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Wissenschaft: Umwelt & Naturschutz

Dioxin - Krebs auf Raten

Dioxine in deutschem Tierfutter - mangelhafte Verbraucherinformation

Dioxin - Giftwarnung
Dioxin - Giftwarnung
Dioxin, bekannt als "Seveso-Gift", ist eigentlich eine chemische Verbindung, die bei Verbrennung organischen Materials, entsteht. Jedoch entstehen Dioxine in unterschiedlicher chemischer Toxizität (Giftigkeit), je nachdem, wieviele Chloratome (es können bis zu acht sein) sich an die durch Sauerstoff verbundenen Benzolringe heften, die bei der Verbrennung z.B. von PCP entstehen.

Dioxin: Seveso Gift 2,3,7,8 TCDD?

Die Futtermittelfabrik Harles und Jetzsch aus Uetersen hat Deutschland in den Medien in die Nähe der Seveso-Katastrophe gerückt, indem sie Dioxin-verseuchte Futtermittel herstellte und in Umlauf brachte. Nun aber in Panik zu verfallen und sofort an Massenmord zu denken, ist aus chemischer Sicht so nicht notwendig, denn glücklicherweise gibt es ja unterschiedliche Arten von Dioxinen, und nicht alle weisen die gleiche Toxizität auf wie das Sevesodioxin.

Dioxin, Krebs und Fehlbildungen bei Kindern

Das grösste Problem an allen Dioxinen dürfte die hohe Stabilität sein, die allen Dioxinen eigen ist. So entstehen zwar Dioxinverbindungen schon beim Verbrennen von 160 Grad, sie werden aber erst bei 800 Grad wieder unschädlich gemacht.

Was das bedeutet, ist leicht zu verstehen, auch wenn man kein Chemiker ist:

Jede dioxinhaltige Substanz, ob das nun ein Masthähnchen ist, menschliche Überreste, Futterrückstände, tierische Fleischabfälle, kurzum, jedes belastete Material, welches in die Umwelt gelangt, bleibt dort jahrelang erhalten und reichert sich an, ebenso speziell in Fettgeweben von Mensch und Tier. Insofern begünstigt die wiederkehrende Aufnahme von Dioxinen Krebsbildung und Fehlentwicklungen bei ungeborenen Kindern, die Totgeburtsrate kann sich ebenfalls erhöhen. Speziell in der Muttermilch finden sich kumulierte Werte von Dioxin, wenn Mütter diese über die Nahrung aufgenommen haben.

Dioxin in der Natur

Sowohl Waldbrände als auch Schwammarten produzieren Dioxin. Bei jeglicher Verbrennung werden diese Substanzen freigesetzt und reichern sich in Böden und Gewässern an. Dioxine unterscheiden sich daher sehr in der Toxizität. An 75 untersuchten Dioxinen zeigte sich, dass diejenigen, die mit 4-6 Chloratomen ausgestattet sind und diese in der Position 2,3,7,8 aufweisen, eine hohe Toxizität haben. Hochchlorierte Dioxine sind geringradiger toxisch sowie auch niederchlorierte.

So ist z.B. vollchloriertes Oktachlordioxin etwa 100.000 mal weniger giftig als das bekannte TCDD Seveso-Dioxin.

Versäumnisse der Politiker

Interessant wäre daher zu erfahren,welche Art von Dioxin sich in dem von Harles und Jentzsch produzierten Tierfuttern befunden hat, auch für etwaige Todefälle aus der Vergangenheit und aktuelle Erkrankungsfälle wäre dies eine absolute Notwendigkeit, da Dioxine auch in geringen Dosen als Krebs-Promoter gelten, je nachdem, um welche Dioxinverbindung es sich handelt. Bislang ist zu diesem Thema keine profunde Aussage zur Information der Bevölkerung erfolgt, man beklagt nur, dass der Futtermittelhersteller über Jahre hinweg verseuchte Fettsäuren in Umlauf gebracht habe. Mangelhafte Kontrollen der Futtermittelhersteller und der Produkte

Es ist daher die logische Frage, weshalb es staatlicherseits bisher niemandem auffiel, dass hier tonnenweise dioxinverseuchtes Futter verkauft und verfüttert wurde, wieso es keine Kontrollen gab, und wenn es sie gab, wieso wurde das nicht gefunden? Ferner ist die Frage, wieso bei gesundheitsamtlichen Stichproben das Fleisch aus diesen Mastbetrieben nicht auf Dioxin untersucht wurde, denn es kann doch gar nicht sein, dass über Jahre hinweg derartige Vorfälle unentdeckt bleiben.

