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Politik: Welt

„Operation: Payback“

Neue Formen des alten (selbst)gerechten „Volkszorns“?

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Es gibt in Deutschland einen Begriff mit Tradition: die sogenannte „klammheimliche Freude“. Klammheimlich – in den anderen europäischen Sprachen meist als klandestin/clandestin(e) bekannt – kennzeichnet interessanterweise eine Form der (verschwörerischen) Heimlichkeit, die in sich jedoch durchaus – in einem psycho-linguistischen Ansatz der Analyse – selbst-reflexiv schuldbewußt gebrochen ist; genau dies macht sie so interessant als verbalen Ausdruck einer geistigen Haltung, eines komplexen ambivalenten Gefühls. – Bekannt geworden ist dieser Begriff dadurch, daß eine Göttinger Studentenzeitung damals, in den Hochzeiten der RAF, die Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback feierte. Der (damals) anonyme Schreiber eines Kommentars konnte seinerzeit unter dem Alias „Mescalero“ beziehungsweise unter der Selbstbezeichnung „Stadtindianer“ seine „klammheimliche Freude“ über diesen feigen Mord an einem hohen Beamten der Bundesrepublik Deutschland nicht verhehlen...

Göttinger Mescalero: „Buback – Ein Nachruf“ (1977)

Den angeblichen, vorgetäuschten oder auch echten Volkszorn kennen wir auch aus der deutschen Geschichte recht gut, von Pogromen an deutschen Juden durch die Kreuzfahrer im Mittelalter über die sogenannte „Reichskristallnacht“ bis hin zu Stuttgart 21 oder Gorleben... – aufgrund eines phantasierten oder subjektiv gefühlten angeblich erlittenen Unrechts werden alle Spielregeln einer sozialen Gesellschaft über Bord geworfen. Der eingebildete Freiheitskämpfer und (selbst)gerechte Freizeit-Revolutionär fühlt sich im Auftrag einer höheren Macht – sei es nun „Gerechtigkeit“ oder gar „Frieden“ – dazu befugt und dazu berufen, allerlei Akte von Nötigung, Zerstörung, Gewalt und Kriminalität zu begehen. Dies alles dient dann der Erreichung seiner echten oder vermeintlichen Ziele... – wie eine „bessere Welt“ oder die Rettung armer „notleidender Tiere“ respektive „(aus)sterbende Pflanzen“ – und erscheint in seinem infantilen solipsistischen Weltbild als von vornherein gerechtfertigt; im Stil der katholischen Kirche hat der Revoluzzer, der gleichzeitig auch als Ankläger, Richter und Henker fungiert, bereits die Generalabsolution aufgrund seiner rechten Gesinnung in der Tasche.

Krimineller, zum Helden stilisiert
Krimineller, zum Helden stilisiert
Jenes Muster kennen wir zur Genüge von den diversen gutmenschlichen Organisationen wie zum Beispiel Robin Wood, Greenpeace, Free Gaza oder P.E.T.A., und es bleibt sich immer gleich: zugrunde liegt ein anarchistischer selbstgerechter und sich selbst überschätzender Ansatz. – In der Volks-Mythologie wurden übrigens auch ganz normale Kriminelle und Verbrecher wie der „Schinderhannes“ oder „Robin Wood“ nachträglich in dieser Hinsicht stilisiert und glorifiziert; vergleichbares kann man derzeit bei Julian Paul Assange erleben. Der distanziert sich zwar – anders als Osama Bin Laden vom Terror-Netzwerk al-Qaida – von den derzeitigen Anschlägen seiner kriminellen Organisation Wikileaks, doch es spielt letztlich gar keine Rolle, von wem die Idee stammt, Geldinstitute lahmzulegen.

Der Gedanke dahinter ist maßgebend: Selbstgerechtigkeit, Selbstherrlichkeit, Selbstjustiz. – Wie bei kleinen Kindern, jener bekannte aufbegehrende Trotz, die besinnungslose Zerstörungswut, kurz: destruktive, unreife Infantilität. Die wild um sich schlägt und auch Unbeteiligte oder Wohlmeinende schädigt...

