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IV. Lustiges aus der deutschen Rechtschreibung

Von Spatien, Plenks und Klemps

Beispiele für „Plenks“
Beispiele für „Plenks“
Das sogenannte Deppenleerzeichen – auch als „Deppen Leer Zeichen“ vorkommend – war in Folge III bereits thematisiert worden; Beispiele waren unter anderem die „Pilz Suppe“, die „Video Überwachung“ und das „Bio Gemüse“. In der Fortsetzung hierzu geht es nun um die (falsche) Abtrennung von Satzzeichen durch ein Leerzeichen. Auch dieser Fehler wird gelegentlich „Deppenleerzeichen“ genannt, hat jedoch einen eigenen Begriff im Deutschen: „plenk“. Plenk ist eine Verballhornung zum englischen Wort „blank“ (leer, Leerzeichen) und soll auf Johannes Leckebusch im Maus-Net Ende der achziger Jahre zurückgehen (diese Bezeichnung ist ein Akronym zu Münsters Apple User Service).

Gemeint ist also das im Bild dargestellte Problem eines überflüssigen und falschen Leerzeichens vor einem Satzzeichen, was bei einem durch ein Textverarbeitungsprogramm automatisch vorgenommenen Zeilenumbruch dann zu unschönen Erscheinungen führt:

  • Falsch : Ein Satz , der einen Nebensatz hat !
  • Richtig: Ein Satz, der einen Nebensatz hat!

Doch auch ohne die Zeilenumbrüche sieht der Verzicht auf die Plenks einfach besser aus, und außerdem ist so die Regel (jedenfalls in der deutschen Rechtschreibung, sowohl vor als auch nach der „Rechtschreibreform“; um es jedoch kompliziert zu machen: im Französischen ist es anders, dort steht vor dem Ausrufe- und Fragezeichen in Abweichung zur deutschen Regel doch ein Leerzeichen). – Spätestens hier könnte nun die Frage entstehen, warum überhaupt Wörter getrennt geschrieben werden. Denn noch bis zum Mittelalter hat man die sogenannte scriptura continua verwendet, dies ist die lateinische Bezeichnung für eine Schreibweise ohne jede Worttrennung. „Die Buchstaben der Wörter folgen ohne Spatien, Satzzeichen oder Großbuchstaben am Wortanfang aufeinander. Der Begriff wird vor allem auf griechische und lateinische Manuskripte und Inschriften angewandt. Die Worttrennung, die das Lesen so erleichtert, wurde erst im Mittelalter eingeführt. Auch die chinesische Schrift kennt keine Abstände zwischen den einzelnen Wörtern.“ (Wikipedia)

Die Satzzeichen dienen, wie die Leerräume (Spatien) zwischen den Wörtern, der besseren Lesbarkeit; sie steigern die Lesegeschwindigkeit und sie verringern Doppeldeutigkeiten und Mißverständnisse. Die Setzung von Satzzeichen ist oft auch für die Vermittlung des gewünschten Inhalts wichtig. Die folgende Anekdote verdeutlicht dies sehr schön:

Vor langer langer Zeit gab es einen Bösewicht, der hingerichtet werden sollte. Man schickte nach dem König. Er hatte das Recht inne, den Delinquenten zu begnadigen. Ein Bote kam vom König mit folgender Botschaft zurück: „Ich komme nicht köpfen!“. Nur, wo sollte man das Komma setzen? „Ich komme, nicht köpfen!“ oder „Ich komme nicht, köpfen!“?

Wikipedia, Satzzeichen

Das, was beim Plenk zuviel ist, ist beim Klemp übrigens zuwenig: hier fehlt das Leerzeichen nach dem Satzzeichen, das nachfolgende Wort ist also „angeklemmt“. Auch das ergibt unschöne Umbrüche bzw. verhindert die richtigen.

  • Falsch:Nach einem Satzzeichen,das weiß man,kommt ein Leerzeichen!
  • Richtig: Nach einem Satzzeichen, das weiß man, kommt ein Leerzeichen!

Wenn man einmal darauf achtet und die automatische Lesekorrektur im Kopf ausschaltet, fällt es einem auf: das Internet ist voll von diesen beiden Fehlern!

___________________________________________________

Anmerkung: Dieser Text wurde bewußt nach den Regeln der alten(!) Rechtschreibung verfaßt. Für Leser, die diese nicht mehr beherrschen oder sie gar ablehnen, hier als Service eine Legende (die neue – also falsche – „Rechtschreibung“ der KMK steht jeweils in Klammern):

  • sogenannte (so genannte)
  • Mißverständnisse (Missverständnisse)
  • bewußt (bewusst)
  • verfaßt (verfasst)

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Schlüsselwörter: Leerzeichen | Deppenleerzeichen | Plenk | Klemp | Spatium | Deutsch
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Kommentare

266
am 30.11.2010 20:36:49 (91.214.168.xxx) Link Kommentar melden
Sehr amüsant, Spatien kannte ich, aber Plenks und Klemps noch nicht. Man lernt nie aus.
Pater Lingen
am 30.11.2010 20:46:26 (77.178.222.xxx) Link Kommentar melden
Im Latein-Studium ging es auch mal um die "scriptio continua": Der Dozent erklärte dabei die lateinischen und griechischen Wörter für "lesen":
Latein: "legere", d.h. "sammeln"
Griechisch: "anagignoskein", d.h. "wiedererkennen".
Dementsprechend wurde im Altertum regelmäßig laut gelesen, eben um das "Sammeln" der Buchstaben und das "Wiedererkennen" der Wörter zu erleichtern.
Redaktion Tierschutz
am 30.11.2010 22:43:58 (90.169.168.xxx) Link Kommentar melden
Sollte natürlich mnemotechnisch heißen...
musst du nicht verbessern; fällt ausser dir eh keinem hier aufGrin
286
am 01.12.2010 12:10:22 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
theoretischkannmanwirklichalleszusammenschreibenaberlesbarerwirdesnichtdadurch.
300
am 02.12.2010 07:23:33 (178.33.255.xxx) Link Kommentar melden
Das, was beim Plenk zuviel ist, ist beim Klemp übrigens zuwenig
So kann man sich das gut merken! Smile
286
am 09.12.2010 06:57:29 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Du erwartest sicher nicht, dass das ein Hobbyschreiber versteht? Wink
266
am 09.12.2010 11:07:13 (91.214.168.xxx) Link Kommentar melden
@Dorota
Smile Muß man das hier etwa erklären?

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