Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Sonstiges: Verschiedenes

Drei hatten zuvor gemeinsam im Kirchenchor gesungen

Ein Weihnachtslied für den Käpt,n. Unser Funker und der Alte, teilten im Hafen von Pointe Noire Briefe und Päckchen aus

Selbst Schlägertypen mussten weinen

Unser Kapitän, ein Bär von einem Mann. Immer ruhig und besonnen. Selten hörte man ihn Reden. Mit Ausnahme beim Dienstantritt neuer Besatzungsmitglieder. Jeder musste zum „Alten“ und wurde persönlich begrüßt.. Nebenbei notierte dieser die Anschriften der Angehörigen seiner neuen Seemänner. So auch die von drei neuen, die aus einem Erziehungsheim aus Bremen gekommen waren -Matrosen wollten sie werden. Diese weigerten sich zunächst beharrlich, und teilten mit, dass zu Angehörigen kein Kontakt bestehen würde. Weiterhin gaben sie zu erkennen, dass es den Kapitän eines Schiffes nichts angehen würde, wer die Angehörigen seiner Besatzungsmitglieder sind. Diese Jungs machten einen verwegenen Eindruck. Schlägertypen, deren Auftreten in dümmlicher, burschikoser und chauvinistischer Manier für ein empfindlich gestörtes Bordklima sorgte. Dem Alten, mit seiner schier unendlichen Geduld, gelang es schließlich doch noch die gewünschten Angaben für die Personalakten zu bekommen.

Sobald die drei wieder an Deck waren, gaben diese vor den anderen mächtig an. Sie waren mächtig Stolz darüber, dass sie unseren Kapitän verarscht hatten. Nun wurden Lieder mit Schmähworten gesungen. Die Typen freuten sich über die betroffen wirkenden Gesichter der Besatzung. Auffällig war hierbei, wenn auch der Liedtext nicht dazu passte, dass die neuen prächtige Stimmen hatten, und eine hervorragende Gesangsgruppe bildeten.

Die Reise hatte begonnen, und es stand fest, dass wir am Heiligen Abend in Pointe Noire einlaufen würden. Nur ein kurzer Aufenthalt zum Treibstoff bunkern. Aber in der Seefahrt gibt es eine Besonderheit auf die sich jeder Seefahrer freut. Außer Treibstoff und anderen wichtigen Gebrausmitteln kommt im Hafen auch regelmäßig die Post.

Das Verhalten der Neuen währen der Überfahrt war nahezu unerträglich. Alle Besatzungsmitglieder waren entsetzt. So etwas hatte es noch nie gegeben. Zudem hatten wir raue See, und waren rund um die Uhr im Einsatz. Die physische- und psychische Belastung war erheblich. Die Kombination aus hartem Einsatzstress und dem Spott, Häme und verdeckten Drohungen der Störer hinterließ deutliche Spuren bei der Besatzung..

Zuständig für Bordsicherheit und medizinische Versorgung, sah ich mich gezwungen, mit der Schiffsleitung entsprechende Vorgehensweisen zu planen. Selbst die Festnahme und anschließende Übergabe an die Polizei in Senegal war nun nicht mehr ausgeschlossen.

Endlich in Pointe Noire eingelaufen und festgemacht. Neben dem Tankschiff kommt der Agent der Reederei und bringt die heiß begehrte Weihnachtspost. Unser Funker und der Alte teilen Briefe und Päckchen aus. Für alle ist etwas dabei, nur nicht für die Störer. Ihren Gesichtsausdruck werde ich nicht vergessen. Traurig und betroffen standen diese nun in der Mannschaftsmesse. Plötzlich sagte der Kapitän, „verdammt noch mal, da hätte ich doch beinahe was vergessen“. Er ging in seine Kammer und kam mit Briefen und Päckchen zurück. Diese war für die „schwarzen Schafe“ bestimmt. Mit seinem gütigen lächeln, und seinem Ruhe ausstrahlendem Blick, übergab er die Post an die Menschen, die allen an Bord das Leben erschwert hatten. Er gab zu Erkennen, dass er sich mit den Angehörigen der Neuen in Verbindung gesetzt hätte, und es gelungen wäre einen vertraulichen Kontakt herstellen zu können. Nicht nur das, auch die von ihm angeforderten Geschenke für seine auszubildenden Matrosen sind pünktlich eingetroffen.

In den zuvor sehr unglücklich wirkenden Gesichtern, ah man plötzlich ein sanftes Lächeln. Ich glaube auch Tränen sind geflossen. Und nun die Überraschung - Die Störer bitten den Kapitän ein Weihnachtslied singen zu dürfen. Dieser stimmt trotz erheblicher Bedenken zu, und die drei beginnen zu singen: Stille Nacht, heilige Nacht. Wieder waren die prächtigen Stimmen zu hören, die wir bereits kannten, aber nun mit einem angemessenen Text. Wunderschön und rührend, insbesondere vor dem Sachverhalt, dass die „Sänger“ so richtige Ganoven waren.

Die drei durften unter Androhung von Zwangsmaßnahmen, die Rückreise nach Bremen an Bord bleiben. Danach mussten sie das Schiff sofort verlassen.

Während der Überfahrt sorgten etliche Gespräche für große Überraschung. Alle drei kamen aus der gleichen Gegend, und hatten im gleichen Kirchenchor gesungen. Die Gründe für das Abtriften in die Kriminalität, haben wir nicht erfahren. Aus dem Erziehungsheim heraus hatten sie sich für eine Ausbildung bei der Marine beworben und wieder getroffen.

Von Ex – Seefahrer Alfred Brandner aus Schwäbisch Gmünd

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Weihnachten | heiliger Abdend
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.04 Sekunden
38,868,714 eindeutige Besuche