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Politik: Soziales & Bildung

Erwachsenenbildung – mit Freude lernen oder im „Schweiße Deines Angesichts“?

Was Lernen fördert und woran sich erfolgreiches Lernen zeigt

Student preparing for exams
Student preparing for exams
Über die wichtige Frage, wie wir Menschen eigentlich am besten lernen – also schnell, nachhaltig und im besten Fall sogar noch mit Freude – ist schon viel geschrieben worden. Die Denker aller Kulturen haben sich über die notwendigen und die hinreichenden Bedingungen des Lernens Gedanken gemacht, die Weisen aller Religionen haben hierzu Regeln aufgeschrieben, und selbstverständlich haben sich alle Eltern seit Generationen darüber den Kopf zerbrochen, ebenso wie die Lehrer in der Schule und zuvor die Ausbilder dieser Lehrer sowie die Lehrer der Ausbilder dieser Lehrer...

Die Frage nach dem Lernen könnte somit also eigentlich als weitgehend geklärt gelten, ist sie doch überdies seit Beginn der Neuzeit auch wissenschaftlich erforscht, sowohl von den Behavioristen als auch von vielen anderen psychologischen Richtungen, ferner natürlich medizinisch und neurologisch... – man

streitet sich also eigentlich nur darum, wie's konkret geht, wie man's genau anstellt. Muß Lernen immer Spaß machen? Lernt man eigentlich auch unter Druck? Ist Spielen wichtiger als Denken? Darf man den Lernenden konfrontieren, an seine Grenzen führen?

Was ist Lernen eigentlich genau?

Lernen wird in der Psychologie definiert als eine dauerhafte – im Gegensatz zu einer lediglich vorübergehenden – Änderung des Verhaltens (oder von Potentialen des Verhaltens), die durch eine entsprechende Übung – im Gegensatz etwa zur Reifung, zur Prägung oder durch Krankheit – erfolgt. Lernen ist bei Mensch und Tier eine Form der Anpassung an die Umwelt: Lernen erscheint zum einen als absichtliches (intentionales) Lernen und zum anderen als beiläufiges (inzidentelles oder implizites) Lernen. Man kann das Lernen weiterhin auch noch unterscheiden nach dem individuellen oder kollektiven Erwerb von geistigen, körperlichen oder sozialen Kenntnissen, Fähigkeiten sowie Fertigkeiten.

Der neugierige Blick über den Zaun in Nachbars schönen Garten:

Kosten und Nutzen

Einen besonderen Blick richtet man in der freien Wirtschaft auf dieses Thema, aus naheliegendem Grund: man läßt sich die Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter einiges kosten, und diese Investition soll sich schließlich auch lohnen. Sie muß sich lohnen, sie muß sich auszahlen, denn sonst könnte man sich den Aufwand sparen, es wäre alles sonst nichts weiter als l'art pour l'art und damit – aus wirtschaftlicher Sicht – hinausgeworfenes Geld. Insofern stellt sich hier also stets die Frage nach dem Transfer: wie kann das, was in einer Schulung oder einem Training gelernt wurde, in der alltäglichen Arbeit auch umgesetzt werden? Wie dauerhaft verändern sich Verhalten und Fertigkeiten durch das Lernen?

Die Transferproblematik

Jedes Lernen, das in einer künstlichen Situation und nicht im richtigen Leben stattfindet, hat sich im Transfer zu bewähren: gemeint ist damit die Übertragung des Gelernten in andere Zusammenhänge, in andere Situationen, zum Beispiel vom speziellen Fall ins Allgemeine. Dies ist die zentrale Frage, an der sich die Qualität des Lernens und damit auch die des Lehrers, des Trainers oder des Coachs beweist; denn der sogenannte „Strohfeuer-Effekt“ – eine hitzige, schnelle Begeisterung, die aber leider recht schnell wieder verpufft – ist leicht zu erzeugen und nicht das geringste wert.