Forderung nach höheren Strafen

Es werden die Forderungen nach höheren Strafen für die Verursacher laut, erst Gammelfleisch, dann Dioxin. Die Frage nach den behördlichen Verantwortlichen stellt dabei aber niemand. Die Herstellung von künstlichem Futter für Schlachttiere muss auch genehmigt worden sein, wo sind diejenigen, die die Betriebszulassung erteilt haben, die diese Futtermittel untersucht haben? Was waren die Ergebnisse? Hier nur nach dem Verursacher zu fragen, ist zuwenig getan, gemessen an den Umweltschäden, die möglicherweise entstanden sind und noch in Generationen nachwirken können.

Auch sollten die Namen von Betrieben und Händlern offengelegt werden, die von dem Dioxinfutter betroffen sind, um ggf. Verbrauchern die Möglichkeit zu geben, sich auf Rückstände untersuchen zu lassen und ihre eigenen Waren zuhause zu kontrollieren. All dies ist Aufgabe der Behörden, nicht blinde Panikmache und publikumswirksame Rufe nach höheren Gefängnisstrafen, sondern man muss zunächst den Schaden mal benennen und den evt. Geschädigten Hilfen zukommen lassen. Nur - davon ist Deutschland im Moment weit entfernt, eine überforderte Verbraucherschutz-Ministerin sagte gegenüber Bild

„Ich begrüße es, dass sich die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hat. Entscheidend ist, dass verunreinigtes Futter schnell sichergestellt wird und belastete Produkte nicht mehr in den Handel gelangen“, so die Ministerin.
Wer betroffenen Menschen hilft, die durch diese jahrelange Dioxinbelastung evt. geschädigt sind, sagt sie jedoch nicht.

Entscheidend wäre, die Verbraucher umfassend zu informieren und so Schaden von den Menschen abzuwenden. Monatelange Ermittlungen hinter verschlossenen Türen sind da wenig hilfreich. Vielleicht erfährt der Verbraucher ja in wenigen Jahren, um welches Dioxin es sich überhaupt handelte, wenn Frau Aigner diese Information irgendwann einmal an die Öffentlichkeit gelangen lässt. Oder man fragt sich eben bei Wikileaks durch, damit man wenigstens weiss, ob man seinen Krebs nun von den Hähnchen oder von den Flussforellen hat. Oder ob es vielleicht doch mehr die Verbrennungsanlagen betrifft, oder die Mülldeponien...von missgebildeten oder totgeborenen Kindern ganz zu schweigen.

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Schlüsselwörter: Dioxin | Krebs | Ilse Aigner | Harles jentzsch | wikileaks
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Kommentare

GataLinda
am 05.01.2011 22:29:18 (90.169.114.xxx) Link Kommentar melden
http://www.bild.d...26286.html

Wie bereits im Artikel vermutet, war bereits im November eine dioxinhaltige Probe gefunden worden, die versäumt wurde zu melden:

Der Dioxin-Skandal hätte womöglich viel früher aufgedeckt werden können. Bereits am 25. November wurde bei einer Untersuchung von Futterfett ein erhöhter Dioxingehalt von 3600 Pikogramm (ein Billionstel Gramm) pro Kilogramm Fett festgestellt. Dies geht aus einem Bericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums an den Agrarausschuss des Bundestags hervor.
GataLinda
am 05.01.2011 22:55:40 (90.169.114.xxx) Link Kommentar melden
Die Verunreinigung von Futterfett mit Dioxin sei ein Einzelfall gewesen und von der Firma selbst gemeldet worden.
sagte Vertriebschef Klaus Voss bei einer Pressekonferenz.
Fragt sich wirklich, wer da gepennt hat bei den Behörden.
GataLinda
am 05.01.2011 23:10:28 (90.169.114.xxx) Link Kommentar melden
http://www.inform...ft-weiter/
auch ein interessanter Artikel mit ähnlichem Hintergrund,
mir ist auch aufgefallen, dass es auf der HP des Verbraucherschutzministeriums keine Hinweise gab, was hier sehr schön dokumentiert ist.
Bislang ist zu diesem Thema keine profunde Aussage zur Information der Bevölkerung erfolgt, man beklagt nur, dass der Futtermittelhersteller über Jahre hinweg verseuchte Fettsäuren in Umlauf gebracht habe.

