye, 1907 – 1982), der nach seiner Promotion 1929 in Prag dann ab 1931 in Kanada forschte und lehrte. Er entlehnte den Begriff „Streß“ der Werkstoffkunde in der Physik, womit dort Zug und Spannung an einem Werkstoff gemeint ist, der dann unter anderem zur Materialermüdung führt: das Metallblättchen, das mehrmals hin- und hergebogen wird und dann bricht.

Der neugierige Blick über den Zaun in Nachbars schönen Garten:

Was ist Streß eigentlich?

Das englische Wort „stress“ (von lateinisch „stringere“, anspannen) bedeutet im Deutschen „Druck“, „Belastung“ oder „Anspannung“; bei seelischer oder auch körperlicher Anspannung werden durch die Ausschüttung von Adrenalin im Körper sowohl körperliche als auch psychische Veränderungen ausgelöst, zum Beispiel Herzklopfen, beschleunigte Atmung, gerötete Haut, höhere Leistungsfähigkeit und geringere Schmerzempfindlichkeit. Wir erleben Streß – und das wird oft übersehen – eben auch bei positiven Erlebnissen, also bei Erfolgen im Beruf ebenso wie bei sportlichen Aktivitäten. Aber auch bei befriedigenden Aktivitäten in Hobby und Freizeit, bei Feiern, im Kino oder in der Sexualität.

Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Wie bei fast jedem wichtigen Thema gibt es jedoch auch hier Trittbrettfahrer, die das Interesse der betroffenen oder auch neugierigen Suchenden und Fragenden für ihre eigenen Zwecke nutzen wollen, wie zum Beispiel Scientology für die Werbung. Umso wichtiger ist es, genauer hinzusehen und sich über die genauen Zusammenhänge zu informieren, damit man solchen Scharlatanen nicht aufsitzt.

Streß – was passiert da eigentlich genau?

Evolutionsbiologisch gesprochen ist die Empfindung und Verarbeitung von Streß ein Programm der Veränderung. Diejenigen Arten, die sich unter Streß anpassen konnten, hatten die besseren Chancen zu überleben. Menschen zum Beispiel sahen sich der Notwendigkeit ausgesetzt, gegen wilde Tiere, deren Beute sie waren, zur Wehr zu setzen, was letztlich den sozialen Zusammenschluß und die Kommunikation ebenso begünstigte wie die Entwicklung räumlichen und strategischen Denkens, aber auch Wissenschaft und Waffentechnik. Damit das Streß-Programm eigenständig ablaufen konnte, mußte es allerdings von der Kontrolle durch das Großhirn abgekoppelt sein.

„Was steht mir auf der Stirn geschrieben - Stress“
„Was steht mir auf der Stirn geschrieben - Stress“
Genau dies wird durch einen Mix von Hormonen im Körper ausgelöst. Vereinfacht dargestellt werden durch die Ausschüttung von Adrenalin Puls und Blutdruck gesteigert, was eine bessere Leistungsfähigkeit auslöst. Weiterhin wird die Atmung beschleunigt, was ebenfalls – durch eine verbesserte Sauerstoffversorgung der Zellen – positiv auf Leistungsfähigkeit und Leistungswillen wirkt. Gleichzeitig wird sogar noch die Schmerzempfindung reduziert, was sich auf die gesamte Performance günstig auswirkt: der Steinzeitmensch konnte besser gegen ein wildes Tier kämpfen oder schneller vor ihm weglaufen, wir heutigen Menschen können unter Adrenalin besser denken, sprechen oder arbeiten. Der Sportler nutzt diesen Mechanismus beim Wettkampf, der Schauspieler kennt es als Lampenfieber, wir erleben das als Herzklopfen beim Rendezvous oder als Motor beim Erledigen einer beruflichen Aufgabe.

Der Haken an der Sache – das Streßhormon Adrenalin wird körperlich abgebaut!

Im Idealfall durchlaufen wir eine „vollständige Streßreaktion“, die die Lösung eines Problems zur Folge hat.

  1. In der Alarmphase wird durch das Adrenalin die Energie bereitgestellt, die wir zur Lösung eines Problems benötigen.
  2. In der Handlungsphase wird das Adrenalin abgebaut.
  3. In der Ruhephase werden die Nerven wieder geglättet, und Körper, Seele und Geist erholen sich, die Hormone erreichen wieder ihren normalen Pegel.
  4. Die natürliche äußere Folge: das Problem oder die Aufgabe ist gelöst.