Falun Dafa, learning the standing meditation
Falun Dafa, learning the standing meditation
Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

Aus dem Talmud

Lernen mit Freude

Die Frage, ob Lernen Freude machen muß oder ob es, wie man es auf neudeutsch gerne sagt, „Spaß machen“ muß, ist leider zu stark bewertet; sie lenkt auch davon ab, daß Menschen mit einer intrinsischen Motivation, also mit einem in ihnen selbst liegenden Antrieb, im Lernen an sich bereits Freude erfahren, ja sogar ein Glücksgefühl erleben. In diesem Sinn macht Lernen also keinen „Spaß“, sondern Lernen macht viel mehr, nämlich glücklich. In diese Richtung weisen auch die Forschungen von Mihaly Csikszentmihalyi, die er in seinem Buch „Flow“ veröffentlicht hat. Wenn wir schon beim Thema Lernen sind: den Namen spricht man etwa so wie dieses Lernwort: Me high. Chick sent me high.

Lernen als Zumutung

Manches Lernen jedoch ist Zumutung, Anstrengung. Eine Herausforderung muß bestanden werden, eine Grenze überwunden. Training ergibt gelegentlich Muskelkater, tut folglich weh. Beim Lernen muß man also auch Fehler machen dürfen, muß Rückschläge aushalten lernen. Man muß die eigene Schwäche und Fehlerhaftigkeit ertragen lernen, ja sogar erleiden. Diese Art von Lernen bedeutet also für den Lernenden durchaus auch blood, sweat and tears, um einen bekannten Ausdruck von Winston Churchill zu zitieren.

Das eine schließt das andere nicht aus

Wir lernen auf mehreren Kanälen, wir nehmen den Lernstoff auf mit den Augen und Ohren, durch Fühlen und Tun, manchmal sogar durch Riechen und Schmecken. Wir lernen in der Einzelarbeit und in der Gruppenarbeit. Wir lernen durch eine eigene Theateraufführung oder durch ein Rollenspiel, durch eine Video-Analyse oder durch das Coaching. Manchmal lernen wir durch Schmerz, wie das kleine Kind an der heißen Herdplatte oder wie der Autofahrer, der sein Punkte-Konto in Flensburg überzieht. Für das intentionale – also absichtliche – Lernen jedoch gilt, daß die Mischung aus all diesen Elementen stimmen muß: klare Zielorientierung, positive Formulierung, erlebbare Sinnhaftigkeit, einsehbarer Vorteil und persönliche Herausforderung. Die Freude stellt sich dann von allein ein: wenn der Lernerfolg da ist.

Blood Sweat & Tears – You've Made Me So Very Happy

YouTube Video

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© 2010 Kay Lorey

Dieser Text wurde bewußt und gewollt nach den Regeln der „alten“ Rechtschreibung verfaßt.

Bildnachweis:

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Schlüsselwörter: Lernen | Bildung | Erwachsenenbildung | Beruf | fördern und fordern | Transfer
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Kommentare

266
am 18.02.2011 09:11:26 (204.93.160.xxx) Link Kommentar melden
...den Namen spricht man etwa so wie dieses Lernwort:
Me high. Chick sent me high.
Kannte ich noch nicht, das ist wirklich eine pfiffige "Eselsbrücke".
317
am 18.02.2011 15:01:29 (80.237.225.xxx) Link Kommentar melden
Jetzt bin ich neugierig: wie löst man denn die Transferproblematik? Denn eine Laborsituation wie ein Drei-Tages-Training kann wohl kaum zum dauerhaften Lernen führen, vermute ich.
Hartmut Holz
am 18.02.2011 16:54:54 (217.80.201.xxx) Link Kommentar melden
Als Erwachsener habe ich besser gelernt. Als Kind und Jugendlicher kam mir die
Schule ziemlich schwer vor.

