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Medien: Fernsehen

Gottschalks loses Mundwerk

Mit 79 den ersten Orgasmus... – „lohnt sich das denn noch?“

Die Vermarktung läuft...
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Heute abend ist es also mal wieder soweit. Die Quoten sind garantiert. Der Sekt ist kaltgestellt. Denn wer will ihn nicht im Interview sehen und erleben, jenen Vater, der im teuren AUDI seinen Sohn zum Krüppel gefahren hat? Wer will nicht wissen, wie er sich fühlt und wie er mit seiner Schuld umgeht? Wer will ihn nicht mal ganz sehen, jenen Mann, dessen Schreie nach seiner Frau „Martina! Martina!“ durch die Messehalle in Düsseldorf gellten, jenem unblutigen Tatort? Wer will es nicht erleben, wie zwei Mitverantwortliche – dieses die ganze Nation so köstlich kribbelnd und vor allem geschlossen erregenden Spektakels mehrerer Salto-Sprünge über vier entgegenkommende Autos – sich öffentlich in einem „Interview“ zur Schau stellen, alles irgendwie wieder glattreden und danach wieder zur Tagesordnung übergehen?

Das Wichtigste für eine gelungene show sind die richtigen Zutaten in der richtigen Mischung. Das ganze schön verbacken in lustigem seichten Geschwätz und in einer locker-plaudernden Unverbindlichkeit: Zeitvertreib eben. Ziellose Kommunikation, alles ist recht, alles paßt irgendwie. Gelegentlich ein kleiner Einschub an gespielter Betroffenheit und angetäuschter Nachdenklichkeit, aber nicht zu viel, denn es soll ja nichts kosten, keinen ernsthaften Gedanken, kein authentisches Gefühl, und natürlich schon gar keinen Schweiß. – Thomas Gottschalk ist hierfür genau der Richtige. Immer ein loses Mundwerk, immer einen kessen Spruch, und dazu dann noch das extravagante outfit und die goldige Lockenpracht, ein so lieber Knuddelbär. Die „richtige Mischung“, das heißt aber auch: die richtige Mischung der Gäste, die richtige Mischung der Themen. Dazu gehören natürlich sexy ladies wie Iris Berben (gereift) und Elfriede Vavrik (vergreist), als schärfender Kontrast dazu die Kampf-Lesbe Alice Schwarzer, als männliches Äquivalent der pongide Testosteronbolzen Olli Kahn, der immer angeekelt wirkende Günter Netzer und der abgeklärt-altersweise Mario Adorf ebenso wie der ansonsten gänzlich unbekannte Jesus aus Oberammergau, wir haben schließlich bald Weihnachten!

Als der Jesus-Darsteller der Oberammergauer Passionsspiele, Andreas Richter, neben ihm Platz nahm, bemerkte der Moderator: «Von den Toten auferstanden, sitzend zur Rechten Gottschalks» und als die Autorin Elfriede Vavrik erzählte, sie habe erst im Alter von 79 Jahren ihren ersten Orgasmus gehabt, fragte er frech: «Lohnt sich das noch?» Ganz nebenbei steckte Gottschalk mit seiner hochkarätig besetzten Sendung – unter anderem waren Iris Berben und Mario Adorf, Alice Schwarzer, Günter Netzer und Olli Kahn da – damit auch noch seinen Freund Günther Jauch in die Tasche, der vergangene Woche den wenig glanzvollen RTL-Jahresrückblick präsentierte.

Vor der Aufzeichnung sagte Gottschalk, dass es ganz ohne Lacher in der Sendung nicht gegangen wäre. Sonst könne man keine Fernsehunterhaltung machen. «So bin ich und so werde ich bleiben.»

Quelle: AZ

Ja, sex sells, deswegen wird Gottschalk heute abend fürs ZDF quotenmäßig sicher den Vogel abschießen – eine kleine bedauernde Verbeugung in Richtung Samuel Kochs für diese leider unvermeidliche Metapher. Doch daß Gottschalk auf das – eigentlich unnötige, um nicht zu sagen exhibitionistische – Bekenntnis einer 81 Jahre alten Dame und dreifachen Mutter, sie habe mit 79 ihren ersten Orgasmus erlebt, was ja eigentlich schlimm ist und als bedrückend wahrgenommen werden könnte, nichts besseres zu sagen weiß als eben jenen Dummspruch („...lohnt sich das noch?“), das ist der eigentliche Skandal. Der Mann ist ein tumber Elefant im Porzellanladen und merkt es nicht einmal. Das ist schlimm, noch schlimmer aber ist eigentlich, daß die meisten Zuschauer und vor allem die Gottschalk-Fans das auch noch für „Humor“ halten dürften...

Mein Alternativprogramm auf ARTE heute abend: 19:15 Uhr, Paavo Järvi dirigiert Grieg, Sibelius und Pärt (Orchestre de Paris). Dazu ein paar leckere Haferkekse knabbern, einen schönen heißen Tee schlürfen und – was sein muß, muß sein – zur Vertiefung der Entspannung ein paar Hemden und Blusen bügeln. Die Einschalt-Quote hierfür liegt übrigens bei unschlagbaren 100%, das sollte nicht unerwähnt bleiben.

  • Bildnachweis:
Screenshot von nachrichten.kukksi.de

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Schlüsselwörter: Thomas Gottschalk | ZDF | Samuel Koch | Jahresrückblick | Elfriede Vavrik | sex sells | AUDI
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Kommentare

kommt123
am 13.12.2010 22:08:48 (92.230.248.xxx) Link Kommentar melden
So eine Einleitung schon alleine.
Der ist völlig pietätlos, echt!

Da nützt auch sein dunkler Anzug nichts.

Sad
kommt123
am 14.12.2010 08:10:48 (92.224.96.xxx) Link Kommentar melden
Das war ja schon fast malerisch, wie "besorgt" er zu schauen versuchte...



Was auch krass ist und wie er das betont hat:
"...der daraf gebrannt hat sich einem breiten Puplikum zu stellen"

So nach dem Motto "Wir haben ihm ja abgeraten"

Unmöglich...
349
am 14.12.2010 17:05:03 (212.227.103.xxx) Link Kommentar melden
Diese Sendung war schlecht, das sogenannte Interview mit Herrn Koch wirkte inszeniert und war schlicht überflüssig, meines Erachtens.
286
am 16.12.2010 09:02:32 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Ziellose Kommunikation, alles ist recht, alles paßt irgendwie. Gelegentlich ein kleiner Einschub an gespielter Betroffenheit und angetäuschter Nachdenklichkeit, aber nicht zu viel...
Brot und Spiele eben... Frown

Samuel Koch als Gladiator, das passt doch. In einem Jahr haben alle diesen einen Menschen vergessen.
266
am 16.12.2010 18:33:00 (94.119.7.xxx) Link Kommentar melden
Aber Thomas Gottschalk ist dann auch bald vergessen, das hat er sich redlich "verdient".
kommt123
am 19.05.2011 12:57:21 (92.231.125.xxx) Link Kommentar melden
Gottschalk fummelt doch jedes weibliche Wesen an, was neben ihm sitzt, sofern eine TV-Kamera in der Nähe ist...


Das ist Show business. Vielleicht steht er auf Fummeleien - vor der Kamera! Grin
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