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Wirtschaft & Finanzen: BörseHemmungslose Spekulationen mit Nahrungsmitteln… Teil II
Mit diesem Artikel möchte ich meinen Beitrag „Spekulationen mit Nahrungsmitteln tötet Menschen!“ ergänzen. Die nachfolgenden Ausführungen sollen die vorgenannte Behauptung belegen. Das heißt Zahlen, Daten und Fakten (ZDF), wie es Chaim in seinem Kommentar zum oben genannten Artikel richtigerweise forderte.
Allgemeines / Historie
Spekulationen mit Nahrungsmittel finden an Warenterminbörsen statt und spielen eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Bereits im 16. Jahrhundert kauften Händler, was sie erst später brauchten und verkauften, was sie erst beschaffen musste. Der Grund dafür waren u.a. die langen und gefährlichen Handelsreisen. Der Händler wollte sicher gehen, dass er für eine solche lange und gefährliche Reise auch einen entsprechenden Ertrag erhielt. Er verkaufte somit seine Ware bereits vor der Fahrt. Diese Verfahrensweise nutzt u.a. auch der Landwirt von heute. Er verkauft sein Getreide bereits, bevor es gesät, es gewachsen und er es eingebracht hat.
Ziel: Preisabsicherung
Produzenten, Händler oder Verarbeiter sichern die Preise und das Vermarktungsrisiko über Warentermingeschäfte ab. Bedingung ist, dass bei den Beteiligten auch ein Interesse an der physischen Ware und deren Preis bestehen.
Der Verkäufer möchte das Risiko des Preisverfalls und der Käufer das Risiko einer Preissteigerung absichern. Dies geschieht über ein Warentermingeschäft. Das ist ein Hedgegeschäft (hedge – absichern), in dem eine Ware an einer Warenterminbörse zu einem notierten Preis verkauft oder gekauft wird. Dabei handelt es sich um ein Papiergeschäft, das keinen Einfluss auf den physischen Warenfluss haben soll. Das Geschäft wird kurz vor der tatsächlichen Lieferung neutralisiert oder „glattgestellt“. Ein ursprünglicher Verkauf wird durch einen Kauf und umgekehrt neutralisiert. Die Preisdifferenz zwischen Kauf und Verkauf wird gutgeschrieben bzw. abgezogen und gleicht die entstandene Preisänderung des Marktes aus.
Der Landwirt verkauft seine noch nicht produzierte Ware zu einem momentan gehandelten Preis und ein verarbeitendes Unternehmen kann seinen Einstandspreis für zukünftig benötigte Rohstoffe fixieren in dem es Kontrakte (verbindliche Abmachung oder standardisierter Vertrag) an einer Terminbörse kauft. Zur Lieferung stellen beide den Kontrakt glatt, sodass die vertraglichen Lieferbeziehungen davon unberührt bleiben. Im Ergebnis steht die Absicherung eines bestimmten Preisniveaus für die Zukunft. An europäischen Terminbörsen dauert diese Absicherung etwa ein Jahr. Die Kosten für solche Börsengeschäfte liegen bei 1 bis 2 Cent pro Kilogramm Fleisch oder bei 10 bis 20 Cent pro Tonne Getreide.
Warentermingeschäfte an der Börse dienen also der Preisabsicherung oder Produktionsabsicherung, der Absicherung von Lager- und Umschlagskosten oder der Absicherung des operativen Geschäfts mit Nahrungsmitteln.
Preisschwankungen
Nach dem Zusammenbruch der Märkte für Finanzderivate (Finanztermingeschäfte) im Jahr 2008 suchten Spekulanten neue Profitmöglichkeiten. Also zogen Händler Milliarden Dollar aus Einlagen und Hypothekenpapieren und warfen sie in Nahrungsmittel und Rohstoffe. Das führte zu heftigen Preisanstiegen und starken Preisschwanken. Im Sommer 2010 das gleiche Bild. Spekulanten trieben erneut die Preise nach oben. Anfang Juni 2010 kostete ein Scheffel Weizen (50 Liter) 4,50 Dollar. Anfang September 2010 lag der Weltmarktpreis bei 6,60 Dollar. Neben anderen Gründen wie Missernten in Kanada, Naturkatastrophen in Pakistan oder der Exportstopp Russlands waren erneut Spekulanten, auf der Suche nach schnellem Profit, an der Preissteigerung beteiligt. Im Ergebnis kann nicht jeder den hohen Weizenpreis bezahlen und starke Preisschwankungen verzögern notwendige Investitionen. Die eigentliche Funktion der Warenterminbörse wird verzerrt. Die Agrar- und Finanzmärkte haben sich in den letzten zehn Jahren zunehmend verselbstständigt. Bei 99 % aller Geschäfte im Warenterminhandel sichern nicht mehr Landwirte ihre Ernte ab, sondern Finanzinvestoren ihre Depots. Nach dem Motto „Laufen Aktien nicht gut, könnte sich Weizen besser rentieren“ schieben Spekulanten im Herdentrieb ihr Geld in Nahrungsmittel und es kommt zu Preisverzerrungen, die mit dem Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage nichts zu tun haben. Diese Preisentwicklungen tragen im Ergebnis auch dazu bei, dass täglich 100 000 Menschen an den Folgen der Mangelernährung sterben und weltweit über eine Milliarde Menschen an Hunger leiden.