Times are changing:

Als die Hacker-Organisation Ende 2006 gegründet wurde, sah sie sich als Anwalt der Menschheit. (...) Aus der internationalen Mission ist ein Informationskrieg gegen die USA geworden.

Quelle: Die Welt läuft aus. In: Die Zeit Nr. 49/2010, S. 3; zitiert nach Wikipedia

Franchising à la McDonald's...?
Franchising à la McDonald's...?
Aber kann man denn wirklich diese Wikileaks-Sympathisanten, die nun wie die RAF Banken überfallen, als neue Spielart des Terrors von RAF und al-Qaida verstehen? Ja, man muß es sogar. Strukturell gibt es viele Ähnlichkeiten: sie sind viral aufgebaut, selbständige Organisationen, die ohne eine hierarchische Leitung Zellen bilden, die eigenständig agieren und dabei nur ihren masterplan umsetzen. Sie sind einer höheren und vermeintlich „richtigen“ Idee und Ideologie verpflichtet. Sie kontrollieren sich selbst, also gar nicht, jedenfalls nicht objektiv und nicht überprüfbar. Sie denken arrogant und sind faschistoid: wer nicht mit uns ist, der ist gegen uns, Neutralität wird nicht geduldet. – Während die Sperre von Mastercard oder PayPal gegenüber Wikileaks rechtens war, nämlich aufgrund der AGB und der Verträge, außerdem auch nur dieses eine Kundenverhältnis betreffend, ist das „Zurückschlagen“ ein Flächenbrand; es ist nicht schwer, sich auszumalen, wie Hoster und Provider, Banken und Regierungen damit umgehen werden.

Das, was in der Sprache der früheren Terroristen der Baader-Meinhof-Bande das „Schweine-System“ war, nennt sich nun, in der Sprache der neuen Terroristen der Assange-Bande, schlicht und einfach „USA“. Damals fing es mit Brandstiftungen in Kaufhäusern und Zeitungsverlagen an, heute beginnt es mit Hacker-Angriffen gegen Banken und Kreditkartenfirmen. Was kommt als nächstes?

Wer sich jetzt klammheimlich über diese Hacker-Aktionen freut, der sollte auch daran denken, daß er selbst in die Schußlinie geraten könnte. Wenn Geld und Warenströme behindert werden, zahlen wir alle den Preis dafür. Man muß nicht Kombattant sein, um von Terroristen geschädigt zu werden; Terror zielt ja gerade darauf ab, die Masse, die Unbeteiligten, die Zivilisten anzugreifen und zu schädigen. So haben es SS und SD, IRA und RAF gemacht, so so macht es die ETA, so machen es die Pallis, so macht es al-Qaida, so macht es jetzt Wikileaks. – Wehret den Anfängen!

YouTube Video

  • Bildnachweis:
  • Eigener Scan einer Bankwerbung.
  • Cover scan of a Classics Comics book“. Via Wikipedia, public domain.
  • Screenshot von „Al-Qaida Brand Name Ready for Franchise“ via www.mindfully.org.

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Schlüsselwörter: Assange | Mastercard | Terror | Wikileaks | RAF | al-Qaida | Schinderhannes | Robin Hood
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Kommentare

OZ24
am 09.12.2010 13:51:21 (93.222.7.xxx) Link Kommentar melden
Der distanziert sich zwar – anders als Osama Bin Laden vom Terror-Netzwerk al-Qaida – von den derzeitigen Anschlägen seiner kriminellen Organisation Wikileaks, doch es spielt letztlich gar keine Rolle, von wem die Idee stammt, Geldinstitute lahmzulegen.


Das waren Anhänger von Wikileaks. Und dafür kann Wikileaks nun wirklich nichts.
OZ24
am 09.12.2010 13:59:17 (93.222.7.xxx) Link Kommentar melden
Nur weil ein Sympathisant einer Person, Gruppe oder Organisation eine Straftat begeht, kann man das nicht auf diese Person, Gruppe oder Organisation projizieren.
  • Geändert von OZ24 am 09.12.2010 14:00:01.
OZ24
am 09.12.2010 14:16:41 (93.222.7.xxx) Link Kommentar melden
Außerdem hat Wikileaks ja ganz bewußt eine Struktur (eben wie al-Qaida), die die Zuordnung von Verantwortlichkeit verhindert.