Dass man nach 4 Tagen noch nicht einmal mitteilt, welche Art Dioxin hier verarbeitet wurde, ist gelinde gesagt ein Trauerspiel und zeigt einmal mehr, dass die beauftragten Beamten leider unfähig sind, im Ernstfall die Notwendigkeiten zu erkennen.
Irgendjemand hat Ilse Aigner geweckt und nun man kann sehen, wie sie sich vor die Verbraucher stellt und gegen verbrecherischen Verursacher vorgeht. Oder doch nicht? Auf der BMELV-Homepage erklärt sie, daß das Bundesverbraucherministerium (das Wörtchen “schutz” läßt sie sicherlich nicht ohne Grund unter den Tisch fallen) “über Konsequenzen reden” und “verschärfte Zulassungsbedingungen für Futtermittelhersteller prüfen” will.
Liebe Frau Aigner, da gibt es nichts mehr zu prüfen oder zu reden. Handeln Sie endlich!

So sieht`s aus!
GataLinda
am 07.01.2011 16:57:42 (90.171.49.xxx) Link Kommentar melden
http://www.bild.d...57892.html
Dioxinwerte bis zu 77facher Menge erhöht. Aha, nach Tagen wissen die Behörden schonmal etwas. Aber welches Dioxin, das erfährt man bislang nicht...ich wundere mich über die Geduld, die Deutschland aufbringt, man vergiftet denen das Essen, und die nehmen es seelenruhig hin - wo sind denn die aufgebrachten Verbraucher, wo die sturmlaufenden Politiker, die besorgten Mütter? Ach ne, die gehen dann eben zu McD. soll zwar auch pures Gift sein, aber jetzt ist es eh schon fast egal...
GataLinda
am 10.01.2011 10:25:49 (90.169.46.xxx) Link Kommentar melden
http://www.stern....41520.html

Liest man die nachfolgenden Aussagen, wird klar, dass meine Einschätzung der politischen Versäumnisse sehr berechtigt war:
Die Frage nach den behördlichen Verantwortlichen stellt dabei aber niemand. Die Herstellung von künstlichem Futter für Schlachttiere muss auch genehmigt worden sein, wo sind diejenigen, die die Betriebszulassung erteilt haben, die diese Futtermittel untersucht haben? Was waren die Ergebnisse? Hier nur nach dem Verursacher zu fragen, ist zuwenig getan, gemessen an den Umweltschäden, die möglicherweise entstanden sind und noch in Generationen nachwirken können.


Die Verbraucherorganisation Foodwatch hält der Regierung schwere Versäumnisse und die einseitige Bedienung der Interessen der Futtermittelindustrie vor. Um den Export deutscher Fleischprodukte nicht zu gefährden, habe die Regierung kein Interesse, die Futtermittelindustrie stärker zu belasten, sagte Foodwach-Chef Thilo Bode.



Keine umfassenden Kontrollen von Futtermitteln

Foodwatch-Geschäftsführer Bode hingegen beklagt, dass es viel zu wenig staatliche Kontrollen der 1700 Futtermittelbetriebe in Deutschland gebe. Bode verlangt, dass jeder Hersteller jede Charge einer Futtermittelzutat verpflichtend auf Dioxin testet, dokumentiert und bei Überschreitungen verpflichtend die Behörden informiert. "Nur das würde weiterhelfen, damit die schleichende Dioxinvergiftung durch Futtermittel aufhört."

Eine Regierung, die so sorglos mit der Gesundheit und der körperlichen Unversehrtheit ihrer Bürger spielt, hat ihre Obliegenheitspflichten sträflich verletzt.
Rücktritt ist da sicher die Mindestreaktion, die man angesichts des Desasters erwarten sollte.
Chaim schrieb:
Dann werden Tiere in Massen gehalten und mit Giften gemästet. Und dann maschinell ohne irgendeinen Gedanken an Tierschutz geschlachtet...