Also, mir hat die letzte Abendschule Spass gemacht. Es war zwar Stress pur. Aber
wenn dabei ein guter Abschluss herauskommt, dann war das Ganze doch nicht umsonst.
Gata Linda
am 19.02.2011 09:40:44 (90.169.83.xxx) Link Kommentar melden
Hallo
das ist ein sehr interessantes Thema und ein gutgeschriebener Artikel.
Es würden mich aber noch ein paar Themen mehr interessieren, die zu diesem Bereich gehören, daher die Frage, ob es noch Fortsetzungen dazu gibt?
Was mich insbesondere als Frage an den Autor interessieren würde:
-was hältst du persönlich vom üblichen Frontalunterricht, was von den Alternativen?
-wie siehst du die Chancen von Schulangeboten wie z.B. Montessori oder Waldorf vs. öffentliche Schulen?
-hast du Tips für Kids, wie man sich Themen, die einem weniger liegen, schmackhafter macht?
Dies erstmal als Anfangsfragen, ich habe durchaus noch mehr zu dieser Thematik, daher lasse ich dir erstmal die Gelegenheit, hier zu antworten, bevor ich weitere Nachfragen einbringe, damit das ganze nicht zum Durcheinander gerät.
Vorab schonmal danke für die Mühe mir zu antworten.
349
am 19.02.2011 11:50:11 (212.227.103.xxx) Link Kommentar melden
Lernen funktioniert vermutlich wie bei dem Sprichwort "wenn man nicht gegen den Strom schwimmt, wird man zurückgetrieben". Gemeint ist hier natürlich der Strom des Vergessens, der Routine, der Gedankenlosigkeit, der Abstumpfung.
357
am 19.02.2011 13:01:52 (84.19.165.xxx) Link Kommentar melden
Das eine schließt das andere nicht aus

Ein schöner Satz, den Schwarz-Weiß-Propagandisten ins Stammbuch zu schreiben!

Der Artikel macht Lust auf mehr Lektüre dieser Art...
557
am 20.02.2011 21:02:16 (69.22.170.xxx) Link Kommentar melden
Was mich insbesondere als Frage an den Autor interessieren würde:
-was hältst du persönlich vom üblichen Frontalunterricht, was von den Alternativen?
-wie siehst du die Chancen von Schulangeboten wie z.B. Montessori oder Waldorf vs. öffentliche Schulen?
-hast du Tips für Kids, wie man sich Themen, die einem weniger liegen, schmackhafter macht?

Zur ersten Frage: Frontalunterricht hat seinen Sinn und seine Berechtigung bei bestimmten Aufgaben oder in bestimmten Situationen; wichtig ist ein Medien- und Methodenwechsel; dazu folgt noch ein spezieller Artikel.
Zu Frage Nr. 2: mangels eigener Erfahrung kann ich dazu nichts sagen, zumal ich auch nicht mit Schülern unter 16 arbeite. Chancen haben alternative Bildungsangebote natürlich immer, schon aus weltanschaulichen oder konfessionellen Gründen.
Frage drei: speziell für diese Zielgruppe nicht, siehe oben. Aber generell schon; aus Zeitgründen leider aber nicht hier und heute. Bitte um Geduld Wink
286
am 21.02.2011 22:27:47 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Eine Herausforderung muß bestanden werden, eine Grenze überwunden. (...) Beim Lernen muß man also auch Fehler machen dürfen, muß Rückschläge aushalten lernen.
Diese Passage hat mich besonders angesprochen. Das kennen wir doch alle, denn genau so haben wir alle das Laufen gelernt: wir sind aufgestanden, weil wir gesehen haben, dass die "Großen" das auch machen (Vorbild-Lernen!), dann sind wir zwei Schritte getorkelt und hingefallen...

Lernen besteht darin, wieder aufzustehen und es nochmal zu versuchen. Das tut weh und macht nicht immer Spaß.
557
am 22.02.2011 12:17:23 (146.82.18.xxx) Link Kommentar melden
@Annett, das stimmt, solche Eintagsfliegen bringen allenfalls bei Sachthemen etwas (Aufbau einer PowerPointPräsentation z.B. oder "wie schreibe ich einen kundenorientierten Brief?"), im Verhaltensbereich oder in der Kommunikation nicht.

Zum Transfer wird es einen eigenen Artikel geben. Das Thema verdient eine genauere Betrachtung, weil die NLP-Fraktion hier anders vorgeht als die anderen Schulen. Außerdem steht uns ja auch immer die kognitive Dissonanz im Weg.

Die schlechte Nachricht also: den Transfer kann man nicht erzwingen und nicht garantieren. - Die gute Nachricht: man kann günstige Einflüsse stärken, Brücken bauen, Netzwerke oder Lernpartnerschaften organisieren. Aber gehen müssen die Menschen den Weg dann schon selber.
Hartmut Holz
am 22.02.2011 16:22:37 (217.80.199.xxx) Link Kommentar melden
Lernen kann auch sehr sehr stressig sein. Das habe ich, in meiner letzten Schule, gemerkt. Da mussten wir, in allen Fächern wie Geschichte, sehr viel lernen.

Es hat aber auch sehr viel Spass gebracht.
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