Die hat Wikileaks aber nicht aus diesem Grund. Die Struktur ist aus anderen nachvollziehbaren Gründen so gewählt worden. Eventuell schreibe ich dazu mal was. Aber bin momentan so im Stress, dass ich nicht mal den Hartz-IV fertig bekomme Wink (ich hoffe ich schaffe es diese Woche, geplant ist der ja schon länger).
Kindergaertner
am 09.12.2010 14:19:32 (217.224.44.xxx) Link Kommentar melden
Hm.. ich weiss nicht. Wer mit Drogen, Waffen und Menschen handelt, hat vermutlich keinerlei Probleme ein Schweizer Konto zu eröffnen oder Kunde bei Mastercard zu werden. Jetzt auf Druck der USA gleich klein beizugeben, finde ich schwach, zumal gegen wikileaks keine Anzeige vorliegt, soweit ich das sehe.
(ich kenne die AGBs von mastercard, klar sie können das machen, aber sie müsse nicht)

Wo genau macht sich wikileaks strafbar? Sie bieten eine Infrastruktur für Menschen, die unerkannt Informationen weitergeben möchte. Sie machen das etwas professioneller und systematischer als Spiegel oder New York Times.

Kennt ihr ein Beispiel, wo der Verauf der Weltgeschichte negativ beeinflusst wurde, weil Informationen preisgegeben wurden und Dingetransparent gemacht worden sind?
Kindergaertner
am 09.12.2010 14:20:58 (217.224.44.xxx) Link Kommentar melden
"...Dinge transparent gemacht...."
Kindergaertner
am 09.12.2010 14:28:40 (217.224.44.xxx) Link Kommentar melden
OZ24
am 09.12.2010 18:21:51 (93.222.7.xxx) Link Kommentar melden
Der erste Satz ist eine Vermutung, die gegen meine Vermutung steht.


Ich habe keine Vermutung angestellt. Der Aufbau der Struktur von Wikileaks ist lange vor den jetzigen Querelen analysiert und erklärt worden Wink.

Sehr gut erklärt wird es in einem CCC-Podcast von 2009, Problem das Ding ist 2 Stunden lang. Dort wird übrigens auch erklärt warum ein einmal veröffentlichtes Dokument nicht mehr von der Seite genommen werden kann. Selbst die Betreiber können das nicht Wink
IPG Independent Pressgroup
am 09.12.2010 19:58:49 (90.169.51.xxx) Link Kommentar melden
Paypal-Justiziar John Muller erklärte im Firmenblog: "Wir verstehen, dass die Entscheidung von Paypal zum Gegenstand einer größeren Geschichte geworden ist, bei der es rund um die Aktivitäten von Wikileaks auch um politische und juristische Debatten und um die Meinungsfreiheit geht." Das Spendenkonto sei allein wegen der Verletzung der Geschäftsbedingungen gesperrt worden. Grundlage sei ein Brief des US-Außenministeriums an Wikileaks, wonach das Internet-Projekt im Besitz von Dokumenten sein könnte, die unter Verletzung von US-Gesetzen beschafft worden seien.

Der in Schweden ansässige Online-Zahlungsdienst Flattr teilte unterdessen mit, dass er weiter Spenden an Wikileaks überweisen werde. Solange es kein Gericht gebe, das die Aktivitäten von Wikileaks für illegal erkläre, werde man die Spenden der Flattr-Nutzer weiterreichen, sagte Vorstandschef Linus Olsson. Mit Flattr können Internet-Nutzer auch kleine Beträge an Web-Projekte spenden.


Paypal hat also allein aufgrund eines BRIEFES beurteilt, dass eine Verletzung der AGB vorliegt, weil
das Internet-Projekt im Besitz von Dokumenten sein könnte
...
ICH nenne das eine konzertierte Aktion, die keine rechtliche Grundlage hat und die sicher auch nicht durch die AGB gedeckt würde, weshalb nun Paypal den Gegenwind spürt und zum Rückzug bläst.