Erleben wir statt dessen jedoch eine „unvollständige Streßreaktion“, so durchlaufen wir

  1. die Alarmphase, in der durch das Adrenalin die Energie bereitgestellt wird, die wir zur Lösung eines Problems benötigen.
  2. Durch das Ausbleiben einer Handlungsphase wird das Adrenalin nicht abgebaut, sondern verstärkt ausgeschüttet.
  3. Wir verharren in einer sich steigernden Erregungsphase, wodurch Nerven und Drüsen weiter gereizt und belastet werden. Der fortdauernde Erregungszustand, der kein Ventil findet, kann Krankheiten – an Haut, Kreislauf, Nerven und Psyche – auslösen.
  4. Die natürliche äußere Folge ist zudem: das Problem oder die Aufgabe ist nicht bewältigt, was erneut Streß auslösen kann.

Da der Sinn des Adrenalins – und damit der Sinn von Streß – also mit körperlichen Reaktionen verbunden ist und körperlich abgearbeitet werden sollte, geraten wir ab einem gewissen Maß von Streß in eine Zwickmühle: wenn der Streß steigt, fangen wir an zu „rotieren“, und durch die Abschaltung des Großhirns werden wir dabei unter Umständen zum „Tier“ (aggressiv) oder verzagt und lethargisch (depressiv), wodurch unter Umständen ein sich selbst verstärkender Teufelskreis entstehen kann. Krankheiten können so entstehen, durch das Gefühl der Überlastung, durch das Fehlen von Entspannung, durch ein fehlerhaftes Streßmanagement.

„Begegnung der menschlichen Art“
„Begegnung der menschlichen Art“
Streßresistenz läßt sich üben

Zum Glück lassen sich die Möglichkeiten für Körper, Seele und Geist, mit dem Streß aktiv umzugehen, üben. Doch als Wichtigstes im Vorfeld, nämlich der Vermeidung von Streß, kann jeder von uns zwei Elemente nutzen, die die Entstehung von Streß bereits verhindern oder wenigstens minimieren:

  • ein pro-aktives Zeitmanagement, und
  • Kommunikation unter dem Aspekt: Grenzen erkennen und wahren, „Nein“-Sagen lernen.

Unsere Fähigkeit, Streß besser auszuhalten, verbessern wir natürlich so, wie wir alles lernen und üben können:

das, was wir oft, gerne und erfolgreich tun, können wir auch gut. Es kommt also darauf an, daß wir unserem Körper und unserer Seele die tägliche Dosis an Adrenalin gönnen, und diese dann aber auch körperlich abarbeiten: durch Sport, durch Bewegung, durch gezieltes und sozialverträgliches Tun. Das kann jede Art von Sport und körperlich aktivem Hobby sein, das kann aber auch bedeuten: einfach mal den Aufzug zu meiden und statt dessen die Treppe zu nehmen...

Wie man im folgenden Film deutlich sieht: (negativer) Streß entsteht hier durch einen Stressor wie Zeitdruck und Mißerfolg, dies bewirkt einerseits Frustration und andererseits eine körperliche Streßreaktion, die wir als sozial unangepaßt empfinden: dem Betreffenden bringt dies zwar kurzfristig eine Energieabfuhr im Sinn einer körperlichen Streßbewältigung (wie jede Form von Schlagen, Beschimpfung oder Beleidigung), das Adrenalin wird dadurch körperlich abgebaut, doch das ursprüngliche Problem – also der eigentliche Stressor – wird dadurch gerade nicht konstruktiv gelöst...

YouTube Video

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© 2001 – 2011 Kay Lorey

(Bisher unveröffentlicht, Zusammenfassung aus internen Seminarunterlagen; Teile hiervon dienten als Grundlage für das Magazin „skin“ (IPR 10, Autoren Annett Zeh, Dr. Peri Kholghi, Kay Lorey) , das von der „Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)“ unter der ISSN 1618-0038 im August 2002 herausgegeben wurde.)

Dieser Text wurde bewußt und gewollt nach den Regeln der „alten“ Rechtschreibung verfaßt.

Bildnachweis:
  • „Wenn die Seele brennt...“: Urheber „geralt“/Gerd Altmann, pixelio/Image-ID: 483880. (Pixelio Nutzungsbedingungen, Nennung des Namens des Urhebers und der Quelle.)
  • „Was steht mir auf der Stirn geschrieben - Stress“: Urheber „geralt“/Gerd Altmann, pixelio/Image-ID: 498028. (Pixelio Nutzungsbedingungen, Nennung des Namens des Urhebers und der Quelle.)
  • „Begegnung der menschlichen Art“: Urheber „geralt“/Gerd Altmann, pixelio/Image-ID: 497371. (Pixelio Nutzungsbedingungen, Nennung des Namens des Urhebers und der Quelle.)

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Schlüsselwörter: Stress | Flow | Mihaly Csikszentmihalyi | Lust | Hans Selye | Adrenalin | Krankheit
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Kommentare

300
am 24.02.2011 14:37:59 (178.33.255.xxx) Link Kommentar melden
Geiles Video Grin ich schwanke zwischen Mitleid und Lachanfall.

