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„Jetzt reden wir“ – Heimopfer stimmen über den Abschlussbericht ab

Opfer wehren sich gegen die Bevormundung des Runden Tisches Heimerziehung

„Jetzt reden wir“ – Heimopfer stimmen über den Abschlussbericht ab Im Internet wird abgestimmt; genaugenommen in einem Blog und auf einer Homepage. Die eine Plattform stammt von Pfarrer i.R. Dierk Schäfer, die andere vom „Verein ehemaliger Heimkinder“ (VeH). Der evangelische Diplom-Theologe und Diplom-Psychologe Dierk Schäfer zu seiner Aktion: „Mir geht es um die Frage nach der Legitimität des Runden Tisches und seinen Empfehlungen.“ Die drei Opfervertreter am Runden Tisch seien nur „Einzelpersonen mit persönlicher Heimerfahrung“. Schäfer wendet sich direkt an die vielen tausend Heimopfer: „Meine Frage ist, ob auch Sie diesem Ergebnis zustimmen, es ablehnen oder sich nicht entscheiden wollen/können.“

Der VeH ist mit der Empfehlung des Runden Tisches Heimerziehung an den Deutschen Bundestag zur finanziellen Entschädigung ehemaliger Heimkinder nicht einverstanden und will darüber abstimmen. Der Verein fordert zusammen mit weiteren Opferverbänden eine Opferrente von 300 Euro monatlich oder eine einmalige Wiedergutmachung von 54.000 Euro.

Die „Freie Arbeitsgruppe JHH 2006“, eine Interessenvertretung behinderter Opfer von inzwischen dokumentierten Verbrechen in den Nachkriegsjahrzehnten in Volmarstein bei Hagen gehen weiter. Sie fordern 400 Euro Opferrente, „weil das Leben Behinderter teurer ist“ und sie wollen einen erneuten Heimaufenthalt im Alter verhindern. Darum fordern sie die Sicherstellung häuslicher Pflege bis zum Lebensende in gewohnter Umgebung.

Unterschiedlich sind die Termine für das Abstimmungsende. Beim VeH kann bis zum 15. März, bei Schäfer bis 28. Februar 2011 abgestimmt werden.