Was wäre möglich?
Maßnahmen zur Marktregulierung zur Eindämmung ungehemmter Spekulationen wären sinnvoll. So will sich u.a. Frankreich für solche Maßnahmen einsetzen. Nicht nur die Entwicklungsorganisation „Germanwatch“ fordert schärfere Maßnahmen auch der Leiter des Rohstoffhandels bei der Commerzbank, Eugen Weinberg, ist der Meinung, dass Spekulationen auf den Getreidemärkten eingedämmt werden sollten.
Kapital in der Ernährungsindustrie ist wichtig, gerade mit Blick auf die weitere Entwicklung des Bevölkerungswachstums und den begrenzten Ressourcen. Aber es muss auch in der Ernährungsindustrie investiert sein, nicht zu enormen Preisschwankungen führen und nach dem Platzen der Spekulationsblase wieder abgezogen werden.
Quellen:
Artikel „Getreide, Raps & Co an der Warenterminbörse absichern?“ in top agrar Österreich 2/2009
Artikel „Besonders Weizenpreise sprießen in die Höhe“ von Peter Hahne und Thomas Rünker in „Der Westen“ vom 03.09.2010
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Kommentare
Heute war eine Meldung im Radio, dass auch mit Ackerland spekuliert wird. Und gerade die Kommunisten in China sind die schlimmsten Heuschrecken und nehmen den armen Menschen, in Afrika, ihr Ackerland weg indem sie aufkaufen und damit dann spekulieren zu können.
Gott hat uns dieses Ackerland geliehen, damit wir, mit diesem Land, pfleglich umgehen und es für den Anbau von Nahrungsmitteln zu nutzen und nicht, mit
Ackerland, Schindluder zu treiben.
Diese Spekulanten sollten sich schämen. Sie sind hochgradig kriminell. Kein Wunder, dass soviel Hunger und Armut, in der Welt, existiert.




Ich wage zu behaupten, dass das sehr sehr weit hergeholt ist.
Die preisentwicklungen an der Börse haben nichts mit den tatsächlichen Gründen zu tun, warum Menschen Hunger leiden.
Es ist meist die Schuld eines korrupten Staatssystems, bei dem Gelder für Wirtschaftshilfen schlichtweg verballert werden, anstatt sie den Bedürftigen zu geben.
Es ist die Schuld von mangelnder Infrastruktur, Wassermangel, weil wiederum korrupte Staatsoberhäupter die Gelder für Wassererschliessung anderweitig verwendet haben.
Ein Ghanaer, der im Monat durchschnittlich 30 Euro zum Leben hat, der kauft keinen Weizen an der Börse, der ernährt sich und seine Familie von landestypischen Feldfrüchten wie Fufu, Kochbanane oder Banku, Süßkartoffeln oder Maniok und Yams. Ob der Weizen nun 100 oder 200 Euro die Tonne kostet, wäre ihm egal.
Auch Umweltkatastrophen wie in Pakistan sind Hauptverursacher derartiger Probleme
http://derstandar...ilfe-Jetzt
Viele Menschen befürchten zurecht, dass der pakistanische Staat die Hilfen missbrauchen könnte.
Jedoch helfen viele trotzdem, denn die Menschen, um die es geht, trifft ja keine Schuld daran, wenn Gelder zweckfremd verwendet werden.
http://www.morgen...aelen.html
Dies sind nach meiner Auffassung weitaus schwerwiegendere Gründe als die Börsenspekulation.
Um ehrlich zu sein, dass du hier sogar 2 Artikel ver(sch)wendest, ist mir schleierhaft. Es gibt sicherlich drängendere Probleme in der Welt als den Saatgutpreis oder Schweinehälftenpreise...
Angefangen von der Beschaffung für sauberes Trinkwasser bis hin zu einer halbwegs gesicherten medizinischen Versorgung gäbe es mehr und leichter zu lösende Probleme als Warentermingeschäfte abzuschaffen oder zu regulieren.