Das kann jede Art von Sport und körperlich aktivem Hobby sein, das kann aber auch bedeuten: einfach mal den Aufzug zu meiden und statt dessen die Treppe zu nehmen...
Genau, bevor ich böse mails schreibe, gehe ich erstmal eine Runde Holz hacken. Wenn Chaim diesen Artikel doch gelesen hätte, dann wäre er sicher noch hier. *rofl*
Tanzmaus
am 24.02.2011 19:28:28 (87.174.68.xxx) Link Kommentar melden
Das Video erzeugte bei mir durchaus positiven Streß, nämlich - einen exzessiven Lachanfall...
Peter Maier
am 24.02.2011 21:17:59 (93.219.168.xxx) Link Kommentar melden
Was den Artikel betrifft: nicht außerordentlich lesenswert, weil in jedem kleinen Wochenblatt oder im www nachschlagbar hinsichtlich des Themas.
  • Geändert von OZ24 am 28.02.2011 07:42:08.
Gata Linda
am 24.02.2011 23:27:55 (90.169.52.xxx) Link Kommentar melden
Wie bei fast jedem wichtigen Thema gibt es jedoch auch hier Trittbrettfahrer, die das Interesse der betroffenen oder auch neugierigen Suchenden und Fragenden für ihre eigenen Zwecke nutzen wollen, wie zum Beispiel Scientology für die Werbung. Umso wichtiger ist es, genauer hinzusehen und sich über die genauen Zusammenhänge zu informieren, damit man solchen Scharlatanen nicht aufsitzt.

Ich bin kein Freund von Scientology;
aber ich bin mir sicher, dass die Angebote, die Scientologie zu diesem Thema offerieren, um einiges mehr an Gehalt bergen als das null-acht-fuffzehn-Fazit dieses Artikels:
Streßresistenz läßt sich üben...
* ein pro-aktives Zeitmanagement, und
* Kommunikation unter dem Aspekt: Grenzen erkennen und wahren, „Nein“-Sagen lernen. ...Das kann jede Art von Sport und körperlich aktivem Hobby sein, das kann aber auch bedeuten: einfach mal den Aufzug zu meiden und statt dessen die Treppe zu nehmen...

Um diese Erkenntnis zu haben, muss man gewiss nicht diesen Artikel lesen.
Das ist einfach nur etwas allgemein bekanntes, dafür braucht man weder das von dir beworbene Magazin oder ein Seminar, das weiss sowieso jedermann. Also was genau ist die Message deines Artikels?
317
am 25.02.2011 08:01:54 (80.237.225.xxx) Link Kommentar melden
Sehr interessante Darstellung eines wichtigen Themas. Man merkt, dass der Verfasser eine profunde Sachkenntnis besitzt. Nun übe ich also meine Stressresistenz durch noch mehr Sport und vermeide die Entstehung von Stress erst einmal durch NEIN-Sagen, warum auch nicht? Wink

Aber bekommen dann nicht andere den Stress? Die das Nein hören (müssen)?
349
am 25.02.2011 08:51:41 (212.227.103.xxx) Link Kommentar melden
Streßresistenz läßt sich üben
Dazu vielleicht noch ergänzend: es kann außer Sport auch eine der bekannten Methoden wie Meditation, Autogenes Training, Tai Chi usw. sein!
300
am 25.02.2011 11:56:40 (178.33.255.xxx) Link Kommentar melden
Wink ...gegen Stress hilft nach der Arbeit auch: chillen, eine rauchen, ein kleines Bierchen trinken...
Hartmut Holz
am 25.02.2011 16:57:52 (217.80.233.xxx) Link Kommentar melden
Gerade die Arbeit in einem Alten- und Pflegeheim ist ganz schön stressig und geht auf die Gesundheit. Da ist die Schichtarbeit und so manche Pflegestation ist permanent unterbesetzt.
kommt123
am 25.02.2011 17:09:59 (92.230.250.xxx) Link Kommentar melden
Viele Aktionen werden von und abverlangt, diese sind zeitlich begrenzt, wir müssen uns danach richten.
Auch das ist Stress.
Angst vor der Zukunft, auch da kann man sich Stress machen.

Man kann in allen Gegebenheiten des Lebens Stress sehen.
Hängt von der Einstellung zu sich selber ab!

Vieles, nicht alles, ist einfach nur ein “hausgemachtes Süppchen”, ohne Würze und Geschmack.
349
am 25.02.2011 17:36:37 (212.227.103.xxx) Link Kommentar melden
Alkohol oder andere Drogen sind nicht ganz unproblematisch hinsichtlich ihrer Entspannungswirkung Wink
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