Dein Artikel selbst ist der übliche langweilige Aufguss einer dumpfen Mixtur aus

- von Pogromen an deutschen Juden
- im Stil der katholischen Kirche hat der Revoluzzer, der gleichzeitig auch als Ankläger, Richter und Henker fungiert,
- zum Beispiel Robin Wood, Greenpeace, Free Gaza oder P.E.T.A.
- Osama Bin Laden vom Terror-Netzwerk al-Qaida
- SS und SD, IRA und RAF gemacht, so so macht es die ETA, so machen es die Pallis, so macht es al-Qaida,
bis zu
- "(aus)sterbende Pflanzen“



Das erinnert mich an die Groschenromane, die immer mal ein paar Bausteine aus alten Versionen mit neuen Titeln und einer immer gleichen rothaarigen, grünäugigen Hauptdarstellerin basteln und das Pamphlet dann für 99ct verscherbeln.
Dir fällt anscheinend auch nix anderes mehr ein, als die üblichen Klischees "armer (guter) Jude vs. reicher (böser) Moslem" und die SEO-wirksamsten Keywords mit Gewalt in Satzform zu bringen und das ganze dann "Artikel" zu nennen.
Auch deine Rechtsauffassung ist leider sehr naiv und tumb.
Geltendes Recht orientiert sich immer auch am Volkswillen und dem Gerechtigkeitsempfinden der Masse.
Daher gibt es auch Volksabstimmungen.
Politiker und auch Unternehmen tun gut daran, den Volkszorn nicht zu unterdrücken, sondern darüber nachzudenken, ob nicht an der geltenden Rechtsprechung irgendwelche Lücken bestehen oder ob nicht ihr eigenes Verhalten dem gesunden Empfinden der Bürger zuwiderläuft.

Ein Beispiel für moralische Schieflage sind die Pleitebanker, die nachdem Sie die Unternehmen in den Ruin gefahren haben und nur mittels Milliarden aus Staats (Bürger-) Geldern wieder lebensfähig wurden, Millionen an Abfindung und Boni verlangt haben, weil Ihnen das "per Gesetz" zustand.

Soll man deiner Meinung nach also alles, was einem moralisch am Vorgehen der Volksvertreter verwerflich erscheint, stillschweigend hinnehmen?
Das ist doch genau das, was den Deutschen seit Hitlerdeutschland immer vorgeworfen wurde: KEINEN Widerstand geleistet zu haben gegen ein moralisch verwerfliches System.

Und das ist genau die Schieflage an deinem Artikel: Genau das, was damals ablief forderst du heute ein, aber unter dem Deckmantel deines Jüdischseins.
Du pervertierst moralisches Empfinden, indem du als angeblicher Jude uns belehren willst, was wir angeblich falsch machen.
DU liegst falsch. Die Mehrheit empfindet richtig. Wikileaks ist nur ein Zeigefinger in einer offenen Wunde, die sich die Politiker selbst zugefügt haben durch ihr Verhalten, durch ihre Lügen und ihre dreckigen Manipulationen.

P.S: der Artikel ist reiner Müll, wollte ich noch gesagt haben...
IPG Independent Pressgroup
am 09.12.2010 20:31:59 (90.169.51.xxx) Link Kommentar melden
Andererseits brauche ich mich ja auch nicht zu verstecken, nur weil ich investigativen Journalismus betreibe. Wenn ich aber nicht dies als Ziel habe, sondern eher - wie Wikileaks - Geheimnisverrat und Spionage, dann nützt mir auch das Verstecken nichts.

Im Gegensatz zu dir nutzte Julian Assange kein Pseudonym, hinter dem er sich versteckt, sondern seinen realen Namen, und er hat sich der Polizei freiwillig gestellt.
Jetzt hör mal auf, solchen Käse zu verbreiten. Das stinkt langsam.
IPG Independent Pressgroup
am 09.12.2010 22:25:45 (90.169.51.xxx) Link
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  • Gelöscht von OZ24 am 10.12.2010 10:58:59.
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