Auch richtig, und das ist nur deshalb möglich, weil es Politiker gibt, die wegsehen, tolerieren, vertuschen...
GataLinda
am 10.01.2011 14:11:03 (90.169.46.xxx) Link Kommentar melden
http://www.aerzte...utsche.htmDie Deutschen haben, solange ihr Schnitzel nach Schnitzel schmeckt, wohl kein Problem wegen der Dioxinverseuchung.
Irgendwie komme ich heute aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus.
Wie ignorant sind die Deutschen wirklich? Was muss noch passieren, bevor die irgendwie aufwachen und etwas ändern?
Köln – Der Skandal um dioxin-verseuchtes Tierfutter führt einer Umfrage zufolge bei der Mehrheit der Deutschen zu keiner Änderung im Kauf- und Ernährungsverhalten. In einer Untersuchung für den aktuellen ARD-Deutschlandtrend gaben zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) an, sie seien davon unbeeinflusst, wie der WDR heute in Köln mitteilte.

Na dann, guten Appetit, und sagt mal Bescheid, wenn die Chemotherapie vorbei ist, wie`s gelaufen ist...
Mann, da fällt mir echt der Gummi aus der Mütze.
GataLinda
am 10.01.2011 22:05:53 (90.171.75.xxx) Link Kommentar melden
LOL Grin Was Du da alles hast... - ich denke eher "das Gummi", oder?

der Gummi, das Gummi - sagen wir es türkisch: DE Gummi. DE Mütze. DE Dioxin. Ist doch ganz einfachGrin
GataLinda
am 11.01.2011 12:45:01 (90.168.221.xxx) Link Kommentar melden
http://www.bild.d...elitz.html
Ein sehr guter Kommentar von Prof. Elitz.
Das Gift Dioxin aber fragt nicht nach Zuständigkeiten. Wenn Gift die Nahrung bedroht, muss einer sich an die Spitze stellen und Führungskraft zeigen: Das ist die Bundesministerin Ilse Aigner.

Aber sie führt nicht. Sie sammelt Vorschläge. Sie geht nicht voran, sie wartet ab. Sie schaltet eine Hotline für verunsicherte Verbraucher, aber sie gibt keine Sicherheit. Sie fordert schärfere Gesetze. Warum erst jetzt? Das ist nicht der erste Skandal.


Dies schrieb ich in ähnlicher Form in meinem Artikel:
Entscheidend wäre, die Verbraucher umfassend zu informieren und so Schaden von den Menschen abzuwenden. Monatelange Ermittlungen hinter verschlossenen Türen sind da wenig hilfreich.


Während ich schrieb:
Es werden die Forderungen nach höheren Strafen für die Verursacher laut, erst Gammelfleisch, dann Dioxin. Die Frage nach den behördlichen Verantwortlichen stellt dabei aber niemand.


schreibt Prof. Elitz ähnliches

Die Ministerin sagt: „Der Fall muss Konsequenzen haben!“ Doch was ist die Konsequenz?

Wenn die Ministerin das Rad nicht herumreißt, ist einer überflüssig: entweder das Ministerium – oder die Ministerin.

Endlich mal jemand, der das Problem - genau wie ich - auf den Punkt bringt:
der Fisch fängt am Kopf zu stinken an...
522
am 11.01.2011 20:02:12 (93.219.162.xxx) Link Kommentar melden
wusste bislang noch nicht, dass das Gummi etwas dioxinmäßiges hat - aber gut.

Habe am Samstag in meiner Lieblingssendung auf Berlin 88,8 eine Expertenmeinung mitverfolgt - keine Panik, ab auch keine Geringschätzung dieser Problematik sollte eintreten. Allerdings wurde dort auch gesagt, dass z. B. ein Mensch mit einem Nikotinabusus stärker gefährdet wäre als jemand, der nicht raucht ... nun ja.
GataLinda
am 26.01.2011 11:24:14 (90.169.115.xxx) Link Kommentar melden
YouTube Video


ein Wort zum Dioxinskandal...Grin

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