Pfarrer Dierk Schäfer im Wortlaut: „Aufruf an alle ehemaligen Heimkinder zur Abstimmung über die Ergebnisse des Runden Tisches Heimkinder Nanu, werden Sie sagen, wenn Sie den bisherigen Verlauf nicht mitbekommen haben: Es läuft doch schon eine Abstimmung, die vom VeH. Warum zwei Abstimmungen? Es sind zwei unterschiedliche Abstimmungen. Diese hat eine andere Stoßrichtung als die vom VeH. Was ist der Unterschied? Diese Abstimmung ist „umständlicher“. Es ist keine Internetabstimmung, sondern es gelten ausschließlich Stimmen, die mir per Post gesandt werden. Warum so umständlich? Nur eine Abstimmung, die weitgehend gegen Fälschungen gesichert ist, kann einer Überprüfung standhalten. Eine Abstimmung per Post ist schwieriger zu manipulieren, als eine im Internet. Wer kann oder darf überprüfen? Nur ein Notar mit Amtsverschwiegenheit darf die Korrektheit der Auszählung überprüfen. Und die anderen, meine persönlichen Daten? Hier kann nur die Korrektheit der Adresse überprüft werden und die Angaben zu den Heimen. Doch das erst, wenn ich die Stellungnahme vom Stimmzettel abgeschnitten habe. Und was machen Sie damit? Ich garantiere den Datenschutz, trenne die persönlichen Angaben von der Stellungnahme, hebe beides getrennt voneinander auf und vernichte die Stimmzettel: Die Stellungnahmen nach drei Jahren (oder früher, nach notarieller Beurkundung), die persönlichen Daten nach einem Jahr. Ihr Name und Ihre Adresse sind absolut geschützt und werden von mir an niemanden weitergegeben. Und warum das Ganze? Mir geht es um die Frage nach der Legitimität des Runden Tisches und seinen Empfehlungen. Die drei ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch sind nur Einzelpersonen mit persönlicher Heimerfahrung. Sie haben dem Ergebnis des Runden Tisches zugestimmt. Meine Frage ist, ob auch Sie diesem Ergebnis zustimmen, es ablehnen oder sich nicht entscheiden wollen/können. Wo liegt mein Risiko? Ihre Stellungnahme bleibt anonym. Außerdem ist die Frage so formuliert, daß niemand Positionen aufgibt, die im Abschlußbericht vorkommen und auch positiv bewertet werden könnten. Was ist der Vorteil? Wenn an der Abstimmung genügend ehemalige Heimkinder teilnehmen und das Ergebnis eine klare Position ergibt, dann hat der Bundestag, dem das Ergebnis des Runden Tisches vorgelegt wird, eine Stellungnahme, die über mehr Legitimation verfügt, als allein die des Runden Tisches. Dies könnte die Beratungen im Bundestag positiv beeinflussen. Und die Abstimmung des VeH? Diese Abstimmung und die parallel laufende des VeH sollen einander ergänzen. Die Abstimmung des VeH beschränkt sich auf die finanzielle Entschädigung und läuft auf eine Nachforderung hinaus. Das ist ein wichtiger zweiter Schritt. Der erste muß die grundsätzliche Frage nach der Legitimität des Runden Tisches und seiner Ergebnisse sein. Ich empfehle Ihnen, sich an beiden Abstimmungen zu beteiligen. Doch denken Sie daran: Bei mir kostet es 55 Cent Porto.“ Der VeH schreibt: „Der „Runde Tisch Heimerziehung der 50er und 60er Jahre“ hat beschlossen, in seinem Abschlussbericht folgende Empfehlung an den Deutschen Bundestag bezüglich einer „finanziellen Entschädigung“ zu geben: „Der Runde Tisch hält eine Summe von 120 Millionen € für die Ausstattung des Fonds/der Stiftung für erforderlich, die sich aufteilt in 20 Millionen € für den „Rentenersatzfonds“ und 100 Millionen € für den „Fonds für Folgeschäden der Heimerziehung“. Getragen werden soll der Fonds/die Stiftung jeweils zu einem Drittel von „Bund, Ländern und Kommunen, Katholischer Kirche und Evangelischer Kirche und deren Wohlfahrtsverbände und Ordensgemeinschaften.“ Der Fonds soll finanzieren: „therapeutische Hilfen, beispielsweise Sicherstellung von Therapien, wenn die primär verpflichteten Leistungsträger eine Kostenübernahme verweigern; Übernahme von Kosten bei der Aufarbeitung, beispielsweise Kosten von Verwandtensuche, Akteneinsicht, Fahrtkosten zur damaligen Einrichtung, Veröffentlichung von Biografien; Unterstützung bei besonderer Hilfsbedürftigkeit, beispielsweise Hilfe bei; der Beschaffung von (medizinischen, orthopädischen, technischen etc.) Hilfsmitteln; Beratungs- und Betreuungskosten (zum Beispiel Rechtsanwälte), beispielsweise Unterstützung bei Ämtergängen und -kontakten; Qualifizierungsmaßnahmen, beispielsweise Hilfe bei der Vermittlung und Finanzierung von Nachqualifikationen oder Unterstützung bei Umschulungen; Unterstützung für ein selbstbestimmtes Leben im Alter (zum Beispiel zur Vermeidung von Heimaufenthalten); Unterstützung für Menschen in besonderen sozialen Notlagen.“ Da wir wissen, dass vielen diese Zahlungen ein Schlag ins Gesicht, eine erneute Demütiung, ein Hohn bedeuten und dieses so nicht hingenommen werden kann, haben wir beschlossen, weiter um unser gutes Recht zu kämpfen: Nämlich eine „Entschädigung“ die diesen Namen verdient.“

Helmut Jacob 06.02.2011

Abschlussbericht des Runden Tisches Heimerziehung: http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Runder_Tisch_Heimkinder__Vollm/RTH_Abschlussbericht-auf_HP_RTH-67.pdf Analyse des Abschlussberichtes von Prof. Dr. Manfred Kappeler unter diesem Link: http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Aktuelles/Abschlussbericht_RTH.doc

Abstimmung Dierk Schäfer: http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/09/aufruf-an-alle-ehemaligen-heimkinder/ Abstimmungsformular Dierk Schäfer: http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2011/01/stimmzettel.pdf

Abstimmung Verein ehemaliger Heimkinder: http://veh-ev.info/ Abstimmungsformuler des VeH: http://www.q-set.de/q-set.php?sCode=HAXEVZZMECNZ

Forderungen der Freien Arbeitsgruppe JHH 2006: „Der Wortlaut der Resolution der FAG JHH 2006“: http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/index.html

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Schlüsselwörter: Runder Tisch Heimerziehung | Abstimmung | Dierk Schäfer | Verein ehemaliger Heimkinder | Gewalt | Erziehungshilfe | Heimkinder | Heimerziehung | Kirche | Antje Vollmer | Abschlussbericht | Prof. Manfred Kappeler
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